Geschichten:Dass aus deinen Lügen Gutes wachse

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„Oh Holde, so öffne doch! Mein Herz bebt vor stiller Sehnsucht nach dir, voll zarter Liebe zu dir, voll Anbetung deiner anbetungsvollen Grazie!“ säuselte er vor ihrem Fenster. Und dachte: ‚Vor Angst! es bebt vor Angst, Frau Rahjen nochmal!‘ Angreto hing an sieben Fingern am Sims des mit Läden verschlossenen Fensters der Angebeteten im Seelander. Die Füße steckten halb sicher in den Ranken des Kletterweins, halb pendelten sie über dem Abgrund zweier Stockwerke. Angreto ächzte. „Süße Antara, so erhöre doch mein Flehen!“ stieß er hervor, kaum den erotischen Singsang treffend, mit dem ihm sonst so mancher Erfolg bei der holden Damenwelt beschieden war. Antara aber schien taub zu sein auf beiden Ohren. oder? Hörte er etwas von drinnen? „Antara, liebes Reh, so öffne deinem Galan, der schmachtend vor deinem Fenster häng… leidet!“ Angretos Finger begannen zu zittern. Lange würde er es nicht mehr aushalten.

„Pack dich, Angreto! Ich geb Dir 'Reh'! Ich falle nicht auf dich herein, du Mistkerl! Iralda hat mir genau erzählt, wie du sie benutzt hast!“ tönte es wütend. Von drinnen wurde etwas gegen den geschlossenen Laden geworfen.

‚Iralda? Welche Iralda?‘ Angreto dachte nach. ‚Ach, die Agur! Rahja, die dumme Gans war schwanger – hoffentlich nicht von ihm!‘ „Aber Täubchen, es ist die heiße Liebe, die in mir brennt!“ Angreto keuchte vor Anstrengung. Außer der Liebe brannte auch seien Lunge vor Anstrengung. Hatte Wein Dornen? Und wenn nein, was bohrte sich derartig fies in seinen Unterschenkel? Er war einfach zu alt für solche dämlichen Kletterpartien auf der Jagd nach jungen Hühnern.

„Rahja möge geben, dass aus deinen Lügen etwas Gutes wächst, Lügenmaul!“, rief Antara von drinnen und stieß dann den Fensterladen auf. Angreto hatte keine Chance auszuweichen: Die Kante des Fensterladens erwischte ihn am Kopf und fegte ihn von seiner wackligen Position den der Häuserwand. Mit einem eher überraschten als erschrockenem Schrei stürzte Angreto in die Tiefe – fast zehn Schritt mochten es von hier oben sein.

Es knackte fies, als er unten auftraf, ein spitzer Schrei verröchelte schnell. „Oh, Ihr Götter!“, schrie Antara auf und beugte sich weit aus dem Fenster, um in die Gasse zu spähen, wo sie den Ruchiner Schwerenöter zerschmetternd auf dem Pflaster wähnte.

Indes derselbe wälzte sich schwerfällig und stöhnend vom Landepunkt seines Fluges: Ein sehniger Mann von gepflegtem Äußeren hatte seinen Sturz aufgefangen. Mit zerbrochenem Genick und starren Augen streckte er sich auf dem Pflaster aus, wo Angreto zitternd begriff, dass statt seiner ein anderer durch diesen Sturz zu Tode gekommen war. Dann sah er das verschreckte Mädchen, das sich an eben jene Wand drückte, von der Angreto soeben herabgefallen war. Sie sah eingeschüchtert, abgerissen und kränklich aus. Und sie war an den Händen gefesselt und von den zusammengebundenen Knöcheln wie an die Leine genommen. das andere Ende war um das Handgelenk des Zerschmetterten gebunden. Sie richtete ihre Augen auf Angreto und schluchzte: „Ihr Zwölf, habt Dank! ich bin gerettet!“ Und sie warf sich Angreto zu Füßen, hinter dessen Stirn die Situation noch nicht aufgeklärt war. Er blickte hoch zu Antara, die nicht minder schockiert zu sein schien, raffte seine Plünnen, befreite das Mädchen, äffte er Antara verletzt nach – „Rahja möge geben, dass aus deinen Lügen Gutes werde“ – und trollte sich von dannen.

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„Tot?“ Er staunte.

„Ja, vor dem Seelander. Habe Halderfelden und Speckhof im Namen des Rates hingeschickt, die finden den Täter.“ Er bebte vor Zorn.

Winterkalt war zuverlässig. Er hatte eine Nase für Talente. Ein großer Verlust für den Güldenen!“

„Das könnt Ihr laut sagen. Quatsch, sagt es leise. Jetzt können wir dem Fechtmeister die notwendige Elevin nicht schicken. Sie konnte fliehen.“

„Verdammt!“

„Ihr sagt es. Sieht zwar nach einem Unfall aus, aber ich fürchte, da hatten die Zwölf ihre Hand im Spiel.“