Geschichten:Drei Briefe aus Fehring

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Gasthaus „Fürstenstuben“ in Fehring, Hesinde 1041 BF

Davine von Rossenrück fuhr genervt herum: „Was ist?“, blaffte sie den Bediensteten an, der sie angesprochen hatte. Dabei wollte sie nicht angesprochen werden, nicht jetzt. Sie musste gerade die Obrigkeit vertreten, weil zwei Gäste dieses angesehenen Hauses, in dem Wildbret aus dem nahen Raulsmärker Forst „cum privilegio“ des Burggrafen serviert wurde, weil also zwei Gäste dieses von Adligen gern besuchten Gasthauses gleichzeitig das Zeitliche gesegnet hatten. Unmittelbar nachdem sie die Hirschpastete als Vorspeise genossen hatten. Und gesegnet war der Abgang wohl auch nicht gewesen, jedenfalls stellt man sich unter gesegneten Umständen kein Röcheln, Krampfen, Schaumspucken und Umsichtreten vor. Die Gäste waren zweifelsohne von Stand, die Dame war eine schöne Frau um die 50, deren Schönheit durch die grauen Haare keineswegs litt, sondern gar unterstrichen wurde. Es gab solche Frauen, wusste Davine. Sie wusste auch, dass sie nicht zu diesen Frauen zählte. Immerhin – die Art des Dahinscheidens hatte der Schönheit der Frau arg zugesetzt, denn nun waren Mund und Augen aufgerissen, die Zunge hing blau heraus und Kotze bedeckte Kinn und Kragen. Der andere Verstorbene – das klang so friedlich – war im selben Alter und trug eine Uniform. Eine kaiserliche Uniform, um genau zu sein.

„Was ist?“, blaffte sie den Bediensteten an, sah aber dann schon, wo das Problem lag. Draußen im Schnee war mittlerweile eine größere Entourage angekommen: Schlitten, Rösser mit dampfenden Nüstern; Frauen und Männer riefen durcheinander und organisierten die Ankunft der vier Schlitten und eines Dutzends Personen. „Oh, oh“, grunzte Davine und schob sich an dem Bediensteten vorbei nach draußen. Als sie sah, er da angekommen war, wiederholte sie die Grunzlaute und hängte noch einen dran: „Oh, oh, oh.“

Sie eilte zur größten Kutsche, deren verschlag schon geöffnet und der Tritt schon herausgeklappt war. Mit schnellen Schritten war sie am Verschlag, drückte den Knecht beiseite – oder war der Dicke mehr als das? – und richtete ihr Wort in die Schatten der Kutsche: „Hochwohlgeboren! Es ist eine große Ehre … ich. Mein Name ist … Ich bin Davine von Rossenrück, Hochwohlgeboren, ich … Kastellanin auf Ginsterhold … für Aimar-Gor … äh … Rymiona … äh … Reto. Doch Rymiona …“

„Schon gut, edle Dame“, beruhigte sie die sonore Stimme aus dem Dunkel, „immer mit der Ruhe.“

„Verzeiht, sie hot sich do einfach vorbei’drängt, die Dami…e“, versetzte Doktor Schimmelgeiß, den Davine zur Seite gedrängt hatte. Doch noch ehe jemand auf den erbosten Arzt reagieren konnte, war schon eine unscheinbare Frau neben die Kastellanin getreten und richtete ihrerseits das Wort ins Innere: „Hochwohlgeboren, Exzellenz schlägt vor, gleich nach Wallgrabven weiterzufahren. Hier wurden soeben zwei Morde verübt.“

„Morde?“, fragte die Stimme aus der Kutsche.

„Morde?“, fragte auch Davina. „Lebensmittelvergif…“

„Nein, ich kenne mich da aus“, unterbrach die Frau, „das ist Gift gewesen. Exzellenz hat mich beauftragt, das zu untersuchen.“

„Gut“, sagte die Stimme, „Schimmelgeiß, Ihr unterstützt das Fräulein seiner Exzellenz dabei. Ich erwarte baldigen Bericht.“ Und zum Schlittenführer gewandt rief er: „nach Wallgraben, Aldek!“

Die Entourage packte zusammen, vier Schlitten verließen Fehring so schnell, wie sie gekommen waren, und Davine von Rossenrück blieb mit der Frau und dem dicken Doktor zurück.

