Tsas Tränen über Hartsteen!

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Grafschaft Hartsteen, im Ingerimm 1030 BF.

Erfolgreich schlagen die verbündeten Hartsteener und Reichsforster Ritter den finsteren Schwarzmagier Tharleon in Appelhof. Doch das berauschende Gefühl des Sieges verebbt schlagartig: die Fehde der Grafen von Hartsteen spitzt sich zu und alles sieht danach aus, als wollte Rondra die Entscheidung des Streites. Vor den Toren der trutzigen Feste Feidewald stehen sie sich schließlich gegenüber, links die Streiter des Grafen Luidors, rechts die zahlreichen Söldner von Graf Geismar II. Doch niemand rechnete mit dem Eingreifen der jungen Göttin!

Für Barnhilde aus Kesseling wird es ein unvergessener Tag bleiben. Die junge Landwehrfrau war das erste Mal dem Aufruf von Gerbald von Windischgrütz, ihrem Lehensherren gefolgt und hatte sich den milden Winter über in die Schar de Rekruten eingereiht. Der Kampf galt es von der Pike auf zu lernen, das schweißtreibende Geschäft der Fehde und des Krieges. Ihr Platz war die vorderste Reihe, dort wo die Unglücklichen fallen und die Helden stehen bleiben. Sie wusste, dass es um ihr Leben gehen würde, aber der Stolz in der Brust und das Wissen, an der Entscheidung über die Zukunft Hartsteens teilhaben zu können, gaben ihr den Mut und die Gewissheit, dass sie zurück in das heimatliche Dorf würde kehren und alle ihrer Geschichte gebannt lauschen würden.

Schon vor den Toren Appelhofs wurde es bitterernst. Der Neuborner Junker Helmar von Fuchsbau öffnete in einem phexgefälligen Unternehmen die Tore der Stadt für die Allianz. Doch die Reiterei geriet, geführt von dem Reichsforster Ritter Raulfried von Schwarztannen, in einen bösen Hinterhalt und erfuhr herbe Verluste. Die Fußtruppen setzten den Dämonenpaktierern stark zu und es war ihre heldenhafte Disziplin und ihr unerschütterlicher Mut, der die Wende brachte in der kurzen, aber heftigen Schlacht. Während die Geweihten des Götterfürsten in ermutigenden Gesängen die kreischenden Dämonenfratzen vertrieben und das Herz der Kämpfer stählten, kämpften die Geweihten der gütigen Travia und Peraine um das Leben eines jeden Verwundeten. Schmerzensschreie der Sterbenden erfüllten die Luft und Tränen über jedes verlorene Leben die Augen der Helfer.

„Wir haben doch von nichts gewußt!“

Erst im Sieg offenbart sich das wahre Ausmaß des Schreckens der letzten Jahre für die tapferen Bürger der Stadt Appelhof. Getäuscht von den Lügen des Schwarzmagus Tharleon und abgeschnitten von der Welt glauben sie, das Mittelreich sei bereits untergegangen.

Bodefred Harnischmacher aus Appelhof kann es nicht fassen: „Die haben uns gesagt, die Herren von Gnaden Borbarads haben die Würmer aus Gareth zertreten. Und wir sollten froh sein, dass unser Herr und Magistrat Tharleon von Punin ein Freund der Menschen hier sei und sich für unser Wohl einsetzt. Klar, dass wir da nichts unternommen haben!“

Ein verborgener Handel mit arkanen Artefakten blüht auf. Aus allen Himmels- richtungen kommen windige Gestalten nach Appelhof, um Zaubergegenstände zu erwerben im Tausch gegen andere Artefakte. Doch keiner kommt mit den Bürgern ins Gespräch, der Schwarzmagier hält seine Geiseln streng getrennt von seinen Kunden. „Und dann ließ er uns plötzlich im Umland tiefe Löcher buddeln. Warum hat er nicht gesagt. Seine Schergen behandelten uns wie Sklaven“, berichtet der Gildenvorsteher der Stadt, Fredegast von Zoltheim. Wie Pockennarben erheben sich diese Löcher in dem einst so liebreichen Appelhofer Tal, von dem einst Kaiser Hal sagte, dass es der schönste Jagdgrund in Garetien sei. Ihr Zweck aber bleibt wohl nur dem entflohene Schwarzmagier Tharleon bekannt.

