Geschichten:Intrigenspielchen Teil 6

Aus GaretienWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Alt-Gareth, Hotel Zwei Masken:

Nimmgalf hatte ein wenig Mühe, die Treppe zu den Gästezimmern hinauf zu steigen. Kein Wunder, hatte er mit seinen Freunden von den Pfortenrittern doch bis spät in die Nacht seinen Turniersieg gefeiert. Er wusste, dass er kein guter Zecher war und hatte sich etwas zurückgehalten, als sie durch die Tavernen zogen, dennoch spürte er die paar Humpen schon. Jetzt war er begierig darauf, seine Verlobte wiederzusehen, schließlich hatte Simiona ihm für diese Nacht noch eine “ganz besondere Belohnung“ versprochen. Er musste schelmisch grinsen, denn er konnte sich schon genau denken, was es war.

Als er auf dem oberen Flur ankam, musste er erst mal tief durchatmen. „Wo war das Ding noch mal? Ach ja, linke Westentasche“, dachte er und zog den Zimmerschlüssel hervor. Er brauchte eine Weile, bis er ihn im Türschloss hatte, dann öffnete er die Tür und betrat das Doppelzimmer.

„Bist Du’s, Scherrie?“ hörte er ihre zarte Stimme.

„Wer sollte ich wohl sonst sein, hmm?“

„Na endlisch bist Du da. Isch `abe schon se`nsüschtig auf disch gewartet.“ Sie lag nackt und nur von einem dünnen Laken bedeckt auf dem breiten Doppelbett. Ihre filigranen Konturen zeichneten sich deutlich darunter ab. „ ’ast Du disch gut mit deinen Freunden amüsiert?“

„Sicher. Aber jetzt bin ich hundemüde. Ich will nur noch schlafen.“ Er wollte sie mit dieser Antwort ein wenig provozieren.

„So, Du bist also müde? Dann zie’ dich schnell aus und komm ins Bett. Isch weiß da ein gutes Mittelschen gegen Müdigkeit.“ Dabei grinste sie verschwörerisch.

Das ließ sich Nimmgalf nicht zweimal sagen. Er setzte sich aufs Bett und begann, sich seiner Sachen zu entledigen. Sie richtete sich auf, streichelte ihm über den Rücken und knabberte an seinem Ohr.

„Na, kannst Du dir schon denken, welcher Preis auf den stra`lenden Sieger wartet?“ flüsterte sie.

Nimmgalf wurde ernst. „Ein toller Sieger, wirklich.“ Der Sarkasmus war nicht zu überhören. „Ich wette, der arme Ritter Eolan hätte ihn auch ganz toll gefunden.“

„Jaja, traurige Sache das“, entgegnete sie. „Dabei schien er so ein netter Kerl zu sein.“

„Ach, Du kanntest ihn?“ Nimmgalf blickte sie überrascht an.

„Nur flüschtig. Isch `atte eine kurze Begegnung mit i’m vor Eurem Kampf.“

„So? Was wolltest Du denn bei ihm?“

„Isch wollte se`en, was er für ein Typ ist.“

„Und?“

„Er war ein trauriger alter Mann. Er sagte mir, dass seine Frau vor einem Ja`r verstorben sei. Da tat er mir leid, daher `abe isch versucht, i`n ein wenig aufzumuntern.“

„WIE BITTE?“ Nimmgalf wurde schlagartig nüchtern und blickte sie mit großen Augen an.

„O’ Scherrie, was Du immer gleisch denkst. Nein, isch `abe i`m ein wenig, wie sagt man so schön, den Kopf verdre`t.“ Wieder lächelte sie verschwörerisch. „Isch erzä`lte i`m, was er doch für ein toller Kerl sei, und wie sehr isch ältere Männer bewundere. Schließlisch wusste er ja nischt, wer isch bin. Also wickelte isch i`n mir regelrescht um den kleinen Finger. Stell dir vor, er wollte sogar ein Pfand von mir `aben, mit dem er in die Tjoste zie`en durfte. Also gab isch i`m mein blaues `alstuch. Er war überglücklisch, als er es anlegte, du `ättest i`n se`en sollen.“

Nimmgalf packte sie an den Handgelenken und warf sie auf den Rücken. Er legte sich über sie, so dass er ihr direkt in die Augen sehen konnte.

„Dein Halstuch, ja? Sag mal, was denkst Du dir eigentlich? Ich bin der, dem du ein Pfand geben solltest. Nicht meinem Gegner. Hat dir die Hitze die Sinne verwirrt?“

„Nun, sei froh das isch es nischt tat. Denn offensischtlich ist es i`m ja nischt so gut bekommen.“ Sie entwand sich seinem Griff.

„Was? Wie meinst du das?“ Er richtete sich wieder auf.

„Nun ja, in dem Tüschlein war ein Mittelschen eingeträufelt. Es duftet verfü`rerisch und bringt bei Männern das Blut in Wallung. Es steigert die Manneskraft, doch es senkt die Konzentration für andere Dinge.“ Sie musste lachen. „E`rlisch, isch war überrascht, dass er es über`aupt noch auf seinen Gaul geschafft `at.“

Nimmgalf blieb ernst. Er setzte sich wieder auf den Rand des Bettes. „Das Mittel, die Hitze... das also hat ihn umgebracht.“ Dann wurde er wütend. „Wie konntest Du so etwas nur tun? Du kanntest das Risiko, und es hinderte Dich nicht an deinem Vorhaben. Jetzt ist er tot. Kümmert Dich das denn gar nicht?“

Ihre Stimme wurde schneidender als sie sich aufrichtete. „Wie kannst Du so etwas nur sagen! Er war schon alt. Es ist lediglisch das eingetreten, was frü`er oder später o`ne`in gesche`en wäre. Du kannst misch dafür doch nischt verantwortlisch machen.“

Nimmgalf war verzweifelt. „Doch nimmt es meinem Sieg jede Ehre.“

"Mag sein. Aber der Preis ist derselbe“, lächelte sie. Ihre Stimme wurde wieder sanft. Sie legte sich erneut auf den Rücken und räkelte sich verführerisch. „Komm `er, mein großer, starker `engst! Deine kleine Stute ist schon ganz `eiss.“

Nimmgalf war hin und her gerissen. „Liebling, Du versteht es einfach nicht. Ein Sieg ohne Ehre ist kein Sieg. Es ist schlimmer, als zu unterliegen. Tu so etwas nie wieder!“

„Armer, armer Scherrie. Du `ast also ein schleschtes Gewissen. Das ist wie eine böse Krank`eit, die ge`eilt werden muss. Und isch `abe die beste Medizin dagegen.“ Sie zog ihn sanft zu sich unter die Bettdecke und begann ihn zärtlich zu liebkosen. Schon bald waren die düsteren Gedanken aus Nimmgalfs Geist verschwunden.