Benutzer:Treumunde/BriefspielPerricum: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 28. Dezember 2021, 07:43 Uhr
Ein Haus zu ordnen
Verzweigte Äste
Villa Ox, Kaiserstadt Gareth
Vortrefflicher Weingeruch steig aus dem Speisezimmer hervor, indem der Herr des Hauses, den engsten Familienkreis zusammengerufen hatte. Iralda, die während ihres Studiums in St. Ancilla hier lebte, saß am Tisch. Aus Wasserburg reiste ihr Gemahl auf Geheiß des Vaters an. Die junge Leonora, Kanzleirätin für Eich- und Wägewesen, folgte ebenso dem Ruf des alten Ochsen.
Leobrecht ließ es sich nicht nehmen und ploppte das erste kühle Wandlether Wiesenschlösschen auf, währenddessen die Bediensteten die Terrinen mit leckerem Hasenpfeffer füllten.
Gespannt aßen die jungen Ochsen, ohne genau zu wissen, was sie in die Stadtvilla des Hauses gebracht hatte. Weitere Gäste wurden wohl nicht erwartet, denn es waren keine weiteren Teller gedeckt.
Belangloser Tratsch spannte die Jungochsen weiter auf die Folter, eine Tatsache die Leobrecht durchaus genoss.
Nachdem das Oberhaupt zu Ende gespeist hatte, öffnete er sich ein weiteres kühles Bier nach Schlunder Brauart. "Meine Lieben"
Erleichterung war den Dreien anzumerken, endlich wurden sie in Kenntnis gesetzt, was auch immer sie wieder angestellt hatten.
"Ihr fragt Euch sicher, weshalb wir uns hier und heute hier versammelt haben" fuhr der Reichsvogt fort, während sich die Augen der Anwesenden auf ihn fokussierten. "Ich bin nicht mehr der Jüngste..."
"Vater, sag sowas nicht...." fiel ihm Leonora ängstlich ins Wort.
"Keine Angst Liebes, ich habe nicht vor Euch alsbald zu verlassen. Dennoch bin ich nicht mehr der Jüngste und ihr keine kleinen Kinder mehr. Ihr seid zu stattlichen Erwachsenen geworden und es soll nicht mehr an mir sein, Euch wie Halbwüchsige zu behandeln. Wir sind Teile eines Hauses, dessen Baronien in Grafschaften leben, die in Fehde liegen. Dennoch sind wir ein Haus und wir werden uns nicht entzweien. Es ist mir wichtig Euch die Agenda des Hauses Ochs mit auf den Weg zu geben, auf dass das Haus weiter erblühe."
"Warum wir, wo ist Anaxios? Ist er nicht Teil des Hauses?" warf Iralda ein.
"Ja, mein lieber Anaxios. Gewiss ist er Teil des Hauses. Ein ganz wichtiger sogar. Ich möchte es Euch so erklären. Stellt Euch vor, das Haus Ochs ist ein Baum. Eine große starke Steineiche. Anaxios, Viehwiesen und später auch Ruben - das sind unsere Wurzeln, unser Stamm. Sie sollen für Beständigkeit und Unerschütterlichkeit stehen. Sie sollen unseren Stammsitz bewahren und uns eine gute Basis halten. Das habe ich mit Anaxios so vereinbart. Doch ihr, Ihr seid die Äste." Leobrecht fuhr mit seinen Händen einen Baum nach, um es zu veranschaulichen. "Wir haben hier zwei dicke Äste - Bärenau und Wasserburg. Beides unwahrscheinlich kostbare Ländereien, auch wenn sie nach Krieg und Fehde angeschlagen sind. Doch das wird die Zukunft des Hauses sein. Iralda, Wolfaran, von Euch beiden erwarte ich, dass ihr diese Landstriche zurück zu alter Blüte führt. Das soll Eure Lebensaufgabe sein. Bestellt das Feld für Eure Nachkommen. Haltet Euch aus Fehden heraus, seid diplomatisch und nicht angriffslustig."
"Und was ist mit Deinem Wunsch nach Aufstieg, ist die Verlobung und was Du Dir daraus erwartest wieder obsolet?" fragte Wolfaran etwas irritiert.
"Von den zwei dicken Ästen wachsen viele kleine Äste. Sie sollen, Tsa sei Dank, unsere kleinen Ochsen sein. Sie sollen ausströmen in das glorreiche Mittelreich und sich verzahnen. Sie sollen Kontakte, Freundschaften und Allianzen knüpfen. Das Feld soll vorbereitet werden für die nächsten Ernten. Es muss langsam und stetig ertragreich sein, so dass wir es irgendwann schaffen die Baumkrone zu erklimmen. Leonora, Du Liebes, bitte verzweige Dich weiter in der Reichskanzlei. Umso mehr sich der hiesige Adel streitet, desto besser ist es Freunde außerhalb zu haben."
