Geschichten:Faust des Ostens Teil 13 - Gefecht aus dem Nebel

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Personen:
- Eslam von Brendiltal
- seine Söhne Ra'oul und A'urel
- deren Gemahlinnen Malina und Lyn
- Kian von Peirrish
- Wallbrord von Löwenhaupt-Berg
- die Soldaten des 1. und 4. Banners des Rgts. Trollpforte
- diverse nebachotische Krieger und Reshminianer
- eine Horde blutrünstiger Marodeure bzw. Piraten


Leise und gebückt huschte der Soldat zurück über die Hügelkuppe, die natürliche Deckung der Weinstöcke ausnutzend, die den nördlich des Dorfes gelegenen Berg säumten. Hinter dem Kamm warteten seine Kameraden zusammen mit den ungeduldigen Offizieren. Im Dunst des Morgengrauens warteten zwei Banner Markgräfliche auf seinen Bericht und die folgenden Befehle. Er wollte sie nicht zu lange warten lassen. "Und? Was gibt es da unten?" Der Gruß des Oberst fiel knapp und zweckmäßig aus. Nach einem kurzen Salut begann der Späher mit seinem Bericht. "Die Bauern hatten recht. Das Pack hat sich in dieses Dorf zurückgezogen und gesammelt. Wie es aussieht, haben sie vor, ihre Beute zur Küste zu schaffen. Aber sie scheinen unsere Anwesenheit bemerkt zu haben, denn sie rotten sich kampfbereit zwischen den Gebäuden zusammen. Ich konnte allerdings wenig Fernwaffen erkennen, doch es ist dunstig." - "Wieviele sind es?" Der Soldat verzog leicht das Gesicht. "Keine verläßliche Zahl, Herr Oberst, aber sie dürften uns etwa doppelt überlegen sein." Wallbrord nickte nachdenklich. Doppelte Übermacht stand gegen Disziplin und überlegene Bewaffnung, leichte Befestigung gegen Reichweite. Mit einer Handbewegung entließ er den Späher. "Gut gemacht, Korporal. Ins Glied eintreten!" Dann wandte er sich an die beiden Hauptleute. "Wir sind nah an der Küste und müssen davon ausgehen, dass die Marodeure sich auf See zurückziehen. Ich bin nicht bereit, sie mit dem Plündergut ungestraft abziehen zu lassen. Die Banner sollen sich aufstellen, Infantrie als Schirm vor die Schützen. Ausführung!"

In mehreren weit ausgefächerten Reihen rückten das erste und vierte Banner des Regimentes "Trollpforte" über den Kamm. Die Weinstöcke gaben ihnen ein wenig Deckung, behinderten aber auch das Vorrankommen. Außer einem leisen Rascheln war nichts zu hören: die Trommeln schwiegen und die Stiefel suchten sich vorsichtig ihren Weg. Am Ende der Rebenreihen ging der geraunte Halt-Befehl von Rotte zu Rotte. "Herr Oberst - sieht aus, als würden sie Wagen heranschaffen... seht, da, am südostende des Dorfes." - "Ja, ich sehe. Viertes Banner fertig zum Angriff. Schuss frei nach eurem Ermessen..." - "Jawoll, Herr Oberst, denen werden wir die Suppe ordentlich verhageln!" Die Offizierin salutierte und machte sich daran, ihr Versprechen einzulösen. Kurz darauf erhob sich der erste Schwall langer Bogenpfeile vom Rand der Weinstöcke aus in den dunstigen Himmel, gefolgt vom Zweiten und Dritten noch bevor der erste eingeschlagen hatte. Grimmig und zufrieden verfolgte Wallbrord von Löwenhaupt-Berg die Flugbahn. Doch dann verlor sich der Triumph und er starrte entgeistert auf den gegenüberliegenden Dorfrand.


