Geschichten:Am Ende - Neue Besen

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»Sagt dem Esel, dass er gehen kann. Die Kreusenburg hat seiner genug gesehen. Jetzt ist Schluss damit! Die Krämer und Kreuzerzähler können sich packen Das bürgerliche Gesindel hat die Hinfälligkeit des Alten lang genug ausgenutzt! Treibt sie zur Not mit der Rosspeitsche zurück hinter ihre Mauern!«

Malwarths Kopf war hochrot angeschwollen. Wer ihn jetzt sähe, hätte gedacht, den Beinamen ›der Rote‹ habe er sich wegen seiner cholerischen Anfälle verdient. dabei zielte er eigentlich auf das erlesene rote Tuch, in das sich der Edelmann stets hüllte.

Mit der Tirade hatte er die Ritter der Kreusenburg hinausbefördert. Sie würden nun den Stadtmeister der Reichsstadt unsanft zurück hinter seien Mauern bringen, auf dass er sich das merke. Malwarth schritt noch einmal zur Pforte, riss sie auf und brüllte die Treppen hinunter: »Den impertinenten Schreiber könnt Ihr auch gleich mitnehmen! Der hat hier im Kerker schon genug gefressen!« Damit knallte er die Tür zu und atmete befreit aus.

Der Zorn legte sich genauso schnell, wie er gekommen war. Malwarth konnte sich selbst befehlen, ruhig zu werden. Oder auszurasten. Das war eine seiner Stärken: Er hatte sich stets im Griff und tat, was er tat, aus Kalkül. Das war die Schule seines Vaters. Eben hatte er den Rittern seiner neuen Herrschaft gezeigt, wo der Hammer hängt.

Malwarth durchmaß den ganzen Remter und verließ ihn durch die rückwärtige Pforte, die in den Familientrakt der Weißen Festung führte. Dort, in einer kleinen Kammer, hatte sich sein Vater versteckt, um die Geschicke der Familie zu lenken. So nahe der Hauptstadt der Grafschaft und dem Grafenhof, dass Seginhardt sehr verunsichert wäre, wüsste er dies. Verunsicherung – das war überhaupt der Schlüssel gewesen, den alten Alrik zu beerben. Gegen den Willen des Grafenhauses! Und das, obwohl ein paar Mächtige der Landstände selbst hatten Einfluss nehmen wollen. Namentlich der Höllenwaller hatte es auf Gräflich Eslamsgrund abgesehen für seine Helburger Rotte. Aber der alte Narbosius hatte sie alle ausgetrickst!

Im Gang kamen ihm Tante und Base entgegen: Simiane und Mechtessa trugen beide Trauer. Alrik von Eslamsgrund-Illegeney im Grund war so alt geworden, dass man von seinem Tod fast überrascht werden konnte. Auf der anderen Seite hatte er nach seinem Sturz im Winter gelitten und übel lange gelegen. Und ständig diese Laugenbäder! man mochte meinen, Alrik habe sich für den Gang in Borons Hallen vorsorglich pökeln wollen.

»Tante. Mechtessa«, grüßte Malwarth die Damen. Die Mutter starrte ihm hasserfüllt entgegen, die Tochter lächelnde ihn milde verzeihend an. »Ich habe Anweisung geben lassen, an der Unterbringung von Euch beiden nichts zu ändern. Ihr könnt selbstverständlich hier wohnen bleiben. Wir sind doch eine Familie.

»Ach sind wir das?«, zischte Simiane. »Dann hätte sich wohl Landvögtin werden müssen!«

Malwarth ignorierte den Ausbruch. Das hatte er schon oft genug gehört. »Tante Simiane, Ihr bleibt als Burgvögtin die Herrin der Kreusenburg. Und als solche kann ich Euch nur bitten, Euch um das Gelehrtenpack zu bekümmern, die mich wegen des Kaminfrieses belagern. Er sei alt, ungewöhnlich, unersetzlich und was-weiß-ich. Schafft sie mir fort. Und wenn sie den Kamin wollen, dann binde ihnen den Fries um den hals und lass sie durch den Burggraben schwimmen!«

Malwarth stellte fest, dass er sich ausnahmeweise nicht im Griff gehabt hatte, als er nun weiterging. Er beschloss, nicht gleich zu seinem Vater zu gehen, sondern einer der Mägde vorher einen Besuch abzustatten.



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26. Tsa 1036 BF zur mittäglichen Ingerimmstunde
Neue Besen
Treuthwins Tribüne


Kapitel 5

Autor: BB