Geschichten:Die Legende von Korbronn - Teil 12

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Mutig sprang Eldwin der Knappe heran und versetzte dem Orken, der Rondrigo zu Leibe rückte einen harten Hieb in den ungedeckten Rücken. Das Monster kreischte auf und wankte zur Seite, doch der Knappe lies ihn nicht mehr entkommen. Ein zweiter und ein dritter Streich fällte den Schwarzpelz schließlich, doch als der junge Mann herum wirbelte, sah er nur noch den langen Spieß auf sich zukommen.

Die Spitze bohrte sich in seinen Leib und schleuderte ihn zu Boden. Ächzend tastete der junge Mann nach der tiefen Wunde und seine Hände färbten sich blutig rot. Er schloss die Augen, ein stummes Gebet zu den Zwölfen schon auf den Lippen und mit einem Mal war es still. Würde er nun das Rauschen von Golgaris Schwingen hören?

Zitternd öffnete er die Augen und blickte sich um. Der Schmerz in seinem Bauch verebbte und weit und breit war kein einziger Ork mehr zu sehen.

„Wir habän sie vertriebän!“ rief Gar’wain glücklich, während er seinen eben noch verwundeten Arm betastete.

Khorena stand wieder aufrecht, nichts deutete darauf hin, dass soeben eine Klinge durch das Fleisch ihres Beines geschnitten hatte.

Das Singen einiger Vögel erfüllte die Lichtung und die Edlen sahen sich zweifelnd an. Hatten ihre Sinne ihnen einen Streich gespielt?

„Was...,“ begann Galacher ben Drou, der Zornesritter, doch weiter sollte er nicht kommen, denn aus dem Gehölz trat der schwarze Ritter zu den Suchenden.

Instinktiv rissen Gar’wain und Wolfward die Schwerter wieder hoch, während die restlichen Greifenfurter nur staunend in Richtung des Gepanzerten gafften.

„So scheint mir, dass die Tugend der Vergangenheit in euch erneut lebendig werden kann.“ Sprach der Fremde entschlossen.

„Ritterliche Tugend und Wahrhaftigkeit werden niemals der Vergangenheit angehören,“ sagte Rondrigo und kam vorsichtig einen Schritt näher.

Der Ritter nickte schwerfällig. „Die Zukunft unserer Heimat lebt durch den Mut von einst. Bewahret diese Worte wohl in euren Herzen. Doch wer wird dieser Zukunft eine Form geben, auf dass die Mark noch tausend Jahre trotzen möge?“

„Wir!“ platzte es aus Khorena heraus. Schon einen Herzschlag später wusste sie nicht mehr, was sie dazu getrieben hatte. Doch in ihrem Herzen spürte sie, dass es keine andere Möglichkeit gehabt hatte.

Der schwarze Ritter mustere die Versammelten argwöhnisch, das war sogar trotz des Helmes zu erkennen.

„Ihr glaubt uns nicht?“ fragte Wolfward von Schroffenstein, beinahe schon in seinem Stolz verletzt.

„Beweist es,“ drang die dunkle Stimme kalt unter dem mächtigen Helm hervor.

Wie ein Mann sanken die Greifenfurter auf die Knie, erfüllt von heiliger Gewissenhaftigkeit. Die Luft schien zu knistern und für einen Moment tauchte der Praiosschild die Lichtung in korgefälliges Rot.

Als würde eine unsichtbare Kraft die Lippen der Anwesenden bewegen, formte sich auf ihnen ein alter Schwur. Mit einer Stimme sprachen die Edlen und mit einem Herz fühlten sie die Kraft der Worte.

„Feierlich geloben wir unser Leben fortan in den Dienst der Mark Greifenfurt zu stellen.

Nur ihrem Wohl und Bestehen gilt nunmehr unser ganzes Streben.

Niemals wollen wir dem Schwarzpelz weichen und niemals ihn verschonen.

Welche Farben auch immer der Feind der Mark tragen mag, wir geben ihm keinen Zoll unserer geliebten Heimat preis.

Der Markgräfin, ihrer Familie und rechtmäßigen Erben gehört unser Herz auf immerdar, ihr Wort allein vermag unserem eigenen Willen zu gebieten.