"Ra'oul, nun habän wir sie. Die Faiglinge habän sich in das Dorf zurickgezogän und verschanzän sich!" A'urel spie diese Worte fast aus. Als sein Bruder diese Worte vernahm, zog er seinen Säbel. Er war das Warten Leid, nachdem er vergeblich versucht hatte, ihnen den Weg abzuschneiden und dann seine Schwägerin Malina mit der Nachricht kam, die Versprengten des Gefechts bei Baran'athin hätten sich mit einem weit größeren Haufen Plünderer vereint. Sie hatten wertvolle Zeit verloren, auf mehr Krieger zu warten. Doch endlich waren sie da - angeführt von Eslam von Brendiltal selbst. Zufrieden ließ er den Blick über Reihen der Ammayin gleiten. Unter ihnen fielen Malinas Reshminianer mit ihren blauen Mänteln deutlich auf. Auch seine Gemahlin und sein Bruder waren hier. A'urels Verwundung hatte sich glücklicherweise als weniger schwerwiegend herausgestellt als zuerst angenommen. Und jetzt konnte er es kaum abwarten, es diesem Pack, das sein Heim verwüstet hatte, ordentlich zu vergelten. Insgesamt brannten fast dreihundert Reiter darauf, die Eindringlinge unter den Hufen ihrer Pferde zu zermalmen. Wie ein Sturm würden sie aus dem Nebel unter die Halunken fahren und ihnen den Gar aus machen. Eslam hob den Säbel am gestreckten Arm und ließ ihn dann nach vorne Fahren. "Fir Kor, vorwärts, Ammayin! Sterbt schnell und ehrenvoll!"

Im Zentrum des Ansturmes hielt Malina von Niederriet direkt in Richtung der Piraten, die noch eilig versuchten, Wagen und Karren ineinander zu verkeilen, um den Eingang zum Dorf zu versperren. Die Rittmeisterin des Bundes frohlockte, als sie bemerkte, dass das nicht gelingen würde, bevor sie heran waren. Sie sollten für die Verwüstungen in Schwalbenbach und den anderen Dörfern büßen. Es schien, als wenn die Götter die Beharrlichkeit der Brendiltaler belohnen würden. Schon fielen die ersten Feinde unter den Pfeilschüssen der nebachotischen Krieger, die an den Flügeln wie zwei Gabelspitzen in das Dorf eindrangen, die Piraten zu umzingeln. Rechts und links neben ihr senkten sich die schweren Lanzen der Reshminianer, bereit, Leiber zu durchbohren. Und plötzlich war ihr linker Nachbar fort. Aus dem anderen Augenwinkel sah sie, wie der junge Kian von Peirrish die Lanze fallen ließ und sich den Arm hielt. Rings um sie herum schlugen Pfeile ein und trafen Piraten und Reiter gleichermaßen. Reflexartig riss sie den Schild hoch und wäre fast aus dem Sattel gestoßen worden, als ihre Lanze ein Ziel fand und gleich zwei Piraten aufspießte. Hastig riss sie ihr Schwert aus der Scheide und sah sich um. Der Pfeilhagel schien vom gegenüberliegenden Berg zu kommen. "Am Berg! Schützen!", brüllte sie so laut sie konnte über das Schlachtfeld und begann um sich zu hauen.


"Verdammt nochmal, wo kommen die her?" Fassungslos verfolgte Weibel Wackerast, wie eine große Reitertruppe aus der Nebelwand am anderen Ende des Dorfes auftauchte und unter die Besatzer desselben fuhr, genau in jenem Augenblick, als der erste Schwall Pfeile von den Sehnen darpatischer Langbögen einschlug. "Einstellen, Schießen einstellen!" Doch es war zu spät. Unter den schon im Flug befindlichen Pfeilen fielen Streiter beider Seiten des blutigen Nahkampfes, der sich im Dorf entspann. Eine Gruppe von Reitern löste sich vom Rand des Kampfes und lenkte die Pferde im Galopp den Hang entlang auf die Stellung der markgräflichen zu. Vor den Bogenschützen machten sich die Infanteristen bereit, die Weinstöcke als Deckung nutzend. Von irgendwoher drang der Ruf des Oberst durch den Weinberg. "Fahnen hoch, Musik!"

A'urel wollte seinen Augen nicht trauen. Als er auf die Stellung der Heckenschützen zuhielt, hatte der Beschuß recht schnell aufgehört. Mehr noch als die anderen hatte er sein Reittier angetrieben und sich die Seele aus dem Leib geschrieen. Malina war genau dort, wo diese Bastarde ihre Geschosse zuhauf abgeladen hatten! Doch auf das, was kam, war er nicht vorbereitet. Er hatte schon fast angenommen, die Hunde hätten beim Anblick der wild auf sie einstürmenden Ammayin die Flucht ergriffen, da erklangen plötzlich Pfeifen und Trommeln und aus den Weinstöcken traten Uniformierte. Und über ihnen wehte das Banner der Markgrafschaft. Nur mühsam brachte er den Ansturm zu halten, dann brüllte er: "Wer hatt hiär den Befehl? Zeig dich, du Bastardt! Ich schnaidä Dir Dain Gemecht ab und hängä äs Dir um die Ohrän bevor ich Dich aufspießä in Dainän Pfäch zurückschlaifän lasse!"