Geschichten:Unter einem Banner – Schwanenbrucher Ränke

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Schloss Schwanenbruch, Baronie Schwanenbruch, Efferd 1044 BF:

Das erst vor wenigen Götterläufen restaurierte Schloss lag eingebettet in einem großen Park am nördlichen Rand des Marktplatzes der Stadt. Baronin Maline hatte das dem Verfall preisgegebene Schloss wieder herrichten lassen und nicht mit Prunk und allerlei Zierrat gegeizt. Das Bauwerk sollte die Bedeutung ihrer Familie symbolisieren, die zweifelsohne zu den wohlhabendsten Waldsteins gehörte. So wurde die Fassade mit eingelassenen Einbuchtungen versehen und von Statuen geziert, die die 12-Götter und große Helden der Waldsteiner Historie abbildeten und von den besten Silzer Steinmetzen gefertigt wurden. In den Fenstern wurde zum Teil buntes Butzenglas eingelassen, das die Innenräume in ein buntes Farbenmeer tauchte. Der große Saal konnte die wohl größten Luringer Spiegel in der ganzen Grafschaft aufweisen. Nach der Fertigstellung des Schlosses zog der Hofstaat von der zugigen Waldburg Seytfest in diesen repräsentativen Bau um. Doch sollte es Baronin Maline nicht lange vergönnt sein hier Hof zu halten. Der grausamer Mord, verübt von Ketzern, riss die Baronin viel zu früh aus dem Leben und seither trauerten die Schwanenbrucher um ihre Landesmutter. Mit Elgor Leomar von Hohentann war nun Malines ältester Sohn Herr über dieses Schloss und über die Baronie.

Baron Elgor, den seine Mutter schon zu ihren Lebzeiten für einen Tunichtgut hielt, war ein griesgrämiger Zeitgenosse, der am Liebsten mit seiner Armbrust hantierte und wenig Lust auf die Amtsgeschäfte hatte. Bevor er seiner Mutter als Baron nachfolgte, war er Kämmerer am Waldsteiner Grafenhof – und das auch eher schlecht als recht, wenn man seinem Nachfolger Albin von Storchenhain Glauben schenken durfte. Aber aus der Zeit am Grafenhof resultierte seine gute Bekanntschaft zum Waldsteiner Seneschall Coswin von Streitzig und die tiefe Freundschaft zu dessen Sohn Leomar. So war es also, dass der Baron trotz allen Unzulänglichkeiten im Waldsteiner Machtgefüge wohl platziert war und fest im Sattel der Macht saß. Zu verdanken hatte er dies freilich auch seinem Halbbruder Bosper Cyberian, der im Hintergrund die Fäden in der Hand hielt – so auch dieses Mal.


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In mit Goldfäden bestickten Gewändern eines Prälaten der Praios-Kirche schritt der fettleibige Bosper den langen Flur des Schlosses entlang. Mit seinem wie stets charmanten Lächeln begrüßte er die Burgvögtin des Schlosses, Perainhild von Nuzell, mit einer angedeuteten Verbeugung, als diese an ihm vorbei schritt. Die Nuzell, die sich weigerte das stinkende Sumpflehen ihres Ehemannes zu betreten, war eine seiner Kreaturen am Hof. Immer am Zetern und Schimpfen, aber ansonsten harmlos was seine Pläne betraf.

Vor den persönlichen Gemächern des Barons angekommen, atmete der Hofkaplan tief durch und trat ein. Dort wartete bereits der junge Kammerherr Balderich von Nadlau auf ihn. Von hier führten mit feinem Schnitzwerk versehene Türen in die jeweiligen Schlafgemächer von Baron und Baronin.

„Wie geht es meinem Bruder?“, wollte Bosper wissen und streichelte sich über seinen runden Bauch.

„Ungehalten wie immer“, antwortete der Kammerherr. „Seit Tagen übt er im Schlosspark mit der Armbrust um auf den Feierlichkeiten zum Tsatag von Fürst Anshold gut dazustehen.“

„Vergebene Liebesmüh, aber was solls, ich hoffe er wird sich vor den Fürsten und der Familie seiner Gattin nicht blamieren.“

Der junge Kammerherr, der seine Anstellung Bosper verdankte und ihm zuweilen 'zu Diensten' war, lächelte gequält.

„Ah, ich verstehe, so schlimm also. Aber bis zu dem Feierlichkeiten im Peraine hat er ja noch Zeit zu üben.“

Der Praiot eilte an dem Kammerherren vorbei und betrat das Schlafgemach des Barons.


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„Bruder, wie ich hörte machst du Fortschritte mit der Armbrust,“ Bosper zeigte sein bestes Lächeln.

„Ach, verdammtes Ding aus den Niederhöllen, hat mich ein Vermögen gekostet und ist aber offenkundig nicht von guter Qualität.“ Der Baron blickte gar sehr verdrießlich drein.

„Du hast die Armbrust doch beim Markt der Alten Völker in Silz von Meister Ambrox erstanden, oder nicht?“

„Hm ja, aber auch die größten Meister machen Fehler!“ Der Baron verschränkte wie ein störrisches Kind sein Arme vor der Brust.

„Ganz bestimmt, mein Bruder.“ Das Lächeln des Praioten zog sich nur besonders breit über das ganze, runde Gesicht. „Hast du bei deinem letztem Treffen mit dem Seneschall die Causa Hohlbrache zur Sprache gebracht?“

„Ja“, antwortete der Baron desinteressiert, „Die Entlehnung des Hal'schen Emporkömmlings ist laut Coswin nur eine reine Formsache, dann kann Movert dort endlich Junker werden.“

„Vortrefflich“, jubilierte Bosper und klatschte in die feisten Hände. „Aber hältst du Movert wirklich für die richtige Wahl? Ich meine … er ist mit einer Reichsforsterin verheiratet und du weißt ja wie es zwischen uns und den Reichsforstern gerade steht.“

„Hm.“

„Du weißt doch auch wie sehr deine liebe Thalessia von Hohlbrache schwärmt. Mach es ihr doch zum Geschenk, dann habt ihr einen Ort fernab der Stadt. Dort kannst du auch weit besser mit der Armbrust üben als hier im Schlosspark.“

„Ja, weiß ich doch, das wollte ich auch gerade vorschlagen!“

„Dachte ich mir, mein Bruder.“ Der Prälat der Praios-Kirche lächelte vielsagend. „Und nun müssen wir über die neusten Ereignisse aus dem Königreich sprechen. Der Tod des Rabenmund … .“