Geschichten:Gramwacht - Hartsteen

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15. Ron 1043 BF Reichsstadt Hartsteen

Zwei Tage mit Übernachtung in Pfundt waren Korwin und Ralbert unterwegs mit der Kutsche. An Reiten war bei seinem Bein noch nicht zu denken, zumindest eine so weite Strecke nicht.

Zur Mittagsstunde hatten Sie sich mit Meisterin Berdina Schindel in dem Gasthaus nahe des Tsatempels verabredet um das Engagement zu verhandeln. Die beiden nahmen sich einen Tisch mit Blick auf den Marktplatz und ließen sich von der Schankmagd einen Krug mit Wein bringen.

Korwin war in letzter Zeit nicht mehr gut auf Bier zu sprechen, ganz zum Leidwesen seiner Begleiter. Balsox mied Wein, wie Angrosch das Weihwasser, Konnar hielt Wein für horasisches Duftwasser und Ralbert war von Wein zu schnell betrunken. Aber Korwin war das egal.

"Geh nach dem Tresen und bestell uns etwas anständiges zum Essen. Einen schönen Braten oder so." Das Wasser lief ihm im Mund zusammen bei dem Gedanken an ein saftiges Stück Schweinekamm mit kräftigen Kräutern, fein gesalzen mit dunkler Soße und kleinen Zwiebelchen.

"Wenn die Gramwacht steht, kümmern wir uns um ein Gasthaus an der Reichsstraße. Es kann nicht sein, dass wir keinen Heller aus der Nähe zu Gareth und der Reichsstraße ziehen. Los beeil dich, ich hab hunger wie ein Höhlenbär."

Ralbert trottete davon.

Gleichsam stellte sich eine zünftig gekleidete Frau vor ihren Tisch.

"Euer Wohlgeboren Korwin von Gramfelden?"

Sie mochte gute dreißig Götterläufe haben, war etwas kräftiger gebaut aber mit einem prachtvollen Vorbau. Ihr Gesicht war durchaus ansehnlich und Korwin lächelte freundlich. Korwin erhob sich.

"Ja sehr wohl meine Dame. Und ihr müsst Meisterin Berdina Schindel sein, hab ich recht? Wie habt Ihr uns erkannt?"

"Das Wappen auf eurem Rock ist dasselbe wie auf Eurem Briefsiegel, mein Herr."

Korwin blickt an sich herab und dann auf seinen Gast.

"Daran hatte ich nicht gedacht, Meisterin Schindel. Aber ihr habt natürlich recht. Er neigte kurz sein Haupt um dem Scharfsinn Respekt zu zollen. Und deutete auf den freien Platz am Tisch.

"Mein Knappe Ralbert Pfundt zu Pfundtern ist gerade auf dem Weg zum Tresen um Speisen zu bestellen, aber Wein wurde uns bereits gereicht. Ich hoffe, ich darf Sie einladen?"

Meisterin Schindel nickt dankend.

"Sehr gern euer Wohlgeboren." Sie legte einen Bündel Schriftrollen neben sich auf den Tisch. "Ich habe eine kleine Übersicht meiner Arbeiten mitgebracht, damit euer Wohlgeboren sich von meiner Qualität überzeugen können.

Auch Korwin holte eine Schriftrolle aus dem Gepäck, welches Ralbert neben ihre Plätze gestellt hat.

"Und ich habe die Baupläne der Wacht dabei, damit Sie einen Blick darauf werfen können."

In dem Augenblick trat Ralbert an den Tisch: "Meisterin Schindel? Es ist mir eine Ehre. Wir haben viel über euch gehört und euer Ruhm eilt euch voraus. Darf ich euch Wein einschenken?

"Gerne euer Wohlgeboren", nickte sie freundlich zurück.

"Darf ich?" Deutet sie auf die Schriftrolle die Korwin auf den Tisch legte.

"Ich bitte darum". Korwin schob die Rolle zu ihr herüber.

Meistern Schindel löste den Riemen um die Schriftrolle und zog die drei Ellen lange Schriftrolle auseinander und schweifte mit prüfenden Blicken über den Plan. "Darf ich?" Fragte sie erneut und griff nach dem Weinkrug und einem Becher um die gerollten Ecken etwas zu fixieren.

Wortlos deutet er mit offenen Händen, das sie gerne gewähren dürfe.

Mit murmelnden Geräuschen streifte Sie mit ihren Fingern über den Plan.

"Solide geplant. Sehr solide. Geradezu verschwenderisch mit tragenden Mauern. Der Planer ist ein guter Baumeister mit einem großen Augenmerk auf grundsolide Mauern. So kann man in jedem Falle bauen. Erinnere ich mich jedoch an euer Schreiben, euer Wohlgeboren, in dem ihr schriebt, dass der Nachschub an brauchbarem Stein zu versiegen beginnt. Hier und da könnte man den Bedarf durch leichte Anpassungen verringern ohne dem Bauwerk die Handschrift des Planers zu nehmen. Erlaubt mir die Frage euer Wohlgeboren. Ist der Architectus ein Zwerg?"

Korwin grinste. "Sehr wohl Meisterin Schindel. Ihr habt ein begnadetes Auge. Der, wie sagten Sie, Architectus? Der Baumeister ist ein Zwerg. Balsox Sohn des Ebbo. Mein langjähriger Begleiter, Freund und Waffengefährte. Er wurde vor kurzem durch einen herabstürzenden Stein übel zugerichtet und befindet sich widerwillig bei einem Medicus in Gareth. Änderungen an den Plänen wird er sicherlich diskutieren wollen." Meisterin Schindel zuckt kurz mit einem Auge.

"Aber welcher Zwerg tut dies nicht, wenn es um Steine geht."

