Geschichten:Lob und Arbeit

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Immer wieder hatte Siegerain von Bregelsaum-Berg sein Äußeres sowie den Sitz seines Wappenrocks überprüft, denn es galt schließlich den bestmöglichen Eindruck zu machen, wenn der frischgebackene Oberst gleich an seiner ersten Besprechung mit der Heeresführung teilnahm.
Über den Anlass dieser Zusammenkunft auf Burg Perlenblick hatte sich der Kurier des Heermeisters ausgeschwiegen und lediglich auf höchste Geheimhaltung verwiesen. Doch allein der Umstand, dass es sich bei dem Boten um einen Leutnant handelte, ließ Siegerain vermuten, dass es um etwas wirklich Bedeutendes gehen musste.
Das Treffen fand im großen Saal der Burg statt und mit Beginn des offiziellen Teils waren nur noch der Heermeister, die Befehliger der vier Verbände sowie die wichtigsten Offiziere des heermeisterlichen Stabes zugegen; anscheinend lag wirklich Großes in der Luft. Mit geschäftsmäßiger Miene nahm der Oberst auf den für ihn bestimmten Stuhl neben der furchtbaren Doranthe von Zwickenfell Platz, die ihm seit ihrer gemeinsamen Zeit auf Barbenwehr mit kaum verhohlener Geringschätzung begegnete. Ein Umstand, der selbst heute noch am sonst wahrlich nicht kleinen Ego Siegerains nagte und ihn darob ärgerte.
Für diesen begann die Besprechung zunächst sehr erfreulich: Heermeister Zivko selbst verlieh dem Kommandeur des Bombardenregiments das Ehrenwappen der Markgrafschaft für seine "heldenhafte Rettungsaktion" an der Sankta-Reshmina-Brücke. Seine Bemühungen waren also nicht unbemerkt geblieben, auch wenn Siegerain statt der verliehenen zweiten Klasse die erste als deutlich angemessener erachtet hätte. Gestört wurde diese Ehrung lediglich durch die Reaktion der Zwickenfellerin, die sich erst an ihrem Bier verschluckte, dann entgeistert zunächst Baron Zivko und anschließend den frisch Ausgezeichneten anblickte, bevor sie sich letztlich kopfschüttelnd den vor ihr liegenden Dokumenten zuwandte. 'Dieses alte Reptil hat einfach kein Benimm!', schoss es Siegerain durch den Kopf.

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"Gut, damit wären wir mit dem wichtigsten Part unserer Zusammenkunft nun durch. Ich darf noch einmal an die absolute Vertraulichkeit des gerade Besprochenen erinnern, auch gegenüber Ihren wichtigsten Offizieren oder anderen Adligen und Amtsträgern der Provinz. Alles Weitere wird zu einem geeigneten Zeitpunkt ausschließlich über seine Erlaucht oder durch mich bekanntgegeben werden. Haben das alle hier verstanden?" Der Heermeister ließ bei seiner Frage den Blick über die Versammelten schweifen und erhielt dann ein vielstimmiges kräftiges "Jawohl!" zur Antwort.
"Gut, dann bliebe nur noch eine Sache. Oberst von Bregelsaum-Berg!" Der Angesprochene erhob sich leicht irritiert. "Ich übertrage Euch die Organisation der anstehenden Heerschau. Wie mir Obristin von Zwickenfell vorhin beim gemeinsamen Mittagessen mitteilte, habt Ihr unter ihrem Kommando damals bemerkenswerte Kenntnisse in Verwaltungs- und Organisationsangelegenheiten an den Tag gelegt, sodass ich diese komplexe Aufgabe vertrauensvoll in Eure Hände lege. Irgendwelche Anmerkungen?"
"Nein, keine. Exzellenz können sich in dieser Angelegenheit voll und ganz auf mich verlassen.", antworte der Angesprochene mit leicht belegter Stimme.
Doranthe von Zwickenfell schenkte dem um mindestens eine Schattierung blasser gewordenen Siegerain, kaum dass er sich wieder gesetzt hatte, ein Lächeln, vor dem selbst ein Haifisch angstvoll Reißaus genommen hätte.

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"Oh, eine Parade, das wird bestimmt wunderschön, mein Lieber! Und sicher eine gute Gelegenheit, sich mal wieder in Gesellschaft zu zeigen.", erwiderte Olberthe fröhlich, nachdem Siegerain in die Reichsstadt zurückgekehrt war und ihr von seiner unerwarteten neuen Aufgabe erzählt hatte. Die wesentlich sensibleren Informationen hatte er wohlweislich für sich behalten; zum einen, um den Heermeister nicht zu verärgern, zum anderen, weil er die Geschwätzigkeit seiner Gattin nur allzu gut kannte.
"Du hast leicht reden, meine Teure. Immerhin sollen gut siebenhundert Angehörige von Heer und Landwehr daran teilnehmen, dazu noch etliche hochrangige Gäste. Vom gemeinen Volk ganz zu schweigen. Keine Ahnung, wie ich sowas in der kurzen Zeit auf die Beine stellen soll."
"Aber Schatz, wozu hast Du denn einen Stab oder wie das heißt? Gib' ihnen die Arbeit und achte nur darauf, dass die Kerle sie ordentlich machen. Und natürlich sollte keiner von Ihnen Dich gegenüber Baron Zivko in den Schatten stellen können."
Siegerains Antlitz hellte sich auf. "Für meinen Stab die Arbeit und für mich die Lorbeeren! Ja, so müsste es gehen. Nach innen mit Lob sowie Ansporn nicht sparen und nach außen hin den Eindruck vermitteln, als hätten mir meine Unterlinge lediglich zugearbeitet, während ich selbst die wirklich relevanten Entscheidungen traf. Vorzügliche Idee, Schatz!
"Freut mich, dass ich helfen konnte. Und was die Platzierung der Gäste angeht: Könntest Du dafür sorgen, dass ich möglichst nahe bei Seneschall und Markgraf sitzen werde? Das wäre wirklich großartig."