Verwirrung in Hartsteen

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Nach der Blutnacht von Rommilys begab sich die garetische Gräfin Thuronia von Hartsteen, welche die blutigen Massaker praioslob wohl überstand, eiligst zurück in ihre Lande. Am Abend des 1. Firun wurde die Adelsgesellschaft kurz vor Eintreffen in einem gastfreien Haus von maskierten Bewaffneten versucht anzuhalten, wobei jene mit Armbrüsten zwei Leibgardisten und erschossen zwei weitere Kämpfer schwer verletzten. Als der Versuch, die querfeldein über den vereisten Ackerboden ausweichende Kutsche anzuhalten misslang, verfolgten kurz darauf acht Bewaffnete die Kutsche, die vor einem Graben halten musste. Auf Pferden gelang der Gräfin und ihren Verwandten ein Entkommen, während sich die übrigen sechs – drei Gardisten, zwei Diener und der Kutscher – ein ungleiches Gefecht bis zum ihrem und dem bitteren Ende dreier Attentäter lieferten. Der betagten Gräfin und ihren Angehörigen gelang in dieser Zeit die Flucht auf ein nahes Rittergut. Später fand ein berittener Gardetrupp am Tatort nur noch die Leichen der neun Gefallenen, deren Blut den Schnee rot färbte. Die Spuren der Angreifer aber verloren sich im rieselnden Schnee.

Kurze Zeit nach den schrecklichen Vorfällen erschien zu Hartsteen ein Bote aus Natzungen, dem ein in schwarz gehüllter Zug mit einer Leichenkutsche folgte. Neugierig versuchte das Volk in Erfahrung zu bringen, wer da in dem mit dunkler Seide verhülltem Sarg in die Grafenburg gebracht. »Praoidan von Quintian-Quandt« hieß es dann bald, der von versprengten Landsknechten der Baronin tot unter seinem bekannten Schlachtross Schwarzer Salix – ein veritabler Norburger – gefunden wurde, durch grausame Gewalt zwar seines Antlitzes beraubt und bar seines Siegelringes (der Finger sei abgerissen, hieß es weiter), doch in seinem prächtigen, vergoldeten Harnisch, der nun schwarzverkrustet vom Blute ist. Ein Vertreter der Baronin übergab ihrer Hochwohlgeboren Thuronia unter den Beileidsbezeugungen der Natzunger feierlich den zerbeulten Kürass und einige Dokumente sowie die Lieblingshutfeder des toten Freiherren.

Damit wäre die Herrschaft über die Ländereien nördlich der freien Stadt Puleth vakant, wobei die Baronin bereits durch ihren Hauptmann Zolthan von Arres ankündigen ließ, dass man kein Machtvakuum an der Nordwestgrenze tolerieren könne. Die Gräfin hat sich wenige Tage darauf Richtung Almada begeben, um sich dort von den Schrecken in Rommilys und dem Überfall zu erholen.

Aus der Pfalzgrafschaft Wetterfels in Hartsteen hingegen war zu vernehmen, dass das liebste Kind des Ritters Erzbrecht vom Dergelsthurme, Rittmeister des Pfalzgrafen Bernhelm vom Wetterfels, seit einiger Zeit verschollen sei, auch wenn manche Gerüchte behaupten, das Fräulein habe sich unsterblich in einen Spross des Hauses Natzungen verliebt. Aus Gram, so heißt es, sei der alte Rittersmann aus dem Greifenfurt’schen mit einer Schar Getreuer ins mittnächtliche Trallop aufgebrochen, wo er einstens seine Knappenschaft verbracht hatte, um der Herzogin Walpurga gegen den Usurpator Baeromar beizustehen, oder – wie bösartige Zungen behaupten – um aus gekränktem Stolz über seine Degradierung zum kaiserlichen Schlosshund, wie der Ritter in einem Brief an den Pfalzgrafen geschrieben haben soll, nun dem falschen Herzog seine Treu zu schwören. Besagtes Schreiben soll auf bislang ungeklärten Wege einer Schar Glücksritter in die Hände gefallen sein, welche den Brief wiederum in Gareth dem Hesinde-Tempel übergaben, weiß Praios weshalb.

Aus dem Nachbarlehen Natzungen indes werden Ansprüche auf Güter im westlichen Teil der ehemaligen Gaue laut, die vor der Retoschen Reform einem Landedlen aus der Familie der Baronin unterstanden respektive zur Baronie Natzungen selbst gehört hatten. Dabei beruft sich die verdiente Baronin auf den Wortlaut der neuen Reichsreform, die Verantwortung der alten Adelsfamilien und ihrer ritterlichen Vertreter wieder zu stärken, der sich auf die formell ja nun aufgelösten Reichsgaue bezieht. Da die Retoschen Reformen durch die jüngsten Erlasse überholt und hinfällig wurden, beansprucht das Haus Natzungen nun wieder seine alte Ländereien. Vermutlich steht dahinter die Absicht, wieder Anschluss an den Dergel zu gewinnen und den Handel mit Darpatien anzutreiben.

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Texte der Hauptreihe:
K27. Verwirrung in Hartsteen
Autor: Robert S.