Das Siegesfest, welches wenige Tage nach der Befreiung Appelhofs stattfand, war unbeschreiblich. „Noch nie habe ich so gut gegessen, getrunken und getanzt“, fasst Gutmine Bollinger, eine Schankmagd des Appelhofer Gasthauses „Appelbaum“ in kurze Worte. Zwei Tage hintereinander schmausen und feiern die Sieger und die Befreiten ihren Erfolg.

Vivat Almada! – Des Grafen neue Freunde

Doch dunkle Wolken ziehen heran. In der Heimat, ohne Wissen der Streitenden, hat die wütende Hand des Gegengrafen reiche Ernte gehalten. Das umstrittene Gut Hohenkamp im Efferd von Hartsteen wird im Handstreich genommen durch die Söldner, die Geismar aus dem fernen Süden, dem Reich des Gegenkaisers, in die Grafschaft führte. Blut, Feuer und Tod breiten sich aus, das Ziel ist der beschauliche Ort Hartenau an der Natter. Im Schatten der Schallenberger Burg Sturmwacht greifen Geismars Schergen die unvorbereiteten Bürger an und berauben nach ihrer Laune die ungeschützte Stadt. Die Familie des Ritters von Schallenberg fällt in ihre Hände und mit einem höhnischen Lachen verschwinden die Reiter mit ihrer fetten Beute in die Finsternis der lauen Frühjahrsnacht. Diese bittere Kunde erreicht die Feiernden unvermittelt. Die lustigen Gesänge verstummen. Sorgenfalten durchziehen die Gesichter von Müttern, die über das Schicksal ihrer lieben Kinder im Ungewissen sind. Gewiss ist nur eines für die Helden von Appelhof: Der Feind ist ihnen feige in den Rücken gefallen. Wut und Groll bahnen sich den Weg bei den Hartsteener Rittern, Entsetzen steht auf dem Gesicht ihrer Reichsforster Verbündeten. Und der Entschluss ist gefasst: Gemeinsam würde man gegen Geismar ziehen und ihn zur Rechenschaft ziehen.

Der nächste Morgen bringt den Aufbruch für den Schwertzug. Die Kameraden, die noch vor wenigen Tagen gemeinsam gegen einen unheimlichen Schwarzmagier ritten, nun zogen sie gemeinsam in die Fehde. Nicht jeder Ritter und jede Ritterin war froh darüber. Die schlimmsten Befürchtungen hatten sich bewahrheitet: Die Reichsforster Ritter hatten sich in die Natterndorner Fehde hineinziehen lassen. Der Feidewald war schnell und ohne Zwischenfälle durchquert und man rastete vor den Toren Burg Orbetreus, der Stammburg der Schwingenfelser. Und die erste Überraschung geschah: die Tore der Burg blieben verschlossen! Der Hitzkopf Hadrumir von Schwingenfels schickte nur einen einzelnen Boten an seinen Lehensherren und hielt seine schlagkräftigen Orbetreuer Schwingen, eine kampferprobte Reiterei, hinter dem Tor zurück. War dies das Zeichen, dass die Tage des Grafen Geismars gezählt waren?

