Seelenprüfung

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Der Orkenwaller sprach: “Mein Leben habe ich gestritten für die gerechte Sache, doch Ruhm und Ehre sind verblasst, wurden fortgewaschen in einem Strom aus Blut. Des Lebens Süße schmecke ich nicht mehr, des Lebens Würze ist fad geworden. Legt nicht das Samenkorn nieder in die Erde, sondern mich. Lasst mich sterben, auf das ich neu geboren werden kann! Lasst mich gehen!”

Darauf erscholl der Vorfwurf des Rondra-Geweihten: “Orkenwall! Was macht ihr? Was für ein Wahnsinn hat euch befallen? Erhebt euch! Frevelt nicht den Göttern durch solch eine Bitte! Ihr beleidigt unsere Gastgeber!”

Der Tsa-Geweihte winkt ab: „Lasst mich bitte prüfen, wie ernst ihm sein Wunsch ist und wie die Herrin ihn beurteilt.“

Der Geweihte prüft lange und schweigend die Seele des Orkenwallers – die ganze Zeit legt er seine Hand auf das Herz des Greifenfurters.

“In dir ist alles Leben erloschen. Ich sehe eine Hülle. Leer geworden und durchscheinend. Keine Kraft des Lebens fließt hier mehr. Diese Bitte hat niemand mehr geäußert seit die Mauern fielen und im Feuer vergingen und doch gibt es diese Worte, diese Bitte noch. Was bedeutet die Hülle, wenn sie die Frucht nicht mehr schützen kann , weil diese vergangen ist? Was bedeutet das Äußere, wenn es das Innere zu erdrücken beginnt mit seiner Last und so die Hoffnung nimmt auf einen Neuanfang. Deine Bitte aber wiegt schwer und ich kann sie nicht allein beantworten.”

Er winkt dem Peraine-Priester, der nun ein Ei bringt.

“Herrin Tsa! Lebensspenderin! Jüngste aller Götter, deren Freude am Neubeginn nie versiegt, deren Schöpfungsgeist immer wieder Neues erschafft! Siehe, hier ist ein Leben, voll der Last, zeige uns, ob die Hülle eins ist mit ihm, oder totes Material ohne Wert.” Ein Knacken, das Ei geht kaputt. Blut fließt herab ...

“Kein Leben darin. DIE HÜLLE MUSS GEBROCHEN WERDEN UM NEUES ERSCHAFFEN ZU KOENNEN! Das Ei zerbricht und Leben entsteht. Deine Bitte wurde erhört...”

Travia-Priester: „Solch eine Sache darf nicht hier auf heiligem Grund gefordert werden! Das spricht gegen alles, was der Travia heilig ist!“ Rondra-Geweihter: “In Rondras Namen! Er hat Recht. Solch eine Bitte zu äußern ...” Fassungslosigkeit in seinem Gesicht.

Die Rahja-Geweihten springen auf, stellen sich neben ihren Bruder in Tsa, der nur noch Augen für den Orkenwaller hat.

Der Travia-Priester beginnt nun, die Umstehenden anzusprechen: „Was meint Ihr dazu? Steht ihr auf Seiten der Rondrianer oder auf der der Tsa-Kirche?“ Unter allen Anwesenden antspann sich ein Konflikt, ein Disput - mal lauter und mal leiser.

“NEIN! Das könnt ihr nicht zulassen! ICH werde es nicht zulassen. Rondrianer! Dies muss ein Ende haben!”

Jetzt kommt Stimmung auf! Rondrianer gegen Nebachoten, denn diese versuchen sofort, die ansässigen Geweihten, “ihre” Priester zu schützen; außerdem finden Sie diese Bitte des Orkenwallers normal.

Wieder steigert sich der Tumult. “Narren! Narren! Ihr könnt einem Schwachsinn... Schwachen nicht auch noch zusprechen! Er weiß nicht, wovon er redet! Ihre Erhabenheit sandte mich aus, um ihn zu prüfen! Die Kirche der Herrin selbst hat ihn gerufen! Was für eine Feigheit, wenn er einfach geht! Was für ein Wahnsinn! Er ist nicht bei Sinnen! Ich werde mich seiner annehmen, auf dass nicht alte, längst zu Asche verbrannte Bräuche einem Helden den Geist verwirren. Die Herrin wusste, warum sie Nebachot aufgab!”

Jetzt treten die Rahja-Geweihten zwischen die Streithähne, beruhigen diese.

