Geschichten:Die Prophezeiung Teil 4

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Nimmgalf erreichte eine kleine Hütte am Rande eines Bergwäldchens. Aus dem Kamin stieg Rauch auf. Er näherte sich langsam und sah sich dabei vorsichtig um. Die drei Frauen schienen in der Hütte zu sein, denn draußen war von ihnen nichts mehr zu sehen. Nachdem er Finstermähne neben der Hütte abgestellt hatte ging er zur Tür und trat ein. Drinnen bot sich ihm ein bizarrer Anblick. Die drei Frauen standen um einen großen Kessel auf einer gemauerten Feuerstelle herum, in dem es brodelte und blubberte, und dem Raum einen merkwürdigen Geruch verlieh. An den Wänden standen mehrere Regale mit seltsamen Ingredienzien, von denen Nimmgalf die meisten nicht so recht identifizieren konnte. Von der Decke hingen mehrere Stränge, Zehen, Knochenstücke, Wurzeln und Knollen sowie ein halbes Huhn. Auf einem kleinen Podest stand eine flackernde Kerze, von der schon literweise Wachs getropft zu sein schien und daneben eine Kugel aus reinem Kristall, auf der eine fette Kröte hockte. Oben auf dem Schrank saß ein Rabe, der zu schlafen schien.


„Da ist er ja!“ sagte die erste Frau.

„Er ist wirklich gekommen, hihihi!“ bemerkte die zweite.

„Tretet beiseite, Schwestern! Der Herr von Hirschfurten ist hier, um mehr über sein Schicksal zu erfahren“, sprach die dritte Frau, die Nimmgalf für die Anführerin hielt.

„Aber bist Du auch bereit, den Preis dafür zu bezahlen?“ Sie blickte ihn mit ihren tiefgrünen unergründlichen Augen an.

„Den Preis? Welchen Preis? Wollt ihr Silber, Gold oder andere Kostbarkeiten?“ fragte der Baron.


Die Hexen kicherten. „Nein, Herr Baron, der Preis für das, was wir dir zeigen werden ist anderer Natur. Zuerst einmal solltest du erfahren, dass alleine schon das Wissen, um eine mögliche Zukunft, eben diese verändern kann und wird“, erklärte die junge Hexe. Nimmgalf zog eine Augenbraue hoch. Die alte Hexe sprach: „Du wirst dich auf die Suche nach der Zukunft begeben, die du für begehrenswert hältst, und doch wirst du deinem Schicksal nicht entkommen, egal was du tust oder lässt!“

„Aber was… was ist mein Schicksal?“

„Warte! Zunächst sollst du hören, was wir von dir wollen: wir legen sehr viel wert auf unsere Abgeschiedenheit und unsere Privatsphäre. Wir wollen dein Versprechen, dass wir keinen ungebetenen Besuch bekommen – vor allem nicht von Magiern oder gar Praiospfaffen.“ Nimmgalf zögerte. Was für eine ungehörige Ausdrucksweise. Er war unschlüssig, ob er mit solch dubiosen Gestalten derartige Abkommen treffen sollte. Aber schließlich nahm das Verlangen, mehr zu erfahren in ihm Überhand. „Gut, einverstanden. Es soll niemand von euch erfahren und ihr sollt hier ungestört leben, solange mir keine Klagen der Dorfbewohner zu Ohren kommen.“ Die Hexen tuschelten und kicherten. Die rothaarige Hexe wandte sich wieder an ihn.

„Nun gut. Wenn du bereit bist, deine Bestimmung zu erfahren so tritt vor, siehe und verstehe!“ Sie schnippte mit den Fingern und der Dampf verflüchtigte sich. Vorsichtig trat Nimmgalf an den Kessel heran und sah, wie die verschiedenfarbigen Schlieren ein Bild zu formen schienen. Es zeigte eine kleine idyllische Stadt. Im Hintergrund war eine Burg auf einem Hügel zu erkennen. „Leihenbutt! Meine Stadt. Meine Heimat!“ Er sah die Hexen fragend an. „Die Vergangenheit!“ „Deine Wurzeln.“ „Von hier bist du gekommen – und hierhin wirst du gehen!“ sprachen sie abwechselnd. Das Bild im Kessel veränderte sich. Es zeigte einen düsteren Ort, der Nimmgalf vage bekannt vorkam – offenbar ein Tempelraum. Eine Gruppe von schwarz und purpurn bekutteten Leuten stand gedrängt um einen Altar. Dort lag ein nackter und besinnungsloser Mensch. Ein Kuttenträger mit goldener Maske hob einen Dolch, zielte auf das herz des Opfers und stach zu. Nimmgalf erschrak. „Die Gegenwart!“ „Das Böse hat Einzug gehalten in dein Schicksal!“ „Sieh hin – es verändert sich!“ Die Person mit der Maske war deutlicher zu erkennen. Plötzlich zog sie die Kapuze zurück und legte die Maske ab. „Simiona!“ Nimmgalf erbleichte. Seine schlimmsten Befürchtungen schienen wahr zu werden. „Der Feind!“ „Deine Feindin!“ „Sie ist das Böse, das du in dein Leben geholt hast!“ „Um sie sind deine Schicksalsfäden gewunden!“ „Durch sie wird sich deine Bestimmung erfüllen!“ Fassungslos starrte der Baron die Hexen an. Doch er schwieg. Irgendwie hatte er es in seinem Inneren geahnt, dass es eines Tages zu einer Konfrontation mit Simiona kommen würde. Wieder veränderte sich das Bild. „Das ist meine Burg. Burg Leihenbutt. Sie ist stark beschädigt und steht in Flammen! Ich sehe Belagerungsmaschinen und… was ist mit meinen Kindern? Sind sie…“ Wieder sah Nimmgalf die Hexen besorgt an.

„Die Zukunft! Es ist ein Ort von großem Schicksal.“ Sprach die junge Hexe. „Ein Knotenpunkt im Schicksalsgewebe!“ ergänzte die alte. „Hier laufen viele Fäden zusammen, und neue tun sich auf.“ Schloss die dritte die Prophezeiung.

„Was hat das alles zu bedeuten?“ fragte Nimmgalf. „An diesem Ort wird sich dein Schicksal erfüllen, allein der Zeitpunkt ist ungewiss“, sprach die Junge. „Das Schicksal deiner Kinder wird von deinen eigenen Taten bestimmt! Nur du kannst ihnen Rettung, aber auch Verderben bringen“, ergänzte die Alte.

Nimmgalf schwieg. Das Bild im Kessel veränderte sich erneut. Jetzt zeigte es ein archaisch anmutendes Schwert, welches in einer Art Felsaltar zu stecken schien. Die drei Frauen erschraken.

„Was ist dies? Ich kenne diesen Ort nicht.“ Die Hexen sahen sich überrascht an und flüsterten miteinander. Offenbar hatten sie nicht mit diesem Bild gerechnet. Schließlich blickte ihm die schöne und sinnliche Hexe tief in die Augen und sprach: „Das ist der Schlüssel zu deinem Schicksal!“



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Texte der Hauptreihe:
K1. Teil 1
K2. Teil 2
K3. Teil 3
K4. Teil 4
K5. Teil 5
1. Rah 1029 BF
Teil 4
Teil 3


Kapitel 4

Teil 5
Autor: IBa