Geschichten:Auf Reshminas Spuren - Teil 7

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Der ‚Weg’ führt Aldron und Jarin auf ihren Weg zum Sitz des Barons von Brendiltal vor allem über saftige Wiesen und vorbei an großen anscheinend wohlhabenden Weilern. Während dieses Rittes dachte Aldron nach, was er über Eslam von Brendiltal wusste. Der Nebachote hatte ihn während der letzten großen Schlacht am Arvepass mit seinen Kriegern unterstützt, doch wie war und was hatte sein Bruder ihm von seinem Besuch bei Eslam erzählt? So in Gedanken versunken musste Jarin Aldron auf die sich nähernde Schar Reiter aufmerksam machen. „Herr, es nähern sich uns Reiter wie es scheint.“ Aldron aus seinen Gedanken gerissen kniff die Augen etwas zusammen und konnte vor sich eine kleine Staubwolke erkennen, aus denen sich mehrere dunkle Punkte hervorhoben die sich ihnen näherten. Offensichtlich hatte der einzelne Reiter sich Verstärkung geholt. Aldron quittierte diese Erkenntnis mit einem kurzen Nicken und gab das Zeichen anzuhalten.

Der Anführer der kleinen Schar zügelte sein Ross, ein prachtvolles, vor Kraft strotzender Rappe mit der typischen „brendiltalschen Nase“ kurz vor den Pferden der beiden Ritter, so dass es fast den Anschein gehabt hatte, als wollte er sie umreiten, während die übrigen acht Krieger sie umkreisten. Alle schienen sie – bis auf den Anführer mit den typischen, nebachotischen Reiterlanzen bewaffnet zu sein, die den tulamidischen Lanzen nicht unähnlich waren. Der Anführer schlug sich mit der behandschuhten Faust auf die Brust und begrüßte die beiden kurz und knapp. „Koär zum Gruß’e! Isch bin Ra’oul han Beshir’a Danal und main Vater ist der Marbän dieses Landäs. Wer said ihär und wuos wolldt ihr?“ Ra’oul musste Mitte, Ende der 20 Götterläufe sein, schätzte Aldron schnell ab. Der Nebachote trug den typischen Lederhelm mit dem Pferdeschweif, der einen Teil seines Gesichtes verdeckte. Doch konnte Aldron erkennen, dass Ra’oul seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten war. Der gleiche willensstarke Ausdruck und der gleiche feste Blick wie Eslam. Der gleiche, sauber gestutzte Bart, allerdings ohne graue Strähnen und die gleiche Art des Sprechens, auch wenn der Dialekt bei Ra’oul etwas sanfter klang als bei seinem Vater. Jetzt fiel Aldron auch wieder ein, dass er Ra’oul damals ebenfalls in der Schar der Krieger gesehen hatte, die den Arvepass mit befreit und die Teile der albernischen Truppen, die desertiert waren um die albernische Heimat zu verteidigen, ersetzt hatten. Das Aufgebot hatte sich wacker geschlagen in der Schlacht und als leichte Reiterei waren die Nebachoten eine wertvolle Hilfe. Gute Kämpfer, deren einziger Makel dabei der Umstand war, dass sie Kor den Vorzug vor seiner göttlichen Mutter gaben.

Aldron richtete sich im Sattel seines großen Rappen auf und hob die Hand zum Gruße ebenfalls an die Brust. Das Tun des Ritters aus dem Norden wirkte auf Ra’oul recht kontrolliert, fast steif – allerdings nicht auf die staubige Art eines Höflings oder Kanzleischreibers sondern eher wie bei einem Mann, der auf exakte und umgehende Ausführung einer gegebenen Order pochte und sich auf den Respekt seiner Leute verließ. „Seid ebenfalls gegrüßt, Ra’oul. Aldron von Firunslicht, auf dem Weg zum Baron dieser Lande, ihn über den Auftrag zu unterrichten, der mir im Namen des Markgrafen überantwortet wurde.“ Der Name war Ra’oul dann doch nicht unbekannt und so erkannte auch er schließlich den Feldherrn in jener großen Schlacht. Aldron war etwas älter geworden und ein paar graue Haare mehr hatten sich in seinen Bart und Schopf gemischt, aber er machte noch nicht den Eindruck eines alten Mannes. Und Ra’oul hatte durch Zufall damals auch mitbekommen, dass sein Gegenüber die lange, gerade Klinge an seinem Sattel vom Pferderücken und zu Fuß gut einzusetzen wusste. Ob der Markgraf ihn schickte, um einen Feldzug vorzubereiten? Möglich wäre es, aber wirklich dran glauben mochte der nebachotische Baronet nicht. Zudem hieß es ja, Rondrigan weile derzeit gar nicht am Darpat.

Der Nebachote entspannte sich daraufhin sichtlich und ein leichtes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. „Verzaih Al’Shar ich habä Disch nicht er’kanndt. Und welchär Auftrag ist das, där Disch zu uns fiehrt, Aldron von Firunslischt?“, gab Ra’oul seiner Neugier nach. „Es ist kein Geheimnis daran, aber ich schlage vor, dass ihr mich zu eurem Vater geleitet und wir das Anliegen dort besprechen.“ Ra’oul war nicht gänzlich zufrieden mit der knappen Antwort, lenkte dann aber ein. „Einvärstanden. Mir nach!“ Auf seinen Wink hin löste sich einer der Reiter und preschte ihnen vorweg zum Sitz des Barons, während fünf andere in die Richtung ritten, aus denen Aldron kam. Die beiden verbliebenen Krieger folgten Ra’oul, Aldron und dem jungen Jarin von Birkenbruch, der die wilden Gesellen mit leicht flauem Gefühl in der Magengegend verstohlen musterte. Auf den fragenden Blick Aldrons hin erläuterte Ra’oul kurz, dass sich die Krieger nur Aldrons Mannen, die er in seinem Lager zurückgelassen habe, annehmen würden, damit diesen keinen Schaden entstehen sollte. Man wisse schließlich nie, was alles geschehen konnte, in diesen rauen Zeiten. Wenn Aldron daran etwas fand, so ließ er es sich zumindest nicht anmerken.


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