Der Streit zwischen Greifenfurt und Garetien - Die Markgräfin hat das letzte Wort

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Gegeben zu Greifenfurt im 30 Jahr der segensreichen Herrschaft Seiner Allergöttlichsten Magnifizenz Hal

An Ihro Hochgeboren Duridanya von Rabenmund-Greifenberg zu Greifenberg

Auch mit Euch sei der Segen der Zwölfe, Praios voran.

Ich danke Euch für Euren Brief, auch wenn der Anlaß hierfür wahrlich kein allzu erfreulicher war. Nichtsdestoweniger wertvoll waren Eure Anmerkungen und ich will es nicht versäumen, Euch hierauf ebenso Antwort zukommen zu lassen, wie ihr dies, die Ausführungen des Kämmerers betreffend, getan habt.

Ihr habt Eure Worte mit Bedacht gesetzt und ich finde in jedem von Ihnen eine Wahrheit, welche letztlich weder abzuleugnen, noch zu beschönigen ist. Natürlich ist mir nicht verborgen geblieben, wie tapfer die Märker ihr Schicksal tragen, ohne aufzubegehren und ohne sich zu beklagen. Seien wir ehrlich. Seit der Ork zurückgeworfen wurde, hat dieses Land wenig Frieden gehabt. Bis heute ist es uns nicht gewährt worden, aufzuatmen und aufzubauen, was uns durch die fortwährenden Schläge des Schicksals genommen wurde. Oh ja, die Mark ist hart im Nehmen und wird den Göttern den Hals weiter beugen. Wahrlich wie recht habt Ihr, wenn Ihr von harten Zeiten redet. Unsere Wehrhaftigkeit ist mit der Sicherung des Greifenpasses zwar gestiegen, doch liegt die Mark immer noch darnieder, geschwächt von einem Kampf, der weniger mit Schwertern und mehr mit dem Pflug auszukämpfen ist.

Vertraut mir, wenn ich Euch sage, dass ich durchaus weiter sehe, als bis an die Grenzen der Hauptstadt. Mir sind weder die Not auf dem Lande verborgen geblieben, noch die Schwierigkeiten, mit denen sich meine Lehnsleute tagtäglich konfrontiert sehen. Nichts anderes als Weitsicht zwang mich zu eben dem Tun, welches Ihr so vehement hinterfragt habt.

Gerne nehme ich die Devise Eures seligen Herrn Vaters an, zu sparen, indes, es fällt mir schwer zu sparen, wenn die Schatulle der Mark mehr Luft enthält als klingende Münzen. Ich kann mir Eure Worte zu Eigen machen, wenn auch ich betone, dass ich alles gebe, um die Mark zu stärken, die mir Anempfohlenen zu beschützen und das Land zu der Größe zurückzuführen, welche ihm einstmals zu Eigen war.

Um so härter trifft mich Euer Wort, ich werfe den Edlen der Mark vor, hierzu nicht genug Gelder in die markgräfliche Kasse gelegt zu haben, ja, die Markgrafschaft um die ihr zustehenden Gelder gebracht zu haben. Dies ist mitnichten so und muss hiermit heftigst zurückgewiesen werden. Tatsache ist, dass der markgräflichen Kasse seit geraumer Zeit seitens der Edlen weder genauere Zahlen über die tatsächliche Anzahl der ihnen unterstehenden Frohnleute, noch überhaupt Zahlen, die Lehen betreffend, mitgeteilt wurden. Dieses in Zusammenhang mit der großen Anzahl der Flüchtlinge, die sich in der Mark angesiedelt haben, stellt uns damit vor die fast unlösbare Aufgabe zu beurteilen, ob die Zuweisungen, die wir den einzelnen Ländereien machen, auch wirklich ankommen.

So wird vielleicht verständlich, warum die Ausgabenlast in diesem Götterlauf sich immer weiter erhöht hat, bis die Magistratur der Mark nicht mehr anders konnte, als diesem entgegenzusteuern. Glaubt mir, wenn ich Euch sage, dass eine leere Börse zum Sparen nicht geeignet ist.

