Geschichten:Einigung von Morganabad – Abberufen

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Schloss Darrenfurt, Baronie Dürsten-Darrenfurt, Rahja 1043 BF:

Nandiran von Altmark saß an seinem Schreibtisch und sah die Korrespondenz des Barons durch. Bittsteller, Gratulanten, Schmeichler – der junge Baron von Dürsten-Darrenfurt wurde umgarnt und das nicht zu knapp. Seit der 'Einigung von Morganabad' vor gut einem Götterlauf hatte sich die Macht des jungen Barons weiter gefestigt, schließlich wurden seine Forderungen und Bedenken vom Markgrafen, gar von der Kaiserin erhört. Hätten sich die Aranier durchgesetzt, wäre ein Drittel seiner Baronie nun Teil Araniens - welch Katastrophe das geworden wäre. Doch nun würde der Grenzverlauf festgesetzt und auch wenn das namensgebende Morganabad in dem Vertrag sonst keine Erwähnung fand, so war doch klar, dass es der Markgrafschaft Perricum und somit Dürsten-Darrenfurt zugeschlagen wurde. Ein großer Erfolg für Thorondir. Den Nachbarn in Weißbarûn erging es nicht so gut. Kein Wunder also, dass der Baron nunmehr fest im Lager des Markgrafen zu verorten war, auch wenn sicherlich andere die Verhandlungen geführt hatten. Bei aller Freude über die Bestätigung der Grenzen, so stellte die 'Einigung von Morganabad' Dürsten-Darrenfurt doch auch vor große Herausforderungen. Im Süden der Baronie lebten nicht weniger Aranier, die nicht erfreut über die erzielte Einigung waren und ihren Ärger immer wieder Luft machten.

Der unscheinbare Meister der Schreibstube überflog die Briefe und ordnete sie penibel nach Wichtigkeit. Der Baron hasste es mit Kleinigkeiten belästigt zu werden. Ein gesiegelter Brief fiel ihm dabei ins Auge – es war das Siegel von der Junkerin von Darren-Ulah, der Tante des Barons. Nandiran überflog die Zeilen immer und immer wieder, denn so richtig glauben mochte er den Inhalt nicht.

In diesem Moment stürmte der Baron mit seinen beiden Hausrittern Ramin und Hamedan herein. Alle drei wirkten ausgelassen, geradezu neckisch. Bestimmt kamen sie gerade von ihrem morgendlichen Ausritt zurück. Und ja, die schmutzige Kleidung 0der jungen Männer bestätigte seine Annahme.

„Ist das nicht ein wunderschöner Morgen?“ Thorondir breitete die Arme aus und strahlte über das ganze Gesicht.

„Ja, es gibt nichts Schöneres als den Tag mit einem wilden Ausritt zu beginnen“, stimmte Hamedan mit ein, während Ramin zustimmend nickte.

„Ah mein guter Nandiran, wie immer schon fleißig.“ Thorondirs Blick fiel auf die Stapel auf dem Schreibtisch.

„Ich habe Eure Korrespondenz wie immer nach Wichtigkeit geordnet“, antwortete der Schreiberling pflichtbewusst. „Dieses Schriftstück dürfte Euch besonders interessieren.“ Nandiran übergab dem Baron das Schreiben von dessen Tante.

„Ah, was will meine verehrte Tante denn nun wieder?“ Die Worte des Barons hatten einen deutlich ironischen Unterton.

„Kurz gesagt, sie bittet um Entlassung von ihren Ämtern als Zeugmeisterin und Hofkaplanin, sowie der Entbindung von ihren Pflichten als Junkerin von Darren-Ulah.“

Ramin schaute ungläubig erst zu Hamedan und dann zu Throndir. „Sie will was? Nach all den Scherereien, die wir darum hatten?“

„Was ist ihre Begründung?“, wollte Hamedan wissen.

„Der Ruf ihrer Kirche. Während der Verhandlungen von Morganabad hatte sie eine Unterhaltung mit dem Schwert der Schwerter, die ihr den Weg erleuchtet habe. Die Leuin schickt sie in den Sturmwächter-Tempel in den Wall. Zur Einkehr und Besinnung auf die Tugenden Rondras, wie es heißt. Weltliche Ämter wären in diesen Zeiten nur Ballast, den es sich zu entledigen gilt.“ Nandrian schaute in die Runde.

„Aber sie hat doch so für weltlichen Einfluss hier gekämpft – auch gegen dich, Thorondir.“ Hamedan konnte es immer noch nicht glauben.

„Ja und sie hat verloren und sich davon nie erholt“, fügte Ramin hinzu.

„Dann kam noch der Sternenfall, Haffax, Arivor … .“

„Mein Herr“, der Meister der Schreibstube räusperte sich, „nun ist es an Euch einen neuen Junker für das nun vakante Lehen Eurer Tante zu berufen. Ihre Kinder kommen nicht infrage, da das eine tot ist und das andere ebenfalls im Schoß der Kirche verbleiben soll. Wenn ich einen Denkanstoß geben darf, Viburn von Aarenhaupt verwaltet das Lehen bereits erfolgreich seit Jahren an Eurer Tante statt.“

„Ja, der Aarenhaupt, ein loyaler Mann“, murmelte Thorondir vor sich hin und die aufmüpfige sog. Liga würde es auch beruhigen, dachte er kurz. „Ein guter Denkanstoß mein guter Nandiran.“

"Die 'Einigung von Morganabad' hat so einige Verwerfungen offenbart", warf Ramin ein, "zwar wurden die Gebietsansprüche Perricums, was Dürsten-Darrenfurt angeht, vollends bestätigt, aber viele Teile der aranischen Bevölkerung auf unsere Seite sind unzufrieden damit. Es wäre wohl ein unglückliches Zeichen, ihnen nun auch noch einen raulschen Junker vorzusetzen."

"Wahr gesprochen, Ramin, denn nun gilt es den Frieden zu wahren. Also wäre es vor Vorteil jemanden mit aranischer Herkunft zu benennen ... aber die Loyalitäten der Person müssten ganz klar aufseiten des Reiches liegen."

"Ganz recht", auch Hamedan nickte zustimmend.

"Ich habe mich bereits entschieden." Thorodir blickte mit einem kecken Lächeln zu Hamedan und schaute dann zu Ramin. "Ramin, ich weiß, du und der Reichsvogt habt Dürsten-Darrenfurt bei den Verhandlungen von Morganabad um eine Katastrophe bewahrt. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Hirtenheim und Morganabad an Aranien gefallen wären ... daher ernenne ich dich zum Junker von Darren-Ulah! Dort gibt es einen lauschigen Landsitz, wie mir zugetragen wurde, also genau das Richtige für dich und Hamedan." Der Baron blinzelte seinen beiden Hausrittern zu.

Der Angesprochene blickte seinen Herren beinahe erschrocken mit großen Augen an und fiel sogleich ergeben vor ihm auf die Knie.

Thorondir freute sich, mit dieser Entscheidung gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen belohnte er einen loyalen Gefolgsmann und besänftigte die brodelnden Gemüter seiner aranischen Untertanen. Zum anderen würde seine Gattin nun Ruhe geben, die ihm in den Ohren lag, Ramin wieder nach Dürsten-Darrenfurt zu beordern. Das Engagement von Ramin und dem Haus Aimar-Gor während des Blutigen Jahres in Garetien war ihr ein Dorn im Auge, hatte sich Ramin dort doch als fähiger Hauptmann behaupten können und somit den Einfluss ihrer Familie geschmälert. Hier im fernen Perricum konnte er ihren Ambitionen in Garetien nicht gefährlich werden.



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Autor: Bega