Höllensturz - Malepartus ante portas

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Die magische Lampe Luzz in seiner Linken schwieg ängstlich. Schon vor Tagen hatte er das Artefakt mit allem anderen die endlose Treppe hinunter geschafft. Molinus hatte gezetert und er hatte ihn kurzerhand als Helfer für die Feierlichkeiten von seinen Archivpflichten entbunden. Der Abstieg und Aufstieg dauerte Tage und hatte ihm alles abverlangt, aber er hatte es geschafft. Xor öffnete ihm die Pforte in den verborgenen Teil der Klamm, zum Kerker, hinter den Kaskaden der Niffel.

Nicht der königliche Kerker der Helburg, sondern ein Kerker so viel älter, Äonen alt. Zum Ende der letzten Zeitenwende würde er nun in der nächsten sich wieder öffnen, und den gebannten Schrecken längst vergessener Zeiten befreien.

Malepartus hob den vor Angst wispernden Luzz höher um die Finsternis, wo sich nie ein Sonnenstrahl hin verirrte, zu erleuchten. Der Boden war übersät von Knochen, unzähligen Gebeinen in Jahrhunderten hinabgeworfen und vergessen. Die jüngsten Kadaver jedoch verrotteten stinkend in der feuchtkalten Luft.
Doch dort, wo der Schein der Lampe nicht hinkam, zeigten sich fahle Gebilde welche ihn anklagend anstarrten. Er erkannte die ermordeten Nandusgeweihten, Bruder Ulgert und seinem Novizen Amseln, und die anderen Törichten welche sie erwischt hatten. Auch die Geister der unzählig hier Gestorbenen, ob Gefangene oder Bewohner der Burg, Dörfer oder Niffelheims, der finstere Fluch der eingekerkerten Bestie band alle Seelen der nahe der Klamm Verstorbenen.

Dem Höllenwaller war ihr Anblick ein Genuss, und unbeeindruckt ihres Zornes Schritt er tiefer in die Finsternis. Der ehemalige KGIA-Spion Gerion Bleitreu stellt sich ihm in den Weg, doch ohne zu zögern schritt er hindurch. Sie konnten ihm nichts, gebannte Seelen, ohnmächtig ausharrend bis sich ihr Schicksal erfüllte. Mochte es auch eingekerkert sein, so sickerte seine Macht seit endlosen Jahrhunderten durch die Klamm und verdarb mit finsterer Macht Fels und Stein, bis hinauf zu den Gipfeln und hinab zu den Marmorgründen.

Unter ihm knackte und knirschte es, als er achtlos die Knochen zertrat. Umso näher er seinem Ziel kam, breite sich anderes Licht aus, und er verdunkelte Luzz. Das phosphoreszierende Schimmern unzähliger Rattenpilze wies ihm seinen Weg. Seine Spannung nahm zu, Atmung und Herzschlag beschleunigten sich, eine ungeahnte Erregung ergriff ihn. Er war am Ziel.

Silbriges Schimmern, gleich dem fahlen Madaschein, kämpfte vor ihm im Fels gegen das purpurne Leuchten an. Die Geister erschienen im Licht der Rattenpilze wie in Blut getränkt. Doch der Blick des Höllenwallers galt jenem silbernen Horn welches im Felsen steckte und der Speerriegel zum Kerker war. Das Horn des Einhorns Monvaldorn. Er riss sich das Amulett vom Hals, und der Feenzauber erlosch, hinterhältig grinsend stellte er sich nun die dummen Gesichter vor, da an seiner statt nun Malphias auf seinem Platz in der Halle saß.

Und dann spürte er es, ein Schmeicheln in seinem Gemüt, welches nur ungenügend die Ungeduld verdecken konnte. Er hörte das schleifen von Schuppen über Fels und das kratzen mächtiger Krallen über Stein. Sich windend wie eine Schlange umhüllten ihn die Empfindungen der uralten Wesenheit, lockend, drohend, verheißend, verfluchend, bettelnd und befehlend. Doch Malepartus lachte nur, er war hier der Herr der befahl.
Sein blanker Willen drängten die Eingebungen zur Seite und offenbarten ihm den grausamen Wurm, aus dem Gefolge jenes Gottes ohne Namen, für den es vor einem Äon in die Schlacht gegen die Hochelfen jenseits des Walls gezogen war. Es spürte die Niedertracht und badete sich darin, er fühlte den Hass und tauchte hinein und vereinigte ihn mit seinem. Und dahinter fand sich der blanke Wille zur Zerstörung, dem größten aller Opfer an ihren Herren. Dem Gott ohne Namen.

