Benutzer:Lichtbote/Briefspiel
Baron von Puleth
Kaiserhain
Dramatis personae:
Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, Ritter und Baron von Puleth
Leuward von Schallenberg, Ritter und Felans Vetter
Phexian Ferlinger, Felans Vogt zu Kaiserhain
16. Rahja 1031, vor Kaiserhain in der Baronie Puleth
"Aaaachtung!", klang der gebrüllte Befehl des Waibels über die Wiese, als sich dort die Reihen der Reisigen in den grünen Wappenröcken mit den goldenem Luchs auf der Brust aufgestellt hatten. Die Langwaffen, vornehmlich Spieße, wurden präsentiert und vom kritischen Blick des Waibels abgenommen. Das Ganze hatte mehr was vone iner Parade zu Gareth als einem Eroberungszug in von Strauchdieben und Raubrittern beherrschten Gegend. Felan Rondrik von Schallenberg, der von Graf Luidor ernannte Baron von Puleth saß etwas abseits davon auf seinem Rappen, neben sich seinen treuen Burghauptmann Herbald von Wertesteg, sowie seine Vettern Wulfger und Leuward von Schallenberg. Der vierte Schallenberger und ein Cousin 2.Grades von Felan, Ulfwin von Schallenberg-Zoltheim, trieb sich weiter südlich herum, um die Nachschubwege zu sichern.
Felan war schon lange klar, dass es hier keine Schanze zu stürmen, keine widerspenstige Stadt zu erobern galt, denn die Raubritter, die hier seit dem der schwarze Heerwurm hier entlang gekommen war, den Ort geplündert und beherrscht hatten, waren schon seit einigen Tagen ausgeflogen. Denn der Zug des Ritters aus Rabensbrück war nicht unbemerkt geblieben und vor allem nicht seine vergleichsweise große Schlagkraft. Während der von Graf Geismar ernannte Baron Werdomar von Quintian-Quandt nie größeres Interesse für seine ihm angetragenen Besitzungen gezeigt hatte, hatte Felan vor aus der Baronie wieder das Schmuckstück in der Hartsteener Grafenkrone zu machen, das es einst gewesen war. Mit einem 'eisernen Besen', wolle er aufräumen, hatte Felan seinem Lehnsherrn Luidor versprochen. Dass er damit nicht nur leere Worte verband, sondern auch Taten hatte er gleich nach seiner Hochzeit mit Jalga von Streitzig bewiesen: mit Hilfe seines neuen Anverwandten Wulf von Streitzig, dem Baron von Uslenried und Oberhaupt des jüngeren Hauses Streitzig, hatte er Truppen ausgehoben und war ohne Umschweife aber mit einigen Umwegen nach Puleth marschiert. Die Umwege hatte er in Kauf nehmen müssen, um nicht über geismaranisches Land zu marschieren, der ihm sicher den Weg nicht nur verboten sondern gewiss auch nciht vor Waffengewalt zurückgeschreckt hätte ihn aufzuhalten. Doch wichtig war, dass er nun hier stand, in seiner Baronie. Und er wollte sie nicht eher verlassen, als bis er sich hier eine feste Basis geschaffen hätte.
"Felan, da kommt eine Delegation aus der Stadt.", wandte sich Leuward an den Baron. Der nickte und seine Hände umfassten die Zügel fester. Derweil gab der Waibel den Truppen Befehl sich vorwärts zu bewegen und eine Gasse für die Ankömmlinge zu schaffen. Felan hielt sein Pferd, flankiert von seinen Begleitern, auf der Stelle und sah auf die fünf Personen mit einer Mischung aus verhohlener Neugierde und dem Zurschautragen von praiosgefälliger Strenge herab. Es waren drei Männer und zwei Frauen, gewandet wie Kaufleute, Bauern, Handwerker sowie einem Perainegeweihten.
"Die Zwölfe zum Gruße.", begrüßte Leuward die Ankömmlinge. "Was wünscht ihr von eurem Baron, Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, der hierhergekommen ist um euch von der Zeit der Rechtlosigkeit, des Unfriedens und der Götterlosigkeit zu befreien." Leuwards Worte klangen nicht so selbstsicher, wie dieser es wohl gerne gehabt hätte und Felan musste ein Lächeln verbergen, denn er hatte Leuward noch am vorigen Abend diese Worte einstudieren hören. "Die Zwölfe euch zum Gruße,", antwortete einer der Männer, ein beleibter Mittsechziger mit einem Kaiser-Alrik-Bart, der nach vorne getreten war. Er trug zudem die etwas altertümlich wirkende Praiostagsgewandung, die einem Reichsstadt-Gildenmeister zur Ehre gereicht hätte. "Wir sind die Vertreter der Stadt Kaiserhain und heißen euch willkommen, euer Hochgeboren. Wir entschuldigen uns vielmals, dass euch kein angemessenes Aufgebot begrüßt, aber bis vor zwei Tagen waren wir nicht frei in unseren Entscheidungen und mussten uns der Knute eines Raubritters beugen." Bei diesen Worten verbeugten sich die fünf. "Mein Name ist Phexian Ferlinger,“ sagte er um sich dann zuerst dem Geweihten und dann den anderen Abgesandten zuzuwenden,“und dies ist seine Gnaden Perainehilf Bornemann, Tsaiane Erken, Gunilla Uhlig und Gernbrecht Weizschrot. Wir sind gekommen, um euch zu bitten unsere Stadt und seine Bewohner unter euren Schutz zu nehmen." Der Mann sah Felan offenherzig und aus einem verhärmten Gesicht, das von vielerlei Entbehrung gezeichnet war, mit einem Anflug echter Hoffnung an.
Felan sprang mit einer einzigen Anstrengung aus dem Sattel, um sich den Leuten von Angesicht zu Angesicht zu zeigen. "Brave Bürger und Einwohner der Stadt Kaiserhain. Ich schwöre vor den Zwölfen,“, sprach er die rechte Hand zum Schwur erhoben,“, dass ich euch als meine Schutzbefohlenen aufnehme, ich schwöre vor Praios, dass ich gerecht sein werde, ich schwöre vor Rondra, dass ich ehrenhaft sein werde, ich schwöre vor Peraine, dass ich mildtätig zu den Schwachen und vor Firun, dass ich die Ehrlosen, die euch unterdrückt und gequält haben, jagen werde, um sie für ihre Untaten zu bestrafen." Felan holte Luft, nachdem ihm diese Worte wie ein sprudelnder Quell über die Lippen getreten waren. Die Hoffnung auf den Gesichtern der Kaiserhainer verwandelte sich sichtlich in Erleichterung, ob dieser göttergefälligen Schwüre, denn die Raubritter, allen voran die Familie der Kallerbergs, deren Sprosse Helmar und Geldor Raubritter Puleths waren, hatten auf ein göttergefälliges Leben wenig gegeben. Unter ihrer Herrschaft und der ihrer Spießgesellen, war das einstmals schmucke Städtchen Kaiserhain sichtlich heruntergekommen und ein Hort von üblen Gelichters geworden, dessen sich die braven Städter nicht zu erwehren wussten.
