Geschichten:Eine gute Seele für Darpatbogen - Ankunft

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Gut Schönbogen, Phex 1039 BF

Ein knarzender Karren rumpelte bis zum Gut Schönbogen herauf. Der Kutscher saß mit krummen Rücken auf seinem Kutschbock und schien in Gesicht und Statur eine gewisse Ähnlichkeit mit dem breitschultrigen Ochsen vorne unterm Joch aufzuweisen. Kutscher und Tier blickten beide götterergeben und gleichmütig die Straße entlang, während hinten auf dem Karren eine Frau im Ornat einer Traviageweihten saß. Das Gesäß ins Stroh gedrückt und sich mit der einen Hand am niedrigen Geländer des Karrens festhaltend, ließ sie die Beine hinten von der Ladefläche baumeln. Neben ihr war halb im Stroh versunken eine mittelgroße Reisetruhe. Die Frau besaß hellbraunes Haar, das sie sorgfältig zu einer Kranzfrisur geflochten hatte und derzeit unter ihrer orangen Travienhaube verbarg. Ein gestricktes Dreieckstuch lag wärmend über ihrer Schulter und verdeckte die silberne Gänsespange. Die Ärmel der Robe waren am Saum mit einem Gänsemuster verziert und auch der fußseitige Saum der Tracht war mit traviagefälligen Symbolen bestückt. Das Gesicht blickte etwas verträumt den rückwärtigen Weg entlang und man sah der Geweihten an, dass sie tief in Gedanken versunken war. Irgendwann ließ das einlullende Schaukeln und Hoppeln nach und riss die Geweihte in die Wirklichkeit. Sie drehte den Kopf und stellte fest, dass der Karren am Gutshof Schönbogen angekommen war. “Habt Dank guter Mann” sagte die Frau beim Absteigen und sie wirkte etwas steif, als sie von der rückwärtigen Ladefläche in den Stand glitt. Der Kutscher kam behäbig angewackelt und hievte den Reisekoffer vom Karren. Er nickte der Traviadienerin nur und schickte sich an, weiterzuziehen. Erwartungsvoll klopfte die Geweihte an das Tor, strich sich die Robe glatt und zupfte sich etwas Stroh von ihrem Hinterteil, als die Tür bereits aufging und ein Bediensteter des Gutes fragend die Geweihte anblickte. “Travia und ihren Geschwistern zum Gruße! Ich bin Schwester Hennya und wegen dem Gesuch der Edlen von Darpatbogen hier.” Dabei glitt ihre eine Hand in eine Kleidertasche und zog ein ramponiertes Stück Papier hervor. “Ich komme auf Geheiß des ehrenwerten heiligen Paares zu Rommilys.” Die braunen Augen strahlten den Diener aufgeregt an. Dieser war sichtlich überrascht ob der Gestalt, die an die Tür geklopft hatte. “Ähm, Travia m-m-mit euch, euer Gn-n-naden.” stotterte der Mann, der in einfache und leicht dreckig Kleidung gehüllt war, ihr entgegen. “Ko-ko-kommen sie herein.” fügte er dann noch schnell hinzu, als er ihr den Weg mit einer einladenden Handbewegung freigab. Die Eingangshalle von Gut Schönbogen erstrahlte in einem frischen Weiß. Mehrere Türen führten in angrenzende Räume und ein geräumige Eichentreppe führte hinauf in die Galerie im oberen Stockwerk. Hennya ließ die Truhe vorerst draußen stehen. Ihr waren ihre eigenen Habseligkeiten zu schwer, um sie mit gebührender Geschmeidigkeit in die Eingangshalle zu befördern. Den Eindruck eines stöhnenden Esels wollte sie bei ihrer Ankunft nicht unbedingt geben. ‘Die Truhe wird schon niemand mitnehmen', dachte die Geweihte vertrauensvoll und betrat die Eingangshalle. Fast ehrfürchtig sah sie sich um, bevor sie fragend den Diener anblickte: “Wo darf ich mich vorstellen?”