Geschichten:Ein Städtebund? – Darrenfurter Forderungen

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Stadt Darrenfurt, Anfang 1047 BF

Das Magistratsgebäude war ein wahrlicher Blickfang. Als der Marktplatz im Jahre 989 BF im Zuge der Stadtkernsanierung erweitert wurde hatte sich nicht nur die Baronin einen neuen Stadtpalast errichtet, auch der Stadtrat hatte die Möglichkeit genutzt sich ein angemessenes Ratsgebäude zu errichten. Sicher, so mancher behauptete, dass der Baronsitz das teuerste Gebäude der Baronie war, doch Hedwine Fleischhauer - Vertreterin der Alay el'Mach'Termid-Handwerker - wusste es besser. Auch das Magistratsgebäude verfügte über gläserne Scheiben und man hatte damals nicht an Ausstattung gespart! Zu dem waren die Barone von Darrenfurt hier nur (gern gesehen) Gäste in der Stadt.

Wie zur Selbstbestätigung strich sie über die gepolsterte Armlehne ihres Stuhls, der von feinen Blumenornamenten durchzogen war, die sich um das Stadtwappen wanden. Ein poltergleiches Klopfen riss sie aus ihren Gedanken und zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. Belima Nefiri, die überaus begabte und geschätzte Buchmalerin aus einflussreichem Hause und großer Werkstatt mit weiteren Schreibern und Buchmalern, hatte mit der schweren Ratskugel Aufmerksamkeit eingefordert, alle weiteren 11 Räte blickten sie an. Mit ihrer weichen, beinahe säuselnden Stimme hob sie an, “da dieser Punkt nun… Abgearbeitet ist: kommen wir zu dem Antrag des verehrten Rats Timur Feqzaïl, das Schreiben der Stadt Haselhain”. Sie blickte nach unten, auf den Papierstoß vor sich, und schien kurz etwas nachzudenken.

“Das Schreiben liegt den werten Räten bereits vor und ich gehe davon aus, dass sich ein jeder damit auseinandergesetzt hat. Eröffnen wir also direkt die Diskussion, ich erteile Herrn Feqzaïl das Wort, wie es den Statuten unserer Stadt entspricht…”. Sie setzte sich und lehnte sich in ihrem Stuhl, ohne eine Miene zu verziehen, zurück.

Der Leiter des Familienkontors und Vertreter der Händler erhob sich. Sein verschmitztes Grinsen wurde durch das schmale Kinn unterstrichen. “Meine verehrten Miträte! Dieses Angebot ist der Schlüssel zur Lösung unserer langsam einsetzenden, aber immer stärker bemerkbaren, Probleme! Viele der ansässigen Händler merken die ausbleibenden Aufträge, Geschäfte - ich gebe offen zu, auch ICH spüre sie! Jedoch sind nicht nur wir Händler betroffen, auch unsere Handwerker sowie der Müller haben mit diesen Umständen zu kämpfen.”, er legte eine Pause ein und blickte jeden der anderen elf Räten tief in die Augen. Hatte er übertrieben? Sicher, doch nur ein bisschen, seine Kontakte zum Baronshof hatten die schlimmsten Auswirkungen abfedern können. Doch wenn sich eine Möglichkeit ergab, so würde er sie zu nutzen wissen.

“Wir alle kennen den Grund für diese Probleme! Es sind weder die Reichsstadt noch Dergelmund, nein es ist das Handelshaus der Mada’Basari! Sie haben unsere Stadt bereits in ihrem Griff, mit ihrem riesigen Netz in Aranien kommen sie günstiger an Waren als jeder der hier mit Waren hantiert. Dieses Angebot kommt genau zur rechten Zeit und wird uns helfen gegen die übermächtige Mada’Basari zu bestehen”. Er nickte zufrieden, durch seine Familie wusste er, dass auch Brendiltal dem Angebot aus Haselhain gewogen war. Gemeinsam mit den anderen Städten würden sie sich vielleicht nicht unbedingt gegen die Reichsstadt, sicher jedoch gegen das aranische Handelshaus, bestehen können.

