Ringen um Recht und Freiheit 13

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Die Kutsche des Zagbarers hatte den Hof der schwarzen Feste erreicht.

"Weibel! Versetzt die Truppen in Bereitschaft! Schließt die Tore! Ohne meinen Befehl betritt oder verlässt keiner diese Burg!"
Unruhe loderte auf als der Baron den Hof verließ und die alten schwarzen Gemäuer betrat.
"Xagul! Holt mir Magisterin Cascarilla!" Der Angesprochenen tat, wie ihm geheißen.

Wenig später betrat die schwarz Bekuttete den Feuersaal. "Habt ihr mir etwas zu berichten?" Aus dem Schatten der Kutte sah man zwei Augen blitzen. "Ich habe Euren Wunsch befolgt und bin der Kutsche gefolgt. Ein Achsbruch hatte den Aufbruch hinausgezögert weshalb die Garde erst im Madalicht die Reise fortsetzte. Ist Euch bekannt, was dann geschah?"
Der Baron nickte, "Wer begeht einen solchen Frevel an des Grafen Gold?"

"Euer Junker von Kupfergrab, Herr!" die Magistra senkte demütig das Haupt.

"Dieser Verräter!" Gorbons eherne Linke zerbarst den eichenen Tisch unter ihr. Wutschnaubend sprang der Baron umher, was wegen seiner Größe sonst einen belustigenden Anblick dargeboten hätte. Doch die Raserei in die er verfiel, ließ die Anwesenden vorsichtig zurückweichen.

"Wir werden Ihn richten! Bei Angrosch! Dieser verfluchte Menschensohn hat sein Leben verwirkt", Xagul, Sohn des Nerix unterbrach den Baron vorsichtig, "Wäre es nicht von größerem Vorteil, den Schuldigen dem Grafen vorzuführen?"

Gorbon hielt verdutzt inne. "Mein lieber Xagul. Ich muss Euch wiedermal für Eure Umsichtigkeit danken. Bei Praios! Genau das werden wir tun."

Eine Wache betrat den Feuersaal und meldete, "Junker Brasibert von Hahnentritt begehrt Einlass und wünscht Euro Hochgeboren zu sprechen."

"Der Vogt von Fremmelsfelde?", Gorbon schaute die Wache fragend an. Diese antwortete jedoch nur mit schweigsamen Schulterzucken. "Gewährt Ihm Einlass! Wir wollen hören, was er vorzubringen hat."

Brasibert reichte die Zügel seines Pferdes einem Jungen und schickte sich an die alten Gemäuer zu betreten. Die finsteren Mauern übten einen seltsamen Druck auf sein Gemüt aus. Sein Bauch mahnte Ihn zur Vorsicht.
Er betrat den Feuersaal, der in seinen vielfältigen Rottönen und flackernden Fackeln und Feuerschalen einen befremdlichen Eindruck bei ihm hinterließ. Der Junker näherte sich den Versammelten und begrüßte den Baron "Ingerimm sei Dank, dass Eurer Hochgeboren mir die Ehre einer Audienz erweist", versuchte der Junker diplomatisch das Gespräch zu eröffnen.

Gorbon jedoch durchschaute den Versuch dieser Schmeichelei. "Welches Begehr führt Euch nach Zagbar?"

"Wie Eurer Hochgeboren sicher wissen, ist mein Lehnsherr dabei Euch am Hofe des Grafen zu denunzieren."

"Und warum macht Ihr Euch die Mühe mich davon zu unterrichten?" Gorbons misstrauischer Blick ruhte auf dem Junker.

"Mein Gewissen macht mich glauben, das Ihr nichts mit den Vorfällen im Zagrosch zu tun habt, und wünschte ich könnte Beweise für Eure Unschuld erbringen. Der Sohn des Ogrim hätte sicher bezeugen können, dass Ihr nichts mit den Schmugglereien zu tun gehabt habt, doch leider hat er die Befragung durch meinen Herrn nicht überlebt."

