Melcher Dragendot erreicht Punin

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Punin. Endlich erreichte uns wieder eine Nachricht unseres Schreiberlings Efferdan Silkwieser. Er hatte im TSA – wie der Herold berichtet hatte - Gareth überstürzt verlassen, um Seiner Wohlgeboren dem Reichsedle Melcher Dragendot auf dessen unbekanntem Zug zu folgen. Nachdem wir von ihm so lange nichts mehr hörten, hatten wir das Schlimmste angenommen – Noch kurz vor dem Abschluss dieser hehren vierten Ausgabe kam ein Bote in unsere Redaktionsstuben gerannt und überbrachte die folgende Nachricht, die der Schreiber mit einem Siegel versehen hatte. Doch lest selbst, was Efferdan uns schrieb:

»Einen Edlen des Reiches zu folgen, ist bei weitem nicht so einfach, wie ich es mir gedacht hatte. Meistens verbrachte Seine Wohlgeboren die Nächte auf den Gütern oder Burgen der Landesherren, wohingegen ich als armer Schreiberling Nacht für Nacht einen aussichtslosen Kampf gegen allerlei Ungeziefer auszufechten hatte – die Betten in der Fremde sind halt doch nicht so schön und so sauber wie im heimischen Gareth! Auch war es weit schwieriger, Seiner Wohlgeboren Tempo zu folgen, schließlich tauschte er häufig seine Pferde und ritt bereits zu so einer frühen Zeit los, wo ich üblicherweise erst zum Schlafen gehe. Doch Seine Wohlgeboren ist beileibe keine unauffällige Person, und so wusste das zahlreiche wandernde Volk und die Händler von ihm zu berichten, so dass seine Spur nicht allzu schwer zu verfolgen war. Die Spur des Edlen führte zunächst immer weiter nach Westen, so dass sich das Gerücht, er werde zum Hetmann nach Thorwal reiten. doch zu bestätigen schien, Überhaupt waren die Straßen voll der Gerüchte, sie sprachen natürlich von den Greueltaten im Tobrischen und neuerlich auch von einem Feldzug im Bornischen. Doch je weiter ich nach Westen kam, desto unbesorgter betrachtete man die Ereignisse im Osten, und als ich erst den Greifenpass im Kosch’schen durchquert hatte, den majestätischen, redete man kaum noch über die Invasion der Schwarzen Horden, so als ob die Berge den finsteren Daimonenherren ganz von allein bannen würden. Hier sprach des Volkes Mund wie eh und je von Orkenzug und Thorwaler Piraterie, vor allem letzteres kam immer wieder an meine Ohren. Es heiße, ein mächtiger Jarl, ein Führer unter den Thorwalern, aus den Gjalsker Öden, würde den Hetmann Tronde in Bedrängnis bringen. Doch ich will an dieser Stelle nicht solchen Klatsch verbreiten und mich lieber wieder auf den Recken besinnen, der auch Prüfstein des Schwertkönigs genannt wird.

