Kressenburg in Finanziellen Nöten

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Kressenburg in Finanziellen Nöten

Wie viel Zeit braucht es, um ein Lehen zu Grunde zu richten? Diese Frage muss man sich stellen, glaubt man Gerüchten aus der Greifenfurter Mark. Drei Götterläufe ist es nun her, dass der junge Ritter Ardo von Keilholtz vom Reichsverräter Tilldan von Nebelstein zum Baron der Kressenburger Lande erhoben wurde. Mochte es Teil des perfiden Plans des ehemaligen Meisters der Mark gewesen sein, einem unerfahrenen Heißsporn solch eine enorme Verantwortung zu übertragen, so ist es doch erstaunlich wie schnell und effektiv der junge Baron den Karren in den Dreck zu fahren scheint.

Ein halbes Jahrzwölft zuvor wurde die Baronie Kressenburg vom erfahrenen Landvogt Phexian von Kieselholm verwaltet, der mit Umsicht dafür sorgte, dass der markgräfliche Säckel immer seinen gebührenden Anteil aus den Kressenburger Landen erhielt. Es bestand darob keine Not, das Lehen vorschnell in andere Hände zu geben und den verdienten Verwalter auszubooten. Als Berater des jungen Keilholtzers scheint der Landvogt kaum mehr Gehör zu finden, denn dem Baron sitzen die Dukaten so locker als wären es Heller und Kreuzer.

Überall in der kleinen, waldreichen Baronie wird man dieser Tage Zeuge von Bauarbeiten. So werden aufwendig Wege erweitert und ausgebessert, vor allem ins benachbarte Eslamsroden. In dem kleinen Weiler Kressenforst werden Stallungen für mindestens ein-hundert Pferde errichtet und glaubwürdige Quellen berichten, dass der Baron Zuchtstuten aus dem markgräflichen Marstall aufgekauft hätte. An der Grenze zur benachbarten Grafschaft Waldstein soll indes eine große Mauer errichtet werden, vorgeblich um Schmuggler fernzuhalten. Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass sich Baron Ardo mit seiner forschen Selbstjustiz einem Waldsteiner Ritter gegenüber bei seinen praioswärtigen Nachbarn keine Freunde gemacht hat. Auf Nachfrage bei Vogt Phexian erhält man zwar die Antwort, dass "niemand die Absicht hat eine Mauer zu errichten", aber ein Zollturm, der den Handelsweg aus Waldstein überwacht, ist bereits im Bau. Auch wurde ein Weiler mit rund vier Dutzend Fronbauern an die Grenze umgesiedelt um für die Bauarbeiten zur Verfügung zu stehen. Zudem gilt der junge Baron bei seinen Untertanen als reiselustig und es vergeht kaum ein Mond, in dem er nicht auf einem Turnier oder Adelsbankett im Garetischen oder Weidenschen weilt, wo er zudem mit wertvollen Gastgeschenken um die Gunst von Seinesgleichen werben soll.

Doch dies alles sind Kleinigkeiten, wenn man von den neuesten Ideen des Barons erfährt. So soll er in der Stunde seiner Belehnung ein großes Werk zu Ehren des Götterfürsten gelobt haben, welches nun im Neubau eines Tempels münden soll. Was er damit bezweckt, wo doch seit der Zerstörung der Stadt des Lichts noch immer keine Tempelweihen in Praios’ Namen mehr durchgeführt werden können, bleibt vorerst sein Geheimnis. Der Kressenburger Lichthüter Badilak von Praiostann äußerte sich jedoch lobend über dieses göttergefällige Vorhaben und rechnet mit baldigem Baubeginn.

Bedenkt man die übrigen Vorhaben des Keilholtzers, so fragt man sich, wie er dies alles aus den Mitteln seiner zwar nicht armen, so doch aber kleinen Baronie bestreiten will. Auf Nachfrage im Kontor des Greifenfurter Stadtratsmitglieds und Geldverleihers Perval Svellter, bekamen wir "zu aktuellen Transaktionen keine Auskunft", wohl aber konnte man bestätigen, dass "Kressenburg in der Vergangenheit bereits öfter Geschäftspartner" gewesen sein soll.

Trotz der zumindest zu vermutenden hohen Verschuldung seines Lehens, gab Baron Ardo dieser Tage nun auch noch ein rauschendes Fest anlässlich seiner Vermählung. Nicht nur wurde ein prächtiges Turnier mit über achtzig Teilnehmern abgehalten, auch an Speis und Trank mangelte den hunderten Gästen und Einwohnern des Marktes Kressenburg an diesem Tage an nichts. Dafür soll die Speisekammer der herrschaftlichen Burg nun einem ausgetrockneten Brunnen gleichen, wohl auch ein Grund dafür, warum der Baron bereits wenige Tage nach der Hochzeit mit Frau und großem Gefolge gen Puleth aufbrach um dort für Wochen auf einem großen Fest der Alriksritter zu verweilen.

Was indes die Markgräfin vom finanziellen Gebaren ihres Lehnsmannes hält, ist fraglich. Sicherlich zählt der junge Baron als Garafanist zu ihren treusten Anhängern und eilte nach ihrer Rückkehr aus dem selbstgewählten Exil im Kloster Rabenhorst als einer der ersten Gefolgsleute an ihre Seite. Trotzdem kann der Greifin nicht gefallen, dass in Kressenburg auch jene Dukaten verschwendet werden, die zum Wiederaufbau der Greifenfurter Truppen und dem Erhalt der Wacht im Finsterkamm dringend benötigt würden. Auf dem Hochzeitsfest sah man die Markgräfin bereits lange in ein ernstes Gespräch mit Landvogt Phexian vertieft und auch mit Baron Ardo selbst soll es zu später Stunde noch ein vertrauliches Gespräch gegeben haben. Ob Irmenella von Greifenfurt gedenkt die Zügel straffer zu ziehen und ob der Kressenburger seine Baronie vor dem unbestreitbar bevorstehenden Bankrott zu bewahren vermag, werden wir hoffentlich schon in Kürze berichten können.

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Texte der Hauptreihe:
K41. Kressenburg in Finanziellen Nöten
1. Per 1035 BF
Kressenburg in Finanziellen Nöten
Brunis bunter Bilderbogen

Kapitel 41

Kressenburg in Finanziellen Nöten
Autor: Robert O.