Leonora nickte und fragte dennoch irritiert "Was meinst Du mit Baumkrone, Vater?"
"Ein Ast wird hochsteigen. Ob er schon die Krone in dieser Generation erreicht, ist ungewiss, die Baumkrone ist zurzeit noch außer Sichtweite. Aber ihr alle zusammen sollt diesem Ast beim Wachsen helfen. Ich habe Trisdhan mit einer aranischen Adligen verlobt und sie werden den Bund der Ehe einstmals eingehen. Aus Ihnen wird die Saat entspringen die auf beiden Seiten eine Verbindung zum ausgestorbenen Grafenhaus vom Darpatbogen in ihrer Blutlinie trägt. Haltet ihre Linie hoch in allen Ehren. Streut immer mehr die Information der alten Blutlinie. Denn steter Tropfen hüllt den Stein. Je mehr diese Information in den Ohren des Adels hängen bleibt, desto mehr wird es zu einer Art Gewissheit. Es wird die Zeit kommen, da werden die Adelsfamilien diesen Tatbestand als gegeben akzeptieren und verinnerlichen. Vielleicht erst in der übernächsten Generation, aber beharrlich verbreitete Informationen bleiben in den Gedanken heften. Dabei helfen wird uns die Tatsache, dass das Haus Ochs in Zukunft die Geschicke über die Baronie Wasserburg leiten wird. Und in ebenjenem Wasserburg liegt der Darpatbogen. Die Schleife des Flusses, der dem Adelshaus seinen Namen gab."
"Wolltest Du nicht mit mir Deine Politik betreiben?" warf Wolfaran ein.
"Das war zuerst meine Intention, mein Junge. Doch die Gegebenheiten erfordern behutsameres Vorgehen. Wir Ochsen haben seit der Retozeit viel Ruhm gewonnen und viele Ochsen verloren. In der Rohajazeit scheint unser Stern zu steigen, obwohl die Kaiserin selbst kaum Verwendung für unsere Dienste hat. Drei Erblehen sind unser und wir haben uns einen guten Ruf am Kaiserhof und in der Reichskanzlei erarbeitet. Sicher auch Neid und Missgunst auf uns gezogen. Doch Rohajas Regierungszeit ist nicht so stabil, wie die ihrer sagenumwobenen Ahnen. Um jedoch weiter aufzusteigen und nicht bodenlos zu Fallen beim Griff zu den Sternen, müssen wir behutsamer vorgehen. Wir sind eines der alten Häuser, es war falsch von mir so kurzfristig so viel zu erstreben. Generationen von Ochs liegen vor uns und wenn unsere Nachfahren einstmals in der Geschichte zurück blicken, sollen sie erkennen, dass unsere Äste aus dem Baum zu neuen Trieben ausgeschlagen sind."
Wolfaran kraulte sich durch seinen Vollbart und sinnierte vor sich hin. "Wenn Du möchtest, dass ich mich auf Wasserburg konzentriere, um für Trisdhan und seine Linie das Feld zu bestellen, dann benötigen wir Freunde, Verbündete, die an des Markgrafen Ohr sind. Was uns noch fehlt sind die Verbindungen in Perricum, vor allem an den Markgrafenhof. Wir müssen unsere Stellung verbessern."
"Ja das sollten wir tun. In Perricum wird uns das jedoch schwerer fallen, als in Garetien oder in der Reichsadministration. Da besitzen wir ein großes gespanntes Spinnennetz. In Perricum haben wir vereinzelte Freunde und viele Feinde. Und vor allem viele Strömungen die nach Macht streben." Leobrecht sah in die Augen seiner Sprösslinge und fühlte sich auf einem guten Weg.
Kamingespräche
Villa Ox, Kaiserstadt Gareth
Das Feuer im Kamin loderte währenddessen sich Wolfaran in den Ohrensessel schwang. Auf den kleinen Tisch zwischen ihm und seinem Vater stelle er eine Flasche Torbelsteiner und zwei Zinnpinnchen. "Männerabend"
"Wohl an" Leobrecht kramte eine hölzerne Kiste hervor. "Ich habe heute einen Abstecher auf den Al'Anfaner Markt gemacht"
Wolfaran nahm sich eine Zigarre aus bestem Mohacca Kraut heraus und roch genussvoll daran. "Die Damen haben sich zurück gezogen. Iralda schreibt zurzeit eine Abhandlung über den Codex von Münz- und Wägerecht. Eine Thematik die Leo natürlich brennend interessiert. Seid Iralda an dieser Rechtsschule studiert, hat sie kaum noch einen Kopf für andere Dinge. Auch nicht für mich..."