Einen kurzen Moment herrschte Stille, dann begannen die Räte untereinander zu sprechen, das Gemauschel verstummte schlagartig, als Belima erneut die Kugel eindringlich gegen die schwere Holzplatte des runden Tischs schlug. Die Tintenfässchen und Weingläser klirrten durch die Erschütterung und die Ratsmeisterin war sich abermals der Aufmerksamkeit der Miträte gewiss.

“Eine schöne Einleitung, verehrter Collegae. Doch reichlich dramatisch, meiner Meinung nach… lasst mich also mit einem weiteren Blickwinkel euren Horizont erweitern! Statt gegen die Mada’Basari und ihrem - wie bereits festgestellt wurde - mächtigen Verbindungen nach Aranien zu arbeiten könnten wir auch einen engeren Austausch anstreben! Herr Feqzaïl, stammt Eure Familie nicht selbst aus Aranien und hat nicht auch sie noch die ein oder andere Verbindung in das benachbarte Reich?”. Ein zustimmendes Murren ging durch den Ratssaal und der ein oder die andere nickte anerkennend zur Buchmalerin, welche ihr Handwerk dereinst ebenfalls im Mhaharanyat erlernt hatte und auch gute Verbindungen dort hin pflegte. So manche Stimme sagte ihr deshalb bereits seit Erscheinen des aranischen Handelshauses mehr als eine gewisse Nähe zu ebendiesem nach.

Der Parfumateur Baldinus, ebenfalls aus alter bürgerlicher Familie, ließ eine Wortmeldung vermelden und abermals wurde mit dem Schlagen einer Ratskugel für Ruhe gesorgt. Er hatte nicht die leichteste Stellung im Rat, sagte man ihm doch nach, ein verlängerte Arm der Rahja-Kirche zu sein und das obwohl die Kirche bereits einen Sitz im Rat besaß. Die Kirchen der Stadt hatten gemeinsam zwei Sitze inne und wechselten sich nach einem komplizierten Schlüssel ab, meist hatten allerdings die Hesinde- und Rahja-Kirche die Sitze inne. Sollte die Annahme bezüglich dem Parfumateur und der Kirche - welche an der Parfumatur einen eigenen Anteil besaß - stimmen, und dies war ziemlich offensichtlich, so hätte sie sie damit einen großen Einflussfaktor im Rat und konnte damit die Stadtgeschicke maßgeblich mitbestimmen.

“Wahre Worte, von beiden Rednern vorgebracht. Doch sollten wir uns fragen: Weshalb würde sich die Lage ändern, wenn wir uns dem aranischen Handelshaus noch mehr anbiedern? Hat dieses Anbiedern nicht erst zu unserer Lage geführt? Mit den anderen Städten könnten wir auf Augenhöhe zusammenarbeiten und unsere eigenen Interessen besser wahren”. Ohne ein weiteres Wort setzte sich Baldinus. Alle Augenpaare waren auf ihn gerichtet, dem alten Parfumateur hatte niemand eine solche Wortmeldung zugetraut. Entsprechend still war es im Saal, selbst Ladwig Schmieder, der größte Schmied der Stadt und Vertreter der Handwerker konnte sein Erstaunen nicht verbergen.

Belima hatte sich als eine der Ersten aus ihrer Starre befreit. Sie erteilte sich galant selbst das Wort, mit zwei mächtigen Schlägen ihrer Ratskugel. “Ein wohlüberlegter Einwand, verehrter Baldinus. Doch was sagt uns, dass die stolzen Brendiltaler oder die Urheber dieser Idee - die Haselhainer - ein Interesse an einer echten Zusammenarbeit haben? Oder anders gefragt: Warum sollten sie auf uns Rücksicht nehmen?”. Abermals füllte hektisches Getuschel den Saal und machte eine geordnete Diskussion unmöglich, bis die Buchmalerin mit ihrer Kugel für Ordnung sorgte. Sie erteilte Timur Feqzaïl das Wort, welches er mit einem knappen Nicken annahm.