"Bürger Ferlinger, ich werde mit meinen Leuten eure Stadt zu meinem Sitz machen. Hier soll die Gerechtigkeit für die Baronie ihren Anfang nehmen und die alte Ordnung wieder Einzug halten. Ich weiß wohl, dass ihr wenig habt, doch bitte ich darum Quartier für meine Soldaten zu machen. Verköstigt werden sie auf meine Kosten. Lasst in der Stadt verkünden, wer hergekommen ist, und das mein Sinn nur danach strebt unter meinem Banner das Wohl dieses Ortes neu aufleben zu lassen. Jeder Bürger, der eine Eingabe zu machen hat möge sich morgen bei meinem Stellevertreter melden." Dabei deutete er auf Leuward. "Ich werde keine Klage und keine Bitte ungehört lassen. Gleichzeitig bitte ich euch, und den neu zu formenden Rat der Handwerker und Einwohner mir eine Liste über die Zahl der Anwohner, ihrer Berufe und der städtischen Besitzungen zu machen, damit wir erkennen mögen, wo und wie unsere Hand am nötigsten gebraucht wird."
Die Abgesandten verbeugten sich geradezu ehrfürchtig vor Felan und dieser genoss die Ehrerweisung mit einem jovialen Lächeln, das seiner Meinung einem Fürsten aus der Zeit der guten Kaiser ausgezeichnet zu Gesicht gestanden hätte. Der Baron blickte den Leuten nach, denen Leuward und die Soldaten nach Kaiserhain hinein folgten, während er wieder auf sein Pferd aufsitzend und im ‚Triumphzug‘ in Kaiserhain Einzug haltend selbstverliebt noch darüber sinnierte, dass dies ein guter Anfang für seine Herrschaft in Puleth wäre.
Der Rat zu Kaiserhain
Der neue Stadtrat Kaiserhains tritt zusammen. Es bildet sich schnell heraus, dass es unterschwellig ein Ressentiment gegen Felan gibt. Und seine rigoroses Vorgehen gegen Schmuggler und Handel mit Wildermarkkriegsherren und Söldnern. Loyal: Phexian Ferlinger, seine Gnaden Perainehilf Bornemann, Tsaiane Erken, Gunilla Uhlig; Voltana von Kallerberg; Gegner: Answulf Waghold, Firunia Gneisdorp, Gernbrecht Weizschrot (wegen Tobrier), Landolf von Kallerberg
16. Praios 1032, Stadt Kaiserhain
"...in diesem Sinne wünsche ich uns und der Stadt Kaiserhain ein von den Zwölfen glücklich gefügtes neuen Götterlauf, in dem es viel zu erreichen gilt. Geehrte Ratsmitglieder, ich überlasse sie nun ihren zweifellos vielfältigen Aufgaben. Möge der Segen der Zwölfe über euren Bemühungen stehen."
Mit diesen Worten nickte der Baron von Puleth, Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, den Anwesenden knapp zu und verließ danach samt Gefolge die kleine Ratsstube. Zurückblieb der neue Rat der Stadt Kaiserhain unter der Führung des mit äußerst knapper Stimmenmehrheit ernannten Ratsmeisters Phexian Ferlinger. Zum Erstaunen aller hatte der Herr Baron nicht darauf bestanden einen Stadtvogt von seinen Gnaden zu ernennen, sondern die Honoratioren der Stadt aufgefordert unter den ihrigen selbst einen zu wählen, da "ab von den vor uns herrschenden Zeiten wir uns wünschen, dass diese Stadt durch die Hand fähiger Kaufleute und Handwerker erblühe und es dazu keines Kriegers bedürfe." Er würde allein die Sicherheit der Stadt übernehmen, wie es ritterliche Sitte und Pflicht sei und seinen Sitz hier einnehmen als Baron. Das war zugleich Versprechen, wie auch Drohung, denn der Rat hatte ihm gewisse Summen zugesichert aus den zukünftigen Einnahmen der Stadt. Dass er ihnen weitgehend freie Hand ließ, wie sie die Stadt wieder aufzubauen gedachten und dabei sogar tatkräftige Unterstützung in der Anfangszeit durch seine Leute erhalten sollten wurde allgemein freudig angenommen und wurde von den Bürgern mit Wohlwollen angenommen, die befürchtet hatten den einen Tyrannen nur durch den nächsten ersetzt zu sehen. Der Schallenberger hatte begriffen, dass er eine feste Basis für seine seine Bemühungen brauchen würde für seine Unternehmungen in der Baronie und offensichtlich glaubte er sie dadurch zu gewinnen, indem er die Bürger von seiner lauteren und gerechten Art eine Baronie zu verwalten überzeugen wollte.
Zu den weiteren Stadträten gehörten unter anderem Tsaiane Erken, Gunilla Uhlig, Answulf Waghold, Firunia Gneisdorp, Gernbrecht Weizschrot. Dazu waren zu dieser Sitzung zwei Vertreter der ritterlichen Familie Kallerberg anwesend, deren mißratener Verwandter Geldor von Kallerberg und seine Schreckensherrschaft durch die Ankunft des neuen Barons vertrieben worden war. Den Gesichtern in der Runde waren die unterschiedlichsten Stimmungen abzulesen. Hoffnung, Dankbarkeit und Aufbruchstimmung auf der einen Seite, Mißtrauen, Neid und schlecht verhohlene Abneigung, für Nichteingeweihte mit unbekannter Ursache, auf der anderen.
Die Versammlung löste sich nach und nach in kleine Gesprächsgruppen auf in denen sich Freunde und Vertreter gemeinsamer Interessen zusammenfanden. Nach der Wiederherstellung göttergefälliger Ordnung in Kaiserhain durch die bewaffnete Anwesenheit des Schallenbergers gab es viel zu tun: die Stadt war in den vergangenen Jahren recht heruntergekommen und zu einem Treffpunkt von üblem Söldnergesindel und Schmugglern aus und für die im Norden angrenzende Wildermark geworden. Damit hatte der Schallenberger Schluß gemacht: entlang der Reichsstraße hingen nun Schmuggler und Halsabschneider Reih an Reih nebeneinander, die in strengen Verfahren durch den nach praiotischen Maßstäben richtenden Baron abgeurteilt wurden. Dies sollte zur Mahnung geschehen alljenen, die auch nur entfernt hofften ihre dunklen Umtriebe fortführen zu können.
