Geschichten:Ein Städtebund? – Gnitzenkuhler Opportunismus

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Stadt Gnitzenkuhl, Anfang 1047 BF

Es war heiss und schwül, das Sirren der aufkommenden Stechmückenschwärme nahm stetig zu. Besonders den feisten, dicken Rats- und Speisemeister, Alrik Schnittschleifer, der als Vertreter für die Schlachter, Fleisch- und Fischschneider bzw. -händler im Rat saß, plagten diese beiden Umstände am meisten. Er tupfte sich den Schweiß von seinem ausladenden Kinn und schlug zu langsam nach einem dieser kleinen Blutsauger. Verärgert verlas er daraufhin die Tagesordnungspunkte: “...4. Restaurationsbedarf der städtischen Waage, samt Anschaffung einer neuen Viehwaage, 5. Ermahnung der Zünfte und Gilden zur Einhaltung ihres “Mauerprivilegs” zur Unterstützung der Garde, 6. Gesuch der Stadt Haselhain zwecks gemeinsamer Gründung eines Handels- und Städtebundes, …”

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“Ich danke dem Ordnungsmeister, seiner Gnaden von Wasserburg, für den Bericht zum ‘Mauerpivileg’ der Zünfte und Gilden und den weiteren ehrwürdigen Ratsleuten für die eindeutige Entscheidung. Mit vier zu einer Stimme, bei einer Enthaltung, haben wir eine Ermahnung an die Privilegsinhaber beschlossen, samt Androhung einer geringfügigen ‘Bußzahlung’ bei erneuter Vernachlässigung. Erneut danke ich dem Ordnungsmeister für die detailgenaue Formulierung.”

Die Flurmeisterin Malva Weidenik schüttelte leicht den Kopf. “Ich sehe immer noch nicht ein, warum die Bauern des Umlandes diese Pflichten und etwaige Bußgelder in gleicher Höhe tragen sollen wie diejenigen, die innerhalb dieser Mauern wohnen. Aber ich beuge mich dem Schluss des Rates.”

“Was bleibt euch auch anders übrig, Weidenik? Und auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, auch eure Leute und Erzeugnisse profitieren vom Schutz und der Instandhaltung der städtischen Mauer.”, der Sittenmeister, seine Gnaden Travidan von Firunslicht-Oppstein, war etwas ungehalten.

“Die Diskussion ist geschlossen, die Ermahnung beschlossen, meine Dame, euer Gnaden.”, der dicke Ratsmeister schob einen Riegel vor die erneut aufkeimende Diskussion und tupfte sich nochmals Schweiß vom Kinn. “Kommen wir zum nächsten Tagesordnungpunkt: Dem Gesuch der Stadt Haselhain, genauer Wortlaut liegt den ehrwürdigen Ratsleuten vor, etc. Meinungen dazu?” Dem Schlachter und Viehhändler war mittlerweile zu warm für langatmige Formulierungen.

Dies amüsierte sichtliche die Werkmeisterin und Ziegelbrennerin Palina Brenner, die Hitze gewohnt war, sie eröffnete auch gleich, in der ihr eigenen saloppen Art: “Ich mach es kurz, damit uns der Ratsmeister nicht davonfließt. Die Handwerksgilden der Stadt sind dafür - ein solcher Bund wird unsere Erzeugnisse, vorallem unsere Ziegel, bis weit in die Perrinlande tragen. Ein ja von meiner Seite.”

Schnell hakte an dieser Stelle der Sittenmeister vom “Heim der himmlischen Familie” ein: “Nicht so voreilig, erstens bin ich mir bei eurer Behauptung gar nicht so sicher, was sollen die Nebachoten mit unseren Ziegeln? Und viel wichtiger, frage ich mich, was wohl die hochgeborene Frau Baronin dazu sagen würde? Bevor wir also nicht ihre Meinung eingeholt haben, stimme ich dagegen.”

“Mal wieder an der Zitze der Gnitze.”, entgegnete die Zollmeisterin der Stadt, die Vertreterin der Händlergilde, Maia Rotfurt, was sowohl dem Sitten- als auch dem Ordnungsmeister hochrote Köpfe bescherte. Doch die Hänlderin fuhr schlicht über deren Empörung hinweg: “Nebachoten können sehr wohl Ziegel gebrauchen, wir bauen ja nicht mit Stroh. Davon ab, leben in den Städten Brendiltal, Haselhain und Darrenfurt größtenteils Raulsche und letztlich ist unsere Ziegelproduktion auch nicht so groß, als das wir Gefahr laufen würden, den Markt nicht bedienen zu können. Und was die Baronin angeht, sie ist erneut nicht hier und nimmt ihren Ehrensitz wahr, sonst hätten wir sie fragen können. Aber ohnehin sind wir Gnitzenkuhl, Stadt von des Grafen Recht, die Baronin hat eine Meinung in diesem Saal, so sie denn da ist, aber keine Stimme. Davon ab wird auch ihrer Baronie dieser Bund wohltuend sein, ganz zu schweigen von unserem Handel, bei dem auch wir hier langsam merken, dass Mada Basari, Wasserburg und Dergelmund uns davonlaufen. Von der Reichsstadt ganz zu schweigen. Wenn wir da mithalten wollen, haben wir gar keine andere Wahl. Zumal Brendiltal, Haselhain und Darrenfurt das auch sicher auch ohne uns durchziehen werden. Besser dabei sein, als allein da stehen. Die Händlergilde stimmt dafür.”

