Klöster und Tempel in Greifenfurt

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Klöster und Tempel in Greifenfurt

Von allerlei Absonderlichkeiten

Von den zahlreich in der Mark vorhandenen Klöstern in der Mark stechen zwei wohl ganz besonders heraus, eines, da es schon länger nicht mehr existiert, als sich selbst die ältesten Dorfbewohner erinnern können, das andere, weil es so gar nicht in die Mark passt und doch eine der ältesten Märker Klosteranlagen ist:

Das Kloster der vier barmherzigen Schwestern zu Orkenwall

Nah an der Nordgrenze der Baronie Orkenwall, in der Nähe der Straße gen Dergelstein, und somit kurz vor den Vogteien Reichsweg und Eslamsroden, liegt der Tempel der „vier barmherzigen Schwestern zu Orkenwall“. Schon von weitem kann man den Tempel an seiner absonderlichen Form und dem weißen Rauchfaden erkennen, der sich beständig, winters wie sommers, aus dem hohen Kamin in der Mitte des wie ein Bienenkorb geformten Gebäudes empor schlängelt.

Nähert man sich, so fällt dem wachsamen Auge die Symmetrie der Anlage auf: An den Flanken des kreisrunden Hauses wurden vier Gärten angelegt, jeder ein eigenes Reich für sich und doch unzweifelhaft vom selben Gärtner erschaffen. Ganz im Süden ist ein kleiner Weingarten errichtet worden, der herrliche Trauben heranreifen lässt, weiße wie rote. Im Osten wachsen Kornähren und andere, für diese Region typische Feldfrüchte heran. Im Westen hat man mit dunklem Holz, an welchen Waldreben ihre üppigen Blütenkörbe in den Wind halten, einen gemütlichen, überdachten Sitzplatz geschaffen, der den Blick auf die freie Landschaft öffnet und zum Verweilen einlädt und im Norden letztlich liegt, durch große Bäume vor den kalten Winden geschützt, ein hüfthohes Labyrinth aus dem dunklen Felsgestein des am Horizont aufragenden Finsterkammes, auf dem, wie in einem seltsamen Steingarten, allerlei dickfleischige Gewächse wuchern, deren Farbe sich mit dem Stand der Sonne zu verändern scheint. Zwischen den in den Fels gekrallten Gewächsen vermag der achtsame Besucher die Smaragdechse zu sehen, die die hellen Stunden des Rahja gerne nutzt, um sich auf den schroffen Steinen zu sonnen. Doch kommt herein in das hohe Haus.

Betritt man den Tempel, so fällt auch hier die Symmetrie der Anlage deutlich ins Auge. Vier Türen führen vom Tempelinneren hinaus ins freie und durch jede Tür eröffnet sich der Blick in eine andere der Gartenanlagen. Inmitten des Tempels, den Raum und das tägliche Leben beherrschend, steht ein riesiger Kachelofen, der so wohl einmalig auf Dere ist.

Nach Süden hin, wo die Wände des Innenraumes mit Rebenmotiven und Szenen der Weinernte bemalt sind, hat man eine beheizte Sitzstatt eingerichtet, in der sich sicherlich gemütlich kuscheln lässt. Allerlei Pflanzen und kleine Tischchen mit winzigen Öllichtern und Schalen kandierter Früchte geben diesem Bereich einen Hauch des Tulamidischen. Eine breite Bettstatt schließlich nimmt den hinteren Teil des Raumes ein, durch einen dunkelroten Vorhang ein wenig abgetrennt.

Direkt daneben befinden sich, in östlicher Richtung, eine Vielzahl von kleineren Anrichten und Regalen, auf denen Kräuterbüschel trocknen, Kohl in Holzfässern reift und allerlei Pilze auf Strohballen wachsen. Der Kachelofen besitzt auf dieser Seite eine große Öffnung mit einem Eisenrost, auf dem man Obst darren oder Getreide mälzen kann. Mitunter verirren sich Schmetterlinge in diesen Bereich und so manches mal haben schon Singvögel unter den Holzbalken der Decke genistet, die mit Ernteszenen bemalt ist.

Direkt gegenüber befindet sich die behaglich eingerichtete Küche. Ein riesiger Tisch, mit feinem Linnen gedeckt, überblickt die Arbeitsflächen dieser Abteilung, die Regale mit irdenen Töpfen, auf denen mit einer sauberen Schrift der Inhalt festgehalten wurde. Über dem Feuerloch des Kachelofens hängen blinkende Kupferpfannen und Töpfe und oberhalb der Feueröffnung kann man in einem großen Fach, welches mit einer Kupfertür verschlossen ist, problemlos Brot oder Kuchen backen, was, wie der Autor verraten kann, häufig und in köstlicher Weise auch getan wird.

Die letzte Abteilung des Tempelraumes geht fast unmerklich in den Bereich der Herrin Peraine über. Auf niedrigen Tischen stehen kleine Töpfe, in denen Sämlinge austreiben und empfindliche Pflänzchen hochgepäppelt werden. Mörser und Tonbehälter zeugen davon, dass hier Salben und Kräutermischungen bereitet werden, und das Bett, das hier, in unmittelbarer Nähe des Kachelofens steht, ist nicht oft leer, bringen hierhin doch die Dörfler der Umgegend ihre Kranken und ihre Schwangeren. Dicht neben der Tür, die in den Steingarten hinaus führt, befindet sich ein wahres Sammelsurium von Käfigen und Kästen, in denen kranke Tiere gepflegt, Hühner und Kaninchen gehalten und seltene Gaben aufbewahrt werden, die Pilger aus aller Herren Länder dem Kloster vermacht haben.

