Kressenburger Neujahrsstechen 1041 BF - Vater und Sohn, Teil 1

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Kressenburger Neujahrsstechen 1041 BF - Vater und Sohn, Teil 1
25. Praios 1041 BF, Kressenburg

Wilfred von Gugelforst saß stolz auf seinem Tralloper Riesen ´Graf Donnerhuf´ und grüßte die umstehenden Schaulustigen, als er Richtung Turnierplatz ritt. Zu seiner Rechten ritt seine Gemahlin Inja von Sunderhardt. Ihnen beiden voran ein Waffenknecht, der auf einer langen Bannerstange übereinander sowohl das Wappen des roten Wolfes auf Gold für das Haus Gugelforst, als auch die drei grünen Sparren auf Silber der Baronie Weidenhag trug. Den Abschluss der kleinen Gruppe bildete ein zweispänniger Trosswagen, an dessen Seite jeweils ein Waffenknecht schritt. Er war auf Anraten seiner Schwester und Baronin nach Kressenburg aufgebrochen um ihrem Vetter und Turnierausrichter Ardo von Keilholtz ihre Aufwartung zu machen und obwohl er seinen anfänglichen Unmut darüber nur schwer verbergen konnte, willigte er schließlich ein. Wilfred war kein Freund von diesen verweichlichten, garethisch angehauchten Turneien, die eher dem Zeitvertreib und der Belustigung des Pöbels dienten, als der Notwenigkeit sich für die Schlacht zu stählen. Er lächelte abschätzig. Für welche Schlachten würde sich ein Garethier auch stählen müssen? Ja gegen sich selbst kämpfen konnten sie gut, aber wenn einmal ein auswärtiger Feind ein paar Höfe niederbrannte war die Jammerei groß. Nichts gegen seine Greifenfurter, Tobrischen und Darpatischen Brüder und Schwestern, die wussten was es bedeutet jeden Schritt ihrer Heimat mit ihrem Blut verteidigen zu müssen, doch diese Garethier, Nordmärker und Koscher…der Weidener schnaubte, als er seine Augen über die, in seinen Augen prunkvollen Zelte der zentralreichischen Adeligen schweifen ließ und erst als er die Farben einiger Weidener Häuser erblickten konnte sollten sich seine Gesichtszüge schlagartig aufhellen. Ja, wenn es darum ginge in den Finsterkamm zu ziehen um Orks zu jagen wäre ihm ein Weidener oder eine Weidenerin lieber als drei Nordmärker oder Garethier. Sein Blick fiel auf seinen rechten Unterarm, auf dem eine lange, noch recht frische Narbe prangte. Es war ein Mal, das ihm ein Khurkach vom Stamm der Gharrachai schlug, als er vor einiger Zeit gemeinsam mit seinem Vetter Travian von Gugelforst, nahe dessen Burg Lichtwacht im Finsterkamm in ein Scharmützel mit den Schwarzpelzen geriet. Seine Heimat war ein raues Land. Ein Land in dem morgens vor einem Ausritt in den Finsterkamm nicht wusste ob man abends wieder zu seinen Lieben zurückkehrte. Der Blick des Ritters fiel auf seine Gemahlin auf dem Pferd neben ihm. Ihr Antlitz glich wie beinahe immer einer wohl gearbeiteten Statue, ihr rabenschwarzes Haar war kunstvoll modelliert. Wie sehr er den Gedanken damals gehasst hatte sie heiraten zu müssen – sie, ein Abkömmling einer Raubritterdynastie aus der Roten Sichel. Doch inzwischen gebar sie ihm zwei kräftige Söhne und die leichte Wölbung ihres Bauches verriet, dass neuerlich Nachwuchs im Anmarsch war. Der Ritter war heil froh, dass Inja ihm sein ungebührliches Verhalten ihr gegenüber verziehen hatte und dass sie sich nun mit Respekt und Liebe begegnen konnten. Anfänglich hatte er ihr ruhiges, nachgiebiges Wesen stets als einen Ausdruck von Schwäche empfunden - inzwischen war er jedoch davon überzeugt, dass sie wohl die Stärkere von ihnen beiden war.

"Sieh mal ...", sprach Inja und wies mit ihrem Arm quer über die Zeltstadt, "... sieht so aus, als wärst du nicht der Einzige aus deinem Haus ..."

"Mmmmh ...", brummte der Weidener, als er das Wappen seiner Familie auf einem weiteren Banner erspähen konnte. "Wird wohl Ullgrein sein ... die konnte doch noch nie ein Turnier auslassen ... naja ... zumindest bevor sie sich zur Familienmutter entwickelt ha t..." Der tadelnde Blick seiner Gemahlin ließ ihn kurz inne halten. "... na ist doch wahr. Wie viele Bälger hat die Gute inzwischen? Ich habe aufgehört mitzuzählen ..."

