Geschichten:Ein Stein im Nebel - Eine Feier auf der Angenburg: Unterschied zwischen den Versionen

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Ein Jahr war verstrichen seit der Vertreibung der Finsterzwerge aus der Stolzenburg. Grund genug für den Grafen Jallik von Wengenholm, noch einmal die Verbündeten von einst in den Norden zu rufen. Dieses Mal jedoch nicht, um einer neuerlichen Bedrohung zu begegnen, sondern um den einstigen Sieg noch einmal würdig feiern zu können. Schon bald nach der Schneeschmelze waren die Boten ausgezogen zu jenen, die sich einst beim Kampf im Norden der Koschberge verdient gemacht hatten. Nicht jeder dieser Adligen folgte der Einladung – manch einer hatte eigene, dringliche Angelegenheiten zu regeln, andere scheuten wohl eine neuerliche Reise gen Norden, und so waren es vor allen Dingen Wengenholmer Edelleute, die sich zur genannten Zeit an der Angenburg einfanden.
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Ein Jahr war verstrichen seit der Vertreibung der Finsterzwerge aus der Stolzenburg. Grund genug für den Grafen Jallik von Wengenholm, noch einmal die Verbündeten von einst in den Norden zu rufen. Dieses Mal jedoch nicht, um einer neuerlichen Bedrohung zu begegnen, sondern um den einstigen Sieg noch einmal würdig feiern zu können. Schon bald nach der Schneeschmelze waren die Boten ausgezogen zu jenen, die sich einst beim Kampf im Norden der Koschberge verdient gemacht hatten. Nicht jeder dieser Adligen folgte der Einladung – manch einer hatte eigene, dringliche Angelegenheiten zu regeln, andere scheuten wohl eine neuerliche Reise gen Norden, und so waren es vor allen Dingen Wengenholmer Edelleute, die sich zur genannten Zeit an der [[Handlungsort ist::Fürstentum Kosch#Angenburg|Angenburg]] einfanden.
 
Umso herzlicher begrüßte Graf Jallik jene, die sich nicht durch den weiten Weg hatten abhalten lassen, auch wenn es neben dem Grafen Growin von Ferdok und der Baronin Alvide von Eichental zu Sindelsaum fast ausschließlich um einfache Ritter handelte. Für jeden Gast hatte er zumindest einige freundliche Worte übrig, so dass alle das Gefühl teilten, auf der Angenburg – respektive der noch intakten Vorburg – willkommen zu sein.
 
Umso herzlicher begrüßte Graf Jallik jene, die sich nicht durch den weiten Weg hatten abhalten lassen, auch wenn es neben dem Grafen Growin von Ferdok und der Baronin Alvide von Eichental zu Sindelsaum fast ausschließlich um einfache Ritter handelte. Für jeden Gast hatte er zumindest einige freundliche Worte übrig, so dass alle das Gefühl teilten, auf der Angenburg – respektive der noch intakten Vorburg – willkommen zu sein.
  

Aktuelle Version vom 1. November 2014, 21:43 Uhr

Eine Feier auf der Angenburg

Ein Jahr war verstrichen seit der Vertreibung der Finsterzwerge aus der Stolzenburg. Grund genug für den Grafen Jallik von Wengenholm, noch einmal die Verbündeten von einst in den Norden zu rufen. Dieses Mal jedoch nicht, um einer neuerlichen Bedrohung zu begegnen, sondern um den einstigen Sieg noch einmal würdig feiern zu können. Schon bald nach der Schneeschmelze waren die Boten ausgezogen zu jenen, die sich einst beim Kampf im Norden der Koschberge verdient gemacht hatten. Nicht jeder dieser Adligen folgte der Einladung – manch einer hatte eigene, dringliche Angelegenheiten zu regeln, andere scheuten wohl eine neuerliche Reise gen Norden, und so waren es vor allen Dingen Wengenholmer Edelleute, die sich zur genannten Zeit an der Angenburg einfanden. Umso herzlicher begrüßte Graf Jallik jene, die sich nicht durch den weiten Weg hatten abhalten lassen, auch wenn es neben dem Grafen Growin von Ferdok und der Baronin Alvide von Eichental zu Sindelsaum fast ausschließlich um einfache Ritter handelte. Für jeden Gast hatte er zumindest einige freundliche Worte übrig, so dass alle das Gefühl teilten, auf der Angenburg – respektive der noch intakten Vorburg – willkommen zu sein.

