Reisekaisertum

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Version vom 8. Januar 2011, 11:59 Uhr von Balrik (D | B)
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Das Reich erhebt sich – Die Kaiserin zieht durch die Lande Rauls des Großen
„Gareth ist gefallen! Der Glanz der alten Kaiserzeit vergangen!“ so singen die Troubadoure allenthalben mit schwermütigem Sinn. Und für wahr, des Kaisers Stadt, wie wir sie noch vor wenigen Monden kannten, ist nicht mehr. Zu sehr haben die Fährnisse der vergangenen Götterläufe des Reiches Kapitale gebeutelt. Doch bei all diesem Wehmut sei gesagt, dass mitnichten das Reiche Rauls des Großen zerfallen ist. Es steht indes am Beginn eines neuen, glorreichen Zeitalters. Sichtbares Zeichen für den Neuanfang ist die junge Kaiserin höchstselbst, Ihre kaiserliche Majestät Rohaja I. von Gareth! Gloria Rohaja!

Die ruhmreiche Heldin, unsere geliebte Königin, brachte nach langen Zeiten der Nöte und Leiden den lang ersehnten Frieden. Um dies Allen vor Augen zu führen, ist es der weise Entschluss Ihrer kaiserlichen Majestät, fürderhin die treuen Untertanen des Reiches zu hofieren. Ihre kaiserliche Majestät läßt es sich nicht nehmen, in eigener Person das Reich zu bereisen und Huld und Dank auszusprechen. Es zeichnet sich bereits jetzt heraus, dass die geplanten Reiserouten, vom kaiserlichen Reisemarschall Alrik vom Blauthann auch als Itinerar betitelt, das gesamte Reich umspannen und jeden noch so entlegensten Winkel erfassen werden. So sieht man die junge Kaiserin auf Ihren Rundreisen je nach Jahreszeit und Witterung geschwind von einem Orte zum nächsten eilend. Zu sehr drängt es sie, keinen Ihrer Vasallen zu übervorteilen oder gar hintanzustellen.

Die Hofbeamten nennen diese Regierungsform ein Reisekaisertum. Viele Schreiber und Advokaten in unmittelbarem kaiserlichen Dienst wählen diese Bezeichnung meist mit einem abwertenden Unterton, bedeutet dies doch für sie selbst, ein Leben fernab aller Bequemlichkeiten auf sich nehmen zu müssen, um ihren Dienst verrichten zu können. So ist es leicht ersichtlich, dass besagter ‚reisender Hof‘ ein beeindruckender Anblick darstellt, der mit diversen Trosswagen, Arsenalkarren, Verköstigungsdroschken, Proviantkarren und der weiteren mehr, begleitet von mehreren Bannern Diener, Knechte, Zofen etc., einherzieht. Zum Schutz, aber auch zum weithin sichtbaren Anspruch auf die ungeteilte Herrschergewalt, eskortiert das erste Banner der Löwengarde, gemeinhin auch als Panthergarde tituliert, den kaiserlichen Tross. Neben den Truppen der Kaiserin wird die Kolonne oft von einer Ehrenabteilung des örtlichen Grafen oder Barons begleitet. So kann sich jener für eine kurze Weile im Glanze der kaiserlichen Standarte sonnen und gibt gleichzeitig ein deutlich sichtbares Zeichen seiner uneingeschränkten Loyalität. Während hingegen das einfache Volk in allen Teilen des Reiches diese Tournee mit Jubelrufen goutiert, halten sich derweil die Edelleute jener Provinzen, die nicht als Stammlande dem Hause Gareth von alters her ergeben sind, mit Ihren Ehrenbezeugungen vornehm aber unübersehbar zurück.

Start und Ziel der Reisen bilden in den meisten Fällen die Krongüter des Kaiserreiches, mithin also die Pfalzen der ehemaligen Gaugrafen, sowie ausgezeichnete Reichsabteien und diverse Reichsstädte. Für unser geliebtes Königreich seien hier beispielhaft nur das Schloss Goldenstein in der Baronie Retogau, die Pfalz Breitenhain in kaiserlich Sertis sowie die Pfalz Puleth am Rande der Wildermark genannt.

