Rondrera und Dragomir

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Das Lied um Rondrera und Dragomir behandelt romantisch verklärt die Fehde zwischen den beiden Schlunder Familien Krauzung und Sennenberg, die mit dem Tod von Dragomir von Krauzung und Rondrera von Sennenberg ihren Höhepunkt fand:

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I.
Es war in Schlunder Landen, ein' junge Reiterin,
der Rondra treu ergeben, ein' holde Streiterin.
Zu Sennenberg der Ahne, mit heil'gem Blut gebor'n,
ward diese Frau Rondrera, zur großen Ritt'rin auserkor'n
II.
An Fandols' and'rem Ufer, des Grafens treuer Mann,
zu Krauzung war sein Lehen, wuchs er zum Leu heran.
Durch Taten seiner Ahnen, zur Liebsten konnt' nicht zieh'n,
Musst' sie der Herrin Rondra, und er dem Praios-Greifen dien'.
III.
Zum Eslamsgrunder Tjosten, die beiden Knappen sind,
als sie im Schlunder Zelte, zum ersten mal sich find'.
Ihr Ritter spricht: "Das darf nicht, die Häuser sind im Streit!"
Sein Ritter auch: "Das nimmer, die Fehde währt seit Eslams Zeit."
IV.
Rondreras Herz ist flammend, wie Ing'rimms heiß'ste Glut.
Und Dragomir noch Knappe, zu Pferd voll Edelmut,
der fordert brav den Grafen, der darf nein sagen nicht.
Und sticht ihn aus dem Sattel, als Knappe scheint ihm Rondras Licht.
V.
Sodann die junge Leuin sich auf das Pferde schwingt,
sie fordert ihren Ritter, und Lanz' auf Schilde klingt.
Die beiden sind nicht Sieger, doch jung an diesem Tag,
Erhalten sie am Tjostplatz, von Grafenhand den Ritterschlag.
VI.
Auf Rondras heil'ge Tjoste, folgt Rahjas groß' Bankett,
und als die and'ren feiern, da teilen sie das Bett.
Den Kopf in seinen Armen, sie sich zu ihm bekennt:
"Wir werden uns noch lieben, wenn auch der Tod uns beide trennt."
VII.
Die Zeit der vielen Kaiser, der beiden Lieb' ein' Qual,
sie folgt Tedescos Banner, ihm Barduron befahl.
Nach Kriegens Gräueltaten, ist finster ihr der Mut,
der göttlich Leuin Prüfung, treibt sie zu Daimons blut'ger Brut.
VIII.
Wenn auch der finst're Söldner ihr Leuenherz bezwang,
es kämpft nun noch Frau Rahja, um ihres Herzens Drang.
Ist Krauzung auch der erste, und wirft den Handschuh hin,
er kann sein Herz nicht täuschen, ihr Seel' zu retten er im Sinn.
IX.
Drum sucht er sie des nächtens, zur Feste Bogenbrück,
zuvor er ihr geschrieben, sein Herz er wollt zurück.
Erbittete sich flehend, ein Zweikampf soll es sein,
und ob sie mit dem Schwerte wohl oder Lippen sich verein'.
X.
Er wusst nicht dass sie wartet, im Schatten Zweifels voll,
Ihr neuer finst'rer Götze, sie zwingt zum blut'gen Zoll.
Schritt auf und ab die Zinnen, er träumt von ihrem Kuss,
im Herzen ringen zweie, ob lieben er ob töten muss.
XI.
Da blickt er sie im Tore, im Schatten nur's Gesicht,
so bleich, so schön, so finster, so ohn' der Götter Licht.
Schnell fallen lässt die Wehr er, und lächelt treu sie an,
bleibt nur der Wunsch des Recken, dass er sie noch berühren kann.
XII.
Nun tritt sie aus dem Schatten, mit steinerndem Gesicht,
doch Krauzung sieht verblendet, in ihren Augen Licht.
Sie wird ihn wieder lieben für immer, ewiglich.
Er möcht sie zart berühren, fährt in sein' Herz ein tiefer Stich.
XIII.
Aus seiner Brust ein Bolzen, begangen der Verrat,
umklammert er die Zinne, und sieht's Gesicht zur Tat:
Die Augen die er liebte, die Haut so edel blass,
Es war die Frau Rondrera, die hielt die Armbrust kalt vor Hass.
XIV.
Er sprach zu ihr: "Du liebst mich!", die Hand die sucht noch Halt.
Sie schaut ihn an durch Tränen, ihr Herz ist noch nicht kalt.
Doch bitter spricht sie: "Nimmer!", und er lässt los in Qual,
dann stürzt der Krauzung runter, ins wilde, eis'ge Natterntal.
XV.
Frau Rahja nahm den Liebsten, das war der Göttin Plan,
berührt doch nur sein Sterben, ihr Herz trotz blut'gen Wahn.
Sieht sie sein Schopf versinken, in Natterns eis'ger Flut,
schwört ab sie drum dem Daimon, Blutdurst, Zorn und bitt'rer Wut.
XVI.
Zu spät jedoch die Reue, die Schuld zu schwer sie währt,
des grausam' Kaiser's Ritter, die Fehde ihr erklärt.
Sie flieht zur Brück' der Raben, soll Rondra ihr verzeih'n,
zur Löwenburg, zum Tempel, zu sühnen an Leomars Schrein.
XVII.
Und mitten auf der Brücke, die Häscher nah heran,
Sieht sie zu Oberhartsteen, vom Kaiser noch mehr Mann.
Es bleibt ihr nur der Rosssprung, ins kalte Natternnass,
worein auch fiel der Liebste, als Liebe ward zu bittr'em Hass.
XVIII.
Heut' sind die zwei vereinigt, im Tod wie einst geschwor'n,
In Natterns tosend Fluten, zu Geistern beid' gewor'n.
An Tagen ihres Sterbens, in Wut die beiden schrei'n,
Zum Tage ihres Kusses, die beiden liebend sich verei'n.