Von Gestech und allerlei Kurzweil

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Markt Grambusch (Gerbaldsmark). Prächtig waren die zahlreichen Banner und Wimpel auf dem Turnierplatz nahe des Ortes Grambusch anzuschauen, wie sie stolz im Wind flatterten und von der Anwesenheit viele hoher Damen und Herren kündeten, welche sich im ritterlichen Zweikampf miteinander zu messen gedachten. Hierzu hatte sich die Blüte des Adels aus dem Königreiche Garetien sowie den Markgrafschaften Perricum und Greifenfurt eingefunden, um den vortrefflichsten Tjoster aus ihrer Mitte zu küren. Diesem - oder dieser - sollte die hohe Ehre zufallen, die auf dem nahen Schloss Auenwacht im Rahmen des Großen Kabinetts getroffenen Ratschlüsse der Kaiserin vorzutragen und demütig deren Bestätigung zu erbitten.

Auch wenn Kabinett und Turnei an getrennten Orten stattfanden, herrschte dennoch ein stetes Kommen und Gehen zwischen beiden Veranstaltungsorten. Denn nicht wenige der Edlen wollten sich gleichermaßen sowohl auf dem glatten Parkett der Politik als auch dem staubigen Boden des Turnierfeldes beweisen, behaupten und bewähren. 32 Damen und Herren von Stand waren es schließlich, die sich dazu entschlossen hatten, gegeneinander in die Schranken zu treten. 16 von ihnen wurden als Reizer ausgelost, die dann in Reihenfolge der gezogenen Lose ihre Gegner aus den Reihen der 16 Trutzer wählten. Dieses Losverfahren wurde bis zum Finale beibehalten, in dem dann die beiden siegreichsten Streiter einander gegenübertreten sollten. Das Teilnehmerfeld selbst war bunt gemischt von unbekannten jungen Rittersleuten bis hin zu vielfach schlachtenerfahrenen Baronen, deren klingende Namen und Taten weithin bekannt sind. Neben den Großen der drei Provinzen war auch zahlreiches Volk von nah und fern zusammengeströmt, um dem Turnier beizuwohnen, welches schon allein ob seiner illustren Teilnehmerschar aus gleich drei Provinzen die meisten anderen Veranstaltungen dieser Art übertraf. Doch ging es den Gemeinen hierbei nicht um die hohe Politik, von der man ja doch nichts verstand, sondern schlicht um das Spektakel eines solch rondragefälligen Kräftemessens. Und dieses Spektakel bekamen sie auch: unerwartete Siege und Niederlagen, spektakuläre Stürze (die, den Zwölfen sei´s gedankt, allesamt glimpflich endeten), effektvoll splitternde Lanzen.

Eine der größten Überraschungen ereignete sich bereits in der zweiten Runde, als der Landvogt zu Arvepaß und Heermeister der Markgrafschaft Perricum, Aldron von Firunslicht, völlig unerwartet von der unerfahren und wenig bekannten jungen Ritterin Madalin von Kieselburg bezwungen wurde. Der ebenfalls als krasser Außenseiter eingeschätzte Edle Hartor Sesemurm sorgte für das größte Aufsehen bei den Zuschauern gleich welchen Standes, als er sich bis ins Finale vorkämpfte und auf dem Weg dorthin sogar den Rittmeister der Mark Greifenfurt und späteren großgaretischen Marschall Urion von Reiffenberg besiegte, welcher zuvor als einer der Favoriten auf den Turniersieg gehandelt worden war. Im Finale traf der Edle dann auf Wallbrord von Löwenhaupt-Berg, Baron zu Vellberg und Befehliger des Bombardenregiments "Trollpforte".

Dieser zwar schlachten-, aber wenig turniererfahrene Recke hatte in der Vorschlussrunde den Kronvogt zu Neerbusch, Leomar von Zweifelfels, mit einer geradezu spielerischen Leichtigkeit niedergerungen, die einige böse Zungen argwöhnen ließ, der Lanzengang sei ein abgekartetes Spiel gewesen. Zum finalen Tjost zwischen den edlen Herren Hartor und Wallbrord hatte sich nahezu der gesamte in der Gerbaldsmark versammelte Adel eingefunden, um Zeuge zu werden, wer von den beiden Streitern vor die Kaiserin treten und ihr die Ratschlüsse des Großen Kabinetts präsentieren dürfe. Mit zunehmender Spannung verfolgten die Versammelten, Adel und Volk gleichermaßen, wie sich die beiden Recken für ihr buchstäbliches Aufeinandertreffen rüsteten, ihre Positionen an den entgegengesetzten Enden der Turnierschranke einnahmen, um dann auf das Zeichen der Heroldin hin ihren Rössern die Sporen zu geben.

Unter den ohrenbetäubenden Anfeuerungen und Rufen der Zuschauer galoppierten die Pferde der zwei Streiter aufeinander zu, welche ihre Lanzen senkten und treffsicher am Schild des jeweils anderen zersplittern ließen. Ein zweiter Umlauf musste die Entscheidung bringen, da Baron und Edler in ihren Sätteln blieben. Aber auch dieser Durchgang kannte keinen Sieger; erneut hatten Beide es nicht vermocht, den jeweils Anderen aus dem Sattel zu heben. Als Herr Hartor und Herr Wallbrord schließlich zum dritten Lanzengang antraten, hielt es selbst viele der Zuschauer von Stand nicht mehr auf ihren Plätzen. Dieses Finale bildete einen wahrhaft (denk-)würdigen Abschluss der Turnei! Wieder ritten die zwei Recken gegeneinander an, wieder trafen beide Lanzen ins Ziel, doch hatte Herr Wallbrord seine offenbar mit etwas mehr Kraft ins Ziel gelenkt, da Herr Hartor von der Wucht des Aufpralls aus dem Sattel gehoben und auf den Boden des Tjostplatzes befördert wurde. Dem Baron zu Vellberg hingegen gelang es, wenn auch mit einiger Mühe, sich auf seinem Ross zu halten. Er hatte gesiegt. Nachdem Oberst Wallbrord - sichtlich erschöpft - dem Edlen aufgeholfen und dieser ihm zu seinem Sieg gratuliert hatte, nahm er mit einer Mischung aus Überraschung und Stolz die Glückwünsche der adligen Zuschauer entgegen. Wenig später ließ er sich jedoch entschuldigen, um sich für die abschließenden Beratungen mittels eines heißen Bades frischzumachen.

Die Kabinettstjoste mochte nun beendet sein, das Große Kabinett selbst war es noch lange nicht

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Texte der Hauptreihe:
K48. Von Gestech und allerlei Kurzweil
25. Ing 1035 BF
Von Gestech und allerlei Kurzweil
Nebachotisch-baburische Annäherungen

Kapitel 48

Die silberne Zunge von Auenwacht
Autor: MF