Kumpanenhatz - Gäste zu vorgerückter Stunde

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Am Abend des letzten Tages des Mondes Boron, dieses Mal im behaglichen Grodanshof, Baronie Tannwirk:

Gerding von Gesselingen trat leise in den Raum und verschaffte sich bei passender Gelegenheit mit einem "Ich bitte um Verzeihung, meine Herren!" respektvoll Gehör. Dann wandte sich der Verwalter an Alrik Herdan und fuhr fort: "Die Rittfrau der Mark Greifenfurt, Rondraja von Schroffenstein, bittet für sich und ihre Begleiter in Travias Namen um Gastung. Ferner bittet sie um die Gelegenheit für eine Unteredung mit Euch." Von Gesseling betonte den zweiten Satz so, daß er sprichwörtlich in der Luft hängen blieb.

"Selbstverständlich. Dies ist wahrlich keine Nacht, die man draußen verbringen sollte. Sie möge Ihr Gepäck ablegen und kann dann gerne zu uns stoßen. Mache doch gleich eine weiteren Kelch bereit", antwortete Alrik Herdan. Bei sich dachte er, dass es wohl nicht schlecht sei, wenn Nimmgalf dabei ist. Die letzte Greifenfurter Rittsfrau, die sich alleine nach Tannwirk verirrt hatte, musste er leider als Schmugglerin hinrichten. Die meisten Wogen hatte er zwar glätten können, aber Vorsicht kann sicherlich nicht schaden.

Nur wenig später betrat eine junge Rittfrau im Wappenrock der Markgrafschaft Greifenfurt den Raum und verneigte sich mit klirrendem Kettenhemd. "Habt Dank, Eure Hochgeboren, mich zu dieser Stunde noch vorzulassen," grüßte sie sowohl den Tannwirker Vogt als auch den Hirschfurter Baron. Ohne weitere Höflichkeiten abzuwarten, ergriff sie noch im Stehen direkt das Wort, um ihr Begehr vorzutragen. "Ihre Erlaucht, die Markgräfin Irmenella von Wertlingen, hat mich, Rondraja Tsafreud von Schroffenstein-Grünfels, Ritterin der Mark Greifenfurt, geschickt, um auf Greifenfurter Boden einige Geschehnisse zu untersuchen, die ihr Sorge bereiten. Dabei habe ich Hinweise gefunden, die auch EUCH interessieren könnten. Zeugen haben eine Gruppe Söldner beobachtet, die aus Greifenfurt nach Tannwirk reisten. Sie mögen nicht die sein, die ICH suche, aber üble Schurken sind es wohl allemal. Ich bin mir sicher, dass sie das Kloster Perainenfried angegriffen haben!" Sehr genau beobachtete sie die anderen Adligen, als sie vorsprach. Sie hoffte doch, dass sie ihr diese Unhöflichkeit verzeihen mochten, aber ihre Warnung auszusprechen war ihr bedeutend wichtiger, als sich über Floskeln und Formalitäten Gedanken zu machen.

Alrik Herdan zog eine Augenbraue hoch, erhob sich und deutete eine Verbeugung an: "Nun, Ritterin Rondraja, es ist mir ein Vergnügen. Darf ich Euch persönlich in meinem Heim willkommen heißen. In Travias Namen sei mein Feuer Euer Feuer. Bitte, setzt Euch doch, nehmt einen heißen Gewürzwein. Bei diesem Wetter ist Reisen die reinste Qual, und in dieser Nacht werden wir sicherlich keine Räuber mehr jagen gehen." Er bot ihr einen Stuhl an und reichte ihr den dampfenden Kelch. Sie nahm einen Schluck und schauderte wohlig. Etwas Schnee, der sich in ihren Haaren verfangen hatte, schmolz in der Wärme des Zimmers zu schimmernden Wassertropfen. Alrik Herdan hatte sich wieder gesetzt und die Fingerspitzen aneinander gelegt. Seine grünen Augen ruhten fest auf der Ritterin und lauerten auf jede Bewegung: "Und nun, wenn Ihr so gütig wäret Euer Wohlgeboren, könntet Ihr vielleicht die Ereignisse chronologisch berichten. Also in ihrer zeitlichen Reihenfolge. Und achtet bitte auf Kleinigkeiten, Details, Erkennungsmerkmale et cetera. Vielleicht können wir uns gegenseitig sehr nützlich sein..."

Nimmgalf begrüßte die Hohe Dame ebenfalls knapp, und sparte sich die Floskeln. "Ihr sagt, dass eine Söldnergruppe das Kloster Perainenfried angegriffen hat? Das liegt doch in der Baronie Feldharsch in der Mark Greifenfurt, also ein gutes Stück Richtung Westen. Und diese habt ihr bis hierher nach Tannwirk verfolgt? Wie viele waren es, wie lange ist das jetzt her, und wo in etwa befinden sie sich jetzt?"

