Skandal in Puleth – Rücktrittsforderungen gegen den Marschall von Hartsteen

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Skandal in Puleth – Rücktrittsforderungen gegen den Marschall von Hartsteen

Puleth. Die Grafschaft Hartsteen kommt nicht aus den Schlagzeilen. Unbemerkt neben dem Aufsehen erregenden Zug Garetischer Adliger zur Pfalzgrafschaft Reichsgau kam es in der idyllischen Stadt Puleth zu einem Eklat. In einem polemischen Pamphlet wurde der Orden des Heiligen Zorns der Göttin Rondra aufgefordert, die Grafschaft Hartsteen umgehend zu verlassen. Seinen Ausgang nahm das Pamphlet im Haus Schwingenfels, einem sehr alten Rittergeschlecht der Grafschaft.

Den Stein des Anstoßes stellt die Präsenz des Ordens an der Baustelle des Siegestempels von Puleth dar. Der junge Orden, der sich in erster Linie als Wächter der freien Lande gegen dämonische Kräfte empfindet, stellt ein Kontingent von Ordensrittern, deren hauptsächliche Aufgabe es ist, das Tempelgelände und die Bauarbeiten vor Schergen der schwarzen Lande zu schützen. Dies wird ihnen von der Bevölkerung Puleths und seinem Vogt, Horbald von Schroeckh, hoch angerechnet. Umso empörter wurde deshalb die Forderung des alten Hauses Schwingenfels aufgenommen, der Orden solle die Grafschaft verlassen. Der Schutz der Grafschaft Hartsteen sei von jeher Aufgabe der Ritterschaft in Hartsteen gewesen, und es stünde „einem Haufen dahergelaufener Ordenskrieger“, wie sich die Verfasser des Pamphletes ausdrückten, nicht zu, sich anzumaßen, diese traditionelle Aufgabe eigenmächtig an sich zu reißen.

Das Haus Schwingenfels zählt mit zu den ältesten Rittergeschlechtern Hartsteens, wenn nicht sogar des gesamten Reiches. Man rühmt sich in der Familie damit, unter dem legendären Grafen Sighart I. von Hartsteen im Jahre 793 vor Hal in den Ritterstand gehoben worden zu sein, womit dem Haus eine längere Tradition zukommt als manch einem Grafenhaus. Dadurch, dass der derzeitige Marschall der gräflichen Truppen, Seginhardt von Schwingenfels, von eben diesem Hause gestellt wird, kommt dem Wort der Familie ein nicht zu unterschätzendes Gewicht in der Grafschaft zu.

Aus diesem Grund schlagen die Wellen der Empörung auch besonders hoch. Weil das Pamphlet nicht im Namen eines Einzelnen, sondern der gesamten Familie Schwingenfels verfasst ist, mehren sich die Stimmen in der Grafschaft, dass Gräfin Thuronia von Quintian-Quandt ihren Marschall aus dem Amt entlässt, sofern dieser nicht selber dieses verließe, oder sich gebührend beim Orden des Heiligen Zorns entschuldige. Besonders laut tönt dieser Ruf aus einem anderen Rittergeschlecht, dem Hause Windischgrütz. Dieses uralte Haus besteht schon seit Gründung des Reiches und stellte von jeher den Marschall der Grafschaft. Als die Grafenkrone an Geismar I. von Quintian-Quandt im Jahre 87 vor Hal fiel, entließ dieser das, der Familie Hartsteen traditionell stark verbundene, Haus Windischgrütz aus dem wichtigen Amt der Grafschaft und setzte stattdessen einen Schwingenfelser an seine Seite. Dies vergilt die Familie seitdem mit größter Loyalität.

Wütende Reaktionen löste das Pamphlet auch von Seiten des angegriffenen Ordens aus. „Man sei kein Garetischer Straßenköter, der sich von irgendeinem Herren treten ließe“ äußerte sich, sichtlich erzürnt, der Garetische Ordenswächter*) Gerion Sturmfels. Man sei nicht in Puleth zum Schutze der profanen Hartsteener Güter, sondern um ein Heiligtum der Zwölfe vor dem unheiligen Schrecken der besetzten Lande zu schützen, so der Wächter weiter. „Es steht einem Ritter besser zu Gesicht, sich an die Seite eines Gläubigen der Rondra zu stellen und mit ihm als Kameraden gegen die Dämonen aus dem Osten zu kämpfen“. Auf keinen Fall sei man bereit, von der ehrenhaften Aufgabe des Tempelschutzes abzuweichen.

Demonstrativ auf die Seite des Ordens stellte sich auch das Haus Windischgrütz. Deren Familienoberhaupt Bodebert von Windischgrütz lud den Garetischen Odenswächter auf den Stammsitz Ebenhain in Kaiserlich Bugenhog ein und sicherte dem Orden Hilfen in nicht geringem Maße zu. „Die Zornesritter sind in Hartsteen stets willkommen. Wir wissen ihre Anwesenheit zu schätzen und danken ihnen dafür. Ich kenne keinen Bürger in Puleth, der nicht beruhigter schläft, seitdem der Orden über den Tempelbau wacht“. Stattdessen, so fügte er seinen Worten hinzu, sei es eine Schmach für die gesamte Grafschaft, dass eines der höchsten Ämter von einem Hause gesetzt sei, welches eher durch dumpfe und schändliche Reden als durch Taten auffiele.

Erwartungsgemäß äußerte sich Gräfin Thuronia von Quintian-Quandt nicht zu den Vorwürfen. Aus ihrem nächsten Umkreis jedoch wurde formuliert, dass man dies als ein Zeichen von zunehmender Schwäche deute. So habe die Gräfin nach der Fertigstellung des Tempels der jungen Göttin vor wenigen Monden begonnen Wesenszüge zu zeigen, welche auf eine voranschreitende Altersdemenz hinweisen. So habe die Gräfin auch teilnahmslos zugeschaut, wie eine kleine Streitmacht durch ihr Lande nach Reichsgau gezogen ist, anstatt durch beherztes Eingreifen einen drohenden Bruch des Reichsfriedens in ihrer Grafschaft zu vermeiden, wie es umsichtigerweise der edle Ritter Luidor von Hartsteen getan hat.

  • )Ordenswächter sind im Orden des Heiligen Zorns der Göttin Rondra die Marschalle der jeweiligen Regionen, genannt Ordenswachten
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Texte der Hauptreihe:
K2. Skandal in Puleth – Rücktrittsforderungen gegen den Marschall von Hartsteen
Pra 1027 BF
Skandal in Puleth – Rücktrittsforderungen gegen den Marschall von Hartsteen
Gerechtigkeit in Praios’ Namen?

Kapitel 5

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Autor: Hartsteen