In die eintretende Stille spricht der Tsageweihte: „Herr von Orkenwall, Ihr seht, was Eure Bitte ausgelöst hat. Sagt, warum hier? Warum an diesem Ort? Ist nicht in Eurer eigenen Baronie auch ein Tempel der Herrin? Warum hier?“

„Ihr habt selbst die Geschichte gehört. Lange habe ich mich gefragt, warum mich die Götter zu einem Leben verdammt haben, das angefüllt ist mit Siegen in der Schlacht und doch so viel Leid bereit hält. Es liegt mir fern, die Geschichte weiter zu deuten, doch erbitte ich nur das, was der Orkam’awahr vor so langer Zeit forderte und erlangte. Deshalb an diesem Ort!“

„Das, was ihr hier fordert, hat seit mehr denn Zweitausend Götterläufen niemand mehr verlangt! Wisset, ich akzeptiere euren Wunsch und habe doch eine Bitte: Dies ist das Fest des Lebens! Orkenwall. Ihr seid gekommen, habt gesehen dass euer Leben fahl geworden ist und fad, doch vielleicht können wir dies Licht zurückbringen. Nehmt Teil am Leben. Nehmt Teil am Fest. Sprecht mit Freunden, findet Zuversicht in ihrer Kraft. Solltet ihr am Ende noch immer fern des Lebens sein, so werde ich euren Wunsch erfüllen, doch niemand von uns gibt ein Leben einfach auf. Wir sind bei euch, egal wohin der Weg auch führt, ich werde euch weisen. Und wenn ihr dennoch nach Ablauf der Tage entscheidet, dass Euer Leben nicht lebenswert ist, so werde ich nicht länger zaudern! Ich werde euch den Weg weisen. Ich werde euer Leben wieder in die Hände der Herrin geben, auf dass sie an euch ein neuerliches Wunder vollbringt.”

Der Rondrianer springt erzürnt vor, wird aber von der Rahja-Geweihten zurückgehalten: Die Rahja-Geweihte zum Rondrianer: “Ihr habt gehört, was die Bedingungen der Kirche der jungen Göttin sind. Wahrlich, Ihr seid ein tapferer Streiter der Sturmgöttin. Jede Herausforderung eine Ehre für Euch. So nehmt auch diese Herausforderung an. Zeigt, wie sehr Ihr das Leben liebt. Zeigt es eurem Helden, den ihr prüfen solltet. Ihr habt von Schutz gesprochen, davon bei uns zu sein alle Zeit. Macht eure Worte wahr nun. Kämpft für das Leben, mein geliebter Bruder. Jedoch bedenket eines: Liebe zum Leben kann man nicht erzwingen, sie muss wachsen. Nimmst du die Herausforderung an, Bruder?”

“Ihn zum Leben zu bekehren?” Er schaut zum Orkenwaller. “Ihrer Erhabenheit muss ich sagen, ich habe den Mann nicht vorgefunden, den ich hoffte zu sehen und doch weiß ich um eure Taten und werde euch nicht aufgeben. Was auch immer für eine Trauer euch befallen hat, mein Wort bindet mich, mein Schwur an die Herrin gebietet mir Hilfe zu geben. Bei euch, für alle Zeit. Im Namen der Herrin Rondra! Ich werde versuchen euer Leben zu retten! Dies schwöre ich!” Mit strengem Wort wird er nun weitere Streitigkeiten unterbinden. Jeder Rondrianer wird aufgerufen sein Bestes zu geben.

“Für die Herrin! Für die Götter! Zeigt allen, dass dieses, unser Leben, lebenswert ist! Lassen wir die Trauer zurück. Lasst uns leben ...” Bei den letzten Worten ist auch ihm anzusehen, wie schwer das Leben ihn gezeichnet hat. So viele Kämpfe ... So viel verloren und nun auch noch hier ein Kampf.

„Ich weiß nicht, ob es Unfriede ist“, wandte der Tsa-Geweihte ein, „ der in unser stilles und friedliches Fest hereinbrach, oder eine Prüfung. Wie auch immer. Die Ereignisse lassen sich nicht vergessen machen, noch darf man das Geschehen ignorieren. Ich bitte Euch, meine Freunde. Lassen wir diesen Ort jenen, die noch über die Ereignisse debattieren möchten. Wer mag, kann zum unteren Lustgarten wandeln, dort wird wohl bald der ein oder andere Barde aufspielen und uns eine weitere Facette des Lebens zeigen. Und wen fröstelt ob der kalten Jahreszeit, der mag sich im Tempel der Tsa ausruhen oder vielleicht den ein oder anderen Humpen zu Ehren der Rahja leeren.

Ich selber aber kann diese Feier nicht länger anleiten, zu groß ist Verantwortung, die nun auf mir lastet. Schwestern und Brüder, in der Zwölfe Namen entschuldige ich mich bei euch. Ich werde mich zurückziehen und in der Meditation mit meiner Herrin sprechen. Dies soll meine eigene Reinigung bedeuten für das, was gefordert wurde. Doch dies wird sehr lange Zeit dauern und ich kann mich nicht länger um die Ausrichtung der Feier kümmern. Erlaubt somit, dass ich die Feier selbst in die Hände meiner Stellvertreterin gebe. Sie wird meine Pflichten übernehmen und den Feierlichkeiten vorstehen, während ich in den Haupttempel zu Perricum reise und die Vorbereitungen der Zeremonie treffe.“