Geschichten:Schlacht bei Berstenbein

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Der lange Arm der Orken:

Ein halbes kaiserlich albernisches Regiment desertiert –

Kämpfe zwischen Alberniern und Garetiern

Eigentlich hätte das Albernische Entsatzheer dem bedrängten Darpatien am Arvepass zu Hilfe kommen sollen - ausgerechnet während Albernia der schwersten Krise seit dem Bürgerkrieg entgegen sah. So kam es, dass die dramatischen Ereignisse vor Winhall in Darpatien eine ebenso dramatische – und für die Bürger im Herzen des Mittelreiches erschreckende - Fortsetzung fanden. Aus falsch verstandenem Patriotismus gingen fast 300 Albernier von der kaiserlichen Fahne. Über die Hintergründe der unerhörten Ereignisse berichtet für den Boten Halman Uí Kilstane, seit 26 Hal Kriegsberichterstatter der Havena-Fanfare.

Die Moral der kaiserlich albernischen Truppen war seit langem nicht mehr gut zu nennen – spätestens nachdem die III. Dämonenschlacht sie nahezu halbiert hatte. Verbrannt am Todeswall, niedergemetzelt am Fuße des Feldherrnhügels des Dämonenmeisters – keine Provinz des Reiches, Tobrien ausgenommen, hatte so viele Garderegimenter eingebüßt. Die Erwartungen mancher Albernier und der albernischen Offiziere aber, nun werde die militärische Stärke der Provinz schnell wieder hergestellt, wurden enttäuscht, Klagen überhört, die Lösung des Problems seit Jahren vertagt.

Die Stimmung der Albernier war deshalb ohnehin schon angespannt, als ihnen im Travia der Befehl zum Abmarsch nach Darpatien erteilt wurde - zumal man trotz Warnungen nahezu die gesamten albernischen Reichstruppen abgezogen hatte. Trotz verfrühtem Schneefall am Greifenpass machte sich das Heer auf den Weg (AB 101).

Schon Tage vor Erreichen des Passes hörte man in den Reihen der Albernier das melancholische Lied der Nebelnacht – und schließlich auch die trotzige Hymne von Selma Bragold, jener Edlen, deren Kampf gegen die Orks dereinst zur Gründung Albernias geführt hatte.

Der Vormarsch der Albernier war nach den bestürzenden Nachrichten aus Winhall kaum bis Rommilys vorangekommen, so dass sich der Eindruck vorsätzlicher Verzögerung einstellte. Doch wurde bei den Alberniern kein Wort laut, wurde das Ausmaß des Unmuts verheimlicht, wohl auch vor der Spitze des Heeres. Nur so ist vielleicht zu erklären, dass der albernische Marschall Throndwig Helman in dieser kritischen Situation die Loyalität seiner Truppen überschätzte, als er am Darpat langsamen Marsch befehlen ließ und zu Besprechungen mit dem darpatischen Stab aufbrach.

Am nächsten Morgen wurde offenbar, dass sich eine ganze Lanze Soldaten – anscheinend geschlossen – abgesetzt hatte. Die Stellvertreterin des Marschalls ließ den ganzen Zug stoppen und die Fahnenflüchtigen suchen – ohne Erfolg.

Als der Marschall schließlich zurückkehrte war klar, dass die Situation zwischenzeitlich außer Kontrolle geraten war: Fast die Hälfte der Albernier war nunmehr von der Fahne gegangen. Die Art und Weise, in der die Desertation von Statten gegangen war, deutete auf planvolles Vorgehen und vorherige Absprache hin. Zwei Schwadronen der Abilachter Reiterei wurden komplett, andere teilweise vermisst; hinzu kamen die meisten Soldaten der Havener Garde. Bemerkenswerter Weise desertierte auch die Leibschwadron des Marschalls, die von dessen eigenem Sohn Baron Reto Helman von Lyngwyn kommandiert wurde.

