Geschichten:Des Landvogts Korrespondenz

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Wein. Nunja, warum nicht? Das Angebot Tordenins von Alveranswind-Dutlingens hörte sich passabel an. Sein Bruder würde sich aufs Prächtigste mit dem Mann verstehen, sollten sie sich einst begegnen, da war sich Aldron sicher. Eigentlich hatte der Herr auf Angareth zwar zum Turnier geladen für den Phex, aber ein anständiger Trunk sollte nicht vernachlässigt werden. Aldron ließ das Schreiben aus Mespelbrück sinken und griff nach seinem Becher. Draußen heulte der Sturm an den starken Mauern Angareths entlang und im Kamin knackte da Holz. Der Winter kündigte sich einmal mehr an.

Es war Aldrons erster auf dieser Burg. Und er hoffte tatsächlich, daß es vielleicht einmal wieder einer werden würde, in dem die Erinnerungen an die Kriege nicht durch weitere ergänzt würden. Waffenklirren hielte mit dem nächsten Phex schon früh genug wieder Einzug im Grenetal. Für die kommende Schneeschmelze hatte er auch zum Turnier geladen, in Gedenken an die Schlacht von Leuenfels und Angareth, die sie hier vor vier Jahren mühsam für die freien Lande entscheiden konnten. Es sollte ein stiller Anlaß werden, Rondra zur Ehr und nicht aufgeblasen wie das Turnier in Wehrheim, so kurzweilig das Spektakel auch war, damals, in der Stählernen letztem Sommer.

Mit einem unwilligen Brummen stellte er den Becher wieder ab und erhob sich, um zur Tür zu gehen. Bevor der Winter tatsächlich über die Trollzacken hereinbrach mußte er noch dringend einige Depeschen losschicken. Zweie würden nach Perricom gehen, eine davon an seinen Lehnsherrn, die andere an die Kirche. Die dritte indes sollte ans andere Ende der Trollzacken getragen werden. Nein, besser noch war, wenn die Botschaft an den Mersinger nur mündlich überbracht würde von jemandem, dem zu vertrauen war. Der geplante Inhalt war doch etwas brisanter als die bloßen Turniervorbereitungen, mit denen er sich ansonsten beschäftigte. Knarrend öffnete sich die schwere Eichentür unter seinem Griff. Nur kurz blieb sein Blick an den seltsamen Wölbungen hängen, die die sorgsam abgeschmirgelten Dämonenfratzen hinterlassen hatten. Dann traf sein Blick die Wache, die am Ende des Ganges auf Posten stand. "Nachricht an Jarin Leomar: Er soll sich einfinden und Schreibzeug mitbringen. Das gute Pergament." Dann fiel die Tür wieder ins Schloß. Wieder blieb sein Blick kurz an den seltsamen Mustern auf der Tür hängen. Die Unregelmäßigkeit begann ihm aufzustoßen. Bei nächster Gelegenheit würde er anweisen, den Mißstand zu beheben. Es würde sicher noch lange dauern, bis alle Spuren des Ursprunges auf seiner Burg getilgt wären. Aber er hatte sich zum Ziel gesetzt, die Spuren des Feindes zu tilgen. Nicht nur hier auf der Burg. Blieb abzuwarten, inwiefern Wallbrord mitziehen konnte. Das Gespräch, welches Aldron letztlich mit seinem Nachbarn führte, hatte einen gemischten Beigeschmack behalten. Der Baron Vellbergs war willig, aber seine Mittel zu begrenzt, wie befürchtet. Es würde sich zeigen, was daraus erwuchs. Und auch, was die Mees-Mersingens und Alveranswing-Dutlingens für eine Rolle spielen würden. Zur Zeit seiner Reise war ja niemand von ihnen in ganz Vellberg anzutreffen aufgrund einer Hochzeit, die beide Familien in Rommilys begingen. Inzwischen schien Travias Band geschmiedet und man war zurück, wie Tordenins Schreiben bewies.

Travias Band ... er würde noch ein weiteres Schreiben aufsetzen. Vielleicht konnte er seine Gattin davon überzeugen, den Winter mit ihm hier zu verbringen. Es würde nicht leicht werden, sie in die Zacken zu locken, aber eine gemeinsame Winterpirsch könnte Leodane vielleicht dazu bewegen. Und Angareth würde sogleich viel wärmer werden. Als es klopfte, saß der Firunslichter wieder und hatte den Becher geleert. Seine Laune war gut, das merkte sein Knappe schon bei der ungewöhnlich ausschweifenden Aufforderung, einzutreten: "Jarin, komm herein. Wir haben zu tun."


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Texte der Hauptreihe:
10. Bor 1030 BF
Des Landvogts Korrespondenz


Kapitel 1

Autor: metal