"Das wird sich geben, Junge. So sind die Frauen, machen einfach was sie wollen. Bleibt mehr für uns" Der alte Ochse zündete sich die Zigarre an und nahm einen tiefen Zug.
Wie immer musste sich sein Sohn zuerst das Husten unterdrücken, ehe er den Tabak genießen konnte. "Oh ja. Iralda, Mutter.... sie sind ihr eigener Herr."
Nach einem guten Schluck des Schlunder Schnapses. "Wohl wahr unsere Frauen sind eigenständiger als wir es vielleicht wünschen."
"Du hast Mutter immer noch nicht verziehen oder?"
"Deine Mutter ist eine wundervolle Frau. Mit ihrer Treue zum Markgrafen hadere ich noch ein wenig, da ich mit ihm fremdle. Aber wer soll es ihr verdenken, er hat sie zur Baronin gemacht und ihr Aufstieg ist auch Perricum zu verdanken. Ich muss mich damit arrangieren. Auch wenn es mich sehr ärgert, dass sich der Paligan sicher sehr darüber freut, dass die Frau des Ochsen ihm eine treue Vasallin ist."
"Aber so unklug war die Entscheidung ja nicht. Mit Mutter in Wasserburg hat er eine sichere Landesgrenze. Sollte die Fehde in die Perricumer Lande schwappen, würde Mutter sicher versuchen, diese schon in Viehwiesen in Zusammenarbeit mit Anaxios aufzuhalten."
"Sie würde aber niemals Perricumer Truppen auf garetisches Gebiet führen. Da sie aber ein Kind des Walls ist und Wege kennt, die ich niemals als einen Pfad erkennen würde, würde ihr bei Bedarf sicher etwas einfallen. Bei der Thematik. Bitte mach einen Halt in Ochsenfeld, wenn Du zurück zu Deiner Mutter reist. Dort sind ein paar Geschenke. Nur bitte transportiere diese versteckt."
"Soll ich schmuggeln? Ich würde schon gerne wissen, was ich transportiere."
"Nur ein paar Schlunder Kurbeln. Zur Verteidigung, sollte die Fehde auf ihre Ländereien schwappen.
"Aha,,, jetzt ergibt es Sinn, ihre Planungen bezüglich einiger Gräben. Solltest Du nicht als Reichsvogt neutral bleiben."
"Ich ... ich habe damit nichts zu tun.... zumindest niemals offiziell."
Wolfaran schmunzelte und wechselte besser das Thema. "Wie kommt's, dass Du uns an den Entscheidungen teilhaben lässt."
"Ihr habt mir doch gezeigt, dass wenn ihr nicht eingebunden werdet, ihr eigenständige Entscheidungen trefft. Das ist nicht gut für unser Haus. Und es zeigte mir, dass ihr gewollt seid die Bürde auf Euren Schultern zu satteln. Ich will nicht, dass es dem Haus Ochs ergeht, wie so vielen Häusern, wenn ihr Oberhaupt mal nicht mehr da sein sollte. Ich möchte den Weg für weitere erfolgreiche Zeiten ebnen. Stabile Zeiten für die Ochsen."
"Es freut mich Vater. Ich weiß der Hitzkopf treibt mich noch an und ich ja dem roten Tuch nach wie ein wilder Stier. Dennoch bin ich gewillt meinen Anteil zu tragen. Wie möchten wir weiter verfahren? Wir sollten uns auf Perricum konzentrieren und unser Spinnennetz weiter weben."
"Wir müssen unsere Freunde besser in Szene setzen. An einflussreichere Positionen manövrieren. Hilda ist in der Armee hoch eingesetzt. Ich möchte sie aber nicht in die Bedrängnis bringen, sich zwischen meinen Wünschen und dem des Markgrafen entscheiden zu müssen. Das bin ich ihr schuldig. Bleibt mir am Ohr des Markgrafen nur die Sturmfels am Markgrafenhof. Das ist zu wenig."
(...)