Noch ehe die eigentliche Feierlichkeit begann, gedachte man bei einem kurzen Gottesdienst der Gefallenen der zwei Feldzüge des vergangenen Jahres, der Edlen wie der Gemeinen. Die Namen all jener, die ihr Leben für den Sieg hatten geben müssen, wurden verlesen, und man sah noch einmal den ein oder anderen kräftig schlucken oder gar mit den Tränen kämpfen in Erinnerung an alte Weggefährten, die jetzt nicht mehr unter ihnen weilten.

Um so fröhlicher begann aber bald darauf die eigentliche Feier. Als wolle man all den Trübsinn, all die Trauer nun endlich hinter sich lassen, bemühten sich der Graf und seine Gäste um ein möglichst ausgelassenes Fest. Trotz der etwas beengten Verhältnisse im Gesindehaus der Angenburg war es nicht nur gelungen, alle Gäste im Speisesaal unterzubringen, es war sogar möglich gewesen, eine kleine Fläche auszusparen, auf dem nach dem Aufheben der Tafel getanzt werden konnte, wenngleich stets niemals von mehr als drei Tanzpaaren zur gleichen Zeit.

Doch niemand störte sich an der mancherorts wohl als unstandesgemäß empfundenen Enge, führte doch gerade diese dazu, die Unterschiede in Stand und Herkunft zwischen den Gästen zu verwischen, so dass man schon bald einfache Ritter mit Baronen, Schetzenecker mit Wengenholmern reden und lachen sah.

Jallik von Wengenholm freute sich sehr darüber, wie sich das Fest entwickelte. Er ließ die Musik für kurze Zeit unterbrechen und hob, sichtlich gut gelaunt, seinen Pokal. Dann brachte er einen Trinkspruch, es war nicht der erste an diesem Abend, dieses Mal auf das Wohl der geladenen Gäste und darauf, dass es immer so sein möge wie im vergangenen Feldzug, dass nämlich die Koscher gemeinsam stritten. Der Graf erntete laute "Hoch!"-Rufe, denn wenn es auch ein hart erkämpfter Sieg gewesen war, so hatten ihn die Wengenholmer gemeinsam mit ihren südlichen Nachbarn und Verwandten errungen. Nach der lauten Zustimmung ölten die Feiernden ihre Kehlen mit Bier. Daraufhin wurden sogar Zwergentod und Bärenfang gereicht und so mancher griff gerne zu einem der kleinen Schnapsgläschen. Inzwischen spielte die Musik wieder auf.

Rondramin Grobhand von Koschtal hatte sich, ganz gegen ihre übliche Gewohnheit, von der heiteren Stimmung anstecken lassen. Für wenige unbeschwerte Minuten vergaß sie ihren üblichen Trübsinn und ließ sich sogar einmal zum Tanz bitten, auch wenn ihr dieser Moment das Fehlen der linken Hand schmerzlich wieder in Erinnerung brachte.

Sie vermisste sogar Anglinde, ihre kleine Schwester. Der Graf hatte diese als ehemalige Streiterin in den zwei Feldzügen zwar ebenfalls eingeladen, doch hatte sie sich kurz vor ihrer Abreise den Rücken derart verrenkt, dass sie kaum laufen, geschweige denn mehrere Tage im Sattel hätte sitzen können. Vielleicht fühlte sie sich gerade deshalb verpflichtet, ein wenig des Frohsinns, den Anglindestets verströmte, jetzt selbst zu verbreiten, ungeachtet der Selbstzweifel, die sonst so oft an ihr nagten.

Holdwin vom Kargen Land kam nicht umhin, die Tapferkeit der Wengenholmer zu bewundern. Sie lebten in dem ärmsten Teil des Kosch und hatten so viel Blutvergießen und Elend in den letzten Götterläufen gesehen - und doch verzagten sie nicht. Fröhlich prostete er einigen Wengenholmer Edlen zu, in deren Mitte er sich befand. Als einer der Anwesenden eine lustige Anekdote erzählte, prusteten alle gemeinsam vor Lachen los. Während Holdwin sich den Schaum vom Bart strich, schaute er sich nach der Dienerin um, die neues Bier brachte. Egal, ob man gerade in einer Burg oder nur in einem Teil davon feierte: Hier wusste man Gastlichkeit und Gemütlichkeit zu schätzen und hielt Travias Gebote hoch. Alles Koscher von echtem Schrot und Korn und Graf Jallik ließ sich wahrlich nicht lumpen. Insbesondere seine weit gereisten Gäste lud er ein noch einige Tage auf der Angenburg zu verbleiben und seine Gastfreundschaft zu genießen.

