Geschichten:Gespräch unter Salvangern

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Schänke Am Rondrahügel, Hügelwacht, 18. Rahja 1041 BF

„Was bin ich doch für ein Narr!“ Ludovig ließ den Kopf in seine Hände sinken und starrte auf den Bierkrug, der vor ihm auf dem Tisch stand. „Zwei Götterläufe verschwendet, 200 Dukaten, verschwunden im Limbus, und halb Tebahan würde mich am liebsten einen Kopf kürzer sehen. Was habe ich dafür vorzuweisen ... Nichts! Und während Vater auf dem Sterbebett lag, war ich nicht an seiner Seite.“ Seine Augen warfen einen Blick zum Tresen. „Vielleicht brauche ich etwas Stärkeres. Dieses Gebräu ist doch zum Verzweifeln.“

Rimiona musterte ihren Bruder, sie überlegte sich, ihn zu tadeln, doch alles was ihr in den Kopf kam waren ein paar tröstende Worte. „Mach dir nichts daraus, wir Salvanger haben schon viel schwerere Zeiten durchgestanden. Denk nur an das Jahr des Feuers, da stand unsere ganze Familie vor dem Ruin. Was Rudon betrifft, so hat dein Scheitern dich zumindest rechtzeitig nach Gareth zurückgetrieben. Was wäre, wenn du den Speer gefunden, aber Vaters Bestattung versäumt hättest? Das würde Golgari dir nicht verzeihen.“

Sie musste jedoch zugeben, daß ein paar schärfere Worte gerechtfertigt wären. Die Suche nach dem Speer von Hazrakum hatte sich für Ludovig von einer Marotte zu einer wahren Obsession entwickelt. Tatsächlich war er auf einige handfeste Spuren gestoßen, doch seine Entscheidung, diesen auf eigene Faust nachzugehen, hatte ihn die Herrschaft über Hügelwacht vergessen lassen. Und seine jüngsten Eskapaden in Tebahan hatten gar zu einem Kopfgeld geführt. Wiederholt hatte er versucht, die Wälder von Miralis zu betreten, trotz Verbots des Beyrouns. Und dabei war er letztlich erwischt worden. Es war wohl weniger Phexens Beistand, als ein beherzter Sprint, der ihrem Bruder letztlich die Flucht vor seinen Häschern ermöglicht hatte.

Ludovig nahm einen tiefen Schluck und sah ein weiteres Mal zum Tresen. „Ist wohl am besten, wenn ich mir eine Flasche Kirschbrand hole und mich dann auf den Weg zurück zum Gut mache.“ Das brachte Rimiona dazu, ihm doch zu widersprechen. „Vigo, möchtest du etwa, daß Peraisha und Zelda dich in diesem Zustand sehen? Ich weiß, deine Eskapade war ein Narrenstück, aber immerhin bist du deinem Ziel näher gekommen. Wenn der Speer im Wald vergraben ist, wird er da erstmal bleiben.“ Ihr Bruder wirkte nicht ganz überzeugt. Der Kirschbrand schien ihn anzulächeln. Sie sprach weiter. „Lass Gras über die Sache wachsen. Es mag ja stimmen, daß der Listige dir diesmal das nötige Quäntchen Glück verweigerte, aber so läuft es nun mal. Wenn die richtige Zeit gekommen ist, wirst du den Speer schon finden. Widme dich erstmal deinen Verpflichtungen hier in Darrenfurt.“

Ludovig löste den Blick vom Tresen und sah seine Schwester an. „Verpflichtungen ... die habe ich vor meinem Gott, so unberechenbar er auch ist. Aber du hast ja Recht, weltliche Belange haben sich doch einige angehäuft.“ Er nahm etwas aus seiner Tasche. „Schau, eine Einladung zum Empfang des neuen Götterlaufes auf Schloss Darrenfurt. Ich habe bereits ein Antwortschreiben verfasst ... nun ja, Peraisha hat mich dazu gedrängt. Sie meint, ein bisschen Hofpolitik könnte nicht schaden. Wobei ich befürchte, dass sie daran inzwischen mehr Interesse hat als ich.“

Rimiona las die Einladung und lächelte ihn an. „Zordan wird dort auch anwesend sein. Und ich war schon länger nicht in Darrenfurt. Das ist doch eine passende Gelegenheit für uns beide, mal wieder Präsenz zu zeigen. Ich kann dort für Karlitta sicherlich ein paar Geschäfte einfädeln. Und der Kirschbrand auf Schloss Darrenfurt ist ohnehin besser als der hiesige.“