Geschichten:Hirsch und Mond

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Perricum/Haselhain/Rashia’hal – Mitte Praios 1033 BF (Zwischen den Feierlichkeiten der Hochzeit zu Brendiltal)

Dramatis Personae:


Therme – Rashia‘hal (privater Bereich)


‚Politik‘, dachte sich Treumunde, Politik wurde in Perricum, vor allem im südlichen Teil der Mark oftmals in Thermen und Saunen gemacht, wo der Adel der Region zusammenkam und sich beriet.

Eigentlich war dies gar nicht so schlecht, zumindest war es angenehmer dabei von einem Könner die verspannten Muskeln massiert zu bekommen, als eingezwängt in irgendwelche Kleider nach Luft zu japsen. Die Baronin mußte bei ihrem – zugegebener etwas übertriebenen Vergleich schmunzeln – gerade wo sie jeden für verrückt erklärt hätte, der ihr vor zwei Götterläufen gesagt hätte, dass sie eines Tages – nur mit einem Tuch bekleidet und ohne, dass jemand Hintergedanken hegte – neben dem blutigen Ugo von Mühlingen sitzen würde, und dies eine ganz normale Sache sei.

Der Duft nach Zitrone verbreitet sich in diesem Augenblick stärker in der privaten - von Simold von Haselhain für sich und seine Freunde von den Pulethanern reservierten - Therme, nachdem der Rahjageweihte einen neuen Aufguss getätigt hatte.

Danach schlenderte der junge Geweihte zu einer der Liegen zurück, wo die Baronin von Bärenau bereits mit freiem Oberkörper auf dem Bauch lag, damit die Massage endlich beginnen konnte.

Auf der zweiten Liege des Raumes, wurden die Muskeln Eslams bereits von einer Geweihten Rahjas durchgeknetet, was dem Nebachoten immer wieder dazu brachte leise aufzustöhnen, wenn sie einen besonders verspannten ‚Fleck‘ erwischt hatte.

Derweilen saßen oder lagen und unterhielten sich die übrigen anwesenden Pulethaner auf den gefliesten, mehrstufigen Sitzreihen, während sie vor sich hin schwitzten.

Dem Junker von Silberblick schmerzte noch immer die Schulter von der Tjoste, was ihm wiederum ein beiläufiges Lächeln Rondrigos von Ahrenstedts einbrachte. „Was mußtest Du Dich auch mit Eslams Schwiegertochter anlegen Cyberian.“ Scherzte der Greifenfurter. „Du hättest doch wissen müssen, aus welchem Stein jemand gehauen sein muß, damit Eslam sie ihn seine Familie aufnimmt.“

Noch während der gallsteiner Junker abwinkte, drehte der Brendiltaler Baron seinen Kopf zu Rondrigo und öffnete ein Auge um Rondrigo anzublicken. Doch bevor Eslam etwas sagen konnte, schloß er wieder stöhnend eben jenes Auge und ließ die gekonnte Nackenmassage über sich ergehen.

„Schade, dass keine Pfortenritter zugegen waren,“ lästerte Martus-Melcher, der sich selbst in den Augen seines Bruder Malepartus gut bei der Tjoste geschlagen hatte.

„Pah,“ kommentierte Yendor von Gallstein, der sich gerade mit Ugo von Mühlingen und Malepartus von Höllenwall über die Ereignisse damals zu Osenbrück unterhielt. „Was hätten sie schon hier zu suchen gehabt. Hier gab es doch richtige Wettkämpfe und kein Geckenreiten, bei denen einen gekaufte Mietlinge des Uslenrieders den Hintern sichern.“

„Wohl war.“ Meinte auch der Höllenwaller, der sich noch gut an den letzten Kampf mit einem Pfortenritter erinnerte, der ‚fair‘ ausgetragen wurde und damit endete, dass er auf Osenbrück belagert wurde.

„Wieso habän sie uns aigentlich nicht die Fähde erklärt?“ Fragte Simold beiläufig. „Angst?“ Antwortete Ugo etwas arrogant. „Man kann vieles über die Pfortenritter sagen, aber nicht alle sind vollkommene Idioten. Wissen sie doch, dass sie bei einer Fehde mit uns nur Armut und eventuell ein kaltes Grab gewinnen können.“

„Undt jätzt glauben sie, wir hätten alles vergässen und kommän gen Sturmfels geritten um dän Uslenriedär dabei zu hälfen noch aine Baronie untär saine Fittiche zu be’kommen.“ Meinte Ra’oul grimmig.

„Wie mainst Du das?“ Wollte Eslam, nun hellhörig geworden wissen.

„Na soviel ich waiß, habän sich mindästens Hilbärt und Nimmgalf zum Sturmfäls angemeldet.“

„Wuas?“ Fragte der Brendiltaler aufgebracht und setzte sich, nur mit einem Tuch um die Hüften auf der Liege auf. „Die kuommän hier här?“

„Sichär Vatär, wieso auch nicht.“

„Wieso auch nicht….“ Murmelte Eslam nun nachdenklich, sprang auf und ging auf und ab. Der Brendiltalter war sich den Blicken kaum bewußt, mit denen alle anderen ihn nun beobachteten, während sie ihre sonstigen Gespräche einstellten.

Selbst Treumunde, die gerade die Massage genoss drehte etwas den Kopf, um zu verfolgen was gerade geschah.

