Geschichten:Ein letzter Wunsch - Was ein Inquisitor gebunden hat, das sollst du nicht lösen

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Der Abend hatte sich mit gewohnter Schnelligkeit auf Kasenam herabgesenkt. Die Zikaden zirpten in der Bläue der heraufziehenden Nacht. Die Luft war erfüllt vom Duft der Sträucher und Kräuter aus den Sturmfelser Hügeln. Die Menschen des Dorfs hatten es sich vor ihren Häusern oder auf den flachen Dächern gemütlich gemacht und tranken Wein, knabberten Weißbrot und schwatzten über den Tag. Das bedeutete also: über die beiden Männer, die jetzt im Spital des Peraine-Tempels lagen.

„Spangenberg hat sie gesagt?“

„Ja, ich habe ihn auch erkannt. Meine Base war ja befreundet mit der Tochter der Hofmagd auf Spangenberg ehe die Verrückte Petrella alles niedergebrannt hat.“

„Ach, das macht dich wohl zur Hausfreundin auf Spangenberg?“

„Du wieder. Nein, aber ich erinnere mich sehr genau: Der jüngste Bruder hat das damals überlebt, ist ins Travia-Kloster und nach Perricum.“

„Und ist heute Inquisitor der Travia-Kirche?“

„Dummbeutel. Praios. Der ist immer rumgewandert hier. Mit seinem Hirtenstab und dem ollen Schlapphut. Hat vor etwa zwanzig Jahren diesen Paktierer in Hordenberg auf den Scheiterhaufen geschickt.“

„Ach der!“

Derweil traten die beiden Geweihten vor der Spitaltür des Peraine-Tempels zusammen und rangen die Hände.

„Was ist nur los“, wunderte sich Perjida, die ein ums andere Mal ihre Göttin um Beistand gebeten, ja angefleht hatte, jedoch nicht erhört worden war.

„Ich weiß es auch nicht“, erwiderte Zarahja gequält, der es genauso ergangen war. Die beiden Männer waren ihren Göttinnen offenbar nicht wichtig genug. Oder ihre Dienerinnen waren es nicht (aber das dachten sie nicht).

Da kam ein Stöhnen aus dem Raum. Die beiden Frauen eilten hinein: Der Gefangene war erwacht, regten sich. Sie flößten ihm Wasser ein – er selbst konnte die Flasche nicht halten. Zum einen waren seine geschwollenen Finger noch nicht wieder in der Lage, etwas fest zu umfassen, zum anderen war er immer noch gebunden. Was ein Inquisitor gebunden hat, das sollst du nicht lösen …

Nach einigen gierigen Schlucken klarte sich der Blick des Mannes. Er fasste die beiden Frauen, den Raum und seinen Begleiter ins Auge: „Bindet mich los“, krächzte er.

Beide schüttelten den Kopf.

„Jetzt, sage ich!“, rief der Mann laut und befahlesgewohnt.

„Nein“, straffte sich Perjida. „Der Spangenberg wird seinen Grund gehabt haben, dich zu fesseln. Darum soll es erst einmal so bleiben.“

„Ganz recht“, pflichtete Zarahja ihr bei – so häufig wie an diesem Tag waren die beiden noch nie einer Meinung gewesen.

„Losbinden sollt ihr mich!“, brüllte der Mann nun, so dass auch der Inquisitor sich regte. Ein Stöhnen und Grollen entrang sich dessen Kehle, ein Wort, das wie ‚Nein‘ klang, kroch aus dem entzündeten Schlund. Dann atmete der Inquisitor wieder schwer und fiebrig.

„Der Mann ist doch vollkommen irre. Macht mich los! Ich …“ Perjida stopfte dem Mann resolut ihre Gartenhandschuhe in den Mund, drückte den geschwächten Oberkörper nach unten und befahl ihm, jetzt aber ruhig zu bleiben, sonst müsse sie andere Gangarten anwenden.

Der kraftlose Gefangene schwieg tatsächlich. Schwäche übermannte ihn erneut, und auch er fiel bald in einen unruhigen Schlaf.



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17. Rah 1043 BF 21:00:00 Uhr
Was ein Inquisitor gebunden hat, das sollst du nicht lösen
In meinen Tempel


Kapitel 3

Nicht der Tempel der Allwissenden
Autor: BB