Wallfahrten in Garetien

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Von Land und Leuten Garetiens – Die Wallfahrt

Das Pilgerwesen hat in Garetien eine alte und traditionsreiche Vergangenheit, die eine Unzahl an lokalen Bräuchen und Sitten geschaffen hat. Die folgenden Zeilen sollen einen groben Überblick über diese Geflogenheiten geben.

Jedes Jahr, zu Beginn der Herbstmonde, sammeln sich in den Grafschaften des Königreiches unzählige Untertanen der Krone, um an festgesetzten Tagen den hehren Zwölfen Dank abzustatten für einen meist reichhaltigen Ertrag an Frucht und Korn – aber auch um Fürbitte zu halten für den nahenden, oft kargen, Winter. Nun, nach einer arbeitsamen Erntezeit gönnt man sich den Luxus eines freien Tages und begibt sich - nach Rücksprache mit und Erlaubnis durch den Lehnsherrn - voller Inbrunst und Tatendrang auf eine abwechslungsreiche Fahrt.

Im frühmorgendlichen Nebeldunst sammeln sich daher vor dem dörflichen Schrein zumeist eine Gruppe von 20 bis 40 Gläubigen, mithin oft mehr als manches Dorf an Köpfe zählt. Bisweilen, vor allem in argen Zeiten der Not und Bedrängnis, wurden bereits Pilgergruppen von mehr denn einhundert Reisenden gesehen. Angetan in robuster Gewandung, einen Ranzen mit Verpflegung und Labsal geschultert, nimmt man Aufstellung für die bevorstehende Wallfahrt. Obschon im Geiste dem gesamten Pantheon verpflichtet, werden die Wallfahrten zumeist zum Ruhme der gütigen Landfrau Peraine abgehalten. Doch auch eine innige Traviaverehrung findet solcherart Ausdruck.

Nach einem kurzen Segen durch den örtlichen Geweihten macht man sich strammen Schrittes auf die weite Reise. Jene Wallfahrten sind beim einfachen Volke stets sehr beliebt, versprechen Sie doch neben der sakralen Heilserfahrung oft die einzige Möglichkeit, die dörfliche Heimat für eine kurze Weile zu verlassen und in die ‚weite Welt’ zu ziehen. Jene weite Welt endet derweil oft bereits nach nur wenigen Meilen. Vereinzelt werden jedoch auch mehrtägige Reisen angetreten, um entlegenere Wallfahrtsziele zu erreichen.

Neben den großen und weithin bekannten Pilgerzentren Gareth, Angbar und Rommilys, finden sich gerade im zwölfgöttergläubigen Garetien eine Fülle regionaler Wallfahrtsorte. Jene bestehen zumeist nur aus einer kleinen, die überwiegende Zeit des Jahres verwaisten Kapelle oder einem schlichten Schrein. Bisweilen bildet gar ein prägnanter Baum auf einer einzelnen Anhöhe das traditionelle Ziel einer örtlichen Wallfahrt im Zeichen der holden Peraine.

Der Pilgerzug selber ist bereits von weitem als solcher zu erkennen, zeigen doch mitgeführte Fahnen, Wimpeln und Standarten die heiligen Symbole der verehrten Gottheit. Frische Blumenkränze in den Haaren schmücken die jüngsten Maiden und Burschen, welche – wohl geordnet – vorweg einher ziehen, gefolgt von deren Eltern und Großeltern.

Die Pilger marschieren derweil weder schweigend noch aufgeregt plaudernd einher, sondern rezitieren unaufhörlich eine seit Generationen überlieferte Litanei. Dies erfolgt dergestalt, dass einzelne ausgesuchte Pilger eine Strophe beginnen, die nach wenigen Zeilen von dem Gros der Reisenden aufgegriffen und beendet wird. Dies wiederholt sich immerfort, bis nach dem zwölften Durchlauf ein Abschluss ausgerufen wird, ehe man erneut mit dem Wechselgebet von Vorne beginnt. Die einzelnen Strophen variieren im Wortlaut nur in wenigen Silben, in dem man z.B. traditionelle Fürbitten einbindet. Das wiederholte Absprechen der liturgischen Texte führt bereits nach einer kurzen Weile zu einer leiernden Melodie, die im Takt des Marsches einhergeht. Bisweilen wird dieser Sprechkanon von Liedern unterbrochen, so dass das „Dir zu Ehren schreiten wir!“ laut über Wald und Flur ertönt.

Die Pilger schreiten zumeist mit gesenktem Haupte einher, wobei dieses Gebaren weniger Ausdruck einer gläubigen Demut darstellt, sondern vielmehr den maroden Straßen und Wegen geschuldet ist. Da man bei Unachtsamkeit schnell eines der unzähligen Löcher und Mulden übersehen kann, besteht stets die Gefahr zu straucheln, und so im schlimmsten Falle die Wallfahrt infolge eines geprellten Knöchels abzubrechen.

Die Pilgerrouten des Königreiches bestehen seit Generationen und jeder Weiler und jedes Dorf kennt seine eigenen Wege und Etappen. Diese Wege werden in unregelmäßigen Abständen von Bilderstöcken, Andachtsaltären und Wegeschreine gesäumt, an denen bisweilen innegehalten und eine kurze Anbetung abgehalten wird.

Am Ziel angekommen sammeln sich die Wallfahrer zu einem feierlichen Hochdienst zu Ehren der Göttin und des örtlichen Heiligen, in dem nochmals Dank abgestattet und Fürbitten vorgebracht werden. Nach diesem zeremoniellen Teil erfreut man sich an allerlei weltlicher Unterhaltung. Denn an den Tagen der Wallfahrt ziehen nicht nur fromme Pilger umher, sondern vermehrt auch wandernde Schausteller, Vaganten und Gaukler - nicht selten auch Bettler und Versehrte - die die ausgelassene Stimmung für ihre Geschäfte nutzen. So finden sich zur Zeit der Wallfahrt neben den heiligen Stätten diverse Buden und Stände mit allerlei Tand. Neben den obligatorischen Naschwerken finden sich Kerzen in verschiedensten Größen und Farben, auf Büttenpapier gedruckte Heiligenstiche, hölzerne, irdene oder gar silberne Amulette und weitere Devotionalien, die als Mitbringsel für die Daheimgebliebenen dienen.

Den Rückweg begehen viele mit Erleichterung und frohen Mutes in der Gewissheit, die Göttin auch für das kommende Jahr gewogen gemacht zuhaben. Des Abends am gleichen Tage erreicht man den heimatlichen Weiler, wo man von den Daheimgebliebenen fröhlich und mit dampfendem Essen empfangen wird. Nach einem kurzen Abschlusssegen begibt man sich darob recht schnellen Schrittes nach Haus mit reichhaltigen Erfahrungen und vielen Neuigkeiten aus der weiten Welt.

Bosper Tannhauser

Wichtige Wallfahrtsorte und Pilgerziele der Region