Mit einem knappen Nicken nahm die Ritterin die Einladung des Hausherren an und setzte sich auf die Kante eines in der Nähe stehenden Stuhls, um die Nässe des Winters nicht auf die wertvollen Polstermöbel zu tragen. Der eigene Zustand schien ihr dabei aber nebensächlich und mit keinem Deut ließ sie irgendein Anzeichen von Unwohlsein erkennen. Nur ein kleines Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie den Widerspruch in den Bitten der beiden Hochadligen bemerkte. "Gut, von vorn angefangen lässt sich die Sache wohl etwas verkürzen. Seit geraumer Zeit scheinen in Greifenfurt die alten Kindermären wieder lebendig zu werden. Ein Bergmonster im Finsterkamm riss vor bald zwei Jahren einen Veteranen der Adlergarde, der schon unter dem Überläufer in der dritten Dämonenschlacht diente. Der Rest der Hofbewohner war wohl im wahrsten Sinne des Wortes vor Angst gestorben. Das ließ die Greifin aufhorchen. Als dann in verschiedenen Baronien scheinbar Gespenster erwachten und Leute spurlos verschwanden, von Nardesfeld bis Wehrfelde, aber immer an der Grenze zur Harschenheide und zum Reichsforst, schickte die Markgräfin mich mit ein paar Leuten los Nachforschungen anzustellen. Als ich kürzlich in Kressenburg war, erfuhr ich, dass dort ebenfalls mehrere Vorfälle passiert waren. Zudem bekam ich Kunde, dass es im Kloster zu einem Überfall gekommen war und ein Ritter, der dort zufällig auf Pilgerreise war, das Schlimmste hat verhindern können, wobei er selbst schwer verletzt wurde. Aber die Schurken sind wohl in die Archive vorgedrungen und konnten einige alte Dokumente zerstören. Bereits ein paar Tage zuvor hatten sich Fremde auf dem Boronsanger dort herumgetrieben. Meinen Nachforschungen zufolge handelt es sich hier wohl um einen Trupp, der als Erkennungszeichen ein Hautbild, einen neunspitzigen Stern oder neun gekreuzte Schwerter auf dem rechten Handgelenk innen trägt. Leider habe ich sie selbst nicht finden können, da sie einige Tage Vorsprung hatten, bis wir nach der Kunde und dem Besuch im Kloster die Verfolgung aufnehmen konnten. Aufgrund der Beschreibung des Hautbildes kam mir der Rondra-Sohn in den Sinn. Das würde für eine Söldner-Einheit sprechen. Wenn diese Leute ein Kloster überfallen, was mag ihnen dann wohl noch alles zuzutrauen sein. Zu schade nur, dass ich nicht weiter nach ihnen forschen kann, denn es treibt mich zurück nach Greifenfurt und weiter nach Wehrfelde. Dort soll sich noch eine weitere Gruppe herumtreiben, die am Rande des Reichsforstes für Unruhe sorgt und immer dort gesichtet worden sein soll, wo kurz danach Leute verschwanden. Daher wollte ich Euch aber zumindest eine Warnung überbringen." Den Kelch mit Gewürzwein in den Händen haltend erzählte die junge Frau ohne Pause, bis das nach ihrer Meinung Wichtigste erzählt war. Dann erst hob sie den Becher, nippte einmal daran und wartete auf weitere Fragen.

Alrik Herdan hatte aufmerksam zugehört und nickte: "Das sind wahrlich interessante Nachrichten, seid bedankt. Wir werden die Augen offenhalten. Und seid versichert, wenn diese Söldner tatsächlich ein Kloster überfallen haben und sich hier herumtreiben werden wir sie ihrer gerechten Strafe zuführen! Habt Ihr schon eine Vermutung, was hinter den anderen beunruhigenden Ereignissen steckt. Zum Leben erwachende Kindsmärchen?! Was es nicht alles gibt..." Er überlegte einen Moment. "Traten diese Vorkommnisse an verschiedenen Orten zur gleichen Zeit auf? Oder ist eine Korrelation zwischen Zeitpunkt und Ort zu erkennen? Also handelt es sich um viele Übel an verschiedenen Orten oder eines, welches wandert?" Wieder schwieg er einen Moment. "In letzterem Fall... verschieden Dinge, deren Gemeinsamkeit nur Schrecken und verschwinden von Menschen ist... Möglicherweise ein gestaltwandelnder Dämon... Ihr solltet überlegen, etwas Hesinde-geweihtes mit euch zu führen. Mein Oheim in Tannwirk ist Vorsteher des dortigen Tempels. Er würde Euch sicherlich ein geweihtes Amulett geben. Er ist aber manchmal ein wenig... wunderlich."

Nimmgalf hakte weiter nach: "Ihr sagtet doch, Ihr hättet die Spuren der Söldner bis hierher nach Tannwirk verfolgt. Geht das auch etwas konkreter? Gibt es weitere Anhaltspunkte wo sich diese jetzt aufhalten könnten? Wir können ja schlecht mal eben die gesamte Baronie absuchen, zumal die hiesigen Strassen - mit Verlaub - eher bessere Trampelpfade sind. Und wieviele waren es nun in etwa?"