Obschon das Kaiserreich über zahlreiche reichsunmittelbare Krondomänen im Lande verfügt, ist es vereinzelt, je nach Wetterlage und Durchkommen, dennoch notwendig, eine Etappe bei einem örtlichen Lehnsmann einzulegen. Die Anmeldung des meist überraschenden Besuches setzt die jeweils geehrten Adeligen derweil oft in arge Bedrängnis, stellt die Ankunft des Souveräns doch nicht nur eine gesellschaftliche Verpflichtung mit all ihren etikettierten Vorschriften dar, sondern bildet auch die unmittelbarste Kontrolle des jeweiligen Vasallen. Dieser, ob Graf oder gar Baron, sieht sich nunmehr gezwungen, seine gesamte Tatkraft in eine angemessene Unterkunft zu stecken – so er sich nicht fehlender Noblesse nachsagen lassen möchte. Der Reisemarschall wählt indes die jeweiligen Weglängen derart, dass ihrer kaiserliche Majestät stets ein angemessenes Quartiert zur Verfügung steht. Kriterien für die Auswahl einer passablen Logis stellen neben der Größe und der Ausstattung der Behausung auch die Reputation des Hausherren, sowie persönliche Vorlieben ihrer kaiserlichen Majestät dar.

Neben dem Wohl der Kaiserin gilt es auch das des jeweiligen Gastgebers zu berücksichtigen. Daher ist eine ausgewogene Reiseplanung unabdingbar, um keine der Quartiergeber über Gebühr zu beanspruchen. Dies ist auch von Nöten, denn das Verköstigen des Hofstaates zwingt die Kämmerer oft an den Rand des Machbaren.

In diesem Zusammenhang ist bekannt geworden, dass u.a. seine Hochgeboren Erlan von Zankenblatt, der amtierende Baron zu Syrrenholt, bereits kurz nach dem Verkünden der neuen

Burg Ansicht 30.jpg

Reisefreudigkeit Ihrer kaiserlichen Majestät eine Eingabe beim kaiserlichen Hofamt zu Elenvina gemacht habe, wonach er eine temporäre Freistellung von besagter Verköstiungspflicht aufgrund akutem finanziellen Ausfall des Lehnsgutes beantragt hätte. Ob der Größe und der Geschichte der stolzen Feste Zankenblatt – war sie doch dereinst als Kaiserswacht eine bekannte und gut besuchte Pfalz – ist die Besorgnis des werten Herrn Barons nicht ganz von der Hand zu weisen.

Die längste Verweildauer fordert indes der grimme Winter. Während der Monde der Herrin Hesinde und des Herren Firun verbietet sich eine Reise von selbst. Diese Monde verbringt man vorzugsweise auf einer der reicheren Pfalzen im südlichen Garetien bzw. der Markgrafschaft Perricum.

Es ist nicht verwunderlich, wenn Audering vom Wiesenthal, ein bekannter Bänkelsänger der Aldifreid-Schule, voller Verzückung singt: „Fürwahr, gleichsam einem alten Drachen, der aus tiefem Schlafe erwacht, erhebt sich nunmehr der mächtige Kopf des Titanen und erblickt die entlegensten Winkel seines weitreichenden Hortes – wohl denen, die sich derweil nicht arglistig bereichern!“ Diese bildliche Umschreibung des Kaisertums zeigt, welchem weiteren Zwecke die Reisen der Kaiserin dienen. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass das Kaiserreich selbst in arger Bedrängnis steht. Nicht so sehr eine äußere Bedrohung dräut, als vielmehr eine innere. Nur durch die stete Präsens der Kaiserin höchstselbst, als bindendes Element, scheint ein Zerbrechen des heiligen raulschen Reiches vom Greifenthrone zu Gareth verhindert werden zu können. Ihre kaiserliche Majestät zeigt indes, dass sie eine würdige Enkelin des großen Kaisers Hal - heilig! - ist, vermag sie es doch immer wieder, die Einheit des Reiches als höchste Zierde herauszustellen, dem bislang niemand widersprechen mochte.

Möge Ihrer kaiserlichen Majestät weiterhin eine glückliche Hand beschienen sein.

Heil Rohaja I. von Gareth! Heil der Kaiserin!

Bosper Tannhauser, reisender Chronist


Autor: Syrrenholt