Von Bestien und Bäumen

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18. Bor 1042 BF Gramfelden

Korwin und die seinen saßen am Lager vor der Wacht. Leubrecht von Vairningen war bereit ein paar Stunden fort. Die Männer aßen in stiller Runde und tranken Bier.

Korwin lies den Blick schweifen. „Beschreib mir alles was du noch über das Untier sagen kannst Ralbert. Wenn es wieder kommt müssen wir gewappnet sein. Eventuell haben wir ja bereits einen Schwachpunkt gefunden, haben ihn nur noch vor Augen.“

Ralbert zögerte und schloss die Augen.

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Mit behänden Griffen dichtete er die letzte noch zugige Stelle seines Verschlages für die Nacht ab. Balsox war die ganze Zeit während des Bauens nicht von seiner Seite gewichen. Mit interessiertem Blick hatte der Zwerg die Arbeit des pummeligen jedoch überraschend geschickten Knappen überwacht. Balsox gähnte lauthals, ging auf Ralbert zu und klopfte ihm auf den Rücken. „Nach den Geschichten, die man sich über deine Heldentaten erzählt, hab ich erwartet, dass du unter freiem Himmel schläfst. Gut gemacht. Leg die Werkzeuge morgen wieder in die Destille, die Arbeit muss weiter gehen. Mögen Boron und Mada über dich wachen.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich der Zwerg.

Ralbert setzte sich noch einen Augenblick an das lodernde Feuer und trank ein Schluck Bier. Mada stand bereits hoch am Himmel. Der Wind rauschte kräftig in den Blättern der nahen Bäume der Brache und den Büschen um die Wacht herum. Sein neuer Schwertvater Korwin von Orkenwall war bereits in sein Lager gekehrt und Konnar und Balsox ebenso. Ein wenig genoss er die Einsamkeit und saugte die kühle Luft der Nacht begierig auf. Gramfelden war gewiss nicht der Garten des Garether Hofes und ganz sicher nicht Alveran…..aber ruhig. Er erhob sich aus dem Schneidersitz und griff nach dem Hammer der ihm vom Gürtel gerutscht war und ging zu seinem Lager. Ein wenig stolz war er auf seine Ralbertswacht und er lächelte. Den inneren tragenden Rahmen hatte er einem Fachwerk nachempfunden, mal abgesehen natürlich von den Seilverbindungen anstelle von Zapfenverbindungen.

Das ganze hatte er mit ein paar alten Zeltbahnen die Ihm Balsox vor die Füße geworfen hatte gegen Wind und Wetter abgedichtet. Die Außenhaut, wenn man sie denn so nennen konnte, hatte er zusätzlich mit ein paar dicken Ästen und frischen Zweigen abgedeckt. Fürs erste sollte es reichen. Er kroch hinein und stellte die kleine Öllampe die er soeben noch mit einem Kienspan entzündet hatte in die Ecke. Er konnte fasst in seiner Burg stehen. Aber dessen war er müde. Der heutige Tag steckte mehr denn je in seinen Knochen als er es beim Aufbruch morgens in Pfundt noch zu denken vermochte.

Er legte sich hin und war kurze Zeit später bereits eingeschlafen. Plötzlich bebte sein kleines Lager, als wäre es von einer Sturmböe im Golf von Prem erfasst worden. Dazu rauschten die Blätter der Büsche als würde er direkt in einem solchen nächtigen. Er lugte zwischen den Zeltbahnen des Eingangs nach draußen, das Feuer brennt noch. „Bevor mein Schloss hier noch zu einem Wolkenschloss wird, sicher ich es lieber noch mit ein paar Stricken“. Er griff nach dem Haufen Seilen, die vom Bau noch übrig waren und seinem kleinen Messer. Den Hammer könnte ich auch brauchen, wenn ich einen Pfosten in den Boden rammen muss dachte er sich. Er krabbelte nach draußen, die Seile um die Schulter gewickelt, den Hammer in der rechten aufs Feuer zu, dessen Flammen gemächlich an den letzten Scheiten züngelten. Wo war der verdammte Sturm den jetzt bitte hin. Ich bin doch nicht blöde dachte er sich. In diesem Augenblick wurde er wie vom Schlag getroffen auf den Boden geschleudert. Ein brennender Schmerz durchfuhr seine Schulter. Ein großer Ast hatte ihn umgehauen und lag nun etwa fünf Fuß neben ihm und raschelte im Wind. Das hätte auch schlimmer ausgehen können, dachte er bei sich. Bis er bemerkte, - - - dass der Ast ihn ansah. Furcht stieg in ihm auf. Der etwa vier Schritt lange Ast wand sich. Er hatte Augen, ein Gesicht mit einem weit aufgerissenen Maul, an einen Baumdrachen erinnernd. Im Schein des Feuers konnte man erkennen, dass das Vieh keine Schuppen hatte, sondern - - - Rinde, Borke. Dkie Augen loderten wie Feuer, vielleicht war es auch das reflektierte Feuer. Ralbert wusste es nicht. Um den Kopf herum war ein Geflecht aus Ästen und Blättern wie eine Krone oder Halskrause die das Vieh rascheln ließ. Auf seine vier Füße gestützt ließ das Vieh seinen beblätterten, rankenartigen Schwanz bedrohlich in der Luft kreisen und wie einen Peitschenhieb vor schnellen ohne Ralbert jedoch zu treffen. Dann beugte es seinen Kopf etwas vor, breitete seine vorderen Pfoten aus und erhob sein Hinterteil. Wie eine riesige Katze sprungbereit. Doch anstatt zu Springen zuckte plötzlich ein Kopfschmuck aus Zweigen mit feuerroten Blättern um seinen Schädel herum auf und begann bedrohlich zu rascheln. Das Vieh gab einen markerschütterndes Kreischen von sich, ähnlich dem Geräusch wenn Bäume brechen und umstürzen und sprang auf Ralbert zu. Jeder einzelne Muskel seines nicht sonderlich drahtigen Körpers war angespannt. Mit einer Rolle in den Dreck konnte er dem Mauls des Vieh noch so eben ausweichen, dennoch erwischte ihn eine Klaue am Rücken und er Schrie auf. Behände war sein Gegner auf allen vieren gelandet. Die kleinen Blätterbüschel an seinen Vorder- und Hinterpfoten wippten dabei im Wind. Er drehte sich blitzschnell um und bereitete sich auf den nächsten Sprung vor.

