Familientreffen - Schwertväter

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Dramatis Personae:

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Baronie Kressenburg, Burg Kressenburg

Immer wieder erklang das Klappern von Holz auf Holz und hin und wieder war ein Ausruf der Freude oder des Missfallens zu hören. Wer es nicht besser wusste hätte die Geräusche als Übungskampf zweier Knappen missdeuten können. Doch auf dem kleinen Stück Rasen im Garten der Kressenburg standen sich zwei erwachsene Männer gegenüber, bewaffnet mit nichts außer einigen angespitzten Holzscheiten. Bei den beiden handelte es sich bei näherer Betrachtung um den Altvogt Phexian von Kieselholm und den jungen Baron Ardo von Keilholtz, welche sich in einem Greifenfurter Volkssport, dem Pölcheswerfen, maßen. Ab und an sah man den Mitsechziger Phexian sich höchstselbst auf das Gras niederwerfen um zu schauen ob der Pölches seines Gegenspielers nicht doch gänzlich zu Boden gegangen wäre. So ging es eine Weile hin und her, bis schließlich ein leichter Regen einsetzte der die Spieler zurück in die Burg trieb.

„Fürwahr Ardo, du bist um einiges besser geworden. Mir geht die Kraft der Jugend inzwischen doch deutlich ab. Nicht einmal mit meiner Erfahrung kann ich dich mehr schlagen. Du kennst einfach zu viele meiner Kniffe und einige neue dazu.“

„Und doch werde ich immer eurer Erfahrung bedürfen werter Schwertvater. Die Jahre in Greifenfurt haben mich zwar einige Dinge gelehrt die sich für Kressenburg von Vorteil erweisen können, doch letztlich muss ich vieles neu bedenken wenn es um die Verwaltung der Minen geht.“

„Mach dir da mal keine Sorgen Junge. Durac wird dich schon bei der Hand nehmen, so wie er mich gelehrt hat das Optimum aus der Baronie heraus zu holen. Die Sache mit dem Eslamsrodener könnte uns deutlich zum Vorteil gereichen, wenn wir damit endlich dauerhaft die Ernährung unserer Bergleute sichern können.“

„Außerdem zeigt es einmal mehr, dass Blut doch dicker ist als Wasser und bares Silber wert sein kann. Als nächstes gilt es zu überlegen wie ich meinen ersten Auftritt als Baron in Greifenfurt meistere. Hier in Kressenburg ist es leicht der Herr zu sein, aber der Meister der Mark erwartet viel von mir. Es gilt auch meine Standesgenossen zu überzeugen, dass ich die richtige Wahl war. Die Freundschaft zu Prinz Edelbrecht wird mir nicht bei allen Greifenfurtern den Weg ebnen.“

„Du zweifelst an dir selbst junger Ardo, das hast du in all den Jahren nicht verlernt. Ich will dich nicht länger belehren, doch wisse, dass immerwährendes Hinterfragen der eigenen Handlungen und Entscheidungen dich stets weiter bringen wird als die schmeichlerischen Lobpreisungen deiner Untergebenen.“

Der Baron bedachte seinen Schwertvater mit einem dankbaren Blick. Phexian mochte älter und sein Schwertarm schwächer geworden sein, aber sein Geist war noch immer scharf wie eh und je. Während die beiden unter dem Vordach der Burgschmiede standen, eilte Mechthild, Phexians Großnichte und seit fast sechs Götterläufen seine Pagin auf der Kressenburg, durch den stärker werdenden Regen aus der Burgküche in den gegenüberliegenden Pferdestall. In der Hand hielt sie ein paar Karotten, die wohl wieder für ihr Pferd gedacht waren, das ihr ihr Großonkel zu ihrem letzten Tsatag geschenkt hatte.

„Sie ist groß geworden seit ich vor vier Jahren weggegangen bin.“

„Ja, und sie wirft den Pölches schon wie eine Große.“

Sichtlich stolz blickte Phexian dem Mädchen hinterher, bevor er Ardo mit einem fast listigen Blick bedachte.