Dem Marschall war bewusst, dass – abgesehen vom Scheitern der Absicht, den Darpatiern und Garetiern am Arvepass militärisch beizustehen – dies das Ende seiner Karriere war, das Ende seines immerhin zwölfjährigen Kommandos über die Kaiserlichen in Albernia. Er befahl seiner Stellvertreterin, die verbliebenen Leute zum Arvepass unter die kaiserliche Fahne des darpatischen Marschalls zu führen. Er selbst brach auf, um bei den Deserteuren zu retten, was zu retten war. Noch einmal trat der Ritter der Göttin vor seine Leute, machte ihnen Mut und verließ sie noch zur selben Stunde, in sich gekehrt und niedergeschlagen. Seine Offiziere verabschiedeten ihren Marschall mit aufrichtigem Bedauern. Jeder wiederholte, was der Marschall selbst zuvor seinen Leuten gesagt hatte: »Es war eine Ehre, an Eurer Seite zu dienen.«

Die Fahnenflüchtigen hatten sich zunächst gen Gareth gewendet, um die Stadt sodann zu umgehen und weiter durch den Kosch und die Nordmarken in das vom Orken bedrängte Albernia zu ziehen. Sie entschieden sich für den Weg nördlich um Gareth herum – und liefen ihrem Unheil in die Arme. Sie stießen auf das halbe garetische Gardereiterregiment »Goldene Lanze«. Die »Lanze« war vor Wochen ausgesandt worden, um einem möglichen Einfall der Orken in Greifenfurt oder gar Garetien zu begegnen.

Die Kunde von der albernischen Fahnenflucht hatte Gareth schnell erreicht – und damit auch den Reicherzmarschall Leomar vom Berg, der zornesrot befohlen haben soll: »Hetzt ihnen den blutigen Ugo an den Hals!« Der Bote aus Gareth, der albernische Marschall und die Fahnenflüchtigen trafen fast gleichzeitig auf die »Goldene Lanze«, in Sichtweite des Gutes Berstenbein im Lande Rallerspfort.

Marschall Throndwig preschte zur garetischen Regimentsfahne, doch zu Gesprächen war es zu spät. Die Reihen der Kaiserlichen standen sich bereits feindlich gegenüber. Eben befahl Garetiens Marschall Ugo von Mühlingen den Angriff.

Die Abilachter Reiter brachen nun durch die erste Reihe der Garetier, allem Anschein nach mit einer klassischen Finte, wie sie Marschall Helman selbst während der Radromschlacht im Winter 27 Hal (AB 68) angewandt hatte. Alles deutete darauf hin, dass niemand Anderes als sein Sohn Reto selbst die Deserteure anführte. Doch nun antworteten die Reiter der »Goldene Lanze« mit ihrer Furcht erregenden Schlagkraft. Ein leichtes Regiment wie die Abilachter Reiter – noch dazu mit Fußvolk von der »Havena-Flussgarde« ohne Stangenwaffen – hatte in einem direkten Schlagabtausch nicht den Hauch einer Chance.

Wieder und wieder wichen die Albernier aus – zuletzt unter Zurücklassung der rebellierenden Teile der »Havena-Flussgarde«, die durch die tagelange Verfolgung ohnehin schon am Ende ihrer Kräfte gewesen sein mussten. Sie fochten tapfer und hinderten die Garetier an der Verfolgung, so dass die Abilachter der Schlacht entfliehen und gen Albernia reiten konnten.

Alsbald waren die verbliebenen Deserteure überwältigt, und Marschall Mühlingen jagte zwei Schwadronen hinter den Flüchtigen her, während der Rest seiner Leute die Gefangenen zusammen trieb. Die Toten auf dem Schlachtfeld jedoch gemahnten an das Geschehen der Ersten Schlacht auf den Silkwiesen: Jeder der Toten hatte für das Reich gekämpft.

Marschall Throndwig suchte die Verhandlung mit dem garetischen Marschall, bat um Pardon für seine Leute, beschwor ihn, die Entscheidung der Krone in Gareth zu überlassen. Das hitzige Wortgefecht wurde von Mühlingen schließlich barsch beendete: »Seine Exzellenz Leomar vom Berg gab mir einen Befehl – und ich werde meine Befehle auch ausführen!«

Von Mühlingen forderte zunächst Marschall Helman zur Übergabe seines Marschallsstabes auf. »Ich rechtfertige mich nur vor der Reichsregentin«, soll dieser tapfer entgegnet haben. Mühlingen aber ließ ihn entwaffnen, nahm ihm seine Insignien und überstellte ihn einer Eskorte nach Gareth. Der Brief, den zu verfassen Helman noch gestattet wurde, enthielt ein Gnadengesuch für die gefangenen Albernier. Der »blutige Ugo« jedoch machte seinem Namen alle Ehre: Nach kurzem Standgericht ließ er jeden Zehnten aus den Reihen heraustreten und vom garetischen Profoss an Ort und Stelle hinrichten. Die anderen wurden gen darpatischem Arvepass getrieben, um ein Strafbataillon zu bilden, das ein letztes Mal kämpfen sollte, um seine Ehre wieder herzustellen.