“Ganz im Gegenteil, Ratsherrin Rotfurt, wenn wir unsere Tore den Waren aus einem Landstädtebund öffnen, haben unsere Erzeugnisse hier vielleicht das Nachsehen. Korn und Vieh aus den weiten Ebenen Haselhains, ebenso Rösser - und Fisch aus dem Perlenmeer aus Herdentor. Das ist mir ein zu großes Risiko, so spekuliert man nicht mit den Gaben der Herrin. Ich stimme dagegen.”, Malva Weidenik war heute nicht in der Laune für Zugeständnisse.

Der mittlerweile völlig fertige Ratsmeister hob nur kurz an: “Ich gehe mit Ratsherrin Rotfurt, ein ja von meiner Seite.”

Nun schauten alle auf den Meister der Ordnung, dessen Stimme zu einer Entscheidung oder einem Stimmenausgleich führen würde, der dem Sitz der Baronin eine Stimme einbrächte. Und meist stimmte er ähnlich wie der Sittenmeister.

Dementsprechend schob Maia Rotfurt noch einmal nach: “Euer Gnaden, bedenkt bei eurer Entscheidung, dass die Bundspartner, bei der vorhin vertagten, aber dringend nötigen Restaurierung der Stadtwaage behilflich sein könnten, dies könnten wir gar zur Bedingung machen.”

Anscheinend änderte dieser Zusatz etwas beim Praiosgeweihten, der zuvor entschlossen schien und nun einen entschuldigenden Blick dem Sittenmeister zuwarf: “Nun, ich kann dem nicht besten Gewissens zustimmen, ABER ich enthalte meine Stimme. Ich halte mich in dieser Angelegenheit zurück mit einer Bewertung, außerdmém scheint Haselhain auf eine Enscheidung zu drängen.”

Traviadan von Oppstein-Firunslicht schien enttäuscht, er hätte lieber die Baronin in dieser Angelegenheit gehört, doch nun war es entschieden, der Sittenmiester nahm sich erneut vor der Baronin anzuraten, öfter ihren Sitz wahrzunehmen. Wäre sie anwesend gewesen, hätte der Praoit sicher anders entschieden. Oder war da etwas anderes?

Der Ratsmeister riss den Travia-Geweihten aus seinen Gedanken: “Dann ist es beschlossen. Mit drei zu zwei Stimmen, bei einer Enthaltung. Wir senden dem Haselhainer Rat einen positiven Bescheid und eine Ergänzung des Angebots, welches weiter verhandelt werden muss.”


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Rat der Stadt Gnitzenkuhl:

Rats- bzw. Speisemeister - Vertreter der Fisch- und Fleischhändler, Fischschneider und Schlachter (der Peraine- und Efferdkirche nahe) Alrik Schnittschleifer (Schlachter und Viehhändler)

Ordnungsmeister - Vertreter der Praioskirche Korbor von Wasserburg (Vorsteher des Praiostempels)

Sittenmeister - Vertreter der Traviakirche Traviadan Firudic von Firunslicht-Oppstein (Vorsteher des Traviatempels)

Flurmeisterin - Vertreterin der (Vieh-)Bauernschaft und Müller, verantwortlich für die Kornspeicher (der Perainekirche nahe) Malva Weidenik (Frei- und Großbäuerin)

Zollmeisterin - Vertreterin der Händlerinnen Maia Rotfurt (Ross- und Reitwerkshändlerin)

Werkmeisterin - Vertreterin der Handwerker (traditionsgemäß meist aus den Reihen der Schnapsbrenner, Lederer oder (Dach)Ziegelbrenner) Palina Brenner (Ziegelmacherin und Dachdeckerin)

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Ehrensitz für die Baronin - kein direktes Stimmrecht (selten genutzt)



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Sommer am Anfang 1046 BF
Gnitzenkuhler Opportunismus
Brendiltaler Hegemonie


Kapitel 3

Autor: Jan