Dies war nicht nur zur Freude der einen, sondern auch zum verdruß derjenigen Bürger geschehen, die heimlich oder mehr oder weniger offen mit den Schmugglern Handel getrieben hatten und dadurch nicht geringe Summen ergaunert hatten. Viele wären überrascht gewesen die honorablen alten und neuen Ratsmitglieder Answulf Waghold und Firunia Gneisdorp unter den Profiteuren der Geldorschen Herrschaft zu finden, doch hatten diese geschickt verstanden ihr Mitwirken zu verschleiern.
Und während Voltana von Kallerberg glaubhaft und mit reinem Gewissen vor dem neuen Baron versichern konnte, dass sie mit den üblen Machenschaften ihres Neffen nichts zu schaffen gehabt hatte, musste Landolf zähneknirschend den Kniefall machen, um seine Unschuld zu beteuern an den Taten seines Vetters 2.Grades. Vorerst hatte der Baron den Worten des Ritters geglaubt, denn ihm war kaum vorstellbar, dass ein Ritter einen Meineid schwören könnte, zumal Landolf niemals öffentlich als Geldors Scherge aufgetreten war. Doch in Wirklichkeit war Landolf der Verbindungsmann Geldors zu mancherlei Kriegsherren und Söldneranführer in der Wildermark. Er hatte für diesen in aller Stille Verhandlungen geführt, wenn es um den Verkauf von auf der Reichsstraße oder in Richtung Praios gelegenen Ortschaften und einsamen Gehöften geraubten Gutes ging. Für seine praiotische Tante Voltana von Kallerberg hatte er nur Spott übrig, den er jetzt aber mehr denn je nur in Gedanken aussprach.
So steckten Waghold, Gneisdorp und Landolf von Kallerberg die Köpfe zusammen und ein Elf hätte mit seinen gespitzten Ohren vernehmen können, wie sie miteinander sprachen und auf ein geflüstertes "Der Schallenberger muss weg." ein Nicken der anderen beiden folgte, zusammen mit geradezu mörderischen Blicken, die auf die Anhänger des neuen Ratsmeisters und diesen selbst fielen...
Räuber im Walde
Dramatis Personae:
Geldor von Kallerberg, Raubritter und jüngerer Bruder Helmars
Rauban Vogeler, Söldnerseele und Vertrauter Geldors
4.Rondra 1032 BF, Burgruine Kaiserforst
Die blendenden Strahlen der hellgleißenden Praiosscheibe durchbrachen das Blätterdickicht, das ein Dach über dem ehemaligen Hof inmitten der Burgruine bildete. In verfallenen Gebäudeteilen hatten sich der Raubritter und seine Gefolgsleute mehr schlecht als recht eingerichtet, doch war es besser als gar nichts zu haben und vorerst würde es reichen. Schließlich hatte Geldor von Kallerberg nicht vor hier länger als nötig zu bleiben. Was aber nicht heiß, dass er nicht dennoch langfristig plante und draußen Wachen gingen und andere eine Wehr aus herausgebrochenen Mauersteinen, Baumstämmen und Astwerk in den Mauerlücken errichteten.
Der schwarzhaarige Mann mit dem schmalen Gesicht und dem dünnen Bärtchen ballte die Faust. Vor zwei Monden hatte er noch in Kaiserhain residiert und seine Macht genossen über diesen Pöbel von Bürgern und auch seine ach so edlen Verwandten hatten ihr Knie vor ihm beugen müssen, wollten sie nicht anderntags mit dem Gesicht im Dreck gefunden werden, und nun? Insbesondere sein älterer Bruder Helmar, der ihm so gönnerhaft Kaiserhain überlassen hatte und selbst nach Puleth gezogen war. Mal sehen ob ihm dieser Plan allerdings gut bekäme. Geldor wußte schon, warum ihm ein kleiner Ort wie Kaiserhain lieber gewesen war, als Puleth, denn je größer der Ort, um so mehr Aufmerksamkeit schenkten ihm die Mächtigen. Um so bitterer war nur, dass man ihn jetzt selbst vertrieben hatte. Was würd eihn sein großer bruder spotten und ihm schwere Vorwürfe machen. Und nun? Im Wald hausen wie ein dreckiger Wegelagerer und Wilderer. Aber er würde es sich zurückholen. Kaiserhain und seinen Familiensitz und dann sich an allen rächen, die jetzt vor dem neuen Baron von Puleth, diesem Schallenberger, buckelten! Ohne die Hilfe seines Bruders! Er spuckte zur Seite und setzt sich auf einen Mauerblock und lehnte sich an die von wilden Wein überwucherte Wand hinter sich, um einen Moment die Augen zu schließen.
"Die Männer sind auf den Posten, wie befohlen, Herr.", weckte ihn eine tiefe und raue Stimme aus seinen Gedanken.
"Hm? Ahja...gutgut."
"Und was machen wir nun, Herr?", fragte der untersetzte Mann, der nichts desto trotz sehr muskulös wirkte, mit dem pockenvernarbten, breiten Gesicht mit den stumpfgrauen Augen, dem blonden Bart und den auf Fingerbreite geschorenen Haarschopf.
"Was wir machen, Rauban? Nun zunächst verhalten wir uns still. Vorräte haben wir ja genug dabei und wir wollen ja nicht unnötig diesen dahergelaufenen Emporkömmling auf uns hier aufmerksam machen. Und wenn er sich anderen Dingen zuwendet, ja dann werden wir wieder aktiv."
"Und für was? Herr." Das 'Herr' kam verspätet und zeugte weniger von echtem Respekt als vielmehr dem Bewußtsein bestraft zu werden, wenn man es wegließe.
"Was was? Natürlich um unsere uns angestammte und zustehende Position wieder zu erlangen! Glaubst doch wohl nciht, dass ich diesem Schallenberger meinen Besitz so einfach überlasse, oder was? Nein, Rauban, das jage ich dem wieder ab.Der wird mich noch verfluchen, das sage ich dir. Mich und den Tag an dem er sich hierher traute." Geldor ballte die Faust erneut und schlug sich in die flache Hand.
"Aber, wie wollen wir das anstellen, Herr? Er hat mehr Leute, mehr Mittel und auch noch die Bürgerlichen auf seiner Seite, weil er sie von euch befr...ich meinte weil uns verjagt hat."
"Nun erst einmal wird er nicht immer soviele Leute haben. Die kosten schließlich Dukaten und so weit ich weiß haben die Schallenberger noch keinen Dukatenscheißer da unten in Rabensbrück stehen. Außerdem muss er, je mehr er von 'seiner' Baronie einnimmt, seine Leute immer weiter verteilen, wenn er Ansprüche erheben will. Und drittens wird er ausser bei uns noch bei anderen auf wenig Gegenliebe stoßen."
"Andere, Herr?"