"Freu dich doch für deine Schwester", kam es von der Sichelwachterin zurück.

"Jaja, wie auch immer", entgegnete ihr darauf der Ritter und lenkte sein Pferd dem zweiten Gugelforster Banner entgegen.

Bereits kurz bevor sie das Banner erreichten vernahm Wilfred ein dröhnendes Lachen aus dem dazugehörigen Zelt, das die Identität seines Familienmitglieds offenbarte. "Vater", murmelte der Edle und stieg sogleich von seinem Pferd. Ohne auf seine Gemahlin zu warten schritt er schnurstracks in das Zelt seines Vaters. Wer Wilfred kannte wusste, dass das Verhältnis zu seinem Vater bestenfalls als kühl zu bezeichnen war, auch wenn ihr Zerwürfnis nun schon viele Winter her war. Damals versuchte er eine Intrige gegen seine ältere Schwester zu spinnen um den Baronsthron für sich zu gewinnen. Der zugegebenermaßen stümperhafte Versuch ging schief und resultierte im Bruch zwischen Vater und Sohn. Wilfred selbst schlug sich nach diesem Rückschlag einige Götterläufe lang als fahrender Ritter durch und fand schlussendlich den Weg in die Heimat seiner Mutter. Der Baron von Brachfelde bot ihm eine Anstellung als Dienstritter an und es war dessen Gemahlin, eine Geweihte der Rondra, die ihn wieder zum Umdenken bewegte. Am Tag als sein Vater zu Gunsten Wilfreds älterer Schwester Gwidûhenna auf den Baronstitel von Weidenhag verzichtete, suchte der Edle die Aussprache und wurde darauf wieder im Kreise der Familie willkommen geheißen. Doch auch wenn sie sich vieles hießen und ihre Differenzen weitgehend aus der Welt schafften, gab es dennoch Gräben zwischen ihm und seinem Vater, die sich nicht so einfach zuschütten ließen.

"Vater", platzte Wilfred ungefragt ins Zelt. Sein Vater saß mit blankem Oberkörper auf einem Holzschemel und rieb sich sein Gesicht trocken. Die zweite Person im Zelt, eine rothaarige Frau Anfang 30, mit langen geflochtenem Zopf und zahlreichen Feenküsschen im Gesicht, war gerade damit beschäftigt einen Wasserbottich weg zu tragen. Freudig erhob sich Andîlgarn von Gugelforst und schloss seinen Sohn kräftig in seine Arme.

"Wilfred, was für eine Freude.", beinahe schien es, als wäre Rührung in seinen Worten erkennbar.

"Gut siehst du aus, Vater", Wilfred betrachtete seinen alten Herrn, als sie die Umarmung lösten. "Geben sie dir in Greifenfurt nicht genug zu essen?" Als Antwort folgte schallendes Gelächter, wiewohl es augenscheinlich war, dass der Alt-Baron von Weidenhag etwas an Gewicht verlor, seit er seinen Dienst im Namen der Herzogin angetreten war.

"Muss doch in meine Rüstung passen", entgegnete der alternde Kämpe lächelnd. Dann fiel sein Blick auf seine Schwiegertochter Inja, die unschlüssig am Zelteingang wartete. "Ach, nun komm schon rein meine Liebe. Ich freue mich dich zu sehen." Auch die Sunderhardterin wurde mit einer kräftigen Umarmung begrüßt, dann ließ sich der alternde Kämpe in seinen Eichenstuhl fallen. "Setzt euch. Lasst uns essen und trinken", er wies den beiden in einer ausladenden Geste zwei einfache Stühle zu. Es gab Dinge, die sich nie änderten und dass sein Vater ein guter Gastgeber war gehörte da ganz klar dazu. "Leni, bring uns Bier und ...", Andîlgarns Blick fiel auf Inja gewölbten Bauch, "... etwas frisches Wasser."

Es sollte nicht lange dauern bis die georderten Getränke aufgetragen wurden. Dass die Leni geheißene Frau dabei seinem Vater stets verdächtig nahe kam und die beiden auch sonst den einen oder anderen Blick austauschten, verwunderte sowohl Wilfred als auch Inja. Vielleicht gab es ja einen Grund mehr, warum der alternde Adelige nun wieder etwas vitaler wirkte, als bei ihrem letzten Zusammentreffen. Jüngeren Frauen sagt man diese Wirkung auf ältere Männer ja bekanntlich nach. "Und nun erzählt mir, was gibt es Neues", es war der tiefe Bass seines Vaters, der Wilfred aus seinen aufkommenden Gedankenspielen riss...