Scharmützel mit Blutigem Habicht

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Die Bande des »Blutigen Habicht« geriet in den Hinterhalt der Baronin von Hasenfeld. Erstmals seit seinem geheimnisvollen Auftauchen vor etwa zehn Götterläufen ist der gnadenlose Räuber selbst der Gejagte.

GREIFENFURT Zu Beginn des neuen Jahres wird es in Hasenfeld ein Spectaculum geben wie schon lange nicht mehr: Baronin Yadvige von Hasenfeld hat angeordnet, daß zu Feier des 1. Praios, dem Tage der göttergefälligen Ordnung im Sinne des Götterfürsten, die Scheiterhaufen brennen mögen. An diesem Tage sollen auf ihren Ratschluß und ihr Urteil hin zwei niederträchtige Schlagetots aus der Bande des »Blutigen Habichts« hingerichtet werden, nämlich die »schöne Yilmaz« und der »bucklige Jorben«. Die beiden schmoren zur Zeit in den Gewölben von Burg Haagenstein unter den wachsamen Augen der Büttel der Baronin, wo sie ganz und gar unschädlich sind. Weder kann die schön Yilmaz arglose Bürger und Bauern mit ihrem Liebreiz hinters Licht führen, noch kann der bucklige Jorben das Mitleid der Männer und Frauen auf den Straßen zu seinem habgierigen Vorteil ausnutzen.

Doch wie kam es dazu, daß Hasenfeld, jene beschauliche Baronie in Sichtweite Wehrheims, nun zu eben dieser Berühmtheit gelangt, den Spieß gegen die Bande des Blutigen Habichts gekehrt, den Jäger zum Gejagten gemacht zu haben? Die ruchlose Bande, der man wohl nicht zu Unrecht die Verehrung des Namenlosen unterstellt – Praios behüte uns! –, ist noch niemals so weit südlich gesehen worden, erst recht nicht so nahe der Garnisonen von Puleth respective gar Wehrheim. Der Garether & Märker Herold kann klären:

Es begann, als Anfang Phex Baron Argaen Düsterfluss von Orkenwall, das nördlich von Eslamsroden liegt, über einen ausgeraubten Händlerzug stolperte. Die braven Kaufleute hatten der Gewalt der Räuber nichts entgegenzusetzen und waren alsbald überwältigt worden. Vielleicht wären sie alle mit dem Leben davongekommen, hätten sie nicht Leinentuche, Wolle und allerlei Trödel für Greifenfurt dabeigehabt – Dinge also, die die Habgier der Wegelager um den Blutigen Habicht nicht befriedigen, wohl aber ihre enttäuschte Wut entfachten. Wie berauscht metzelten sie die Gefangenen nieder, stachen die Ochsen ab und setzten Waren und Wagen in Brand. Sie übersahen allerdings jenen Knaben im Busch, der später dem altgedienten Baron Argaen den Hergang der Bluttat erzählen konnte. Und nicht nur das: Die unvorsichtigen Strauchdiebe berieten sich nach vollbrachtem Mord über ihren weiteren Weg, ohne den kleinen Lauscher zu bemerken. Baron Argaen, nun in Kenntnis gesetzt, schickte eiligst zwei Boten rahjawärts, um seine alte Freundin Baronin Yadvige zu warnen: Die Bande des Blutigen Habicht habe vor, sich Ende Ingerimm, wenn sie Eslamsroden heimlich umgangen habe, mit Waffenschiebern aus Garetien an Linnerts Turm zu treffen, einem verfallenen Gemäuer am nördlichen Ufer des Grenzflusses Olku.