"Ja andere, du Holzkopf.", ahmte Geldor den einfältig fragenden Tonfall Raubans nach. "Schließlich ist dieser Schallenberger ein Luidorist und hier laufen genug Geismaranhänger rum um den nicht zu mögen. Mit dem Schneck, also dem Staatsrat Schroeckh soll er sich auch nicht so recht verstehen. Damit hätte er die Familien Quintian-Quandt und Stolzenfurt, die beide zu Geismar gehören sowie die Schroeckhs gegen sich." Geldor rieb sich über das Kinn. "Und in Kaiserhain kann ich nicht glauben, dass da unsere 'Lieblinge' wie die Gneisdorp glücklich sind, wenn ihre Schmuggelgeschäfte plötzlich nicht mehr laufen. Ohne geraubte Ware keine Hehlerei."
"Ihr wollt euch also mit allen Verbünden und den Schallenberger angreifen?"
"Hat dir der Dämonensultan ins Hirn geschissen? Wenn uns diese Schreckschraube Malvina von Schroeckh oder der achso edel geborene Lechdan von Quintian-Quandt erwischen würden würden die uns ohne federlesens aufknüpfen. Egal ob wir gegen ihren Gegner agieren würden oder nicht. Nein, wir müssen subtiler vorgehen. Naja mehr oder weniger subtil, denn ich denke an Bocksbert von Stolzenfurt. Der Kerl ist kaum weniger ein Räuber als ich, auch wenn er es besser zu verheimlichen versteht, das gebe ich gerne zu. Nur er gilt zumindest nicht als gesucht und kann Einfluß ausüben und wird einem entsprechenden Angebot sicher nciht abgeneigt bleiben...ja das müsste gehen. Bring mir Tinte, Papier und feder. Ich werde einen Brief verfassen an usneren lieben Vetter auf Gut Silbersteen."
Während der vierschrötige Leibdiener Rauban davonstapfte um das geforderte aus einem der Transportsäcke hervorzuwühlen grinste Geldor bösartig vor sich hin, bereits in Vorfreude auf seine Rache schwelgend, die er an Felan für den Affront ihn zur Flucht getrieben zu haben zu üben gedachte.
Neuordnung
Dramatis Personae:
Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, Ritter und Baron von Puleth
Wulfger von Schallenberg, Ritter und Felans Vetter
Ulfwin von Schallenberg-Zoltheim, Ritter und ebenfalls Felans Vetter
Herbald von Wertesteg, Ritter und Felans Hauptmann
Retobrecht Ferlinger, Felans Vogt zu Kaiserhain
27. Efferd 1032 BF, Stadt Kaiserhain
Mit hinter dem Rücken verschränkten Armen stand der Baron von Puleth am Fenster des großen Bürgerhauses und blickte von dort auf das geschäftige Treiben auf der Straße unterhalb des Fensters. Leider war die alte Residenz der Barone von Puleth in der Stadt noch nicht bewohnbar, denn es hatte in den letzten Jahren nicht nur leer gestanden und war das Heim von Tauben und Ratten geworden, sondern es hatte auch unter Plünderung und mutwilliger Zerstörung zu leiden gehabt. So wurde es es zwar derzeit renoviert und wieder eingerichtet, doch war es für Felan noch nicht zu beziehen. Doch dies war nur ein Grund für das emsige Hin und Her vor dem fenster.
Ein weiterer war die Ankunft der Herren, die soeben von einem Diener eingelassen wurden und deren Tritte er auf den Stufen hinauf zu dem großen Zimmer, in dem er wartete, hören konnte. Die ganze Nacht hatte er sich darauf vorbereitet, was auch in einen scheinbar undurchsichtigen Wust aus Papieren und Karten auf dem eichernen Tisch in der Mittes des Raumes resultiert hatte.
Da öffnete sich bereits die Türe und Felan begrüßte die Ankömmlinge, die aus seinen Vettern Wulfger und Ulfwin, sowie seinem treuen Hauptmann und dem neuen Vogt Retobrecht bestanden, im Namen der Zwölfe, die ihm ebenso Grüße der zwölfgöttlichen Geschwister entgegenbrachten.
"Meine Herren, ich habe euch hier zusammengerufen, weil die Entscheidungen die ich getroffen habe in erster Linie euch alle betreffen. Ich habe die Neuordnung der Baronie beschlossen." Er zog aus dem Haufen auf dem Tisch ein großes Blatt hervor, auf dem die Umrisse der Baronie eingezeichnet waren mit einem Teil in blau und braun gezeichneter Linien, sowie schwarzer Punkte für Ortschaften, Güter und Burgen. "In den braunen Strichen erkennt ihr die alten Junkertümer, in den blauen Linien die neuen." "Es sind weniger geworden..", ließ sich Wulfger vernehmen. "Ja das stimmt. Diese Baronie hat in den letzten Götterläufen einen herben Verlust an Menschenleben hinnehmen müssen. Ganze Landstriche sind verödet, Güter niedergebrannt, Dörfer verlassen. Deshalb habe ich beschlossendie Junkertümer in größeren Einheiten zusammenzulegen. Da und dort sind ohnehin die Lehnsnehmer zusammen mit ihren verstorben. Und sie wären neu zu vergeben gewesen. Also habe ich die übrig gebliebenen Junkertümer vergrößert. Lediglich vergrößert haben sich die Junkertümer Sommerau und Königsgrund. Hier im Norden sind die Junkertümer Grünwiesen und Aldengrund verblieben." Die Anwesenden nickten während Felan mit dem Finger über die Karte fuhr und weitersprach.
"Ich hoffe, dass in Sommerau Malvina von Schroeckh sich dadurch dankbar zeigt. Und hoffe, dass in Königsgrund der Lechdan von Quintian-Quandt dadurch still hält." Er hob beschwichtigend die Hand als Wulfger ob dieses Namens empört auffahren wollte. "Ja ich weiß, er ist ein Verwandter Geismars, des Pfeffersacks auf einem Grafenthron, doch hat er sich in der Fehde nie durch Tat und Wort etwas bedeutendes zu schulden kommen lassen und wir brauchen Ruhe dort, denn ich kann es mir nicht leisten mit ihm zu fechten. Dennoch habe ich beschlossen, dass ihr Herbald,", sagte er den Hauptmann anblickend,", dort das Dorf Ashus als Lehen zugesprochen bekommen sollt. Es ist dem Junkertum neu zugesprochen und man hat von dort aus die Möglichkeit die Reichsstraße zu überwachen. Ich weiß dass ihr würdig seid und es auch verstehen werdet mit Lechdan den richtigen Pfad einzuschlagen. Ihr werdet damit auch mein Stachel in Lechdans Seite sein, sollte er sich dennoch gegen mich wehren wollen, und ihr haltet mir damit die Straße frei nach Puleth gegen Räuberbanden. Herbald, ihr wart meinem Vater und mir ein treuer Recke und Freund, ich hoffe ihr nehmt dieses Lehen an, auch wenn es kein leichter Lohn ist." "Hochgeboren, ich bin euch zutiefst dankbar und werde euch nicht enttäuschen!", kamen Herbalds Worte aus tiefst ehrlicher Dankbarkeit, der damit endlich für seine Familie einen sesshaften Punkt gefunden hatte, wo er als landloser Ritter und Dienstritter in der Familie Schallenberg bisher wenig gehabt hatte, ausser einer stählernen Ehre, die er seinen Kinder hätte vererben können. Felan quittierte mit einem freundlichen Lächeln Herbalds Dankesworte. "Gut, wir werden das wie alles andere später noch in einem offiziellen Rahmen begehen. Retobrecht hat dafür Vorsorge treffen lassen. Doch ich bin noch nicht fertig."
