Geschichten:Reichsforster Ränke - Überfall
7. Efferd, Schenke Rallerlei in Hornbach
Ein paar Gestalten, deren Gesichter unter Kapuzen verborgen waren, saßen an einem Ecktisch und flüsterten miteinander.
"Meint Ihr wirklich, dass das klappt, Herr? Ich habe ein ungutes Gefühl bei der Sache."
"Nicht so schwarzseherisch, von Rallerau!" kam die leise Antwort. "Wir haben die Sache gut durchgeplant, da kann gar nichts schiefgehen", antwortete eine sonore Bassstimme.
Eine weitere Gestalt kam in die Schenke und begab sich zu den anderen. "Es ist alles bereit, Vater. Gleich wird der Tanz losgehen", nickte sie dem Angesprochenen zu.
"Dann lasst uns aufbrechen."
Der vermeintliche Anführer legte ein paar Heller auf den Tisch, und die Gruppe machte sich auf zu gehen. Schon kurz darauf erschollen die Brandglocken der Stadt. Anscheinend war irgendwo ein Feuer ausgebrochen.
Udilbert von Hardt und seine Reitergruppe beobachteten aus sicherer Entfernung das Treiben in Hornbach, welches sie gerade verlassen hatten. Anscheinend hatten zwei der Lagerhäuser Feuer gefangen. Die Brandwehr war alarmiert worden und war nun eifrig mit den Löscharbeiten zugange. Es dauerte nicht lange, und die Tore der nahegelegenen Burg Hornbach öffneten sich, und ein größerer Trupp Burgwachen eilte hinaus um der städtischen Brandwehr beizustehen.
Der Pfalzgraf grinste. Der erste Teil seines Plans war damit also aufgegangen. Auf seinen Befehl hin sattelten seine Leute auf, und die Gruppe ritt in gemächlichem Tempo in Richtung der Burg.
"Die Zwölfe zum Gruße, Wohlgeboren von Hirschfurten! Ich bin untröstlich, Euch in einer so misslichen Lage aufsuchen zu müssen, aber leider gab es ein paar Unstimmigkeiten bei den letzten Zehntabgaben, die ich gerne mit Euch erörtern würde."
"Und da kommt Ihr selber vorbei und schickt nicht einfach einen Euer Lakaien?" entgegnete Myrria, die Burgherrin der Burg Hornbach, welche dem Hause Hirschfurten gehörte, vom Schutze der Burgmauer aus dem Pfalzgrafen, der mit seinen Reitern vor dem geschlossenen Burgtor stand.
"Nun, nennen wir es einen Höflichkeitsbesuch. Um wichtige Angelegenheiten pflege ich mich stets selbst zu kümmern. Ich denke aber, dass wir die Angelegenheit rasch aus der Welt schaffen können. Außerdem bin ich äußerst erpicht darauf, mir eure berühmte Zofenschule mal näher anzuschauen, von der man ja nur Gutes hört."
Myrria war äußerst skeptisch, und ihr war auch unwohl bei der Sache, zumal der Pfalzgraf mit einigen Rittern und Bewaffneten inklusive seiner unausstehlichen Tochter Quelina angerückt war, während die meisten ihrer eigenen Burgwachen gerade erst die Burg wegen eines Brandeinsatzes in der Stadt verlassen hatten. Aber schließlich war er ja auch ihr Lehnsherr und so gab sie ihrem Mann Vicco schließlich die Anweisung das Tor zu öffnen und das Fallgatter hochzuziehen.
Plötzlich war alles ganz schnell gegangen. Die Leute des Pfalzgrafen hatten die wenigen verbliebenen Ritter auf Burg Hornbach rasch überrumpelt und Burgvögtin Myrria, ihren Mann und die Zofen gefangen genommen.
"Was soll das? Seid Ihr völlig übergeschnappt?" fauchte Myrria ihn an, während Sigman von Karrenstein ihre Arme festhielt.
"Im Gegenteil, meine Teuerste. Ihr und eure Zofen seid nun meine Gefangenen! Ich bedaure Euch da mit reinziehen zu müssen, aber leider lässt sich mein Anspruch gegenüber Eurem Hause nicht anders duchsetzen. Ich fürchte, die nächste Zeit werdet Ihr mich und meine Leute hier auf Eurem kleinen Schlösschen aushalten müssen. Doch wenn Ihr euch kooperativ zeigt, werde ich dafür sorgen, dass Euch und den Mädchen nichts geschieht!" Dabei grinste er böse.
"Und wie lange soll diese Posse dauern?" fragte Myrria etwas verängstigt.
"So lange, bis Euer Vetter Nimmgalf meinem Anliegen entgegen kommt! Und bis dahin warten wir!"
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