Aufmerksam hatte Rondraja den Ausführungen Alrik Herdans gelauscht und neigte zu seinem Versprechen, den Schurken bei deren Aufgreifen ihrer gerechten Strafe zuzuführen, ergeben den Kopf. Auf den Kommentar von Nimmgalf hin wandte sie sich nun ihm zu. "Fürwahr, ich sagte, dass ich sie bis herhin verfolgen konnte. Das Zeichen kenne ich von einem Toten, den wir in den Büschen abseits des Klosters gefunden haben. Ritter Sefirunian hatte einen der Angreifer schwer verwundet, bevor er selbst niedergestreckt und der Überfall abgebrochen wurde. Scheinbar haben sie diesen Mann zurücklassen müssen, um nicht bei der Flucht behindert zu werden. Er wurde mit durchschnittener Kehle etwa einen Marsch von einem Viertel Stundenglas vom Kloster entfernt von meiner Gruppe in einem Weiher treibend gefunden. Die Stofffetzen, die Bruder Goswin ein paar Tage zuvor in den Brombeerranken beim Boronsanger gefunden hatte, passten zu der Art seiner Kleidung, wie meine Grenzjäger bestätigten. Vermutlich war das also die gleiche Truppe. Auf dem Weg hierher haben wir - wie bereits auf der Suche nach denen, die wir suchen - in Dörfern und auf Höfen halt gemacht und gefragt, ob ihnen in jüngster Zeit etwas ungewöhnliches aufgefallen sei. Da wir Spuren in zwei Richtungen finden konnten, haben Baron Ardo von Keilholtz, der sich meiner Suche angeschlossen hat, und ich uns aufgeteilt. Daher überbringe ich euch meine Warnung, während er sich weiter nach der anderen Truppe umhört und ihrer habhaft zu werden versucht, sofern es ihm möglich ist." Eine kurze Pause und ein Nippen an ihrem Würzwein später nahm die Rittfrau den Faden wieder auf. "Aber Ihr fragtet nach den Geschehnissen in Greifenfurt, Hochgeboren. Dort gibt es interessanter Weise immer wieder ... Sichtungen wäre das falsche Wort ... Hinweise aus der Bevölkerung, dass ein großes geflügeltes Wesen an verschiedenen Orten aufgetaucht sei. Am Reichsforst hingegen seien die Prankenabdrücke riesiger Wölfe von der Größe eines Bären gesehen worden, nachdem nachts Menschen verschwanden. Doch scheint es hier verschiedene Wesen zu geben. Doch die Geschehnisse fanden stets statt, nachdem man einen oder mehrere einer stark gerüsteten Truppe gesichtet hat, noch stärker als die Söldlinge, deren Spur ich hier nach Tannwirk verfolgt habe. Doch bei beiden Gruppen scheint es sich um erfahrene Kämpfer zu handeln." In Gedanken legte sie den Kopf ein wenig schief, bis sie sich selbst zunickte und ihre Gesprächspartner erneut abwechseln anblickte.

Auch Alrik Herdan nickte. "Ja, das passt. Ich habe kürzlich Nachricht erhalten, dass einige Gestalten in der Drachenmagd-Schänke gesichtet wurden. Angeblich soll in ihrer geflüstereten Unterhaltung der Name Haffax gefallen sein. Dies ist auch der Grund, weswegen ich Nimmgalf um seinen Besuch bat. Außerdem wurde ein Landstreicher ermordet, ebenso in der Gegend um die Schänke. Es wird am besten sein, wenn Nimmgalf und ich gleich morgen früh in kleiner Bedeckung nach Süden hin aufbrechen. Werdet Ihr uns begleiten, Edle Dame?"

Rondraja überlegte einen Moment und schüttelte dann den Kopf. "Nein, meine Pflichten rufen mich zurück nach Greifenfurt. Aber ich habe jetzt etwas, worüber ich nachdenken kann. Aber ich werde auch morgen früh aufbrechen."

Alrik Herdan hatte so etwas wohl schon erwartet. "Nun gut. Dann wird es wohl am besten sein, wenn Ihr zunächst nach Westen reitet um dann auf dem Elfenpfad zurück nach Greifenfurt zu gelangen. Gerade bei diesem Wetter solltet Ihr auf dem etwas besser ausgebauten Elfenpfad schneller vorankommen, als wir auf dem Greifenpfad." Wie zur Bestätigung seiner Aussage ließ eine heftige Windböe die Fensterläden klappern und trieb schwere Regentropfen gegen das Dach des Gutshofes.

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Bor 1038 BF zur abendlichen Perainestunde
Gäste zu vorgerückter Stunde
Planänderung

Kapitel 8

Aufbruch im Regen