Da kam eine Orknase aus der Dunkelheit angeflogen und traf das Ungetüm am Rumpf. Mit einem hölzernen Klacken fiel die Axt auf den Boden. Der Körper des Drachen war trotz des alten borkigen Aussehens ehr von der Beschaffenheit eines frischen Astes als eines alten Baumes. Die Axt schien keinen nennenswerten Schaden angerichtet zuhaben, dennoch zögerte der Drache.

Aus Richtung der Gramwacht kamen Balsox und Konnar auf den jungen Ralbert und seinen Wiedersache zu gestürmt. Auch wenn die drei Menschen für einen vier Schritt langen Drachen, zu könnte man das Vieh zumindest noch im Ansatz beschreiben, vermutlich nicht unbezwingbar wären, zögerte er. Dann setzte er zum Sprung an. Jedoch nicht auf seinen pummeligen Abendschmaus oder die beiden wesentlich gefährlicheren heranstürmenden Gegnern, sondern in Richtung der Gramwacht. Mit einem Satz landete er an der efeuberankten Wand der Wacht und kletterte diese blitzschnell empor. Einen letzten Schrei absetzend wurde er eins mit dem Efeuvorhang des Gemäuers und verschwand in der Dunkelheit.

Balsox, Konnar und der völlig verängstigte Ralbert blickten dem Ungetüm noch einen Augenblick nach. „Was war das denn für ein Biest?“ Schoss es zuerst aus Konnar raus. „Das sah aus als wäre es ein Baumdrache. Aber einer dem sein Namen alle Ehre macht“, doch Ralbert schwieg mit weit aufgerissenen Augen. Am liebsten wolle er einfach los weinen. Doch er verkniff es sich.

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„Die Brache lebt wirklich,“ sagte Konnar leise. Ist das Vieh abgehauen, weil es keine Chance gegen euch sah oder was denkt ihr?“

„Ich glaube dieses Vieh war schlauer als wir denken. Der Axthieb hat ihm anscheinend keinen nennenswerten Schaden zu gefügt. Ich habe zumindest kein - - -Blut, oder was auch immer gesehen. Das war halt wie, als wenn man eine Axt auf einen Baum wirft und nicht richtig trifft.“ Gab Balsox zu Protokoll. Mit einer Stumpfen Hiebwaffe kann man dem Vieh denk ich keinen Schaden zu fügen. Genau so wenig wie mit Dolchen. Ein Schwert, ja. Aber nur wenn es schwer und scharf genug ist. Eine richtig schön scharfe Holzfälleraxt wird dem Vieh wohl am meisten zusetzen,“ grinste er.

„Wir werden morgen früh unserer neuen Freundin in Gramfelden mal einen Besuch abstatten. Vielleicht kann sie ja mit Hilfe deiner Beschreibung ein Bild anfertigen. Wir werden dann alles was uns dazu einfällt aufschreiben und uns mit Leubrecht von Vairnigen in Verbindung setzten. Vielleicht hat er ja auch bereits eine paar nützliche Dinge für uns, die uns das Leben hier leichter machen. Ralbert,“ Korwin blickte zu ihm herüber. “Schönes Haus. Aber tot nützt ihr mir nichts. Ihr werdet bei mir im Zelt nächtigen. Und Leute, das Erdgeschoss der Wacht muss fertig werden. Ich will ein Dach über dem Kopf und eine Tür zum Zusperren. Geht nach Gareth und besorgt mir ein paar Tagelöhner. Was war mit deiner Tavernen Bekanntschaft Balsox?“

Texte der Hauptreihe:
K1. Von Bestien und Bäumen
18. Bor 1042 BF 22:30:00 Uhr
Von Bestien und Bäumen

Kapitel 1

Autor: Gramfelden