Wandel in Wasserburg
Ein würdiger Abschluss
Klamme Kassen
Esche und Kork
Arm wie König Mizirion
Dukatenreiter
Grimmiges Gesicht
Dürsten-Darrenfurt, nach "Arm wie König Mizirion"
Auch wenn niemand - außer vielleicht die Götter - einen solchen übergreifenden Einblick hat, konnte man doch nahezu zeitgleich das Schnaufen und Wettern im Markt Hordenberg und der Stadt Morganabad vernehmen.
Dort zogen jeweils die geprellten Anführer der Perricumer Waage, wie auch der Diamantschädelreiter ein grimmes Gesicht und ertranken den Ärger vorerst in Wein, dem Ausschnitt eines Dienstmädchens oder den sehnsuchstvollen Augen eines Botens.
An beiden Orten konnte man das Fluchen hören, welches den Baronen von Wasserburg galt, alt wie neu. Der eine hatte sie verprellt und verhöhnt - hatte er wohl je die Absicht gehabt zu zahlen? Die Andere war eine ebenso hinterlistige Furie, im Deckmantel einer "ehrbaren" Kriegerin. An beiden war weder Fuchs noch Mantikor verloren gegangen. Beide traten den ehrenwerten Kodex und den Weg des guten Goldes mit Füßen.
Besonders die Neue - denn der alte Träumerik, hatte ausgedient, dafür hatte die Bergtrude gesorgt, wie auch immer sie dies genau zugebracht hatte. Aber jetzt war sie und ihr aberdrolliger Ritterssohn hoch zu Ross nicht bereit dafür aufzukommen die Schulden der Baronie an die Mietlinge in Hordenberg und Morganabad zu zahlen. Nein, wie eine feige Ziege, erstarrte sie, fiel zu Boden und markierte eine steife Tote. Berief sich auf noch weitere Schulden an Stadt, Gönnern und teuren Bauvorhaben ihres Vorgängers. Aber zu schade für eine kleines garetisches Ritterturnierchen man sich dennoch nicht.
Billigste Betrügerei, hinter der Fassade der Rechtschaffenheit und einem großen Namen, den man zur Erpressung von Aufschüben nutzte.
Eine Fassade die bröckelig war, die beiden Söldnerfürsten in Hordenberg und Morganabad - sich selbst nicht grau - warteten nur darauf dass eine der - unter diesen Umständen "ausgehandelten" lächerlichen - Zahlungen verspätet käme oder gar ganz ausblieb, dann würden sie sich schon holen was ihnen gebührte, allein schon um das Gesicht vor ihren Leuten zu wahren.
Doch während der eine auf diesen Moment - der sicherlich kommen würde - zu warten vermochte, beschloss der andere, nicht warten zu wollen. Die nächste - jämmerliche - Zahlung würde nicht ankommen...
[Jan]
Blinkende Münzen
Der imposant gerüstete Hauptmann zählte behutsam das Geld auf seinem Tisch, als eine dieser lächerlichen Raten wäre es ein Witz, als genug tuende Sonderzahlung allerdings eine Wohltat. Zumal der Haufen Geld hier diesen überdreisten Erbsenzählern und falschen Feilschern aus Wasserburg einen Schlag versetzen würde.
Denn die blinkenden Münzen auf seinem Tisch waren zwar von den Wasserburgern für die Söldner bestimmt gewesen, doch waren sie hier nie angekommen, ganz offiziell. Denn zuvor hatte ein "grobschlächtiger Haufen von Gesindel" dem Boten der Wasserburger die fällige Rate abgenommen. Der Hauptmann schlug lachend mit der Hand auf den Tisch, der Bote war gar der junge Ochse selbst gewesen, mit nur geringer Bedeckung. So schlecht erging es denen also da im Norden in ihren schönen Schlösschen, dass es an einer rechten Begleitung oder gar an vertrauenswürdigen Botendienern mangelte.
Geschah ihnen recht. Den Jungochsen, der sich zwar tapfer gewehrt hatte, hatten "die Grobschlächtigen" aber dennoch in die Flucht geschlagen, nur sein Geld war zurück geblieben. Und der Hauptmann würde nun einen ordentlichen Bericht an den zuständigen Kadi überbringen lassen, dass die Ochsen ihre Rate versäumt hätten und diese schnellstmöglich, mit Zinsen, nachzahlen müssten, nebst wahrscheinlicher Verwarnung und dem Hinweis, die Söldner würden sich sonst in Wasserburg holen was ihnen gebührte, ertragreiche Dörfer gab es dort zu hauf. Der Hauptmann bleckte die Zähne im Grinsen.