Wieder wandte sich der Baron der Karte zu. "Aldengrund im Firun der Baronie wird mein freiherrliches Lehen bleiben. Retobrecht ist mein Stellvertreter, solange ich fort sein sollte." Wulfgers Blick wurde ob dieser Worte von einem enttäuschten Schatten überzogen, hatte er doch gehofft Felan würde ihn zu seinem Vogt ernennen. Doch war er zu stolz und zu standhaft etwas darüber laut zu sagen. Dennoch bemerkte es Felan und musste innerlich in Vorfreude schmunzeln. "Wulfger, ich ahbe dich ncith vergessen. Mein Onkel Ulfried, dein Vater, hat Leuward sein Lehen vererbt. Doch ich habe dich als ehrenhaften Ritter, treuen Freund und ebenso guten Sachwalter kennengelernt, auch wenn ich im Sattel sicher besser bin.", scherzte er mit gespieltem Hochmut und zwang Wulfger zu einem Lächeln. "Nun, wie du siehst ist da in der Mitte noch ein Plätzchen frei...ach rundheraus, Wulfger ich will dich zum Junker von Grünwiesen ernennen und Ulfwin soll soll einer deiner Lehensritter werden, dem ich das Dorf Grünwiesen zugedacht habe." "Ich, ich weiß nicht...", stotterte Wulfger überrascht, während Ulfwin vor Freude strahlte. "Sagt einfach ja, und wir werden die Formalitäten später erledigen. "Ja, ja, bei Praios und Rondra, dreimal ja, Hochgeboren!" Felan grinste und wurde dann wieder ernst. "Sehr gut, ich hattte es erhofft. Natürlich ist auch dieses Lehen eine zweischneidige Sache. Der zuletzt dort gestorbene Lehenshalter war ein Stolzenfurt. Wenn Werdomar von Quintian-Quandt nicht so geschlampt hätte, hätte er wohl einen gewissen Travian von Stolzenfurt zum Junker dort ernannt, der ein nächster Verwandter war und sich schon zum Sprung dazu bereit gemacht haben soll. Doch da er es nicht getan hat nehme ich mir heraus es neu zu vergeben, wie es Recht des Barons ist bei einem Heimfall des lehens. Und Wulfger, ich brauche dich dort. Du kontrollierst damit ein Gutteil der Reichsstraße von Puleth nach Kaiserhain. Mach dich aber darauf gefasst, dass der Stolzenfurter dort Ärger macht, denn das wird der nicht so leicht verwinden, zumal er Geismaraner sein soll." Wulfger nickte. "Mit dem werde ich schon fertig werden, Hochgeboren." "Gut, nichts anderes habe ich erwartet. Ulfwin wird dir sicher eine große Hilfe sein. Er hat einen starken Arm, nicht wahr?" "Worauf ihr euch verlassen könnt!", polterte Ulfwin strahlend und hob die Rechte zur triumphierenden Faust. Ulfwin kam mit Grünwiesen auch zu seinem ersten Lehen, da er bisher ebenso landlos gewesen war wie Wulfger.
"Dann kommen wir zum letzten Teil Puleths...", sagte Felan und wies in den Efferd zugewandten Teil der Baronie. "Dies ist Gut Tannenheim. Der Landstrich ist besonders übel gebeutelt. Vielleicht habt ihr gehört dass ich mich gestern lange mit seiner Gnaden Owilmar von Schroeckh unterhalten habe." "Dem Peraine-Geweihten?", fragte Wulfger überrasch. "Ja, ebendem. Und ich habe beschlossen ihm und dem Orden der drei guten Schwestern von den Feldern das Junkertum Tannenheim, wie ich es getauft habe, als Klosterlande zu übergeben. In Gut Tannenheim wird das Kloster entstehen, wo schon immerdar ein Peraine-Heiligtum stand. Dafür verpflichten sich er und seine Gefolgsleute, sprich der Orden, das Land zu pflegen und dem Baron von Puleth seinen Teil abzuführen. Zumal ich damit auch hoffe die Familie Schroeckh für mich zu gewinnen...oder eher möglichst weit fern zu halten." Bei seinem Grinsen wußten alle, dass er vom spöttisch 'Schneck' gerufenen garetischen Staatsrat Horbald von Schroeckh sprach, und sie lachten gemeinsam. "Nun sei dem wie dem wolle, so habe ich es geplant und so werde ich es tun. Ich hoffe auf eure Unterstützung. Und gemeinsam werden wir, so bin ich gewiß, Puleth wieder zu einer Perle in den Kronen Hartsteens und Garetiens machen!" Die letzten Worte gingen fast in dem Jubel seiner Gefolgsleute unter.
Silbersteen
Dramatis personae
Bocksbert von Stolzenfurt, Ritter zu Silbersteen
Haldan von Stolzenfurt, Ritter und Sohn Bocksberts
Korhelm von Stolzenfurt, Ritter und Bocksberts Vetter
Rauban Vogeler, Abgesandter Geldor von Kallerbergs
5. Travia 1032 BF, Gut Silbersteen, Baronie Puleth
"..und dies ist der Brief meines Herrn für euch, hoher Herr." Rauban, der Spießgeselle Geldor von Kallerbergs und in diesem Fall Sendbote seines Raubritterherrn reichte das gesiegelte Pergament dem auf einem Lehnstuhl sitzenden Bocksbert, dessen gewaltige Körpermasse sich langsam von Muskeln zu Fett wandelten. Er wurde rechts und links von seinem noch sehr jung wirkenden Sohn Haldan und seinem Vetter Korhelm flankiert. Während Haldan eine ernste Miene aufgesetzt hatte, die vermuten ließen, dass er keine freundlichen Gedanken für den Überbringer dieser Botschaft übrig hatte, spielte eine sardonisch wirkendes grinsen über Korhelms Lippen, das er aber nicht nur für Rauban aufsparte, sondern allenthalben zur Schau trug.
Die Augen unter den buschigen Augenbrauen Bocksberts musterten Rauban und den in der ausgestreckten hand hingehaltenen Brief einen Moment, bevor er ihm diesen förmlich aus der Hand riß. Bocksbert brach das Siegel und entfaltete ihn, bevor er stumm die Lippen bewegend den inhalt des Schreibens las, um es anschließend seinem Vetter hinzuhalten, der den Inhalt gemeinsam mit haldan überflog.
