Geschichten:Heißen ihre Klingen - In den Tod sie gingen

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Palas Berg in Rosskuppel, 28. Ingerimm 1035 BF

Selbst zwischen den breitschultrigen Handwerkern, Bauern und Tagelöhnern in den engen Gassen Rosskuppels ragte Leobrecht Prankhold vom Berg aus der Menge heraus. Nicht nur seiner schieren Länge, sondern insbesondere seiner breiten Schultern wegen.

Leobrecht führte sein Pferd an den Zügeln, wahrscheinlich hätte sich die Menge auch vor ihm geteilt, wenn er geritten wäre, aber er braucht noch ein paar Momente für eigene Gedanken, und die fasste er am besten, wenn er lief.

Viel zu früh schienen sich die Häuser zu teilen und gaben den Blick auf Palas Berg mit dem hohen Griffenturm frei. Man sah dem Bau an, dass er vom wuchernden Rosskuppel eingeängt worden war und nur noch nach oben wachsen konnte. Und so hatten die Architekten in den letzten Jahrhunderten immer neue Erker und Türmchen an und auf das Gutshaus angebaut.

Das Tor, dass Leobrecht durchschritt, führte in den ehemaligen Hof, von dem nur noch der Brunnen in der Mitte zeugte und der schon zur Zeit der Eslamiden überdacht worden war. Er gab das Pferd einem Knecht, der dies rechterhands durch eine Maueröffnung ins Nachbarhaus führte, dass mittlerweile als Reit- und Fahrstall diente.

Leobrecht dagegen betrat den ursprünglichen Stall, über dessen Eingang das Wappen des Hauses - der brüllende Löwenkopf - grüßte. Dort drinnen war nun die große Halle, an deren Ende auf einem mit viel Fell gepolsterten Sessel Seginhardt von Berg saß. Man könnte Seginhardt für das Oberhaupt der kaisermärker Bergs halten, war er doch bereits selber im Greisenalter, doch führte er eigentlich nur die Geschäfte für seinen Vater Sigman, der seit Jahren oben im Griffenturm auf Golgari wartete.

Mit einer knappen Verbeugung zeigte Leobrecht seinem "Oheim", der zugleich sein Rittervater gewesen war, seinen Respekt. "Wird Golgari ihn diesmal erlösen?", ergriff er entgegen der Etikette direkt das Wort.

Schmunzelnd ob der unhöflichen Direktheit, die er seinem Knappen niemals hatte austreiben können, nickte der Alte, "Er hat nach Dir gefragt, er will Dich unbedingt noch einmal sprechen, bevor er über das Nirgendmeer geht." Der Alte nickte zur kleinen Tür, hinter der die Stufen hinauf auf den Griffenturm führten.

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Oheim Sigman war schon seit Jahren ein Greis, aber trotzdem strahlte er noch immer die Erhabenheit eines Löwen aus, während gebettet unter einem alten Löwenfell und gestützt durch viele Kissen den atemberaubenden Blick über die Kaiserstadt mit in den Tod zu nehmen versuchte.

In den letzen Jahren hatte Leobrecht den Patriarchen immer nur im Rollstuhl am Fenster der Griffenturms angetroffen, selbst im Winter hatte der Alte immer versucht, so lange wie möglich die Butzenglasscheiben offen zu lassen. Von hier oben war es ein Blick auf die Pracht des Kaiserreiches, den Schmutz und das Elend in den Gassen sah man nicht.

Beim Anblick des sterbenden Alten konnte Leobrecht nicht wie gewohnt mit seinen Fragen herausplatzen, sondern nahm sich still einen Stuhl und setzte sich neben das Bett. Wie auf ein Zeichen verließen die Bediensteten das Zimmer.

Mit leisem, eindringlichen Flüstern begann der Greis, "Leobrecht, bevor ich gehe, musst Du vom alten Bund der Acht erfahren..."

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Fast eine Stunde hatte der alte Löwe dem jungen seine Geheimnisse gebeichtet. Danach hatte er ihm das alte Lied aus Kindertagen vorgetragen - diesmal jedoch alle Strophen. Und mit der Zeile "...in den Tod sie gingen.", hauchte auch Sigman Leuentreu vom Berg sein Leben aus.