Ritterlich und wahrhaftig wollen wir den Dienst in als Bruderschaft aufnehmen und niemals einem Bruder oder einer Schwester die helfende Hand verwehren. Praios’ Ratschluss beuge uns jetzt, morgen und immerdar, denn sein Auge sieht alles und sein Wort spendet uns erlösende Gerechtigkeit.

Der Heldenmut Argaens von Orkenwall wird uns leiten und sein Vorbild wird uns in finsterer Nacht hell leuchten.

Das Herz für die Greifin – das Blut für die Mark!

Das schwören wir im Angesicht von Göttern und Menschen.

Praios sei unser Zeuge!"

Wie eine Last fiel die Trance von den Anwesenden ab und verwirrt blickten sie sich um.

Der Fremde war fort, doch ihre Herzen waren erfüllt von Pflicht und Glauben.

Keiner von ihnen hatte begriffen, was nun vor sich gegangen war.

„Was sollen wir nun tun?“ fragte Khorena in Gedanken verloren.

„Wir müssen zurück kehren und nach meiner Frau Alaria sehen,“ warf Cordovan vom Greifener Land ein. „Ihre Weissagung hat uns zu diesem Punkt geführt, ich bin mir sicher, dass sie einen Rat weiß.“

Rondrigo nickte. Die Prophezeiung der Perainegeweihten hatte ungeahnte Folgen gehabt.

„Wir haben nun eine Pflicht der Mark gegenüber, die unsere einfache Lehnspflicht übersteigt.“ Rondrigo wirkte ernst.

Wolfward steckte sein Schwert ein und trat näher. „So ist es. Dieser... dieser Fremde hat uns eine Mission auferlegt.“

Keiner wagte es auszusprechen. Konnte der Schwarze Ritter tatsächlich der Geist des toten Argaen von Orkenwal gewesen sein? Seit seinem Dahinscheiden wurde die Geweihte Alaria immer wieder von Albdrücken und Visionen geplagt die sie dem tapferen Baron von Orkenwall zuordnete.

„Ihr habt ihn gehört! Wir müssen unserem Gelöbnis folgeleisten.“ Rondrigo klopfte Gar’wain auf die Schulter. „Es scheint, als würdest du länger hier verweilen, als wir alle vielleicht zunächst gedacht hatten.“

Eldwin hatte sich derweil umgedreht und war neugierig einige Schritte näher an die immer noch reichlich sprudelnde Quelle heran getreten. Das Wasser hatte einen eigenartigen Rotton und sammelte sich nun in dem uralten Steinbecken.

'Hier...'

Der Knappe zuckte herum. War das eine Stimme gewesen? Er blickte sich hastig um. Die anderen waren noch ins Gespräch vertieft.

'Hier... Komm zu mir...'

Er blinzelte mehrfach und lauschte. Die Stimme kam von der Quelle. Er kniete sich neben das im Boden befindliche Becken und ließ seinen Arm in das kühle Nass gleiten. Bis zum Oberarm steckte er bereits im Wasser, als seine Finger etwas ertasteten.

'Ich werde Dein sein...'

„Kommt her!“ entfuhr ihm ein heiserer Schrei und sogleich eilten die anderen an seine Seite.

„Was ist geschehen?“ fragte Cordovan sogleich.

Wolfward hielt seinen Knappen an der Schulter, doch der riss sich los und sprang in das gefüllte Becken. Er tauchte unter und seine Finger umschlossen einen Gegenstand.

Prustend wieder auftauchend spuckte er rotes Wasser. Seine Gefährten halfen ihm auf. Der Gegenstand war von einer dichten Dreckschicht ummantelt, doch Eldwin befreite das Objekt sofort. Ein alter Kelch kam zum Vorschein, offenbar aus Kiefernholz gefertigt und mit alten Zeichen bestückt. „Schaut Euch das an....“

Die restlichen Worte blieben dem jungen Mann einfach im Halse stecken. Voller Ehrfurcht konnte er nichts mehr sagen.

Ehrfürchtig bestaunten die Edlen das Artefakt.