"Warum bei Firuns haarigen Eiern sollte ich auf ein solches Angebot eingehen? Noch dazu vorgestellt von einem Verbrecher wie Geldor und überbracht von einem seiner Halsabschneider." Während Haldan hörbar bei diesen blasphemisch anmutenden Worten nach Luft schnappte war Rauban innerlich erleichtert. Allein diese Fragen eröffneten ihm, dass der Ritter ernsthaft die Vorteile gegen die Nachteile dieses Angebots abwog und er nicht einfach an der nächsten Eiche aufgeknüpft würde, wie er es bei einem anderen Ritter hätte erwarten müssen. Geldor hatte Bocksbert richtig eingeschätzt. Die Frage hatte Bocksbert nicht an rauban gestellt sondern offensichtlich mehr zu sich selbst und Korhelm.
"Vater, wie kannst du nur...", empörte sich Haldan, bevor ihm Bocksbert über den Mund fuhr. "Still, ich habe nicht dich gefragt. Also Korhelm, was denkst Du?" Während Haldan sich zurückhielte beugte sich Korhelm vor, strich sich über den dünnen Kinnbart und fasste laut zusammen. "Nun angesichts der Tatsache, dass sich dieser Schallenberg scheinbar fest eingenistet hat, dass er ein Luidorist ist und dass er bereits Travian übel mitgespielt hat, indem er ihm das Junkertum Grünwiesen vorenthalten hat udn stattdessen seinem verwandten zugeschustert hat..." Bocksbert grunzte unbestimmt. "Verstehe. Also bist du dafür.",sagte Bocksbert sinnierend und stützte seinen Ellenbogen auf den Tisch und umfasste mit der rechten Hand seine linke, um darauf sein Kinn zu legen. Dann erhob er das Gesicht zu Rauban.
"Sag deinem Herrn wir erwägen seine Worte. Wenn er uns beweisen kann, dass wir mehr Nutzen davon haben, als ihn nur in seinen eigenen Plänen zu unterstützen dann kann er unsere Stärke zu seiner dazurechnen. Aber dazu will ich mehr sehen als die hohlen Worte eines Raubritters. Lasst Taten sprechen. Ein Stolzenfurt läßt sich auf kein Alveranskommando ein. Aber wenn er zeigt, dass er etwas kann dann können wir gemeinsam diesen Emporkömmling vertreiben. Und nun verschwindet." Rauban nickte und eilte hinaus, um seinen Herrn eilends Bericht zu erstatten.
Sturmwacht - Siedlerzug
Dramatis personae
Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig, Baron von Puleth
Leuward von Schallenberg, Ritter von Reitacker und Felans Vetter
Averich Quelling, Anwerber
29.Travia 1032 BF, Burg Sturmwacht, Baronie Rabensbrück
"Nun, was habt ihr mir zum Abschluß zu berichten, Meister Quelling?", fragte Felan den hageren, aber nichts desto trotz lebenslustig wirkenden Mann, der in buntes Tuch gekleidet vor dem Tisch des Barons in der alten Stammburg der Schallenbergs stand und einen Berg an Rollen Pergament auf den Armen trug, die er vorsichtig auf den Schreibtisch ablegte. Dabei wurde er auch von Leuward mit belustigten Blicken bedacht, da es keine einfache Aufgabe war dies ohne das Herunterfallen einer Rolle zu bewerkstelligen.
"Es ist alles schneller abgeschlossen als zuvor gedacht, was erfreulich ist, euer Hochgeboren. Wir haben die Siedler eingeteilt nach den Orten und Höfen, wo ihr sie ansiedeln lassen wolltet und die meisten haben sich bereits gut eingelebt. Ich kann vermelden sie haben sich erstaunlich leicht in die Ordnung gefunden, was wohl einen wesentlichen Wesenszug der Tobrier entspricht. Ihr werdet viel Freude als Lehensherr an ihnen haben. Äh, aber,", räusperte sich Averich Quelling und öffnete eine der Pergamentrollen, die er anhand farbiger Wollfäden zu unterscheiden vermochte,"ihr wolltet ja wissen was und wieviele und so weiter..." Felan nickte nur und machte eine Handbewegung um ihn fortfahren zu lassen. "Unter den Handwerkern haben wir einen Schmiedemeister der Rüstungsschmiedekunst sowie zwei Schmiedegesellen, Grobschmiede wenn ich recht sehe..." Felan hob überrascht und erfreut eine Augenbraue. Schmiede waren gefragte Personen, aber vermutlich hatte er gegen die alteingesessene Konkurrenz in der Reichsstadt Hartsteen nicht ankommen können. "...dazu kommt ein Glasbläserehepaar..." Noch eine erfreuliche Verkündung für Felan, auch wenn es sicher länger dauern würde bis diese ihre Werke würden vorstellen können, aber die Glasmacherkunst war besonders zu fördern, da sie großen Gewinn versprach. "...und dazu ein Küfer, ein Zimmermann und Geselle, ein Köhler, sowie ein Steinmetz, den Hochgeboren extra gewünscht hat. Die Familien dieser Handwerker nicht dazugerechnet. Dazu kommen natürlich noch die Bauern und Feldarbeiter, die das versprochene Land in Pacht nehmen wollen, sowie die Holzfäller und Tagelöhner für Kaiserhain. Wie ihr es wünschtet habe ich eine Liste nach Eignung für bestimmte Aufgaben wie Büttel und Garde hinzugefügt." Felan nahm die entsprechenden Schriftrollen entgegen und warf einen kurzen Blick auf sie, um anschließend zufriedne zu nicken.