Als ich dieses Gratenfels und das mächtige Winhall durchquert hatte - wo der Reichsedle wohl auf der Burg des Schwertkönigs Einzug hielt, doch dieser war nach wie vor auf einer nun schon erstaunlich lang andauernden Queste unterwegs - nahm ich an, der Reichsedle wolle zwei gute Freunde von ihm, die Zwillingsbarone zu Fairnhain, Padraig und Padraigin, besuchen, doch auch hier konnte ihm der Wunsch nur zur Hälfte erfüllt werden, denn Ihre Wohlgeboren hielt sich in Havena auf, von wo Kunde über eine seltsame Mordserie und über Vampirismus wie im Weidenschen vor einigen Götterläufen an uns getragen wurde – doch auch Fairnhain war nicht sein Ziel. Nein. als Melcher Dragendot beim Reichsedlen Leomar von Schüttrand – benannt nach dem Heiligen, dem Träger Siebenstreichs, des unbezwingbaren – ruhte, führte der Zug des Edlen nun nicht mehr weiter nach Westen, nein, plötzlich ritt er nach Süden! Und an seiner Seite war Seine Wohlgeboren Leomar! Durch Honingen und Abilacht führte uns die weitere Strecke, und glaubt mir, dass mir mein Gesäß schon mächtig weh tat – immerhin hatte ich das halbe Heilige und Neue Reich durchritten! Doch genauso, wie ich stolz auf meine Leistung war, wünschte ich mich auch wieder zurück in den gemütlichen Sessel in der Heiligen Hauptstadt Gareth. Nun ja, manch einer ist für das Reiten geboren, ich gehöre leider nicht zu jenen. Bald erreichten wir ein gar allzu zierlich anzuschauendes Schloss, und ein jeder musste die elfische Hand des Erbauers erkennen. Wie mir einer der Bauern erklärte, war dies das Gut des geheimnisvollen Reichsedlen Elarion Abendglanz, eines wahrhaften Wesens aus dem Alten Volke und ein Bogenschütze von solcher Treffsicherheit, wie es wohl kein Mensch unter Praios’ schützender Scheibe jemals sein könnte. Bereits am nächsten Morgen brach die kleine Gesellschaft wieder auf, docjh wie ich mit Hilfe eines Fernrohrs erkennen konnte, war Seine Wohlgeboren Elarion selbst nicht unter den Reisenden. Eine Nachfrage auf dem Gut des Edlen ergab, dass dieser bereits vor längerer Zeit das heimatliche Gut verlassen hatte, um nach Tobrien, das gebeutelte zu ziehen. Der Neffe Elarions (die Bediensteten des Edlen benutzten tatsächlich seinen Vornamen, ohne jeglichen Respekt für seinen Stand anzudeuten!) und ein guter Freund haben die beiden Reichsedlen begleitet. Bald hatten wir Elenvina erreicht und auch wieder verlassen. Zu meiner Schande musste ich eingestehen, dass ich am übernächsten Praioslauf in eine Falle der Edlen getreten bin – der junge Neffe Elarions hatte mich mit seinen scharfen Sinnen bemerkt und daraufhin hatten sich die Edlen entschlossen, mir Armem aufzulauern - was ihnen, wie schon erwähnt auch glänzend gelang. Nachdem ich dann einige peinliche Fragen zu beantworten hatte und sich die Edlen von meiner Ungefährlichkeit überzeugt hatten, erklärte Melcher Dragendot, er könne die Presse und ihre Schreiberlinge nicht leiden, angefangen beim Aventurischen Boten, bei dem dieser unverschämte Waldwart Bernstein seine Feder schwinge – im Übrigen ein von mir sehr verehrter Kollege – und der sich damit brüste, Grafen zu belauschen und der geheime Briefe abdrucke, bis hin zum ›Wahren Boten‹ aus dem Engasal’schem und Garetien-Bild, welche vor kurzen die Stirn besaß, einen Werbezettel der unheiligen Horden abzudrucken! Seine Wohlgeboren Leomar war mir bereits wesentlich gesonnener, und ohne seine und des Elfen Zusprache, wüsste ich nicht, was mit mir geschehen wäre. Sie erlaubten mir sogar, sie bis nach Punin zu begleiten, und auf dem Weg dorthin waren sie sogar beim Reichsedlen Angrond von Freiwald vorbeigekommen, der sich dem illustren Grüppchen anschloss. Das große und weise Punin, Stadt der Götter Tsa und Boron und mit der wohl bekanntesten Garethischen Akademie der Magier, verließ der Zug auch bald wieder, den Yaquirstieg nordostwärts folgend. Ich nehme an, dass sich das Grüppchen auf den Wep nach Gareth gemacht hat, doch bin ich nicht mehr fähig, sie weiterhin zu verfolgen. Vielmehr hatte ich mir einen halbwegs gemütlichen Kutschenplatz ergattern können, der nächsten Windstag nach Gareth fahren wird. Währendessen hatte ich mich in den Königlichen Archiven von Punin ein wenig schlau gemacht, und konnte so eine Vermutung bestätigen: Melcher Dragendot hatte tatsächlich versucht, die vier Edlen des Reiches zu vereinen wie die vier Blüten der Windrose. Was, so möchte ich die geneigte Leserschaft fragen, haben die Edelsten des Reiches, nach dem Behüter und den Herzögen selbst, vor? Und aus welchem Grund benehmen sie sich so phexens- und borongefällig geheim und verschwiegen! Sobald ich wieder in Gareth bin, und meine Sitzbacken nicht mehr so arg wund vom Reiten sind, werde ich versuchen, weitere Informationen zusammenzutragen. Bis dahin – mit Euch die Götter, und PRAios’ Segen weiterhin über das Heilige Reich!

P.S.: Inzwischen hatte – so lauten die Gerüchte von der Straße – die Reisegesellschaft Gareth erreicht, doch sei sie zugleich so unerkannt wie möglich zum Kaiserpalast geritten. Weiteres ist uns nicht bekannt.

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28. Per 1020 BF zur abendlichen Tsastunde
Melcher Dragendot erreicht Punin
Quellentanz' Heimkehr

Kapitel 28

Leserbrief zum Verfall des Reiches
Autor: D. Vrandecic