Heroldartikel:Vom Schroffenstein

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Vom Schroffenstein

Der Autor möchte sich an dieser Stelle bei jenen Edlen der Mark bedanken, deren Bemühen erst zu verdanken ist, dass dieser Folianth geborgen werden konnte. So sollen in unregelmäßiger Folge an dieser Stelle alte Sagen und Legenden der Mark dem interessierten Leser näher gebracht werden.

Item es begab sich zu der Zeit, da der gute Kaiser Menzel über das Land wachte, dass auf dem Schroffenstein der Herr bei der Wehr gegen den Schwarzpelz verstarb. Sein Weib aber, welches verschlagen und untreu bis ins Mark war, ernannte ihren Buhlen zum neuen Herren und schied sich nicht in ihr Los, fortan den eigenen Kindern den Sitz zu räumen. Ja, um den eigenen Gewinn nicht zu gefährden und dem Gespielen zu Gefallen, verfiel die Buhlerin in eine List. Spät am Morgen, als das Gesinde bereits den ihm zugedachten Beschäftigungen nachging, nahm sie die rechtgeborenen Kinder beiseit und wies sie an, ihr schlechtestes Leibchen anzuziehen. Man wolle in den Wald gehen und Pilze sammeln und man wolle nicht vor dem nächsten Tage wiederkommen. Die folgsamen Kinder taten wie ihnen geheißen und folgten der Mutter in den Wald, dahin, wo dieser am dichtesten und wildesten ist. Doch als die Kinder des Nachts zur Ruhe lagen, schlich sich das verderbte Weib vom Lagerplatze und ließ die Kinder in der Wildnis alleine. Wie groß waren Weinen und Entsetzen, als die Kinder am nächsten Morgen erwachten und ihrer Lage bewusst wurden, hatte die Mutter sie doch weit vom Wege geführt und wussten die Kleinen doch nicht, wo sie sich befanden. Doch sollte sich das Schicksal wenden. Denn den Kindern war nach alter Väter Sitte gleich nach ihrer Geburt auf dem Schroffenstein ein Tröpflein ihres edlen Blutes von eben jenem genommen und gleichnamigem Felssporne eingegeben worden und so kannten Wiese und Flur, Hain und Dickicht die Sprösslinge und wussten um ihr Erbe. Und so begab es sich, dass zur späten Abendzeit sich der Wald auftat und ein weißer Keiler auf die Lichtung trat und, als die Kinder noch vor Schreck erstarrt standen, das wilde Haupt senkte und den Vorderlauf beugte. Dann drehte er sich um, als fordere er die Kinder auf, ihm zu folgen. Und die Kinder folgten. Und so ward die Frucht des Hauses Schroffenstein durch die dichtesten Stellen des Forstes sicher geleitet, und es führten sie weißer Eber, schwarzer Bär und roter Fuchs, bis sie in bekannte Gebiete kamen. Und jedes Tier, welches ihr Weg kreuzte, erwies ihnen den nötigen Respekt. Derweil hatte im Hause die Dienerschaft ein böser Traum ereilt, welcher sie leitete, Haus und Hof sogleich zu verlassen und das nahe gelegene Dorf aufzusuchen. Und diese folgten dem Wink und verließen das Haus, ohne der Herrschaft Wissen, denn sie fürchteten sich sehr. Und in jener Nacht zur beginnenden Morgenröte erschütterte ein schwerer Schlag den Fels, darauf die Burg gebaut, und der Stein riss mittendurch und Fels ging auf Fels und Zinne auf Zinne und die Burg brach herunter ins Tal und nahm mit, welche die Herrschaft so lästerlich an sich gebracht. Und so kam es, dass, als die Kinder endlich am dritten Tage die heimatliche Burg erreichten, sie Burg und Haushalt zerstört vorfanden. Und ihre Trauer war so groß wie ihr Herz. Doch alle Leute waren froh, dass die rechtmäßigen Herrscher des Landes unversehrt waren und groß war das Erstaunen ob der zu erzählenden Geschichte von der erfolgten Rettung. Die Burg ward wieder aufgerichtet, weit prächtiger als sie je gewesen. Im Gedenken an die erstaunliche Rettung aber erging die Weisung, dass im Schroffenforst, welcher ist gelegen oberhalb der Burg in Richtung des Finsterkammes, nie wieder ein Schwarzwild, ein Bär oder ein Fuchs gejagt werden solle. Und so halten es die von Schroffenstein bis auf den heutigen Tag.




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Texte der Hauptreihe:
30. Rah 1035 BF
Vom Schroffenstein


Kapitel 1