Geschichten:Ritterwallfahrt - Nicht jeder ein freier Ritter

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Burg Oberhartsteen, Anfang Rondra 1035 BF


Aufrecht und stolz stand Peridan Leumar von Allingen vor dem gepolsterten Thron, auf dem sein Graf unter offensichtlichen Schmerzen Platz genommen hatte. Er hatte bereits im Vorfeld von anderen Hartsteenern das Gerücht vernommen, dass Graf Luidor sich von dem letzten Schub seines Jahresfiebers nicht wirklich erholt hatte, aber es erschreckte den Rabensbrücker Ritter doch ein wenig, das Oberhaupt der Hartsteens in einem solch schlimmen Zustand zu sehen.

»Sprecht, Ritter Peridan, was liegt Euch auf dem Herzen?«, fragte der kranke Graf mit einer herzlichen und weichen Stimme leise, aber bestimmt.

Peridan Leumar räusperte sich und sagte: »Ich habe erfahren, dass Graf Danos mit einer Gruppe von Rittern auf eine heilige Queste auszieht, um die Wehrheimer Lande zu befrieden. Ich komme daher zu Euch, weil es mein großer Wunsch ist, mich ihm anzuschließen und dem Herrn Praios und der Herrin Rondra auf diese Weise zu dienen.«

Ein Moment der Stille fiel zwischen die beiden Männer, die in ihrem Leben bereits diejenigen Schlachten geschlagen hatten, um ihr persönliches Ehrgefühl zu stillen. Je länger das Schweigen andauerte, desto unbehaglicher wurde es dem Ritter. Er fühlte die Augen seines Grafen kalt und gefühlslos auf sich liegen. Wie die Augen einer lebenden Statue.

»Nein.«

Das Wort fuhr wie blanker Stahl in die Gedanken des Ritters. Peridan Leumar schluckte trocken und nickte nur. »Wie es meinem Herrn gefällt«, brachte er heiser über die Lippen. »Aber gewährt Ihr die Gunst, Eure Ablehnung einem treuen und götterfürchtigen Vasallen begreiflich zu machen?«

Der Graf musterte seinen Ritter ohne den offenkundigen Anflug eines Gefühls. Die Ungebührlichkeit, seine Worte einem Untertanen erklären zu müssen, schien ihn nicht weiter zu berühren. Schliesslich winkte er Peridan Leumar zu sich und wies ihn mit einer Geste an, auf einem Schemel neben seinem Thron Platz zu nehmen. Gehorsam folgte der Ritter auch diesem stummen Befehl und lauschte der brüchigen Stimme seines Grafen.

»Ihr, Ritter Peridan, habt Recht getan und seid vor einer Entscheidung zu Eurem Herrn gekommen, um denjenigen, dem Ihr Gehorsam schuldet, um Erlaubnis zu bitten. Ihr verdient daher, dass ich Euch den Grund für meine Weigerung offenbare. Wir sind nicht frei zu tun, wie es sich unser Wille manchmal wünscht. Jeder verantwortet sich vor einem anderen, und ein Ritter verantwortet sich zu aller erst vor seinem Herrn, dem er unbedingte Treue und Ergebenheit schuldet, dessen Befehle er ohne zu fragen ausführt und dessen Wille für den Ritter ein unverbrüchliches Gesetz darstellt. Ein Ritter ist kein Diener der Götter, sondern ein Diener seines Herrn. Nur dann, wenn der Herr seinen Ritter freistellt, darf dieser seinem eigenen Willen folgen. Dann ist es sogar eine moralische Pflicht für einen Ritter, sich den heiligen Questen der Götter zu stellen und zu beweisen. Was ich Euch versage, gilt ebenso für jeden anderen Ritter der Feidewalder Lande. Ein Ritter von Hartsteen hat eine besondere Pflicht für sein Land zu erfüllen und deswegen wird er das Land nicht für eine fremde Queste verlassen. Wer von meinen Hartsteener Rittern in diesen Tage der Unsicherheit und der Kriegsgefahr von außen wie von innen eigenmächtig seinen Platz verlässt und ohne Erlaubnis seines Grafen seinen Platz in diesen Landen verlässt, verwirkt damit auf ewig seine Rechte an diesem Land und wird fortan kein Ritter mehr sein und in diesem Lande kein Willkommen mehr geniessen. Denn ein Hartsteener Ritter hat eine Aufgabe zu erfüllen, die gestellt wurde im Anbeginn des Reiches, die über ihn, über mich und über das Reich hinausgeht. Deshalb wird mein Freund Danos, für den ich den Segen aller Zwölfe erbitte und den ich liebe wie einen Bruder, ohne einen Ritter aus Hartsteen auf seine heilige Queste gehen.«