Ihr sagt, die Abgaben, verstärkt um den wieder voll zu bezahlenden Kaisertaler, haben eine Höhe erreicht, die kaum noch zu überblicken ist? Führwahr, auch dessen bin ich mir wohl bewusst. Doch was soll die Mark tun? Sollen wir unsere Paläste an die Händler verkaufen? Was sittlich ist zu fordern, dies müsst ihr mir überlassen. Ihr sagt, ihr seid bereits nackt und bloß und könnt weitere Belastungen einfach nicht mehr leisten? Dies trifft mich sehr hart, denn hier spiegelt sich das Bild, welches sich in allen Baronien Greifenfurts wiederholt. Seid getrost, noch heute wird der Kämmerer höchstselbsten sich auf den Weg machen und sich zuallererst Eures Lehens annehmen. Er hat versprochen zu prüfen, ob wirklich alle Mittel erschöpft sind und ich garantiere Euch, wenn sein Bericht ergibt, dass Eure Baronie tatsächlich nicht mehr in der Lage ist, mehr an Abgaben zu leisten, als dies bisher geschehen ist, werde ich Euch die zusätzlichen Abgaben abnehmen und versuchen, diese aus meiner eigenen Börse zu bezahlen, so leer diese auch ist. Glaubt mir, ich werde niemandem mehr abverlangen, als er zu geben in der Lage ist. Wenn ich jemandem mehr als das Letzte abfordere, dann mir selbst. Sprecht mir also nicht von den Göttern.

Was die Einforderung der Fronleistungen angeht, so sehe ich Euer Recht als Lehnsherrin durchaus nicht gefährdet. Die Regelung betrifft nur die wehrfähigen Männer und auch nur für die Zeit der Landwehrübungen. Glaubt mir, dass ich niemals zulassen werde, dass das Land geschwächt wird und auch ihr habt betont, dass ihr keinesfalls erlauben wollt, dass Greifenfurt seine Wehrhaftigkeit einbüßt. Ihr werdet mich nun fragen wollen, wie Ihr in der Götter Namen Eure Felder bestellen wollt, wenn die Anzahl der Lehnsleute sich aufgrund der Landwehrübungen doch augenscheinlich verringern wird. Nun, ich werde versuchen, Euch im Weiteren darauf eine Antwort zu geben.

Ihr sprecht von den Weg- und Brückenzöllen und mahnt an, dass die Wege mit dem Geld Eurer Familie gebaut und unterhalten wurden, ebenso wie die Brücken auf Eurem Lehen. Dies betrübt mich sehr, immerhin erhaltet ihr, wie jeder Baron Greifenfurts, für die Unterhaltung wichtiger Wege und Straßen in Eurer Baronie eine Unterstützung aus der Kasse der Mark. Und dies nicht erst seit letztem Firun. Hat nicht die markgräfliche Kasse erst kürzlich dafür gesorgt, dass Wegstationen eingerichtet werden konnten, die den Botendienst, wie er auf dem letzten Greifenfurtschen Konvent zu Dergelstein einhellig von dem versammelten Adel gefordert wurde, endlich möglich machen? Auch wenn ihr jetzt wohl den Nutzen für Eure eigene Baronie bestreiten mögt, auch ihr profitiert davon. Ihr seht, ihr seid mitnichten alleine in Euren Bemühungen, die Unterhaltung und den Ausbau der Straßen und Wege zu fördern. Bedenkt dies, wenn Ihr mir Leichtfertigkeit im Umgang mit den Rechten der mir angelobten Edlen vorwerft. Gleichwohl macht Eure heftige Gegenwehr mich nachdenklich und so werde ich jene Regelung noch einmal überdenken.