„Es muss ein Zeichen sein,“ keuchte Khorena aufgeregt. „Lasst und als Zeichen unserer neuen Zusammengehörigkeit jeder einen Schluck aus diesem Kelch nehmen.“ Nach anfänglichem Zögern tranken alle aus dem alte Gefäß. Das Wasser schmeckte bitter und kalt, doch niemand beklagte sich,

Lediglich Galacher ben Drou trat zurück. „Ich habe bereits bindende Eide geschworen und ich kann keinen zwei Herren dienen.“ Der Zornesritter verneigte sich knapp. „Die Pflicht an der Herrin Rondra und unserem Orden wird immer mein oberstes Gebot sein. Trotz allem schien der Mann tief gerührt zu sein. Die Erlebnisse gingen auch nicht spurlos an ihm vorbei und er wusste, dass er bei etwas Großem zugegen war. Einem Neuanfang... einem Anfang wie es sein Orden vor so vielen Jahren selbst erfahren hatte.

Rondrigo lächelte. „Das versteht sich. Ich denke, dass wir zu den alten ritterlichen Tugenden zurück kehren sollten, um der Mark zu Diensten zu sein. Als greifener Ritterschaft von Korbronn sollten wir untereinander gleich gestellt sein wie Brüder und Schwestern.“

Sein Blick fiel auf Eldwin. „Knie nieder.“

Rondrigo nahm sein Schwert zur Hand. „Du empfängst von mir jenen einzigen Hieb, den du nicht erwidern darfst.“ Er senkte die Klinge auf beide Schultern des jungen Mannes.

„Im Namen Praios’, Rondras und der anderen göttlichen Zehn und ihrer verehrten Heiligen schlage ich Dich zum Ritter. Gelobe fortan Deinen Brüdern und Schwestern dieses Bundes treu zu sein und mit Ehre im Herzen allen dir aufgetragenen Pflichten nachzukommen.“

Eldwin senkte ehrfürchtig das Haupt. „Das schwöre ich.“

„Erhebe dich nun, Ritter Eldwin. Du wirst für uns den Kelch des Korbronn behüten.“

Eldwin konnte es nicht fassen. Er schaute zu seinem Herren Wolfward hinüber. Aber seine Knappschaft war doch noch nicht vorbei... Er hatte doch noch soviel zu lernen, oder? Er blickte in das Gesicht seines Mentors und konnte nur den Stolz darin sehen. Den Stolz auf ihn? Erst jetzt begriff er, dass er tatsächlich am Ende seiner Ausbildung angelangt war. Eldwin war nun nicht mehr ein Knappe, nein er war nun ein Ritter. Er hatte seinen Ritterschlag erhalten. Völlig perplex schaute er seine Gefährten an. Einen nach dem anderen. Der Junge wusste wirklich nicht was er sagen sollte. Er war der Hüter des Kelches? Was für eine Ehre!

„Habt.... vielen Dank.... ich fühle mich geehrt....“ Mehr konnte der junge Mann nicht mehr hervorbringen.

„Das sind genug der Schwüre an einem einzigen Tag,“ scherzte Cordovan. „Wir sollten nach Breitenhof zurück kehren.“

Rondrigo von Ahrenstedt nickte. „Das sollten wir. Es gibt einiges, das uns erwartet.“

Auch Galacher ben Drou nickte. „Ja lasst uns zurück kehren. Ich muss nach Masato schauen, nicht das er vor Langeweile eingeschlafen ist. Ach ja.. und solltet ihr in Zukunft Hilfe benötigen... wendet Euch an den Orden des Heiligen Zorns der Göttin Rondra, in dem Orden werdet Ihr einen Freund finden, der Euch versuchen wird zu helfen wie es nur geht.“


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Texte der Hauptreihe:
K1. Teil 1
K2. Teil 2
K3. Teil 3
K4. Teil 4
K5. Teil 5
K6. Teil 6
K7. Teil 7
K8. Teil 8
K9. Teil 9
K10. Teil 10
K11. Teil 11
K12. Teil 12
24. Per 1027 BF
Teil 12
Teil 11


Kapitel 12

Autor: T. Baroli