Gorbon hatte aufmerksam dem Gespräch gefolgt. Der Hinweis auf Igen, Sohn des Ogrim hatte ihn beeindruckt. Offensichtlich wusste der Fremmelsfelder Vogt gut Bescheid. Soweit er wusste, hatte von Hahnentritt kein besonders gutes Verhältnis zum Baron von Fremmelsfelde. Jeder Verbündete konnte Ihm nur recht sein - jetzt, da offensichtlich ganz Dere gegen ihn zu sein schien.
"Zu schade, dass Igen nun nicht mehr als Entlastungszeuge aussagen kann! Doch wird sich schon beweisen lassen, dass ich keinen Anteil an diesen Machenschaften habe." entgegnete Gorbon vorsichtig.

"Die Almadanische Botin..." ,bemerkte Brasibert knapp.

Gorbon war sichtlich erstaunt, "Ihr wisst von Ihr?"

"Wir fanden Hinweise auf eine weibliche Almadanerin mit der sich die Zwerge treffen wollten", erwiderte von Hahnentritt wiederum knapp.

"Warum stellt Ihr Euch so offensichtlich gegen meinen Nachbarn", fragte Gorbon nun genauer nach.

"Meine Familie hat mit seiner Belehnung an Ehre verloren. Der Aufbau von Burg Gippelstein hat mein Vermögen aufgezehrt und mein Herr versagt mir jede Unterstützung", antwortete Brasibert, "Gestattet mir die Gefangene zu befragen und mich so von Eurer Unschuld zu überzeugen. Dann werde ich mich für Euch verwenden. Ohren und Augen am Hofe Eures Kontrahenten wären doch sicher von Vorteil für Euch?"

Gorbon blickte den Junker überrascht an, doch in Hinblick darauf, dass er demnächst einen neuen Junker zu belehnen gedachte, würde dieser von Hahnentritt einen angemessenen Anwärter auf diesen Posten darstellen, falls dieser die Untreue an seinem Herrn nicht mit seinem Leben bezahlen würde.

"Xagul?" Der Baron wechselte einige Blicke mit seinem Vertrauten. Die Blicke zeugten von Nachdenklichkeit und Vorsicht aber auch von Ratlosigkeit und einer Chance.

"Folgt mir!" Gorbon überwand seine Zweifel und gab dem Begehr des Junkers nach. Die finsteren Katakomben dieser unheimlichen Feste, die niedrigen Gänge und die modrige Luft ließen dem Junker das Blut in den Adern gefrieren.

Man betrat die Zelle und Brasibert stellte der verängstigten Gefangenen viele unbequeme Fragen über Herkunft, Auftraggeber und Menge der geschmuggelten Waren. Die Befragte, die sich die verbundene Linke unter die rechte Achsel klemmte, beantwortete die meisten Fragen ohne Zögern. Selbst wenn sie zeitweise ins Stocken geriet, sorgte das Wiegen von Gorbons Axt in seinen Händen dafür, dass sie sich eiligst befleißigte die entsprechenden Antworten zu geben.

Auch Brasibert nutzte ein Zögern der Almadanerin um sein Schwert zu ziehen und es der Delinquentin an die Kehle zu halten. Dabei ließ er wie zufällig die Schwertscheide fallen.
Als er sich danach bückte, konnte er - unbeachtet von den anderen - den Inhalt eines kleinen Fläschchens in die Essensschale der Gefangenen gießen. Eifrig befestigte er die Scheide wieder an seinem Gurt und steckte alsdann sein Schwert zurück.

"Ich habe genug gehört" schloss Brasibert die Befragung. "Wenn Eure Hochgeboren erlauben, werde ich noch heute nach Fremmelsfelde zurückkehren, um am Hof meines Herren meine Augen und Ohren offen zu halten. Ich hoffe Eurer Hochgeboren werden sich für diese Dienstbarkeit erkenntlich zeigen", Brasibert deutete eine Verbeugung an und schickte sich an zu gehen.

"Einem treuen Untergebenen werde ich auch die angemessene Anerkennung zollen." Gorbon glaubte einen neuen Verbündeten auf seiner Seite zu wissen und entließ den Vogt von Fremmelsfelde.

Unter schmerzenden Krämpfen verstarb jedoch seine Gefangene noch in der selben Nacht.