Baronin Yadwige verwendete die kommenden Wochen darauf, sich auf das Scharmützel mit den Wegelagerern vorzubereiten. Mit ihrer Erfahrung als Kämpin sondierte sie das Gelände rund um Linnerts Turm, schaffte Gerät und Kriegsleut heran, versicherte sich der Unterstützung der Wehrheimer Truppen, die pünktlich zum Tag der Waffenschmiede ihr Lager nahe der Burg Haagenstein aufschlugen, und meisterte gleichzeitig das Kunststück, die eiligen Aktivitäten nicht auffallen zu lassen. Jäger und Spurenleser hatten die Weisung, auf das Nahen der Rotte achtzugeben und es unverzüglich zu melden. Sobald eine beschlagene Jägerin den Blutigen Habicht angekündigt hatte, begann das ausgeklügelte Manöver, um die zwei Dutzend Schächer, Deserteure, Orks (!) und nicht zuletzt ihren berüchtigten Anführer einzukreisen. Im weiten Halbkreis und mit gehörigem Abstand folgten die Leute der Baronin den Blutbrüdern durch den Forst. Auch auf dem jenseitigen Olkuufer machten sich alsbald die Häscher bereit, um auch die Waffenschieber zu fassen. Am 3. Tage der Rahja dann trafen der Blutige Habicht und seine Kumpane aus Garetien im Schatten von Linnerts Turm zusammen. Doch der Waffenhandel zwischen beiden Banden kam nie zustande, doch anders als gedacht. Mitten unter die Räuber trat aus dem Waldesdunkel auf die Lichtung plötzlich Seine Gnaden Roderich von Goyern, der Praiospriester Hasenfelds! Während sich Baronin Yadvige und ihre Leute ganz auf ihren Plan konzentriert hatten, während die Wehrheimer vorschriftsmäßig das Geschehen einleiteten, während die garetischen Häscher den Waffenschiebern an den Fersen hefteten, hatte Seine Gnaden Roderich seinen eigenen Plan verfolgt und setzte ihn nun in die Tat um:

Mit ausgebreiteten Armen trat er unter die Mordbuben und begann lauthals zu predigen und die Gesetzlosen auf den rechten Pfad der praiosgefälligen Ordnung zurückzuführen, ihnen Reue einzuhauchen, sie zur Ehrfurcht vor Obrigkeit und Gesetz zu bekehren! Ein wahres Wunder ... wäre nötig gewessen. Aber es blieb aus. Der Blutige Habicht erkannte blitzgeschwind die Gunst des Augenblicks, packte sich den Praiosgeweihten und befahl seinen Leuten, sich mit Waffen der Häscher zu erwehren. Denn nach kurzem Schreck waren nun die Leute der Baronin und die Wehrheimer aus allen Richtungen auf die Lichtung gestürmt. Ein grausiges Scharmützel begann nun, in dem nicht wenige wackere Büttel und Söldlinge ihr Leben ließen. Vor allem die Orks der Bande – jedem aufrechtem Greifenfurter seit dem Orksturm verhaßt – wüteten mit blutigem Grimm. Der Blutige Habicht jedoch, der alle Listen und Tücken kennt, benutzte seine Gnaden Roderich als Schild und durchbrach so die Reihen der Häscher – und mit ihm fast alle seines Haufens! Nur die schöne Yilmaz und den buckligen Jorgen konnte man fassen, da sie sich in den Turm zurückgezogen hatten. Und auch die garetischen Waffenschieber ergriff man. Tot auf der Lichtung blieben sechs Strauchdiebe und elf Söldlinge der Hasenfelderin, die selbst verletzt worden ist.

Seine Gnaden Roderich ist – wie auch seine Entführer – seit jenem Tag verschwunden. Obschon Baronin Yadvige fast alle ihre Büttel hinterdrein schickte, verloren sich die Spuren der Flüchtenden alsbald im Dickicht des Waldes. Nur soviel weiß man: Der Blutige Habicht bewegt sich offenbar entlang des Quasten in Richtung des Dörfleins Felding in der Baronie Quastenbroich.Baron Felian Prutz! Wappnet Euch!

Wegen zurückliegender Verbrechen, wegen der Abkehr von den zwölf Göttern und ihren Geboten, wegen der Ermordung so vieler tapferen Märkerinnen und Märker und nicht zuletzt wegen der Entführung des Praiosgeweihten Roderich von Goyern wurden Yilmaz und Jorben zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Kommt nach Hasenfeld, Ihr frohen Greifenfurter, die ihr am 1. Tage des neuen Jahres mitansehen wollt, wie die Bande des Blutigen Habichts stückweise verbrannt wird! Eilet herbei und helft, auch den Rest noch zu jagen!

Sibelian Precker

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Texte der Hauptreihe:
K43. Scharmützel mit Blutigem Habicht
Autor: BB