"Vortrefflich, Meister Quelling. Habt ihr auch die anderen Vorbereitungen getroffen?" "Jawohl, Hochgeboren. Die Vorräte und das Werkmaterial wurden bereits vorausgesendet und sollten den Siedlern schon zur Verfügung stehen. Ganz nach euren Wünschen. Es wurde bereits eine Wintersaat auf die Felder gebracht. Ach aber, wenn mir eine Bemerkung gestattet ist, Hochgeboren...?" "Nur zu, Quelling, nur zu." "Es scheint mir einige Querelen zu geben mit ansässigen Bewohnern gewisser Orte, wo ihr die Neusiedler vorerst unterzubringen wünschtet. Meine Boten wurden nicht allenthalben freundlich empfangen." Felans Gesicht verdunkelte sich etwas ungehalten. Nicht über Quellings Aussage, sondern, dass diese sturen Pulethaner Dickschädel sich anschickten sich so sehr gegen die neuen nachbarn zu wehren, wenn auch nur latent und nicht offen. "Lasst das meine Sorge sein. Die werden schon noch merken, dass es auch in ihrem Interesse ist." "Natürlich, Hochgeboren, wie Hochgeboren meinen. Nun ich...ähm habe hier noch eine Aufstellung der Kosten und Spesen, die ihr sicherlich auch sehen wollt..." Beinahe zaghaft übergab Averich Quelling dem Baron das Stück Papier der nach kurzem Blick die Augenbrauen in die Höhe riß und kräftig schlucken musste. "Sankt Argelion! Ich hätte nicht gedacht, dass mich das ein solches Vermögen kosten würde!" "Hochgeboren, ich.." "Keine Furcht, Meister Quelling.", warf Leuward von Schallenberg ein. "Mein Vetter wird euch bezahlen. Lasst ihn nur erst den Schock verwinden. Er hat gewußt auf was er sich da einläßt." Sein Lächeln ließ Felan sich ebenfalls ein säuerliches Lächeln abringen. "Natürlich, das werde ich. Seid gewiß. Leuward, würdest du bitte Meister Quelling den baren Teil auszahlen und die Wechsel überreichen. Ich brauche erstmal einen Schluck...."
Averich Quelling folgte dem grinsenden Ritter nach draußen, während Felan sich aus einem Tonkrug Schnaps in einen becher goß und in einem Zug hinunterstürzte. "Bei den Zwölfen, diese Ausgaben sollen sich besser bezahlt machen, sonst bin ich Pleite wie der Erlan von Zankenblatt...", murmelte er. Doch jetzt war die Ausgabe schon getan und es ging nur noch darum sie sich auch als richtig bewähren zu lassen. Und dazu war er felsenfest entschlossen!
Söldner aus der Wildermark
Dramatis Personae,
Rauban Vogeler, Abgesandter Geldor von Kallerbergs
Marbron, Hauptmann der blutigen Sensen
Tharleon, Schwarzmagus in der Wildermark
03.Boron 1033 BF, südliche Wildermark
Rauban ärgerte sich. Er ärgerte sich darüber, dass man ihn so lange warten ließ. Aber noch mehr ärgerte er sich, dass er es aus Furcht nicht wagen konnte sich darüber lauthals zu beschweren und dass ihm überhaupt dieser ganze Auftrag nicht nur zuwider war, sondern ihm den grauenhaften Eindruck hinterließ, er müsse bei diesem Kerl am besten kriechend erscheinen, um hier lebend wieder wegzukommen. Er schaute sich noch einmal um. Der Regen des gestrigen Tages hatte das Gelände aufgeweicht und die Stiefel der hier lagernden Söldner hatten ihr übriges getan um den Boden in die reinste Schlammsuhle zu verwandeln. Nur rund um das Zelt aus schwarz-roten Stoffbahnen schien der Boden unberührt fest, auch wenn das Gras dort verdorrt war. Schwarze Magie. Bei dem Gedanken schauderte es den Abgesandten des Raubritters Geldor von Kallerbergs erneut. Er hoffte das würde man ihm nicht zu sehr ansehen, denn sowas würde ihm gerade unter den blutigen Sensen, den Söldnern dessen Lager das hier war, als Schwäche ausgelegt werden. Er warf einen Blick auf die im kalten Wind aufgebauschten schwarzen Banner mit den gekreuzten blutroten Sensen, dem Wappenbild des Söldnerbanners. Korverflucht! Es war eine Sache ein Räuber und Gesetzloser zu sein, eine ganz anderer ein Mörder und Gewaltverbrecher wie es diese Söldner offensichtlich waren, unter dem Deckmantel des blutigen Sohns der Herrin Rondra. Was reiner Hohn war, wenn man wußte, unter wessen Banner sie derzeit dienten. Aber es schien ihnen und ihrem Hauptmann egal zu sein, dass ihr derzeitiger Herr ein im kaiserlichen Mittelreich gesuchter Schwarzmagier war, ein Borbaradianer, dem man einzig zugute Halten konnte, das man nicht wußte ob er ein Dämonenpaktierer war oder nicht.
Eine Bahn vom Eingang des Magierzeltes wurde zurückgeschlagen und das brutale Gesicht des Hauptmanns wurde hinausgestreckt. "Reinkommen!", blaffte Marbron, dessen wenig fantasievolle beiname der Blutige war, Rauban befehlend an, bevor er sich ins Innere zurückzog. Die Wachen am Eingang des Zeltes beäugten Rauban mit einem höhnischen Lächeln, ließen ihn aber ungehindert passieren. Seine Waffen hatte er ohnehin schon vorher abgeben müssen nach einer selbst für einen wie ihn entwürdigenden Durchsuchung. Rauban senkte den Kopf als er durch den Eingang in die erstaunlich angenehme Wärme des Zeltes trat. Der Boden des luxuriös großen Raumes war mit üppigen Teppichen und dicken Schafsfellen belegt. Hinter einer den Raum teilenden Tuchbahn nahm er die Schlafgelegenheit des Magiers an, während der vordere Teil von einem großen Tisch und einer Art Reisethronsessel eingenommen wurde. Auf diesem saß Tharleon, der Schwarzmagier. Später konnte Rauban nicht mal mehr genau sagen, wie dieser ausgesehen hatte. Dabei war ihm nicht bewußt, ob er es einfach vergessen hatte, oder ob wiederum schwarze Magie im Spiel gewesen war. Aber an die Stimme würde er sich erinnern können, die klang als würde ein Messer über einen Stahlblock geschärft.