Was nun die Flüchtlinge aus Tobrien angeht, so gebe ich gerne zu, dass ich die Sache mit völlig anderen Augen sehe. Schweigt fürderhin mit Offensichtlichem. Hättet Ihr der Verlautbarung ein wenig mehr Aufmerksamkeit geschenkt und Eurem Widerwillen ein bisschen weniger, dann wärt ihr nicht in die Verlegenheit gekommen, mir Vorwürfe zu machen, derer ich mich mitnichten stellen muss. Natürlich ist mir bewusst, dass nur die Götter, und vielleicht noch nicht einmal diese, imstande sind, jemandem eine neue Heimat zu geben. Wahrlich, dies kann keiner befehlen und nie stand mir der Sinn danach. Doch frage ich Euch, ist eine Baracke denn überhaupt geeignet, jemandem zur Heimat zu werden? Seht Euch doch die Flüchtlingslager an! Heimat ist dies nicht.

Ihr mahnt an, ich könne niemandem befehlen, jemanden als Nachbarn zu akzeptieren und als solchen aufzunehmen. Meine Liebe, habt ihr auch wirklich den Text gelesen, den ich unterschrieben habe?

Ja, wir haben den Tobriern Gastung gegeben und haben ihnen eine Scholle überlassen und genau hier liegt das, was ich in der Bekanntmachung ausgedrückt habe. Wenn sich jemand, sei er Tobrier, Almadaner oder Bornländer, auf einer Greifenfurtschen Scholle niederlässt und damit dieses Land aus der Hand des Lehnsherrn empfängt, welcher auf diesem Land mein Stellvertreter ist, der ist, ob es ihm passt oder nicht, aufgrund der juristischen Gegebenheiten ein Greifenfurter geworden. Dies besagt nicht, ob er sich immer noch als Tobrier fühlt. Ihr habt vollkommen recht, wenn ihr sagt, dass es niemals möglich ist, solches zu befehlen, aber wer tut dies auch. Faktum ist, jeder, der sich an die Scholle bindet, unterwirft sich damit automatisch den Rechten und Gesetzmäßigkeiten des ihm übergebenen Lehens. Eine Regelung im Übrigen, die vor allem dem Schutz des Lehnsherren und der, auf diesen übertragenen Abgaben beruht. Es mag eine wundervolle Sache sein, allen anderen Flüchtlingen das Gastrecht zu geben und sie in Travias Namen zu beherbergen, indes, es ist kaum möglich. Ihr sprecht davon, man könne aus einem Schreiber über Nacht keinen Bauern machen, aber Hand aufs Herz, wie viele tobrische Schreiberlinge halten sich in den greifenfurtschen Flüchtlingslagern auf? Ihr werft mir vor, ich würde eine einbeinige tobrische Frau auf das Feld jagen, um den Ochsen zu treiben, mit Verlaub. Glaubt ihr, dass die braven Greifenfurter, als der Ork über unser Land herfiel und es mit Verwundeten übersäte, ihre Verletzungen zum Anlass genommen hätten, sich auf ein Gastrecht zurückzuziehen, welches sie im eigenen Lande nie besaßen? Seht Euch doch um. Wie viele greifenfurtschen Frauen stehen jeden Tag alleine mit ihren kleinen Kindern auf dem Feld, weil der Mann aus dem Krieg nicht mehr heimkehrte. Wenn ihr die Invaliden zählen wolltet, die mit Stolz ihre Scholle bestellen und das harte Tagwerk mit einem Lächeln im Gesicht verrichten, dann reichten fünfzig Hände nicht aus. Und auch wenn so mancher Greifenfurter noch heute schreiend aus dem Schlafe schrickt, weil ihn die Erinnerungen an die Vergangenheit quälen, so beklagt sich doch der Greifenfurter nicht über die Unbill, die er in den Orkkriegen erleiden musste. Und ich bin zuversichtlich, Boron wird sich auch der Tobrier annehmen und ihren Schlaf mit der Gnade des Vergessens segnen, auf dass ihre Träume sie nicht mehr schrecken.

Gastfreundschaft ist eine von den Göttern gewährte Tugend, doch auch der Gast, will er den Göttern zu Gefallen sein, wird sich nicht ewig damit begnügen, bedient zu werden.