Korwin versuchte mit einem Lächeln das quittierte Zwinkern abzumildern. "Balsox wird ihnen nicht im Wege stehen. Eher würde er sich ein Bein ausreißen um noch irgendwo einen Stein oder einen Holznagel zusetzen. Zudem wird er sich nicht wagen euch bei der Herstellung des Fachwerks in die Quere zu kommen. Ginge es nach ihm, würde die Gramwacht zu einer steinernen heiligen Halle werden."

"Gerne werde ich mit Herr Balsox über die Ausführung fachsimpeln, beauftragen euer Wohlgeboren mich aber mit dem Bau, arbeiten wir nach meinen Plänen." Sprach sie mit strenger Stimme. "Andernfall kann ich für die Statik keine Gewähr übernehmen."

Sie legte beide Hände flach auf den Tisch." Ich habe gute Kontakte zu einigen Hartseener Steinbrüchen. Der Stein wird dadurch zwar nicht erschwinglicher, aber dafür können wir uns auf gute Qualität, ohne Risse und Einschlüsse verlassen. Wir haben dadurch weniger Bruch, der teuer eingekauft wurde und dann nutzlos herum liegt. Und nun kommen wir auch damit zu den Problemen. Ich gehe davon aus, dass euer Wohlgeboren von den aktuellen Ereignissen Kenntnis genommen habt?"

Korwin nickte. "Das habe ich, wobei ich mir nicht genau vorzustellen vermag, was dem folgen soll. Das Scharmützel von Nattersquell ist nicht einmal eine Woche her und Schlund und die Kaisermark befinden sich in offenem Konflikt."

"So ist es mein Herr. Wie ihr seht, begebe ich mich also aktuell in die Hand des Feindes. Und wenn ich mich um die Beschaffung von Steinen kümmern soll, wird dies zu einem Problem. Denn brauchbares Material zu erschwinglichen Preisen in verfügbarer Nähe sehe ich aktuell nur in den Hartsteener Sandsteinbrüchen."

Korwin blickte etwas irritiert.

"Aus meiner Sicht handelt es sich um eine Fehde unter ehrverletzten Adeligen. Ich bin in Reichsforst geboren und schwor dem Marktvogt persönlich die Treue. Zu vorderst fühle ich mich aber meiner Aufgabe verpflichtet. Die Wacht der Brache. Das namenlose Gezücht welches aus ihr hervorgeht interessiert sich nicht für die Farben unserer Banner. Nicht für den Adel, dem wir die Treue schworen, nicht einmal, welche Farbe das Blut in unseren Adern hat. Es will einfach nur töten und das habe ich geschworen zu verhindern. Meisterin Schindel, tretet ihr in meinen Dienst, mag es formal so aussehen, als tretet ihr in den Dienst der Kaisermark. Aber aus meiner Sicht tretet ihr in den Dienst einer höheren Sache."

Meisterin Schindel blieb einen Augenblick stumm. "Lasst uns über den Lohn sprechen euer Wohlgeboren. Das wir hier keine Garether Stadtvilla bauen, liegt auf der Hand, die Umgebung ist denkbar schlecht, aber so ist es nun mal. Der Bau ist jedoch nicht sonderlich kompliziert. Meister Balsox hat gute Arbeit bei der Planung geleistet und wir müssten lediglich ein paar Änderungen vornehmen um Material einzusparen und dennoch die selben Lasten ab zu tragen. Ich möchte es mal so ausdrücken euer Wohlgeboren. Ich gehe von einem Jahr Restbauzeit für den Rohbau mit Dach aus. Der übliche Lohn für eine erfahrenen Baumeister liegt bei dreißig Silbertaler je Woche. Aufgrund der prekären Lage nehme ich zwei Silbertaler pro Tag Zulage. Einen Taler erlasse ich euch um der Arbeit von Meister Balsox Rechnung zu tragen. Dazu kommt freie Kost und Logis in einem festen Haus mit eigenem Zimmer mit Blick auf die Burg."

"Ihr seid ein harter Knochen, Meisterin Schindel. Mit den wöchentlichen Kosten und dem Nachlass für die bereits geleistete Arbeit bin ich einverstanden. Freie Kost und Logis sind Ehrensache. Ich möchte Euch jedoch mit einem guten Angebot überzeugen, auf die Gefahrenzulage zu verzichten. Ihr könnt euch bedingungslos darauf verlassen, dass unsere Wache Gramfelden mit aller Kraft gegen das Gezücht schützt. Und ich möchte Euer Handelsgeschick reizen. Ich biete euch jeden von Euch ausgehandelten Nachlass am Materialpreis gegenüber dem Angebot des Steinbruchs als Provision an. Jeder gesparter Heller fließt in euer Säckel." Sprach er und hielt ihr die offene Hand hin.

Meisterin Schindel sah man an, dass es in ihr arbeitete. Sie zählte den Bedarf an Steinen und die Fuhren zusammen, den zusätzlichen Aufwand für die Reise und überlegte, wer ihr noch einen Gefallen schuldete und bei wem sie noch ein paar Gefälligkeiten einfordern konnte. Das Angebot war in jedem Fall besser als ihr gegenüber vermuten würde. Sie reichte ihm die Hand und schüttelte diese. "Es ist mir eine Ehre, euer Wohlgeboren."

Gleichzeitig bemerkte Korwin, dass er sicherlich eine hervorragende Baumeisterin in seinen Diensten hat, aber wohl nicht das beste Geschäft. "Wann könnt ihr anfangen? Und wann muss ich euch nach Hartsteen begleiten, denn bei dem Handel wäre ich gerne dabei?



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15. Ron 1043 BF 12:00:00 Uhr
Hartsteen
Nattern


Kapitel 11

Das Ungetüm
Autor: Gramfelden