Geschichten:Sternguckerin – Zweifel

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Unweit von Erlenfall, 19. Rondra 1044 BF

Der Baron besprach sich noch kurz mit seiner treuen Ratgeberin Yolande von Raukenfels, dann schickte er auch sie weg. Er wollte alleine sein. Alleine mit sich und seinen Gedanken. Ob er über seinen nahenden Tod nachdachte?

Ich passte die Rían ab und fragte sie vertraulich: „Habt Ihr gesehen, wie... wie dieses Duell ausgehen wird?“

„Die Sturmherrin ist noch unentschieden“, meinte die Geweihte und schenkte mir einen vielsagenden Blick.

Ich war einen Moment verdutzt: „Ich dachte Ihr seid gekommen, weil...“

„Nun, das scheint Ihr nicht die Einzige zu sein“, entgegnete sie mir, „Jedoch ist es, wie ich es Euch bereits sagte: Die Sturmherrin ist noch unentschieden. Sie scheint selbst noch nicht zu wissen, wem der beiden sie ihre Gunst schenken wird. Sie ist...“ Die Rían hielt einen Moment inne. „... mir fremd geworden. Seit diesem Schiedsspruch ist sie mir fremd geworden. Sie scheint eine andere zu sein als zuvor. Und ich bin nicht die Einzige, die so empfindet.“ Sie ließ ihren Blick zu der Novizin gleiten.

„Haltet Ihr Euch deswegen aus dieser ganzen Auseinandersetzung heraus?“, wollte ich wissen, „Weil ihr den Willen Eurer Herrin nicht ergründen könnt?“

Mit traurigen Blick schaute sie mich an: „Das der Harsteener des Grafens Schwester mit einer Lanze, die nicht für das Turnier geeignet war, getroffen hat, war vermutlich kein Zufall. Wissen tun wir es jedoch nicht. Er hätte sicherstellen müssen, dass seine Lanzen allesamt auch wirklich geeignet waren und Lechmin hätte besser nicht in die Schranke reiten dürfen. Es war – so schrecklich das auch klingt – eine Tragödie, die nicht hätte passieren dürfen, aber passiert ist.“

„Das solltet Ihr besser nicht so laut sagen...“

„Die Wahrheit ist oft unangenehm und schmerzhaft, deswegen können wir sie doch aber nicht verschweigen!“, sie strafte mich mit einem harten Blick, „Diese Angelegenheit betrifft aus meiner Sicht in erster Linie jene beiden, die in dieses Unglück involviert sind, dann ihre Familien, nicht jedoch ihre gesamten Grafschaften und all jene, die darin Leben.“

„Und der Schiedsspruch?“

„Versteht mich nicht falsch, Schwester Lindegard, ich achte alle meine Brüder und Schwestern, doch kann und will ich mir einfach nicht vorstellen, dass die Sturmherrin das hier gewollt hat...“ Sie beschrieb mit ihrer rechten einen Kreis.

„Dann...“, ich versuchte ihren Gedanken zu folgen, „Dann zweifelt ihr ihn an?“

„Nein“, meint die Geweihte da, „Ich zweifle lediglich daran, dass sie das hier gewollt hat. Ihr müsst wissen, Schwester Lindegard, dass es kein leichtes Unterfangen ist, den Willen der Götter zu ergründen. Viele haben es schon versucht und viele sind kläglich daran gescheitert.“

„Ihr glaubt an einen Fehler.“

„Ein Missverständnis“, korrigierte die Geweihte.

„Dann ist das der Grund, warum Ihr und die anderen Geweihten aus Schwarztannen dieser Auseinandersetzung fern geblieben seid? Weil Ihr daran zweifelt, dass es das ist, was Eure Herrin gewollt hat?“

Sie antwortete nicht, blickte jedoch in Richtung der Grafschaft Waldstein, was mir Antwort genug war.

„Vielleicht hat bisher einfach niemand die richtigen Fragen gestellt?“, schloss sie.

„Welche Fragen?“, schoss es aus mir heraus. Ich betrachtete sie neugierig und folgte ihrem Blick gen Waldstein.

„Die Mutter, Schwester Lindegard, steht immer fest, doch der Vater hingegen?“, sie wandte ihren Blick nun in Richtung Waldstein.

„Ihr... Ihr habt recht!“, ich nickte, „Warum hat niemand nach dem Vater von Lechmins Kind gefragt? Warum schweigt sie? Und warum... warum fordert er nicht... hm... Vergeltung für den Tod seines Kindes? Ihr glaubt, dass das die ganzen Angelegenheit auflösen würde?“

„Vielleicht“, die Geweihte zuckte mit den Schultern, „Vielleicht auch nicht. Wer kann das schon sagen?“ Dann schloss sie ihre Augen und lauschte aufmerksam. „Hört Ihr ihn?“, wisperte sie mit leiser Stimme, „Der Reichsforst, er ruft uns. Er ruft uns lauter denn je...“


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19. Ron 1044 BF früh am Mittag
Zweifel
Entscheidung


Kapitel 16

Duell
Autor: Orknase