Vom Sack, der fliegen wollte

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Vom Sack der fliegen wollte

von Gerhard Volkmar L.

Gerupft, geknickt die Krähe hockt

in ihrem ärmlich Neste.

Und auf dem Wagen festgestopft

der Pfeffersack, der Feiste.

"Ach, könnt‘ ich fliegen", seufzt der Sack,

"Hoch oben durch die Lüfte

Auf Krähenschwingen auf und ab

Verbreiten meine Düfte."

"Den Krähen gleich und gleich dem Aar

Dem Greifen selbst, dem Recken.

Ließ unter mir den Igel gar,

tief unten in den Hecken."

Die Krähe seufzt, "ach wie der Sack

Möcht‘ ich kein Mangel leiden,

Im Kampfe wider totes Pack

Wohl stets die Stärkste bleiben."

"Der Streit ist hart und groß die Not.

Was nützen Flügelschwingen?

Wer gibt uns unser täglich Brot?

Werd‘ dessen Lied wohl singen."

Sie blickt ihr grau-weiß Kleid nun an,

schwarz-gold dies einstens war.

Der Sack der blickt zum Nest hinan.

Der Krähen Not er sah.

Nicht lang, ein Handel kommt zustand',

S‘ ist fast, als würd ich lügen:

Für Brot und etwas Pfeffer lehrt

Die Kräh‘ den Sack das Fliegen.

Allein, was denken Aar und Greif

Und and’re Himmelstiere?

Ein Sack, der seine Kreise zieht,

Gereicht niemand zur Zierde.

Und Krähentier, was ist mit dir,

der Du den Sack lehrst fliegen?

Solch Brot und Pfeffer wiegen schwer,

kannst selbst nun nicht mehr fliegen.