Geschichten:Tsas Tränen - Augen in der Dunkelheit

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Morgenstunden des 10. Peraine, vor der Stadt Appelhof


Wachen!

Ein lidloses Auge starrt in das Zwielicht des aufkeimenden Morgens.

Wachen!

Lederne Flügel schlagen lautlos.

Wachen!

Ruhelos schwirrt die Kreatur zwischen den Blüten des Apfelhaines umher. In irrwitziger Geschwindigkeit dreht sie sich um die eigene Achse, um gleich darauf in der Krone eines Baumes zu verschwinden.


Das Rumpeln von Rädern, Huftritte, hastige Schritte und leise Stimmen tönen von der Straße herüber. Fahrendes Volk, wie es sich in diesen Tagen häufig zusammenfindet, um gemeinsam den Fährnissen einer Reise durch die Wildermark zu begegnen. Zuerst kommt ein Pärchen in Sicht. Der Mann trägt einen großen Filzhut mit einer Habichtfeder und einen auf den Rücken geschnallten Käfig, aus dem ein ständiges Zwitschern dringt. Die Frau hat einen langen Stab geschultert, von dem herab ihre Habseligkeiten baumeln. Etwas hinter den beiden taucht ein hoch beladener Eselskarren auf, der von zwei kräftigen und einander sehr ähnelnden Burschen den Hügel hinauf geschoben wird. Ein etwas untersetzter vollbärtiger Mann führt das Grautier energisch am Zügel und treibt die Burschen mit Zurufen an: „Nun kommt schon, strengt euch gefälligst an! Sonst schaffen wir’s nie rechtzeitig bis Appelhof!“

Dem Karren folgen fünf in bunte aber einfache Gewänder gekleidete Frauen und Männer, die einen armselig ausgemergelten Klepper mit sich führen. Auf dessen Rücken ist eine große Trommel festgeschnallt und Jonglierkeulen lugen aus einer der Satteltaschen hervor. Den Abschluss bilden zwei in vor Dreck starrenden Lederrüstungen gehüllte Bewaffnete. Gleichwohl sehen ihre Kurzschwerter und Hakenspieße wohlgepflegt aus. Immer wieder schaut sich jemand aus der Gruppe unruhig nach der Richtung um, aus der sie gekommen sind. An der Hügelkuppe hält der voranschreitende Mann mit dem Vogelkäfig an und lässt die anderen aufschließen.

„Dort vorn liegt Appelhof. Bald sind wir da!“

Der Eselsführer kommt neben der sich am Ohr ziehenden Frau zu stehen, wischt sich mit einem Tuch den Schweiß von der Stirn und raunt: „Was ist?“

„Wir werden beobachtet.“

„Wo?“

„Aus dem Hain. Der Späher ist nicht menschlich.“

Helmar von Fuchsbach nickte Erlgard Gragelsfort zu.

„Ich hoffe, unsere Maskerade wirkt glaubhaft.“

„Das wissen wir spätestens am Tor.“



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