Einziger Wermutstropfen war Midans erneute Schlampigkeit, hatte er sich doch wieder nicht an die Anweisungen gehalten und seine stattliche Bewaffnung geführt, als er sich unter "das Gesindel" gemischt hatte, dazu hatte dieser "Verräter" auch noch die Dreistigkeit besessen ein altes Abzeichen "seiner ehemaligen Kameraden" unter den ihm nun gebührenden Lumpen zu tragen und es sich im Kampf entreißen zu lassen.
So war es auf jeden Fall gewesen, dem Hauptmann gefiel diese Geschichte. Midan hatte schon tatsächlich während der Fehde sehr viel Unmut auf sich gezogen mit schändlichen Dingen die die Ehre der Schädelreiter beschmutzt hatten, eigentlich hatte man ihm noch eine letzte Chance gelassen, dann kamen aber diese Fehler und tatsächlich wieder ein paar unterschlagene Münzen, wie stets. Und so würde es nun heißen, Midan hatte schon nach der Fehde in Schimpf und Schande gehen müssen und war dann zum gemeinen Strauchdieb geworden, tragisch, aber diesem elenden Hund gereichend.
Und als solchen würde man ihn getreten und geschlagen vorführen, den Lügner, Dieb und Verräter. Und Lügner schnitt man die Zunge raus, Dieben brach man die Finger. Natürlich ohne das man das gestohlene Geld hätte wieder auffinden können.
Das würde zwar Gerede geben, aber das gab es immer und es beflügelte letztlich das Geschäft, da man im Gespräch blieb. Davon ab wusste hier im Süden jeder, mit welcher unehrvollen und wenig phexischen Feilscherei man sie übers Ohr gehauen hatte. Die Menschen hier waren keine wohlfeilen, garetischen Wasserburger Rittersleute, mit ihrem Geschwätze und Winkelzügen hinter dem man sich feige verschanzte, hier verstand man das ehrliche Geschäft und den Preis den man dafür zu zahlen hatte. Den doppelten - und das mussten nun sowohl Midan als auch die "Ochsenfelser" spüren.
Kopfgeld
Münzhandel
Königsstadt Wandleth, am Hofe des Grafen vom Schlund
Mit einem freudigen "Garoschem!" auf den Lippen betrat Wolfaran die Stube der Kämmerer der Grafschaft. Leicht angetrunken von den Bieren, die er mit Graf Ingramm geleert hatte führte ihn sein Weg zum gräflichen Kämmer Gregosch, den er ebenfalls bereits seid frühen Kindheitstagen kannte.
"Garoschem! Ka roboschan hortiman Angroschim! Da schau einer an, Du hier. Wohnst ja jetzt in der Nähe wie ich hörte." Wie bei den Zwergen üblich holte Gregosch erstmal ein paar kühle Schlunder Wiesenschlösschen.
Wolfaran lächelte leicht gequält. Er hatte heute gefühlt mehr Alkohol getrunken, als im ganzen letzten Jahr in Elenvina. Hui anstrengend, dachte er, aber seine Freunde waren so voll Freude ihn wieder zu sehen, dass er ihnen das Anstandsbier ... oder zwei... oder drei ... nicht verwehren wollte.
Mit einem lauten "Baroschem!" knallten ihre Bierkrüge zusammen. "Fortombla hortomosch! Glückwunsch zur Belehnung Deiner Garoschna Korhilda. Und schön Dich wieder in der Nähe zu haben."
"Danke, mein Freund. Ich bin leider wegen einer nicht so schönen Angelegenheit hier." Wolfaran war in Zeitnot, da musste er unfreundlich gleich zum Thema kommen.
"Väterchen Ingramm hat mir schon berichtet. Verprügelt haben sie Dich und Dir Dein Geld geraubt. Nur unehrbares Gesindel außerhalb des Schlundes. Habe ich Dir immer gesagt, mein Freund."
"Ach Gregosch, Du weißt ich wollte nie von hier fort. Wärst Du so lieb und zählst mir die Münzen ab. Damit wir unsere Gläubiger besänftigen können."
"Dein Freund Rogosch ist schon dabei, während Sein Vater gerade den Schuldschein fertigt."
Und noch einer, dachte der junge Ochse. Wasserburg war ein bodenloses Loch. Viel Arbeit lag vor ihnen, die Baronie zu entschulden.
"Und noch was Fläumling. Karoscha und ihre Schlägelschwinger werden das Geld zu den Söldner bringen, auf dass es nicht wieder abhanden kommt."
"Väterchen, ich kann sie mir nicht leisten."