Boten aus der Mark

Es war ein ruhiger Morgen gewesen. Nachdem die meisten Gäste bereits abgereist waren hatten sich einige der verbliebenen Gäste zur morgendlichen Waffenübung versammelt. Unter ihnen war auch Alvide von Eichental, die gerade mit Holdwin vom Kargen Land kämpfte. Donnernd krachten die Streitäxte auf die Schilde nieder und die Umstehenden riefen Ermutigungen.

Knurrbold von Borking, der jüngste Bruder des kürzlich ernannten Vogts Gerbald von Borking zu Bärenklamm, der erst seit wenigen Tagen auf der Angenburg weilte, konnte sich ein anerkennendes Raunen nicht verkneifen im Angesicht der Geschicklichkeit, die die knapp 40-jährige Eichentalerin im Zweikampf zeigte. Wenn alle in ihrer Familie derartig raffiniert kämpften, würde Gerbald gegen Ontho einen schweren Stand haben, überlegte der junge Ritter.

Gerade holte Alvide zu einem besonders kräftigen Schlag aus, als sie bemerkte, dass es um sie herum merkwürdig ruhig geworden war und ihr Gegner abgelenkt war. Auch Alvide lenkte ihren Blick in dieselbe Richtung und sah, wie zwei verdreckte Reiter ihre Pferde zum Stehen zwangen und sich gehetzt umblickten. “Wo ist der Graf?” verlangte einer der Männer zu wissen. “Welchen sucht ihr?” rief eine kecke Stimme. Der Reiter wirkte verwirrt. “Den Wengenholmer natürlich.” “Dann seid ihr am Ziel eurer Reise angekommen. Ich bin Graf Jallik” verkündete der Wengenholmer. Der Reiter blickte den Grafen kurz an, schwang sich dann aus dem Sattel und verbeugte sich. “Ich bin Bernhelm; Prinz Edelbrechts Bannerträger und ich komme mit dringender Kunde aus der Mark.” Kurz wartete der Bote ab, doch als Jallik ihm bedeutete weiter zu sprechen fuhr er fort.

“Der Meister der Mark ist im Bunde mit den Schwarzpelzen und plant die Mark an die Orken auszuliefern. Er sammelt sein Heer an der Grenze zur Wildermark und plant die dortige Heerschau zu überfallen. Die Markgräfin hat er für verrückt erklärt und den Prinzen Edelbrecht hinterrücks überfallen lassen. Doch der Prinz konnte sich befreien und sammelt Truppen, um den Schurken zur Rechenschaft zu ziehen. Auch der junge Prinz Ulfried von Wertlingen befindet sich in der Gewalt des Meisters der Mark. Edelbrecht hat mich entsandt um euch und die Euren um Hilfe zu ersuchen.”

Die Anwesenden brauchten einen Moment um die vielen Informationen zu verarbeiten. So mancher zweifelte gar an den Worten des Dunkelfarners, aber andere konnten sich an den Getreuen des Prinzen erinnern. Nach der kurzen Pause sprach Graf Jallik gefasst. “Ich hatte gehofft die Scharen des Wengenholm nicht so schnell wieder zusammenrufen zu müssen, aber ich werde Boten entsenden, um die Truppen der Grafschaft in aller Eile zur Stolzenburg zu rufen. Von dort aus sollen wir dann aufbrechen, um dem Sohn unseres geliebten Fürsten zur Seite zu stehen.” Die übrigen Anwesenden nickten zustimmend. “Auch werde ich Brieftauben zu Fürst und Stolzenburg entsenden. Ich bin sicher, dass der Fürst alles in seiner Macht Stehende unternehmen wird, um den Schwarzpelz aufzuhalten.” Wieder nickten die Anwesenden.

Der Dunkelfarner schien ob der Worte des Grafen erleichtert zu sein. “Ich danke euch für euren Beistand, doch eilt es sehr und der Prinz bat mich alle Streiter zu sammeln, die ich innerhalb weniger Tage finden kann und mit ihnen nach Hexenhain zu eilen, um dort mit der Markgräfin zusammen zu treffen.” Graf Jallik nickte. “Ich selbst werde mein Heer sammeln müssen, aber das soll meine Gäste nicht davon abhalten bereits mit euch aufzubrechen.” Es dauerte nicht lange und die ersten der Anwesenden zogen ihre Schwerter und riefen ihre Bereitschaft sofort zur Hilfe Prinz Edelbrechts zu eilen.

