Geschichten:Eine gute Seele für Darpatbogen - Ein ungewöhnliches Vorstellungsgespräch

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Das Fenster stand leicht offen und eine angenehm laue Brise trug den Duft von frisch gesennstem Gras herein. Die Gutsherrin Rhuna vom Bogen saß mit geradem Rücken, auf der vordersten Kante eines einladend großen Ohrensessels und knetete aufgeregt ihre Hände im Schoß. “Also ihr habt den Aufruf vom ehrwürdigen Paar erhalten und seid nun tatsächlich hierher gekommen”, resümierte Rhuna mit einem fast staunenden Tonfall. “Es freut mich natürlich, euch hier in Gut Schönbogen begrüßen zu können”, fügte sie dann noch hastig mit einem leicht unsicheren aber herzlichen Lächeln an. “Verzeiht bitte, falls die Frage unangebracht erscheint, aber habt ihr noch weitere Referenzen beziehungsweise Erfahrungen?"

Die Bornländerin sah etwas fragend drein.

“Was meint ihr mit weiteren Referenzen? Das ich bereits Kinder gehütet habe? Nun, ich hab im Bornland im Tempel für die Waisenkinder gekocht. Und auf meiner Reise hier her habe ich auch immer mal wieder Unterricht in der Praiostagskirche gegeben für heranwachsende Mädchen.” Hennya blickte weiterhin nachdenklich und etwas unsicher.

“Braucht ihr Schriftstücke? Oder wollt ihr Namen genannt haben, die meinen Leumund bezeugen können?”

“Oh, nein, nein! Natürlich vertraue ich auf euer Wort, Euer Gnaden.” Rhuna lächelte peinlich berührt und schob sich eine Haarlocke verlegen hinters Ohr. “Ich meine… also, ich wollte mich nur erkundigen, ob Sie schon Erfahrungen als Hofhälterin gesammelt haben. Bitte entschuldigt, wenn das zu aufdringlich war.” fügte sie noch hinzu, wobei ihr Blick unbeholfen über den Boden huschte. “Es kann sein, dass ich des öfteren fort sein werde. Da wäre es mir ein besonderes Anliegen, dass ich der Person, der ich meinen Hausstand und meine Kinder anvertraue, grundlegend vertrauen kann.” Ein kurzes warmes, freundliches Lächeln ging über Rhunas Gesicht, als sie Hennya kurz anblickte. “ Aber vielleicht sollte ich euch erstmal die Örtlichkeiten zeigen und die wichtigsten Personen vorstellen. Vielleicht winkt ihr danach ja schon wieder Dankend ab.” scherzte die Gutsherrin halbherzig während sie hastig aufstand.

Hennya war genauso verlegen wie die Edle. Allerdings mehr aufgrund deren Verhaltens, welches die Traviageweihte etwas verunsicherte.

“Also nun, wenn Ihr wissen wollt, ob ich Rechnen und Schreiben kann, darf ich doch auf meine Weihe hinweisen. Ich komme zwar von weit her, aber auch im Bornland lernt man die grundlegendsten Dinge.” Hennya versuchte, Rhuna versöhnlich anzulächeln, war sich aber selber nicht sicher, ob dies gelänge.

“Einen Haushalt zu führen wird den Novizen der Traviakirche gewissermaßen mit der Suppe eingelöffelt. Und wegen Eurer Fragen braucht Ihr Euch auch nicht entschuldigen.” Dann stand sie auf. “Zeigt mir doch gerne die Örtlichkeiten und auch die zwei zu bändigenden Wildgänschen.” Dann grummelte ihr Magen besonders laut. “Können wir mit der Küche anfangen?”

Nachdem die Gutsherrin ihrem Gast Küche und Räumlichkeiten gezeigt hat, betraten die zwei Frauen den Hof des Gutes, aus dem schon fröhliches Kindergequietsche zu vernehmen war. Dort versuchte gerade eine etwas beleibtere Frau mittleren Alters einem athletischen Jüngling hinterher zu laufen, der zwei Kinder am Leib trug. Das jüngere Kind, ein Mädchen, trug er auf dem Arm haltend, das ältere Kind, ein Bub mit wilden dunklen Locken, klammerte sich auf seinem Rücken fest und quietschte vergnügt als er wie ein Zirkuspferd vor der Amme davon lief.

Rhuna wurde direkt wieder rot, als sie der Szenerie ansichtig wurde: “Ähm, und das euer Gnaden sind mein Waffenmeister Idorion de Vargas, Edric und Leuwen. … Und die arme Finna.”

Hennya sah sich aufgeschlossen um und versuchte sich so viel es ging gleich beim ersten Mal erzählen einzuprägen, damit sie nicht später nochmal nachfragen musste. Als sie aber die lustige Szene mit dem Waffenmeister und den Kindern sah, war alles bereits wieder vergessen und sie grinste fröhlich. Einen Moment betrachtete sie die wilde Verfolgungsjagd, dann merkte Rhuna allerdings schon, dass die Traviani neben ihr unruhig wurde.

Unvermittelt raffte sie ihre Robe mit zwei Händen zusammen, schaute kurz zu Rhuna und meinte eilig: “Ihr entschuldigt mich kurz!?” und rannte dann los, direkt auf den Waffenmeister zu. Von einem unerwarteten Winkel näherte sie sich ihm, versperrte ihm mit ausgebreiteten Armen spielerisch den Weg und gerade als er sich an ihr vorbei manövrierte reckte Hennya die Hand nach dem Jungen am Rücken, berührte ihn und rief: “Tick! Ich hab dich gefangen.”

Der Waffenmeister blieb stehen und drehte sich Hennya zu. Völlig verschwitzt grinste er die Geweihte an. “Euer Gnaden, Ihr habt damit mein heutiges Trainig beendet. Ich danke euch!” fügte er nach einer kurzen Pause zum Luftholen an. Die Amme Finna kam auch endlich keuchend dazu. “Du heiliges Gänslein! - - Ich - - danke euch - - - Euer Gnaden! - - - Und du, du Lümmel - ! - entführst mir nicht noch einmal meine Schäfchen!” mahnte sie in Idorions Richtung.

Lachend trat Rhuna heran und nahm dem Waffenmeister den Zweijährigen vom Rücken, während die Amme das kleine Mädchen an sich nahm. “Nun, wenn euch das nicht abschreckt, seid ihr herzlich auf Gut Schönbogen willkommen.” grinste Rhuna.

Die bornländische Traviageweihte blickte die beiden Kinder liebevoll an und lächelte beseelt. Sie hatte die zwei Knuddel sofort ins Herz geschlossen und nickte Rhuna freudig zu, bei ihrem Willkommensgruß. Ein gutes Gefühl breitete sich in Hennya aus.

Die Hände unauffällig auf Schoßhöhe gefaltet, dankte sie Travia im Stillen, hierher befohlen worden zu sein.



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Phe 1039 BF
Ein ungewöhnliches Vorstellungsgespräch
Travianische Ankunft


Kapitel 3

Autor: Ani & Beo