Ich verlange von Euch bezüglich der tobrischen Flüchtlinge überhaupt nichts. Im Gegenteil, ich biete den tobrischen Flüchtlingen sogar etwas an, das weit über das hinausgeht, was Gastrecht bedeutet. Ich biete Ihnen Freiheit und die Möglichkeit, ihre Kraft und ihre Fähigkeiten einzubringen, zum Wohle des Mittelreiches. Wie kleingläubig seid ihr doch, wenn ihr konstatiert, über die Nützlichkeit der Fähigkeiten der Tobrier urteilen zu können. Ein jedes von den Göttern geschaffene Wesen ist befähigt, in seinem Rahmen ein Gewerbe auszuüben und dieses Nutzbringend einzusetzen. Wenn Ihr natürlich eine Auswahl treffen wollt, welche Fähigkeiten der Mark zu Nutzen sein sollen, ihr habt meine gesammelte Aufmerksamkeit. Bis dahin überlasst es mir, den Nutzen einzuschätzen. Nein, wir Greifenfurter werden niemanden über die Grenze zurückschicken und wenn es noch so starke Kräfte gibt, die ebendies fordern. Im Gegenteil, wir stellen es jedem frei geborenen, der in Greifenfurt eine Scholle bestellt, jederzeit frei, sein Bündel zu packen und das Land zu verlassen, wie es uraltes Gesetz der Mark ist. Und dies gilt eben nicht allein für die tobrischen Flüchtlinge sondern auch für die Greifenfurter selbst. Wie ihr eingangs Eures Briefes bemerktet. Niemand kann dem anderen in das Herz sehen und niemand kann jemandem eine Heimat aufoktroyieren.

Ihr habt richtig gesprochen, als ihr die Greifenfurter erwähntet, die selbst unter den größten Opfern lebend nun auch für die Versorgung der tobrischen Flüchtlinge aufkommen müssen und eben dies ist ja der Grund, warum wir ein für alle Mal ein Zeichen setzen müssen. Ihr sprecht mir die Weitsichtigkeit ab, aber bestärkt mich gleichzeitig in meinen Bemühungen, ein gespaltenes Land zu einen, indem ich jedem Einwohner eine gleiche Möglichkeit gebe, ein praiosgefälliges Leben zu führen. Auch die Travia wird es irgendwann müde, jemanden zu gasten, so er sich auf ihrem Mitleid ausruht!

Ich danke Euch aufrichtig für Euren Brief, war er doch die einzige Reaktion, die ich auf die Bemühungen der Kammer erhalten habe, Greifenfurts Stärke zu wahren. Um so mehr weiß ich es zu schätzen, dass ihr kein Blatt vor den Mund genommen und ausgedrückt habt, was ihr empfindet. Dies ist das, was Greifenfurt ausmacht und was die Mark dringlicher benötigt, als alles andere, Aussprache. Denn das Wohl der Mark kann nur dann erreicht werden, wenn nicht die kleinste Stimme ungehört verstummt. Ich hoffe, ihr seht, dass ich mitnichten falschen Ratschluss aufgesessen bin, sondern meine Weisungen gut überlegt waren. Ich fühle ebenso wie ihr den Schmerz, den diese notwendigen Entscheidungen uns allen aufgelastet haben, aber es ist notwendig, will Greifenfurt überleben.

Ich werde mir Eure Ratschläge zu Herzen nehmen und, wenn der Kämmerer von seinem Besuche in Eurem Lehen zurückgekehrt ist, prüfen, ob die Last, die ich auf Euer Haupt gelegt habe, zu groß ist. Und nicht nur dies, ich habe die markgräfliche Kammer bereits beauftragt, auch alle anderen Lehen zu besuchen um die Notwendigkeit einer Revision der Abgaben zu überprüfen. Nicht jeder der Barone mag es gewagt haben, das offen auszusprechen, was in seinem Herzen vorging und so soll Euer Brief mir Leitstern sein, die Ängste und Befürchtungen meiner Lehnsleute nicht gering zu achten.

Mögen die Götter über Euch wachen und der Götterfürst unser aller Taten wohlwollend betrachten,