Tsas Tränen über Hartsteen

Barnhildes Stimme fängt vor Aufregung leicht zu vibrieren an, wenn sie sich die letzten Stunden vor der erwarteten großen Schlacht in Erinnerung ruft. „Wir kamen vor Feidewald gegen die Praiosstunde an. Es war windstill, kein Geräusch war zu hören. Hoch erhoben die schwarze Festung Feidewald, wie ein feister Drache auf seinem Hort. Und unten, direkt vor uns, die Söldner aus Almada. Mit Piken und Hellebarden bewehrt, der Blick kalt und nur dem Schlachtengott gewidmet. Unsere Anführer, der Natzunger Baron Bodebert von Windischgrütz und der Baron von Schwarztannen, Raulfried von Schwarztannen, wiesen uns an, die Formation einzunehmen. Alles wartete auf das Signal loszustürmen und die grimmen Gestalten über das Nirgendmeer zu ihrem Gott zu schicken. Und dann passierte es.“

Die ersten Zeichen waren unscheinbar. Die blühenden Blumen unter den Füßen der Kämpfer nahm kaum jemand wahr, auch wenn ihr betörender Duft den Sinn so manches gestandenen Soldaten benebelten. Schließlich begann der Regen. Aber es war kein dem grimmigen Herren Efferd gefälliges Nass, was sich über die Feidewalder Wiesen und Wälder ergoss. Blütenblätter, in allen Farben des Regenbogens, fielen hinab auf den Boden. Nun schauten auch die Reiter verwirrt nach oben. Und unvermittelt stand sie dort. Gehüllt in eine leuchtende Aura, in allen Farben vibrierend und mit dem sanften mütterlichen Lächeln, dem noch so mancher Recke einst die Treue geschworen hatte: Gräfin Thuronia war erschienen!

„Es war wie ein Traum!“, erzählt Barnhilde. „Es war so, als hebe die junge Göttin selbst ihren elfenbeinernen Zeigefinger und mahnte uns alle zur Umkehr. Die alte Gräfin stand ewig zwischen den beiden Heeren, keiner wagte etwas zu sagen. Die Almadaner haben ganz schön verdutzt geguckt und wussten nicht, was sie tun sollten. Und dann hob die Gräfin ihre Stimme und es erschien mir so, als ob sie gleichsam in mir selber sprach.“

Mit ergreifenden Worten wandte sich Thuronia an die Edlen der Grafschaft Hartsteen. Zu viel Blut sei schon geflossen. Zu viel Leid habe der Kampf zwischen den Familien der Grafschaft gebracht. Warum gönnten die Adligen ihrem Land nicht den Frieden, den es nach dem Kampf gegen die Dämonen und die Untoten so dringend bedürfe? Wolle man denn wirklich nahtlos dort weitermachen, wo die Schergen aus den schwarzen Landen aufgehört hatten? Und je länger sie sprach, desto schwerer wurden die Waffen in den Händen der Ritter. Betretene Blicke schauten auf den Boden, leise und schamhaft zogen sich die Adligen zurück. Die verunsicherten Almadaner blieben ohne Gegner allein auf dem unbefleckten Schlachtfeld zurück.

Ein Jahr – Frieden?

Die Kunde erreichte beide Grafen wohl zur gleichen Zeit. Ein Zeichen der Zwölfe, dass sie die Fehde nicht wünschten, sei es gewesen, verkündete Graf Geismar II. Er würde den Frieden wahren und die Waffen in der Fehde ruhen lassen. Auch Graf Luidor schloss sich den Worten seines Rivalen an. Die geschundene Grafschaft solle sich erholen, die Bauern ihre Saat wachsen und gedeihen lassen und die Edlen für einen Götterlauf die Fehde ruhen lassen. Denn das sei der Wunsch der Heiligen Thuronia gewesen.

Barnhilde kann es noch heute nicht glauben, dass ihr die Gnade eines göttlichen Wunders gewährt wurde. „Mein ganzes Leben hat sich verändert, seitdem ich die Nähe der Zwölfe gespürt habe. Voller Hoffnung und Zuversicht glaube ich nun an den Frieden in unserer schönen Grafschaft Hartsteen.“

Jergan Darbental, Herold-Korrespondent aus Hartsteen