„Hm…hm…“ Murmelte Eslam immer wieder vor sich her, bis er mit der rechten Faust auf die linke Handfläche schlug. „Ja, so gädt äs.“

„Hättest Du die Güte uns Deine Gedanken mitzuteilen, liebster Eslam?!“ Meinte Yendor süffisant, während er sich auf die frei gewordene Liege legte, so dass die Geweihte nun an ihm fortfahren konnte.

„Puasst auf!“ Eslam drehte sich schwungvoll zu den anderen um. „Ich habä kaine Lust mähr mir ständig vuon den Pfortenrittärn auf där Nase herumtanzän zu lassän. Sobald sie sich in der Iberzahl wissän, währden sie frech und wuollen uns aus däm Hinterhalt gefangen nehmen.“

„Ja und?“ Gab Cyberian zu verstehen, dass er nicht wußte worauf Eslam hinaus wollte. „Na, där Sturmfels stäht weder unter Raischfriedän, noch untär däm schutz Rohajas. Wir kennen also nun hingähen und dän Pfertnern zaigen, wuas äs haißt sich mit ainem von uns anzulägen.“

„Du willst sie festsetzen? Dann wären wir nicht besser als sie.“ Gab Malepartus zu verstehen. „Oh duoch, paßt auf.“ Eslam stand breitbeinig in der Mitte der kleinen Therme, wo die Pulethaner, bis auf die beiden Rahjageweihten vollständig unter sich waren und erläuterte seinen Plan.

„Du Malepartus, willst Dir das sichär nicht entgähen lassen und auf dem Sturmfäls ärscheinen. Ra’oul wird ebenfalls hingähen.“ Ra’oul schaute bei dieser Aussage überrascht auf, wußte er davon doch bisher noch nichts. „Und Irean nähmt ihr mit, vor Osenbick kuam är etwas kurz und jätzt kann er zaigen ein Puley’shar (Pulethaner), einer von uns zu sein.“ Eslam war nun voll in seinem Element und lief auf und ab, während er weiter sprach. „Ihr wärdet euch ganz normal zum Sturmfels begäben. Unterstitzt meinetwegen den Sohn däs jetzigen Marbens (Barons), der auch wieder anträten wird, solangä kein Streitzig gewinnt. Dän Wettstrait selbst währden wir nicht stehren, wuollen wir uns duoch nicht mit Giganten anlegen, aber dennoch. Ihr währdet Hilbert und Nimmualf glaich zu Anfang där Zusammenkunft nun von unsärer Saite aus die Fähde erklären.“ Dabei blieb Eslam boshaft grinsend stehen. „Und duann häben sie drai Tage Zeit sich zu äntscheiden. Während diesär drai Tage währdet ihr Yendor, Ugo, Cyberian, Treumunde, Rondrigo und Martus Zait habän euch und eurä Mannen vorzubereiten, um am viertän Tag unsär Recht in dän Landen zumindäst diesär beiden ‚durchzusetzen‘.“ „Dabai solltän wir nur darauf achtän, duas wur nur Hilberts Dingä und nicht die der Kenigin angreifen.“ Warf Simold ein.

„Genau!“ Fuhr Eslam weiter fort. „Du, Simold, wirst Dich derwailen gen Aranien begäben und Dich mit dän dortigen Baburen verständigen, nur für den Fuall, dass Nimmgalf und Hilbärt iber diesän weg Nebachot verlassen wuollen. Ich wärde dagegen gän Wasserburg raiten, Zordian von Tikaris ist ein Idiot und wird mir kaine Schwierigkaiten machen. Ich wärde ihn schuon iberzeugen kennen, duass äs wichtig ist, duass ich mit mainän Ammayins (Kriegern) dort bin um die Verräter zu fangän, damit är weiter saine Ruhe hat. In Gärbenwald wärde ich den alten Hamardan iberzeugen kennen, duas ein Teil seiner Ammyins die dort läben die Augen und Ohren offen haltän.“

„Somit würde ihnen – wollen sie sich nicht in unsere Hände begeben - nur noch die Möglichkeit bleiben direkt abzureisen,“ griff der Höllenwaller die Worte auf, den der Plan zu gefallen schien, „um die drei Tage nutzen zu können, oder sich über den beschwerlichen und überaus gefahrvollen Weg über den Wall zu begeben.“

„Und wenn sie dies tun.“ Grinste nun auch Yendor. „Dann wirst Du Malepartus schneller über die Reichsstraße gen Höllenwall kommen und sie dort empfangen.“

„Genau! Sie kennen uns nicht entkommän!“ Erneut schlug Eslam seine Faust in seine Handfläche. Diesmal jedoch so stark, dass ihm sein Tuch von den Hüften rutschte, so dass er entblößt vor den anderen stand. Eslam dem dies zunächst nicht auffiel interpretierte die grimmigen Gesichter – lediglich Treumunde stützte sich auf ihren Arm und schaute interessiert, während sie errötete – der anderen falsch. Erst als Simold ihn auf das runter gerutschte Tuch aufmerksam machte, zuckte der Brendiltaler mit den Achseln und band das Tuch wieder um seine Hüften.

Die Pulethaner waren sich einig und hatten noch viel zu besprechen, bis ein jeder von ihnen seine Massage genossen hatte….



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Autor: Alex K.,