“Verehrte Miträte, es stimmt. Ein solches Versprechen - eine solche Garantie kann uns niemand geben. Doch wir wissen mit Sicherheit wie die Zusammenarbeit mit der Mada’Basari ausschaut. Wahnsinn ist, wenn man das Selbe wiederholt und auf einen anderen Ausgang hofft. Deshalb: lasst uns nicht dem Wahnsinn verfallen und uns für einen neuen Weg entscheiden!”. Das Gemurmel wurde abermals lauter, doch der Mittvierziger wusste mit einer ausladenden Handgeste für Ruhe zu sorgen.

“Es wäre natürlich nicht nur ein Boltanspiel in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft! Nein, ich schlage vor wir gehen mit Forderungen in diese Verhandlung”. Der Kontorleiter vernahm zustimmendes Nicken und setzte sich zufrieden hin. Er hatte sein Ziel erreicht, sobald seine Miträte über mögliche Forderungen diskutierten, würden sie nicht mehr über den Beitritt selbst diskutieren. Dieser war dann bereits beschlossene Sache.

Nach einem kurzen Beratschlagen hatten sich die Räte tatsächlich auf die Form der Forderungen geeinigt. Zu Timurs Überraschung hatte sich Belima emsig beteiligt. Von ihr stammte die Idee, die Straße zwischen Darrenfurt und Haselhain auszubauen und einen Großteil der Kosten auf Haselhain - oder den Städtebund - zu schieben. Darüber hinaus sollte auch der Ausbau der Marktplatzes auf gleiche Art und Weise finanziert werden. Man gab die Entscheidung der Schreibstube - genauer gesagt Ludowig dem Darrenfurter - zum Aufsetzen der Antwort und Übersendung nach Haselhain.

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Timur Feqzaïl schwenkte nachdenklich sein Weinglas, während er aus dem Fenster seines Kontors auf die Straße unter sich blickte. Er war zufrieden, seine Familie würde zufrieden sein und das Wichtigste: Die Macht der Mada’Basari wurde herausgefordert. Als nächstes würde er sich um Rätin Belima Nefiri kümmern. Sie konnte mit ihrem Vorschlag des Straßenausbaus zwar bei den meisten Räten den aufkommenden Verdachtsmoment dämpfen, doch für Timurs Geschmack hatte sie sich anfänglich zu sehr gegen den Vorschlag gewehrt.

Der Mittvierziger schnalzte mit der Zunge, es war an der Zeit herauszufinden wem die Loyalität der Buchmalerin wirklich galt.

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Die zwölf ehrvollen Mitglieder des Magistrats der Stadt Darrenfurt:

  • Hedwine Fleischhauer (Ratsvorsitzende, Fleischerin und Vertreterin der Alay el'Mach'Termid-Handwerker)
  • Ancillon Pentagonar (Vertreter der Hesindekirche)
  • Danika Rosenteich (Vertreterin der Rahjakirche)
  • Belima Nefiri (Buchmalerin mit großer Werkstatt aus alter Bürgerfamilie)
  • Timur Feqzail (Händler und Vorsteher des Familienkontors)
  • Ladwig Schmieder (der Schmied und Vertreter weiterer Handwerker)
  • Baldinus Siedernik (Parfumateur aus alter Bürgerfamilie, Vertreter der Seifensieder, Ölmacher, Kerzenzieher und Quaksalber/Parfumeure)
  • Mira Darrenkauf (Händlerin mit garetisch-raulschem Kontor)
  • 4 weiter Ratssitze verteilt auf Händler, Handwerk, Altbürger und seltener Kirchen



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Sommer am Anfang 1047 BF
Darrenfurter Forderungen
Gnitzenkuhler Opportunismus


Kapitel 4

Perrinländer Bestreben
Autor: Vlad