„Sag doch einmal mein Junge: Jetzt wo du Baron bist, brauchst du doch sicherlich auch einen Knappen wenn ich mich nicht irre. Gerade wenn es in ein paar Wochen zum Turnier geht.“

Überrascht wandte der Baron den Blick vom Stall ab um sich gleich darauf recht nachdenktlich am Kinn zu kratzen.

„Da habt ihr nicht Unrecht, werter Schwertvater. Ohne Knappen auf dem Turnier zu erscheinen würde mich tatsächlich etwas armseelig erscheinen lassen. Wo doch die Meinung mancher Edler über Kressenburg so schon nicht die Beste ist. Und ihr findet Mechthild wäre eine passende Wahl?“

„Sie ist gerade und stark gewachsen, hat das Herz am rechten Fleck und ist dabei nicht auf den Kopf gefallen. Hat das Beste von Mutter und Vater geerbt, was man bei ihrem Bruder ja leider nicht sagen kann. Um ehrlich zu sein wird sie sonst auch kaum eine andere Möglichkeit erhalten. Ich habe sie bereits als Pagin aufgenommen, doch um ihr das rechte Handwerk einer Knappin beizubringen fehlt mit inzwischen leider die Kraft. Seit ihrem letzten Tsatag überlege ich hin und her wo ich sie unterbringen könnte, doch um eine unbedeutende Tochter eines unbedeutenden Junkertums reißen sich die Ritter nicht gerade. Ich habe es in meiner Not sogar schon bei Faralda versucht, aber die ist wieder den ganzen Winter über in Gareth gewesen und hat meinen Brief wahrscheinlich noch nicht einmal gelesen.“

Schwer seufzte der alte Vogt und man merkte deutlich, dass ihm, der selbst nie Frau und Kinder gehabt hatte, die Geschicke seiner Nichten und Neffen sehr am Herzen lagen.

„Um es kurz zu machen: Wenn du einem alten Mann eine Freude bereiten willst, so werde ihr Schwertvater. Mir wäre eine große Last genommen und dein Schaden soll es auch nicht sein, das verspreche ich dir. Schließlich kannst du zukünftig nicht mehr wie letztes Jahr in Uslenried mit diesem einfältigen Soldaten an deiner Seite zu einem Turnier aufkreuzen.“

Hoffnungsvoll schaute er den deutlich jüngeren Mann an, der wieder nachdenklich die offene Stalltür im Blick hatte. Mit einem kaum merklichen Nicken wandte er sich um, blickte seinem Vogt fest in die Augen und reichte ihm die Schwurhand.

„Dann sei es so. Ihr habt wahrlich Recht damit, dass Hamfast für einen Mann meines Standes nicht mehr vorzeigbar ist. Außerdem ist er ein Soldat der Mark und es ist Unrecht ihn über die Maßen von seinen eigentlichen Pflichten fernzuhalten. So soll Mechthild mich dann im Rahja als meine Knappin zum Turnier nach Greifenfurt begleiten. Wir werden es ihr heute zum Abendessen eröffnen und übermorgen reiten wir nach Kieselbronn um es ihren Eltern persönlich mitzuteilen. Alwin wird sicherlich sehr erfreut darüber sein. Außerdem muss ich Uschel sowieso noch meinen Antrittsbesuch als ihr neuer Baron abstatten, das lässt sich hervorragend verbinden.“

Zufrieden und erleichtert griff Phexian nach der Hand seines ehemaligen Knappen.

„So soll es sein. Meine Schwester wird sicherlich auch erfreut sein eine weitere Sorge los zu sein. Ihr Kinder werdet ja so schnell groß...“

Als dem alten Vogt die Augen feucht wurden zog Ardo ihn freundschaftlich an sich. Nun würde er selbst Schwertvater sein und die Verantwortung für die Ausbildung einer zukünftigen Ritterin der Mark tragen. Fast schien es ihm, als wäre dies sogar noch schwerer zu bewältigen als sein neues Lehen zu verwalten und doch in den Augen seines alten Schwertvaters las er ab, welch dankbare Aufgabe es sein konnte.

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Texte der Hauptreihe:
K1. Schwertväter
15. Ing 1032 BF
Schwertväter

Kapitel 1

Mutterliebe
Autor: Keilholtz