"Karoscha sieht es als Freundschaftsdienst. Du weißt, dass sie eine Lebensschuld bei Deiner Mutter hat, nach den Vorfällen in Ongalosch. Sie sieht es als Teil der Abzahlung ihrer Schuld, die sich nicht mit Münzen bezahlen lässt."
Wolfaran prostete dem gräflichen Kämmerer dankend zu.
"Und ich hörte, Du musstest dem Grafen eine Gegenleistung versprechen."
"Was du alles hörst. Unglaublich das ist hier ja wie bei den Waschweibern am Darpat."
"Wir sind gesellig, da werden schon einmal Informationen ausgetauscht, Fläumling."
"Da magst Du recht haben, Väterchen. Und ja, ich werde dem Grafen hin und wieder zu Diensten sein. Er hat mich als seinen Waffenkenner ausgebildet und so werde ich, wenn es meine Zeit zulässt, für ihn nach seltenen und wertvollen Stücken Ausschau halten."
Zeichen der Alveransleuin
Bußquesten für Korhilda
Die Bußqueste
In der Höhle des Löwen
Tempelwacht
Es lebe die Ritterlichkeit
Stein auf Stein
Donnersturmfelder von Baburin
Fauchende Raubkatze
Donner und Sturm
Dorian von Hengisford hatte diesen Tag für die nächste Prüfung erwählt. Die Donnernde tobte. Es donnerte und blitzte als er mit Korhilda die Anhöhen am Rande des Walls betrat. Ein paar Schaulustige folgten ihnen.
Da stand sie nun, allein in der Höhe mitten im tobenden Sturm.
Gebannt schauten die Anwesenden dem Schauspiel zu. Wolfaran zitterte innerlich vor Angst.
Blitze zuckten und der Donner trieb den Sturm voran. Sturm und Donner tobten. Blitze zuckten. Ein heller Lichtbogen löste sich aus den schwarzen Wolken und stürzte hinab.
Mit voller Wucht fuhr der Funkenschlag in Korhildas Leib und schmiss sie regelrecht zu Boden. Regungslos blieb sie liegen. Minutenlang.
Allen Anwesenden stockte der Atem.
Völlig benommen wurde Korhilda von dem prasselnden Regen wachgeküsst. Sie lag auf dem Boden und blickte in den tiefschwarzen Himmel. Ihr Oberkörper brannte, als wäre heißes Feuer über sie ergossen worden. Sie spürte weder Arme noch Beine.
Tief atmete sie durch. Langsam spürte sie ein Kribbeln in der rechten Hand. Nach und nach konnte sie nicht nur die Fingerspitzen, sondern auch die Hand und den Arm bewegen. Auch in ihren Füßen kehrte das Gefühl zurück. Von Schmerz geplagt richtete sie sich auf.
Klapprig wie ein alter Greis richtete sie sich auf. Ein Raunen ging durch die Anwesenden.
Korhilda taumelte in Richtung des Rondrageweihten und blieb vor ihm stehen. "Heute nicht"
Er blickte zu ihr. "Heute nicht. Der Zorn der göttlichen Leuin ist gestillt. Eure Buße ist getan."
Korhilda lag seit Tagen in ihrem Bett. Die Baronin war zu müde um aufzustehen. Sie konnte sich kaum an den Tag auf den Anhöhen am Wall erinnern. Große Gedächtnislücken verhinderten ihre Erinnerung an den Tag der Prüfung.
Sie wusste auch nicht mehr, wie sie es hier nach Schloss Rossgarten geschafft hatte. Auch die Erinnerungen an die letzten Tagen waren mehr als schwammig. Der Blitz, der sie durchfuhr, hatte wirklich durchschlagende Wirkung.
Die Alveransleuin, die Herrin über Donner und Sturm hatte sie für Ewigkeiten gezeichnet. Die Verbrennungen an ihrem Körper sahen aus wie ein verästelter Baum. Sie taten nicht weh, aber sie würden alle Zeit verkünden, dass sie dem Blitz widerstanden hatte. Das Brennen in ihrem Oberkörper ließ langsam nach.
Neben ihrem Bett saß Maia, die Tsageweihte der Schlosskapelle. Sie wechselte die Verbände an der linken Hand.
Korhilda schloss die Augen um sich noch auszuruhen. Linke Hand dachte sie, warum linke Hand. Ihre Augen öffneten sich schlagartig und sie blickte auf ihren Stumpf. An diesem wuchs eine Hand nach. Im Moment noch so klein wie die Hand eines Kleinkindes.