"Wir haben die Botschaft erhalten. Sagt eurem Herrn als erstes, dass ich es nicht schätze, wenn man glaubt mich ködern zu können. Nur weil euer neuer Baron einer der Ritter war, die mein Domizil in Appelhof zerstört haben soll er nicht glauben, dass Rache mich blind werden ließe in ein Abenteuer zu stolpern. Einen Pakt mit Blakharaz habe ich nicht geschlossen." Rauban zuckte unwillkürlich bei der Nennung des Erzdämonen der erbarmungslosen Rache zusammen. Aber nicht nur der Name allein, sondern das unausgesprochene dahinter, nämlich dass Tharleon womöglich mit einem anderen Erzdämonen einen Pakt geschlossen haben könnte, ließ ihn in Angstschweiß ausbrechen. Er wußte, das seinem eigenen Herrn die Gebote der Götter nicht eben am Herzen lagen. Ebenso wie er gewußt hatte, dass das Versprechen darauf sich an Felan Rondrik von Schallenberg-Streitzig rächen zu können, zu Appelhofs Zeiten ein Junker zu Rabensbrück und nun aufgestiegen Baron von Puleth, nur ein schwacher Punkt gewesen war, auf den Geldor gebaut hatte. Der Scherge des Pulether Raubritters schwieg dennoch, denn der Schwarzmagier schien noch etwas hinzufügen zu wollen, auch wenn er einen Moment geschwiegen hatte. Zumal Rauban gar nicht gewußt hätte ob er in diesem Augenblick überhaupt ein vernünftiges Wort hervorgebracht hätte. "Dennoch...", fuhr Tharleon fort. "Dennoch hat euer Plan mein Interesse wecken können, gerade eure Angebote in Bezug auf gewisse Privilegien im Anschluß an unseren Triumph. Ihr dürft also ausrichten, dass wir bereit sind uns zu beteiligen. Die Details darüber wie ich gedenke meine Kräfte mit den seinen zu vereinen habe ich in einem Brief festgehalten, der nur für ihn bestimmt ist." Von welchen privilegien der Magier sprach, war rauban nicht bewußt, denn er hatte ausser einer mündlichen Botschaft auch eine schriftliche bei sich getragen, deren Inhalt er nicht kannte. Der bullige Hauptmann Marbron, der bisher an der Seite des Magiers gestanden hatte, trat vor und drückte Rauban einen kleinen gefaltenen und gesiegelten Brief in die Hände. "Da ich annehme, dass ihr wünscht so shcnell als mögliche zurückzukehren wünsche ich euch eine angenehme Reise und ich hoffe ich höre bald erneut von eurem hohen Herrn.", schien der Magus ihre recht einseitige Unterhaltung abshcließen zu wollen. Rauban verbeugte sich und hatte sich bereits umgedreht, um zu gehen, als ihm noch von hinten Worte trafen. "Möge er nicht versagen. Wir mögen keine Verhandlungspartner, die versagen."
Verschwörung in Kaiserhain
Firun 1033: Die Gegner Felans in Kaiserhain treffen zusammen: Es wird von Geldors Plan berichtet und dieser vorbereitet.
Ist die Katze aus dem Haus...
Phex 1033 während Sturmfels schlägt Geldor im Süden los. Felans Vertreter sammelt seine Truppen und marschiert nach Süden.
...tanzen die Mäuse auf dem Tisch
Phex 1033 In Kaiserhain treffen die Söldner aus der Wildermark ein: die Loyalisten werden getötet oder eingesperrt, die Gegner übernehmen die Macht...aber es wird nicht so wie erwartet: auch die Stadträte die Felans Gegner waren bekommen nciht ihre erhoffte Belohnung. Im Gegenteil terrorisieren jetzt die Söldner Kaiserhain.
Der Baron kehrt zurück
Ende Phex 1033 Felan kehrt zurück und findet die Baronie in shclimmen Aufruhr: Als Felan zurückkommt muss er feststellen, dass im Süden Geldor Katz und Maus spielt und die Schallenberger ihn nicht erwischen und im Norden Kaiserhain dicht ist und er plötzlich zwischen den Fronten hockt. Daraufhin wird er angriffen und kann sich nur mit Mühe und Not einer völligen Vernichtung auf dem Schlachtfeld entziehen.
Silbersteen 2
Ende Phex 1033 Bocksbert nimmt Geldors Allianzgebot an
Rettung aus Uslenried
Anfang Peraine 1033 Wulfs Ritter aus Uslenried treffen etwas später ein, die Felans Vertreter schon vorher gerufen hatte, und es gelingt mit Loyalisten unter den Bürgern in Kaiserhain, die sich selbst befreien, die Wildermärker Söldner erneut zu vertreiben. Felan erkennt Voltana von Kallerbergs Hilfe dabei an gegen die eigene Familie vorzugehen und läßt der Familie deshalb ihren Besitz unter ihrer Führung. Alle anderen werden aufgehängt oder in Aldengrund eingekerkert.
Auf dem Weg nach Bärenau
Mitte/Ende Peraine 1033 Felan marschiert Richtung Süden, um nach Bärenau zu gelangen und dort Iralda zu helfen. Dabei marschiert er vorher bei Bocksbert auf. Bocksbert spielt Felan vor nur zum Schein auf Geldors Angebot eingegangen zu sein. Bocksbert versucht die Schuld von sich zu weisen, auch indem er Felan geplündertes Gut übergeben lässt (quasi Loskauf von der Schuld). Der nimmt das zunächst hin, weil ihn die Umstände dazu zwingen und marschiert weiter nach Bärenau, aber er hat seinen Entschluß für Bochsberts Schicksal bereits getroffen.
Das Kloster ruft
Rondra 1034 als er aus Bärenau zurückkehrt statuiert er ein Exempel an Bocksbert von Stolzenfurt: er zwingt diesen mit vorgehaltenem Schwert in ein Kloster einzutreten (andererseits er ihn wegen Raubrittertums vor verurteilen wird und die Beweise ausreichen würden um ihn umgehend hinzurichten und ihn und seine Familie des Lehens für entledigt zu erklären [natürlich könnte Bocksbert argumentieren, dass Felan vielleicht zu dem Zeitpunkt noch nicht durch Luidors offizielle Ernennung zum Grafen legitimiert sei und damit höhere Gewalt in Form Geismars gegen sich zu haben, aber Felan wird sehr entschlossen wirken es darauf ankommen zu lassen), lässt aber Bocksberts Sohn das Gut Silbersteen behalten, und damit der Familie ihre Ehre ebenso wie Bocksbert, nimmt ihn aber dauerhaft aus dem Spiel. => Gnade vor recht, nach caesarianischem Vorbild, um sich den Nutznießer, Bocksberts Sohn und die restliche Familie Stolzenfurt, gewogen zu machen (allein schon weil die auch merken, dass Geismars Stern gesunken ist und sie mit diesem Baron noch auskommen müssen: Realpolitik).
Schroeckhlich gut
Felan einigt sich auch mit Malvina von Schroeckh vereint gegen Geldor von Kallerbergs Spießgesellen vorzugehen um diesen endgültig aus dem Kaiserforst im Süden Puleths zu vertreiben (Etwa Ende 1034). Grund für Malvinas Handeln ist Pragmatismus: sie hat die Wahl entweder zwischen die Fronten zu geraten: Stolzenfurt, Raubritter wie Kallerberg und Felan. Da der Bocksbert eigentlich ihr Vasall ist, sie ihn aber nicht alleine zur Raison bringen kann braucht sie Felan im gewissen Sinne. Wenn sie wiederum IHM helfen kann ist sie ihm weniger schuldig und er muss hingegen ihr dankbar sein. Zumal sie ja ebenso begreift, dass er als derjenige, der mit dem Gewinner der Grafenfehde da den längeren Atem haben wird und sie ungerne plötzlich merkt, dass die Baronsfamilie ihr Scherereien mit dem Junkertum macht, wenns an die Lehensvergabe geht. Zumal es natürlich für Markt Sommerau und damit ihre Schatulle ein Gewinn ist, wenn die Straßen sicherer werden und der Handel besser fließt, weil die Kaufleute weniger Furcht haben diese Straßen zu benutzen.