Bereits ein Stundenglas später sprengte ein Trupp aus der Angenburg heraus. Bernhelm von Dunkelfarn voran, gefolgt von Baronin Alvide von Eichental, den Rittern Lanzelind von Hochfeld mit dem Banner des Ferdoker Grafen in der Hand, Knurrbold von Borking, Holdwin vom Kargen Land, Rondramin Grobhand von Koschtal und Balinor von den Silberfällen, der das Sindelsaumer Dachsbanner führte. Den Abschluss aber bildete die gräflich Ferdoker Kutsche. Einmal mehr bewies Graf Growins Kutscher, dass er nicht zu Unrecht den Ruf hatte wie ein blinder Henker zu fahren.

Nach Hexenhain

Unter Bernhelms Führung machte der Reitertrupp gute Zeit. Es gab keinen Tross und das gute Dutzend Reiter passierte rasch die Grenze nach Greifenfurt. Von dort an erhöhten sie ihre Wachsamkeit und sandten immer wieder Späher aus, doch die Schergen des Meisters der Mark zeigten sich nicht und die Bauern und Leibeigenen, welche die Reiter erblickten schienen sich nichts weiter bei der Reisegruppe zu denken. Die Koscher wurden sogar immer wieder freundlich aufgenommen, waren sie den Greifenfurtern doch als gute und friedliche Nachbarn bekannt.

Bereits am Ende des dritten Tages kam ein größeres Dorf in Sicht, welches Bernhelm als Hexenhain auswies. Noch war das Banner der Markgräfin nirgendwo zu entdecken, aber sie würde sicherlich bald mit ihrem Gefolge eintreffen. So richteten sich die Koscher im besten Gasthaus im Orte wohnlich ein, stellten ein paar Wachen auf und machten sich ansonsten daran, die Kochkünste des Wirtes auf die Probe zu stellen. Für Bier hatten sie sogar selber gesorgt, denn Graf Growin hatte ein Fass Ferdoker auf seiner Kutsche mitgeführt.

Mit eiserner Faust

Feron von Nadoret blickte ärgerlich auf die Marschkolonne seiner Truppen herab. Vor wenigen Tagen war Graf Jallik mit einigen Streitern auf seiner Burg erschienen und hatte ihm mitgeteilt, dass Schwarzpelze im Osten Greifenfurts eingedrungen waren. Jallik hatte seine Banner gerufen, doch würde es eine Weile dauern, bis sich die Streiter der Grafschaft versammelt hatten. Doch Feron hatte ein solches Problem nicht. Ihm unterstand die fürstliche Garnison in der Stolzenburg, zweihundert Fußknechte im Rock des Fürsten. Doch erst hatte er Brieftauben nach Fürstenhort schicken müssen, um Order zu erhalten. Auch wenn es ihm persönlich in den Fingern gejuckt hatte, sofort aufzubrechen, musste er doch erst die Befehle des Fürsten oder des Wehrmeisters abwarten. Die Befehle kamen jedoch bald und waren eindeutig. Er sollte mit seiner gesamten Streitmacht ausrücken und sich dem Heer Prinz Edelbrechts anschließen. Graf Jallik würde derweil seine Streiter in der Stolzenburg sammeln und von dort aus den Wengenholm verteidigen.

Feron hatte diese Nachricht erwartet und seine Truppen waren abmarschbereit gewesen, als die Brieftaube eingetroffen war. Doch sie hatten wertvolle Zeit verloren und Feron konnte nur hoffen, dass sie noch rechtzeitig eintreffen würden. Auch was aus seiner Nichte Thalessia von Nadoret geworden war wusste Feron nicht. Zuletzt war sie an der Seite des Prinzen gewesen, doch wer wusste schon, ob der schurkische Meister der Mark sie nicht bereits auf dem Gewissen hatte.

Die Truppen rückten geordnet und zügig vor, aber ein Heer von zweihundert Kämpfern war kein wendiger Reitertrupp. Proviantkutschen verlangsamten sie und Feron hielt seine Männer und Frauen in ständiger Kampfbereitschaft, um unerwünschte Überraschungen zu vermeiden. Zwar hatten seine Späher bisher keine Gefahren gemeldet, aber man konnte ja nie wissen. Bisher hatten alle Burgen die sie passierten hatten ihre Tore geschlossen und die Zugbrücken hochgezogen, doch Feron hatte sie ignoriert. Er hätte wohl ganz ähnlich gehandelt, wenn ein kleiner Heerhaufen unter dem Banner eines fremden Fürsten unter seiner Burg vorbeigezogen wäre. Feron schüttelte sich kurz. Genug der Träumereien. Es galt seine Leute zu mehr Eile anzuhalten. Prinz Edelbrecht brauchte sie schließlich.