Maia lächelte sanft und salbte dabei die Hand mit Pflanzenkernöl. Nachdem sie den Verband neu angelegt hatte, malte aus einem Gemisch aus Asche und Pflanzensaft das Zeichen Tsas auf die alte Verwundung.
"Maia, Maia..." stammelte die Sturmfelserin. Sie konnte ihre Gefühle nicht in Worte fassen.
"Genug des Leides, genug der Selbstgeißelung. Es ist Zeit für den Neuanfang. Euer Blick sollte sich nach vorne richten und nicht zurück. Ruht Euch aus, ich komme morgen wieder."
Eine Heldin wider Willen
Halara, die nun seit ihrem Verrat Tempeldienst im Rondra-Tempel Donnerhall in Wasserburg leistete, las aufmerksam den Artikel in der Perricumer Postille. Calira Bernstein hatte über den Wasserburger Funkenschlag, wie sie es nannte, berichtet. Die Scriptorin musste wahrlich Gefallen an der Sturmfelserin gefunden, sie berichtete über alle Questen in voller Ausführlichkeit.. Halara kam es fast so vor, als würde sie aus der Baronin eine rondragefällige Helden erschaffen, so einseitig war die Berichterstattung. Oder war Korhilda von Sturmfels das vielleicht sogar wirklich?
Was immer sich Dorian bei seinen Prüfungen gedacht hatte, Halara war sich sicher er hatte seiner Familie keinen Gefallen getan. Sie wusste um den Anspruch, den die Hengisford auf Wasserburg erhoben, mit jeder bestandenen Prüfung wurde es unwahrscheinlicher, dass sie die Sturmfels loswerden würden. Vor allem da dieser Schreiberling alles wie Heldentaten aussahen ließ.
Halara war es im Endeffekt egal, wer Wasserburg beherrschte, da die Familie ihres Mannes sie verstoßen hatte.
Das Volk, bei denen das Leid der Fehde wie ein Nebelband langsam zu zerfließen begann, ließen sich sicher von den Schreiberlingen der Perricumer Postille beeinflussen, so sie denn des Lesens mächtig waren.
Korhilda und Leobrecht genossen die Zweisamkeit. Ihr Kopf lag eng angeschmiegt auf seiner Brust, während sie diese sanft mit ihrer linken Hand streichelte. Dank Tsas wundersamer Erneuerung ein ungewohntes, fast vergessenes Gefühl.
"Hast Du die Artikel in der Postille gelesen? Warum können Sie mich nicht in Ruhe lassen?"
"Sie scheinen Interesse an Dir gefunden zu haben. Wahrscheinlich verkauft sich die Auflage besser, wenn von Helden berichtet wird."
"Helden, Leobrecht, was für ein Wort. Ich bin keine Heldin, ich bin eine Büßerin."
"Das ist aber nicht das, was das Bürgertum will. Das einfache Volk benötigt Helden, Streiter für Recht und Gesetz. Der Haffax Feldzug hat noch viele offene Wunden hinterlassen. Es ist für sie einfacher, wenn es in ihrem Verständnis jemanden gibt, der sie beschützt. Einen glorreichen Schutzpatron halt."
"Das soll ich werden? Ich habe in der Fehde viel Leid verteilt und bin alles, nur nicht dass, was sie von mir erwarten."
"Sie wünschen sich einen heroischen, rondragefälligen Streiter. Diese Bernstein hat Dich dazu gemacht in ihren Geschichten und Illustrationen. Für das Volk ist die einfache Wahrheit leichter zu akzeptieren. Der Adel wird diese Artikel schon einschätzen, sie werden nicht alles glauben, was irgendein dahergelaufener Schreiberling zu Pergament geschrieben hat."
"Hm. Dann muss ich das akzeptieren, am Besten ignoriere ich es. Hast Du schon gehört im Theater der Stadt Wasserburg läuft ein neues Stück an. Kordana und Leomar. Unsere Lebensgeschichte unter anderem Namen."
"Das bürgerliche Volk mag Dich, Hilda. Akzeptiere es, du kannst es nicht ändern."
Ein Hauch von Aranien wehte durch den Salon im Schloss Rossgarten. Während die drei Jungs - wie immer Flausen im Kopf - jauchzend und freudeschreiend über Tische und Bänke sprangen. Hierzu nahmen sie die aranisch-tulamidischen Gegenstände von den Wänden - welch schöne Sammlung in Händen der Tunichtguts.
"Nimm das, du Verräter" Alion hüpfte von Tisch auf den Stuhl den Säbel unkontrolliert über seinem Haupt drehend. Dabei fiel er fast hin, als er sich in der, ihm viel zu großen, aranischen Tuchrüstung verfing.