Geführt wird das Kloster seit Jahrhunderten von zwei Geweihten, immer von einem Ehepaar, deren einer der Peraine, der andere aber der Travia geweiht ist. So lebt hier zur Zeit Mutter Traviata mit Peraindorn von Perainenfried. Beide versorgen das Kloster und, was in Greifenfurt nichts Ungewöhnliches ist, übernehmen auch die Sorge um die zwei weiteren Aspekte des Klosters.

Die hohen Festtage der Kirchen übernehmen beide Geweihte zusammen und so folgt in den hellen Sommermonaten ein Fest auf das andere, auch wenn alle diese wohl in den Augen der Bevölkerung vom Fest des Lebens überschattet werden, jenem Fest, welches wohl die Gründer des Klosters aus dem fernen Nebachot mitbrachten.

Zur Zeit der Obstblüte wird hier der Vergänglichkeit des Lebens gedacht wie des Versprechens, das die Göttin in den Samen legt. Selbst eine verdorrende oder schimmelnde Frucht kann noch guten Samen geben und auch aus einem zu klein geratenen Samenkorn kann im nächsten Jahr ein starker Halm werden, der reichlich Frucht bringt.

So bringt man jedes Jahr Anfang Tsa in einer feierlichen Prozession die Ernte in den Boden, nachdem man einen ganzen Tag lang dem Leben nachgespürt hat, sei es im Genuss des Essens, sei es in der Freude über den Duft und die Üppigkeit der Blumen, sei es in der Umarmung der Geliebten.

So mit den Gaben der vier barmherzigen Schwestern reich bedacht, zelebriert man die Prozession wie einen Boronsgang, die Köpfe gebeugt, dem Verlust nachspürend, der dem Genuss des Lebens anhängt wie ein zartbitterer Geschmack. Und erst wenn der Samen der feuchten Erde übergeben wurde wie man die Gefallenen zur ewigen Ruhe bettet, besiegeln die Geweihten mit einem Kuss die Gewissheit der gütigen Tsa, dass aus allem Übel, aus allem Verlust, aus aller Trauer und allem Leid neues Leben, neue Freude, neues Glück entspringt, wenn nicht heute, dann morgen oder übermorgen.

Die Ruinen von Korbronn

Tief im märkischen Reichsforst schlummern unter dicken Moosballen die Ruinen des Klosters Korbronn und einer kleinen Siedlung, die einstmals am Fuße eines hoch aufragenden Felsens stand. Der Sage nach soll hier bei der Eroberung der sagenumwobenen Stadt Saljeth ein riesiges Heer von Orken den Herrn über dieses Gebiet zum Kampfe gestellt haben.

Der Mann, ein edler Ritter und gefürchteter Streiter, kämpfte im Angesicht des Todes mutig wie ein Löwe und musste doch mitansehen, wie seine Mannen ein um den anderen unter den immer weiter nachrückenden Meuten des Schwarzpelzes den Tod fanden. Er rief die Götter um Beistand an, doch seine Lage wurde immer aussichtsloser. Da wandte er sich in letzter Verzweiflung an Kor, den Blutsäufer, und versprach ihm einen dunklen Trank aus Orkenblut zu bereiten. Eine ungeheure Ruhe legte sich über den Mann und er begann, die heranstürmenden Orken mit einer Kraft niederzumähen, als sei der Gott selbst hernieder gefahren. Unerschütterlich schnitt sein Schwert durch die Angreifer, auch wenn deren Schwerter und Lanzen seinen Körper durchbohrten, bis sich sein helles Blut mit dem dunklen Lebenssaft der Angreifer vermischte.

Zuletzt standen nur noch der Krieger und der Anführer der Orken und zwischen beiden entbrannte ein Kampf, dass Metall auf Metall Funken warf, und der Fels unter der Wucht der Hiebe bebte. Zuletzt rammte der Orkhäuptling dem Menschen den Speer so tief in den Leib, dass dieser auf der anderen Seite wieder daraus hervortrat und in den hinter dem Manne aufragenden Fels hinein fuhr. Ein leises Röcheln entrang sich der Kehle des Kämpen, während er fühlte, wie sein Augenlicht trübe wurde und sein Leben ihn endgültig verließ. Doch in diesem letzten Anrennen hatte auch der Kämpe selbst sein Schwert in den Körper des Feindes gebohrt und noch während das Tier in einem fürchterlichen Schrei den Sieg hinausbrüllte, verließ die Seele den Ork und entfloh an jenen dunklen Ort, an den die von den Göttern Verfluchten gehen.

Aus der Wunde jedoch, die der Ork dem Berg geschlagen, rann Wasser von Farbe und Geschmack reinsten Blutes und der Spruch geht, dass, sollten die Orken noch einmal dieses Tal beschmutzen und ihren Fuß an diesen heiligen Ort setzen, wird die Erde selbst das Blut, welches sie dereinst trinken musste, wieder hergeben und die Quelle wird dunkles Orkenblut sprudeln.

Von dem Kloster, welches Jahre nach den Vorfällen an dieser Stelle gebaut wurde, zeugen nur noch einzelne Ziegel und der verwitternde Schrein, der neben der Felswand aufgebaut ist. Die kleine Siedlung, die sich in der Blütezeit des Klosters ebenfalls dort ansiedelte, ist mittlerweile verschwunden, die Holzpfosten verrottet und die Tonziegel vom Wind zu Pulver zermahlen. In den Geschichten des märkischen Reichsforstes aber lebt es fort.

Texte der Hauptreihe:
K39. Klöster und Tempel in Greifenfurt
Autor: Volker W.