„Dann wollen wir mal“, sagte die Frau und stellte sich vor: „Turda Fuxfell, zu Diensten.“

Gemeinsam schritten die Ermittler zurück in die „Fürstenstuben“ und untersuchten den Tod der beiden Gäste.

Noch am Abend wurden drei Berichte verfasst:


Ewex!

Drossel singt: Bericht 1, 1/1, 17/6, Fehring
 
 
 
 
In ‚Fürstenstuben‘ vergiftet zwei Auswärtige: Avallona von Monserval, Geschöpf des Höllenwallers; Stelledichein mit Ernbrand von Hardenfels, Vizeadmiral der Perlenmeerflotte, Sohn Ew.Em. Gerowin Cassius von Hardenfels-Albenhus; beide hatten benachbarte Zimmer im Gasthaus. Bereits vierter Aufenthalt in den letzten zwei Jahren. Bedienstete bestätigen Liebesverhältnis.

Verdächtig: Hilfskoch Jurgo neu an diesem Tage, seit Mittag verschwunden. Auftragsmörder?

Verdächtige Auftraggeber - Monserval: Baron von Höllenwall, Baron Hilbert von Hartsteen (in Kunchom?). Zusammenhang mit Weyringhaus (Schwiegervater?), gehörnter Gatte Horulf von Karseitz?

Verdächtige Auftraggeber - Hardenfels: Reste Haffax’scher Schergen? Konkurrenten innerhalb der kaiserlichen Marine – etwa Hakon von Sturmfels? Zusammenhänge mit Grafschaft Albenhus? Feinde des Vaters?
 
 
 
 
Erwarte weitere Anweisungen, Fürstenstuben, Fehring.


Goswin Schimmelgeiß, dem Grafen zu eigenen Händen.
 
 
 
 
Die beiden Toten sind die Eslamsgrunder Ritterin Avallona von Monserval und der Perricumer Vize-Admiral Ernbrand von Hardenfels, Sohn eines Wahrers der Ordnung und Neffe der Albenhuser Gräfin. Beide wurden mit dem südaventurischen Gift Boabungaha getötet, das erstens sehr selten ist, zweitens sehr teuer und drittens ziemlich aus der Mode. Seit dem Frieden von Oberfels ist es schwierig geworden, das Gift in die Hauptstadt zu schmuggeln, weshalb ich annehme, dass das hier verwendete Gift schon Jahre hier ist. Auch die Wirksamkeit betrachtend, muss ich von einer alten, teilweise die Wirksamkeit verlierenden Substanz ausgehen. Gleichwohl tödlich, haben beide Opfer doch recht lange gelitten.

Ich habe des Frettchens Drossel bei ihren Befragungen begleitet: Es scheint, als hätten die Eslamsgrunderin und der Offizier sich hier öfter getroffen. Ich vermute, dass es hier um Schmuggelei geht, bedenkend in welchen Zusammenhängen die Eslamsgrunderin steckt: Sie hat Zugang zur Kerkerfeste Helburg, kennt den Baron von Höllenwall persönlich und hat ihn bei Reisen begleitet. Die Ritterin gilt (galt) als zurückhaltend – ideal für die klandestinen Geschäfte des Höllenwallers, hinter denen das Frettchen wohl schon länger her ist. Ich nehme an, dass aus diesem Vorfall hier bald ein weiterer resultieren wird, der die Kerkerfeste selbst betrifft.

Ob der Vizeadmiral das eigentliche Ziel gewesen ist oder nur billigend als Opfer in Kauf genommen wurde, entzieht sich meiner Urteilskraft. Ich werde der Depesche morgen Abend nachreisen, wenn ich keine weiteren Anweisungen erhalte.
 
 
 
 
Ergebenst, Doctor Schimmelgeiß
Milde Metesssa, gnädiger Gardo,
 
 
 
 
das B. hat noch gewirkt, auch wenn es noch aus Beständen Olferts stammte. Leider wurden die Pasteten zu früh herausgetragen, ehe das Ziel ankam, so dass [gestrichen] [unleserlich] [gestrichen] zwei andere Kunden bedient wurden. Das Ziel ist sofort wieder abgereist. Ich werde Euch nicht enttäuschen und es weiter versuchen.
 
 
 
 
Taco.



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17. Hes 1041 BF zur abendlichen Phexstunde
Drei Briefe aus Fehring
An der Schwelle zu „Schwert und Panzer“


Kapitel 3

Bolzenmord erschüttert Peraine-Kirche
Autor: BB