"Haffax ist tot, es lebe das Mittelreich" johlte Alderan während er auf Trisdhan saß.
"Menno, warum bin ich immer der Böse?" krächzte der junge Ochs besiegt auf dem Boden.
Die beiden anderen Jungs sahen sich an und skandierten unisono "Weil wir die Helden sind!".
Alion, der dem widerspenstigen Tuch überdrüssig war, ging zu einer Truhe im Salon. "Was ist da denn drin? Noch mehr Verkleidung?"
"Weiß nicht, hat Großmutter mitgebracht, aber bisher noch nicht ausgepackt." Trisdhan, gesellte sich mit einem Grinsen auf dem Gesicht neben seine besten Freunde "Wollen wir?"
Die Frage, war keine Frage, sondern eine Aufforderung. Alderan öffnete die unverschlossene Truhe "Ui, seht mal" "Oh interessant" Alions Augen strahlten.
Trisdhan nahm ein Schächtelchen aus der großen Holzkiste und öffnete diese. Zwei weitere Augenpaare schauten ihm dabei über die Schulter. "Orden, funkelnde Orden" "Gehören, die Deiner Großmutter?" fragte Alion neugierig, was der junge Ochs nickend beantwortete. "Zeig mal" Alderan nahm sich die Orden "steht mir gut, oder?" Wie bei einer horasischen Modenschau stolzierten die jungen Gockeln mit Orden behangen durch das Zimmer.
"Trisdhan ich wusste garnicht, dass Deine Großmutter so ausgezeichnet wurde." Alion war überrascht. "Kaiser Rauls Schwerter, das Ehrenwappen Perriums und das Abzeichen Vertrauter der Krone, schon nicht ohne." frohlockte Alderan.
"Oh schau mal, was sind das für Siegestrophäen?" Alderan kramte ein paar glänzende Dinge hervor. "Für ihre Tuniersiege" warf der Baronet ein "Sie war einst eine ziemlich gute Turnierreiterin. Ein Jahr heißt sogar nach ihr. Ist aber schon lange her, da gab es mich nicht mal"
"Und der Wappenrock? Seid wann trägt die Baronin schwarz-gelb mit drei schwarze Eidechsen auf goldenem Grund - so wie Friedwart?" und schon wieder hatte Alion sich neu gekleidet, der Wappenrock war ihm jedoch viel zu umfangreich.
"Sie ist eine Hartwalden.... wusstet ihr, sie hat sogar Ur-Großeltern aus dem Haus Rabicum und Haus Wasserburg. Sie hat erst, als sie gegen den Giganten rang ihre Wurzeln des Hauses Sturmfels vorweg gestellt." stolz ahmte Trisdhan den Kampf gegen den Giganten nach, ohne überhaupt zu wissen, wie dieser denn ausgesehen hat. "Sie hat die Prüfungen zweimal bestanden" warf er noch hinterher ein.
"Wer ist Brin von Gareth?" Alion unterbrach die Theatervorstellung des jungen Ochsen ziemlich rasch. "Mensch, Du Depp, unser ehemaliger Reichsbehüter und König von Garetien." uninformierte Nebachoten dachte Alderan. "Warum, wie kommst du auf den?"
Alion fuchtelte mit einem Pergament um sich "Hier hat er unterzeichnet. Das Schreiben ging an den Grafen vom Schlund. Was macht das denn hier? Ist sogar noch getrocknetes Blut dran..." "Großmutter war die Hausritterin des Zwergengrafen, von wann ist denn das Schriftstück?" wollte Trisdhan wissen. "Ingerimm 2021 BF, Mobilmachung" warf der Nebachote ein. Alle drei raunzten. "oh Dritte Dämonenschlacht" warf Alderan ein. "Da hat Oma auch gekämpft, sie wäre da wohl fast gestorben hat Vater mal erzählt."
Als sie Schritte hörten mit den Worten "na wehe, wenn ich euch kriege" packten die jungen Herren alles schnell beisammen und kletterten die Rosenranken hinunter, nicht dass der zeternde Beromar sie noch erwischte. Sie rannten Richtung Stallungen und versteckten sich auf dem Heuboden. "Trisdhan, ich glaube Deine Großmutter ist doch eine Heldin, ihre Kiste ist so interessant" Alion ließ sich ins weiche Stroh fallen. "Die Bernstein hat so recht"
"Lass das nur nicht Oma hören, die zieht Dir die Ohren lang."