„Ich bin gekommen das letzte Opfer zu erbringen, um ein vollkommener Diener zu werden. Alles ist bereit, nun erfülle deinen Teil, Morcorinor. Purpurner Wurm, dritter im namenlose Gefolge wider den alten Elfen. Täuscher, Peiniger und Meuchler unzähliger Feinde.“

Ein ungeahntes Hochgefühl überkam Malepartus, die Geister vor ihm wichen zurück, nur die seiner Ahnen blieben an seiner Seite. Macht, das Gefühl grenzenloser Macht durchströmte ihn und sein Blick durchdrang den Fels, fiel hinein in die Höhle auf den schlummernden Leib des Drachen. Durchdrang Schuppen, Fleisch und Knochen bis hin zum Karfunkel.

Seine Seele befreite sich nun endgültig vom Segen der Gans und dem Fluch des Ogers und verband sich mit dem Seelenstein, und gab sich somit dem Namenlosen hin.

Da öffnete sich das Auge des Wurms, die Nickhäute glitten langsam zur Seite und es starrte der wie die Sternenleere schwarze Schlitz umhüllt von einer purpurnen Iris den Höllenwaller erwartungsvoll an. Die Sehnsucht nach Freiheit, nach der Vereinigung mit seinem Herrn und der Darbringung aller Opfer, deren Seelen es in der Klamm gefangen hielt pochten wie ein dröhnender Herzschlag durch die Klamm.

Da trat ein Geist auf ihn zu, in einer altertümlichen Rüstung. „Wie willst du es schaffen wo einige deiner Ahnen scheiterten?“, hohl und kraftvoll drang die Stimme durch die Klamm.
„Wer will das wissen?“, fauchte der Höllenwaller, nicht gewillt sich aufhalten zu lassen.

„Ich bin der Ahn aller deiner Sippe, Mortanus. Der Erste der den Bund mit der Bestie einging. Und wisse, nichts was von Madas ungezügelter Kraft durchströmt wurde vermag es zu zerstören, und niemand vermag sich daran zu vergreifen ohne sich an dem Schutzzauber zu verbrennen. Und es bedarf einer Kraft die kein Mensch sein eigen nennt.“

„Dann werde ich vollführen woran ihr alle gescheitert seid, denn es ist meine Bestimmung. Ich habe unsere Sippe zur ungeahnten Höhen geführt, ich habe Zeit und Raum durchquert und bin im Besitz einer Waffe, welche mit der Kraft vor Madas Frevel gesegnet ist. Ich habe das Kloster des Sankt Ukurian in Nettersquell geschliffen und habe den Panzerhandschuhs Praioslob von Selem, der noch heute die Weihen des Sonnenknechtes trägt. Denn dumm und blind sind die Götter gegen das Wirken des Namenlosen. Und ich bin erfüllt von der Macht der mächtigsten Gottheit im Kosmos.“

Er wandte sich von seinem Urahnen ab und streifte sich den Handschuh Praioslob von Selem über. Dann zog er sein Erzschwert, einst zu Dergelstein erworben und trat an das schimmernde Horn heran.
Dessen Leuchten wurde stärker, und jeder Schritt war gleich dem wanken gegen einen Sturm. Er streckte seine Waffe aus, und als sich die Schwertspitze dem Horn näherte, sprang das gleißende Licht über und lies die Klinge erglühen, vermochte aber nicht sie zu zwingen. So wanderte es weiter knistern und heiß um an der gepanzerten Hand zu scheitern. Der Macht des Sonnengottes konnte auch der Einhorn Zauber nichts entgegensetzen.

Malepartus dröhnendes Lachen erfüllte die Klamm als seine Waffe nun ungehindert das Horn berührte. Er folgte ein zittern in Fels und Stein, und die Ungeduld der alten Bestien erfüllt nun wieder sein Innerstes. Sie duldete kein Zögern mehr, drängte zur Tat.

„Vergiss nicht Morcorinor, wir haben einen Pakt!“

Er hob den Arm zum Schlag und rief die Macht seines Herrn an, „MARUK-METHAI!“

Dann schlug er zu.

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Autor: Malepartus