In die Hinrichtungen platzte die Nachricht, die Albernier hätten bei Steinbrücken widerstandslos den Großen Fluss überquert und wären nun auf dem Weg in den verschneiten Greifenpass. So entgingen die Abilachter Reiter der möglichen Falle: die versperrte Brücke vor ihnen, die »Goldene Lanze« im Rücken.

Noch immer aber standen in Darpatien die getreuen kaiserlich albernischen Truppen, von denen man nicht wusste, wie man mit ihnen verfahren sollte. Wäre es nach Marschall Mühlingen gegangen, hätten diese Truppen entwaffnet und gefangen gesetzt werden und nach Prüfung jedes Einzelnen entweder unter die Fahne zurückkehren oder dem Strafbataillon hinzugefügt werden sollen. Ein aufgebrachter darpatischer Adeliger forderte gar die Auflösung des ganzen Regimentes, was vorerst unterblieb.

Das Schicksal des albernischen Marschalls aber bleibt auch weiterhin ungeklärt. Im Konflikt zwischen Garetien und Albernia war er allein deshalb wertvoll, da er ohne Zweifel den ranghöchsten Gefangenen darstellte. In Gareth erwartet man einen spannenden Prozess über einen kaiserlichen Marschall, der vor Eintritt in den kaiserlichen Dienst Ritter der Göttin und mithin Geweihter der Rondra gewesen war. Anberaumt wurde der Prozess hingegen bis zur Stunde noch nicht. Fürchtet man die Konsequenzen in Albernia? Oder ahnt man in Gareth, dass der Marschall, dessen Truppen dem vom Orken bedrohten Albernia fahnenflüchtig zueilten, zur Symbolfigur werden könnte? Auch (zumindest in Gareth, weniger in Havena) für den Marschall dürfte sprechen, dass er ohne Rücksicht auf die albernische Jugend im Namen der Krone Rauls ganze Kompanien im Kampf gegen die so genannten Heptarchen geopfert hatte.

Es ist durchaus möglich, dass die Ereignisse letzten Endes zur Entfremdung zwischen Albernia und dem Reich führen - hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Vor Winhall und am Arvepass allerdings bleibt die Lage auch weiterhin prekär.

Halman Ui Kilstane


Stimmen zur Desertation der Albernier

»In meiner ganzen Laufbahn ist mir ein solcher Vorfall von Massenfeigheit nicht untergekommen – nicht vor Jergan und nicht vor der Trollpforte! Die Mannschaften hätte ich in die Warunkei gepeitscht und die Offiziere aufknüpfen lassen! Das hätte alle Renegaten fürderhin gemahnt, ihren Eid nicht zu brechen und ihre Ehre nicht zu beschmutzen!«

Garetiens Marschall Ugo von Mühlingen

»Die Nachrichten sind beunruhigend, das stimmt. Doch werden noch weitere folgen. Oder glaubt Ihr, die Albernier würden es Gareth vergessen, dass die Truppen nicht da waren, als der Ork Winhall überfiel? Oder glaubt Ihr, sie würden die unbarmherzige Hand des Mühlingers vergessen? Hoffen wir, dass sie ihren Eid nicht ganz vergessen haben, wenn der Ork geschlagen wurde.«

Meisterin der Mark Greifenfurt Faduhenna von Gluckenhagen

»Ich selbst habe vor Tuzak gekämpft, an den Trollzacken und während der Tobrischen Invasion. Niemals habe ich mutigere Soldaten erlebt als die Albernier. Sie sind stolz, das ist wahr, aber wer immer von Verrat spricht, der sollte nicht vergessen, dass ein Großteil der Albernier stets treu zum Reich gestanden hat.«

Marschall Throndwig Raul Helman von Lyngwyn



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Texte der Hauptreihe:
1. Bor 1026 BF
Schlacht bei Berstenbein


Kapitel 1

Autor: A. Kovermann / BB